mini|Johan Oscar Smith, Gründer der Gemeinschaft, die sich später BCC bzw. DCG nannte
Die Brunstad Christian Church (BCC, „Christliche Kirche von Brunstad“) ist eine evangelische Freikirche, die um 1900 in Vestfold (einer Provinz in Südnorwegen) entstand. Ihren heutigen Namen führt die Bewegung erst seit wenigen Jahren; in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung gab sie sich selbst keinerlei offizielle Eigenbezeichnung, so dass sich im Sprachgebrauch Fremdbezeichnungen wie Smiths Freunde (nach dem Gründer Johan Oscar Smith) oder – im deutschsprachigen Raum – Norweger-Gemeinde oder Norwegerbewegung einbürgerten, die noch heute gelegentlich benutzt werden.
Der ideell mit der BCC verbundene deutsche Zweig führt den Namen Die christliche Gemeinde (DCG).
Die Gemeinschaft hat ihren Ursprung in derselben charismatischen Tradition wie die Pfingstbewegung, unterscheidet sich jedoch von dieser in mehrfacher Hinsicht. Die Glaubensgemeinschaft ist die einzige weltweit vertretene mit Ursprung in Norwegen. Heute gehören ihr nach eigenen Angaben etwa 20.000 Personen in 65 Ländern an; in Deutschland hatte sie demnach im Jahr 2020 2650 Mitglieder, davon 850 Minderjährige.
Theologie Grundlagen Die BCC ist eine Glaubensgemeinschaft auf Grundlage des Neuen Testaments, die an die Bibel als das inspirierte Wort Gottes glaubt. Die Gemeinschaft betont, dass die Bibel die einzige Grundlage ihres Glaubens sei und sie neben der Bibel kein gleichwertiges Buch habe. Grundlegend ist der Glaube an Jesus als Sohn Gottes, den Heiligen Geist, die Vergebung der Sünden, die Taufe und das Abendmahl.
Gemäß ihrer Selbstdarstellung steht die Gemeinschaft zum apostolischen und nicäanischen Glaubensbekenntnis. In einem Buchbeitrag unterstrich der Leiter K. J. Smith darüber hinaus, dass er „in allen wesentlichen Punkten hinter dem Textmaterial Melanchthons“ stehe (gemeint ist die Confessio Augustana).
Die BCC praktiziert die Taufe von Erwachsenen mit vollständigem Untertauchen im Wasser. Daher erübrigt sich eine Konfirmation. Die meisten Ortsgemeinden halten Bibelkurse für Heranwachsende ab, die als Parallelen zum kirchlichen Konfirmandenunterricht betrachtet werden können.
Die Gemeinschaft glaubt, dass die Sündenvergebung nicht das endgültige Ziel, sondern der Anfang eines neuen Lebens für einen Christen bedeute. Die Überzeugung, dass Jesus versucht wurde, ohne jedoch zu sündigen, hat dabei eine zentrale Bedeutung (Kenosis). Dadurch dient Jesus als Vorbild und Helfer. Er weiß, wie es ist, als Mensch zu leben und einen Eigenwillen zu haben, der Gottes Willen entgegensteht. Der Heilige Geist lehrt den Gläubigen, Jesus als Jünger nachzufolgen. Im Licht von Gottes Wort erkennt dieser durch den Heiligen Geist mehr und mehr von der innewohnenden Sünde. Er erkennt, dass sein Eigenwille sich gegen Gottes Willen auflehnt. Führt der Gläubige nun trotzdem Gottes Willen aus, geschieht durch den Heiligen Geist eine Reinigung von der ihm anhaftenden Sünde. Auf diese Weise kommt es zu einem andauernden Prozess immer tieferer Erkenntnis („Licht“) und daraus resultierender Reinigung – in der Terminologie der Gemeinschaft ein „Wandel von Licht zu Licht“. Diese innere Verwandlung bezeichnet die Bibel als Heiligung, so die Auslegung.
In Kurzform zusammengefasst lassen sich die theologischen Eckpfeiler laut dem norwegischen Religionsexperten Alf Gjøsund wie folgt formulieren:
Die Bibel ist die Autorität und Grundlage allen Handelns.
Dadurch, dass Jesus „versucht wurde, doch ohne Sünde blieb“, kann er den Gläubigen in der Versuchung zu Hilfe kommen und sie stärken, um durch seine Kraft die Versuchung überwinden zu können.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, der Glaube an den Dreieinigen Gott und die Lutherische Rechtfertigungslehre (Errettung allein durch Glauben) sind grundlegend.
