Die Stadtbahn Kiel ist ein in Planung befindliches Straßen- bzw. Stadtbahn-System in