Die Verkündigung des Wortes Gottes, die Taufe und das Heilige Abendmahl sind dazu da, um Gottes Gnade zu vermitteln; sie sollen zur Bekehrung und einem neuen Leben führen; dies bedeutet Erlösung und Heil, vorausgesetzt, man nimmt diese Gaben im Glauben an.
Positionierung innerhalb der theologischen Landschaft Der norwegische Theologe Steinar Moe verortete in einem Aufsatz 1996 die Theologie der Gemeinschaft in der Nähe bestimmter lutherischer Ausprägungen, wie sie sich etwa bei Erik Pontoppidan d. Ä. oder auch bei Pietisten wie Philipp Jacob Spener und August Hermann Francke finden. Vermittelt über die Hauge-Bewegung in Norwegen, die für Smith eine große Rolle spielte, beeinflusste – so Moe – pietistisches Gedankengut das Lehrgebäude der Smith’schen Gemeinschaft wesentlich.
Der oben erwähnte Alf Gjøsund wies darauf hin, dass das Evangeliumsverständnis der Gemeinschaft Parallelen zur Theologie Erling Utnems, des Mitbegründers der Lausanner Bewegung, sowie Dietrich Bonhoeffers aufweist. Tatsächlich wird der von dem Letzteren geprägte Begriff von der irrtümlich bzw. missbräuchlich beanspruchten billigen Gnade („Schleuderware ohne Preis und Kosten“; „Rechtfertigung nicht des Sünders, sondern der Sünde“) in der Verkündigung der Bewegung immer wieder aufgegriffen.
Der deutsche Theologe und Kirchenhistoriker Frank Lüdke befasste sich in den 2020er Jahren eingehend mit Theologie und Ausprägung der Gemeinschaft. Auch er attestiert der BCC eine auffällige Nähe zur Theologie Dietrich Bonhoeffers, insbesondere hinsichtlich der Christologie und Soteriologie.
Geschichte Entstehung mini|Theodor Ellefsen, einer der ersten „Smiths Freunde“ um 1900
Johan Oscar Smith (1871–1943) gilt als der Gründer der heutigen Freikirche. Er wurde in Fredrikstad (Norwegen) geboren und wuchs in einer methodistisch geprägten Familie auf. Als Fünfzehnjähriger begann er zur See zu fahren und schlug mit 17 Jahren die Laufbahn eines Maats in der norwegischen Marine ein, wo er etwa 40 Jahre lang diente.
1898, im Alter von 26 Jahren, bekehrte sich Johan Oscar Smith aufgrund eines persönlichen Bibelstudiums ohne unmittelbare Beteiligung eines anderen Menschen und erlebte zwei Jahre später eine Geistestaufe. Die Inhalte der Bibel und verschiedener Schriften, die sich mit praktisch gelebter Nachfolge Jesu befassten (darunter die Werke von Thomas von Kempen), faszinierten ihn in der Folgezeit so sehr, dass er beschloss, sein ganzes Leben daran auszurichten. Obwohl er nach seinem Selbstverständnis fest auf dem Boden der Reformation stand, stellten Konfessionsgrenzen für ihn kein Tabu dar; so fand er auch im Umfeld der katholischen Kirche Anregungen für sein Glaubensleben, etwa bei Jeanne-Marie Guyon. Wesentliche theologische Impulse erhielt er auch von Vertretern der Heiligungs-, Erweckungs- und Pfingstbewegung, nicht zuletzt durch Jessie Penn-Lewis, deren Werk Soul and Spirit er ins Norwegische übersetzte und in bearbeiteter Form in seine Zeitschrift Skjulte Skatter übernahm. In Norwegen war es u. a. der Laienprediger Hans Nielsen Hauge, mit dem Smith eine Geistesverwandtschaft empfand.
Ohne konkrete Absicht, eine neue christliche Bewegung zu gründen, sammelte Smith Interessierte um sich, denen er seine Glaubenserfahrungen nahebrachte. Die Gemeinschaft war zu diesem Zeitpunkt ein Freundeskreis bibelgläubiger Christen, die sich informell trafen und sich über ihren Glauben austauschten. Zugleich waren sie vielfach Mitglieder in anderen Gemeinschaften, z. B. der Methodistenkirche oder der Pfingstbewegung. Zu den ersten „Freunden“ zählten Theodor Ellefsen und Smiths Bruder Aksel, ein Zahnarzt.
Den nachgelassenen Briefen Smiths (s. u. Literatur) ist zu entnehmen, dass Smith aufgrund seiner Überzeugungen eine zunehmende Ausgrenzung aus den etablierten Kreisen erlebte, so dass aus den Zusammenkünften in seinem Freundeskreis allmählich eine eigenständige Bewegung erwuchs, die sich aber ganz bewusst nicht als Kirche verstand und sich selbst auch keinen Namen geben wollte. Im Volksmund galten die betreffenden Menschen einfach als „Smiths Freunde“, ein Begriff, der sich bis in jüngerer Zeit in Norwegen gehalten hat.
Frühe Entwicklung in Norwegen mini|Elias Aslaksen
Unter denen, die sich für Smiths Bibelauslegungen interessierten, waren auch mehrere Kameraden aus der Marine, darunter 1908 ein junger Seekadett namens Elias Aslaksen, dessen Examensleistungen an der norwegischen Marineakademie bis ins 21. Jahrhundert unerreicht geblieben sind. Er war indes so beeindruckt von dem, was er von Smith hörte, dass er beschloss, seine schon vorgezeichnete glänzende Militärkarriere abzubrechen und sich ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Seinen zunächst gehegten Plan, Chinamissionar zu werden, verwarf er jedoch wieder und verdiente seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, u. a. als Deutschlehrer, während er seine Hauptaufgabe als eine Art Missionar im eigenen Land sah. Aslaksen wurde einer der engsten Mitarbeiter Johan O. Smiths und übernahm später, nach dessen Tod 1943, die Leitung der Bewegung.
Als wichtige Klammer für die Bewegung erwies sich die Gründung der christlichen Erbauungszeitschrift Skjulte Skatter („Verborgene Schätze“ nach dem norwegischen Wortlaut von Spr. 2,4; vgl. Elberfelder Bibel von 1871) durch die Brüder Johan Oscar und Aksel Smith im Jahr 1912. Diese Monatsschrift überstand die Zeitläufte ohne Unterbrechung und mit nahezu unverändertem Layout bis heute und wird inzwischen in 28 Sprachen herausgegeben.
Der Erste Weltkrieg war der Hauptanlass, wodurch sich die kleine lokale Bewegung auf mehrere weit verstreute Orte in Norwegen ausbreitete. Die norwegische Marine unternahm nämlich in großem Stil Patrouillenfahrten entlang der Landesküste, um die Neutralität des Landes zu sichern. Johan O. Smith – an Bord Kommandant eines Geschützturms – verkündete nun in den zahlreichen Hafenstädten, die in diesem Rahmen angelaufen wurden, sein Verständnis des Wortes Gottes, und im Laufe der Zeit bildeten Gleichgesinnte eine Reihe kleiner Gemeinden. Der als Reservist reaktivierte Elias Aslaksen war hier im gleichen Sinne beteiligt.
Johan Oscar Smith blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1943 Leiter der Gemeinschaft. Anschließend wurde sie bis 1976 von Elias Aslaksen geleitet.
Internationale Ausbreitung Die ersten Gemeinden außerhalb Norwegens entstanden Anfang der 1930er Jahre in Dänemark und Schweden. 1950 zählte die damals immer noch (offiziell) namenlose Gemeinschaft knapp 1000 Mitglieder in Skandinavien.
Nachdem sich die Gemeinschaft bis dahin auf Skandinavien beschränkt hatte, kamen im Rahmen der Kriegsereignisse vereinzelte Kontakte zu Christen aus Deutschland zustande. Dies führte im weiteren Verlauf dazu, dass Vertreter der Gemeinschaft ab Mitte der 1950er Jahre als Redner zu den Allianzkonferenzen der Philadelphia-Bewegung in Leonberg eingeladen wurden. Die Initiative dazu ging seinerzeit von deren Gründer und Leiter aus, Christian Röckle (1883–1966), der der Gemeinschaft damit ein Forum zur Verkündigung ihrer Botschaften bot. Dies wiederum weckte das Interesse von Menschen mit ganz unterschiedlichen konfessionellen Hintergründen, die sich in der Folgezeit an mehreren Orten in der Bundesrepublik Deutschland und den benachbarten Ländern in Hauskreisen zusammenfanden, woraus schließlich Keimzellen neuer Gemeinden wurden. Diese Entwicklungen wurden wesentlich unterstützt von skandinavischen Vertretern der Gemeinschaft.
Regelmäßig wurden in Norwegen zentrale Glaubenskonferenzen abgehalten. Um dem wachsenden Platzbedarf angesichts der internationalen Ausbreitung gerecht zu werden, erwarb die Gemeinschaft 1956 einen aufgelassenen Bauernhof namens Nedre Brunstad Gård („Unterer Brunstad-Hof“) an einem Seitenarm des Oslofjords (heute zur Kommune Sandefjord gehörig). Nachdem – weitgehend in Eigenleistung – ein Versammlungssaal errichtet worden war, fanden seit 1957 dort regelmäßig internationale Konferenzen statt. mini|Das internationale Konferenzzentrum der Gemeinschaft, das Oslofjord Convention Center, in Melsomvik, nahe Tønsberg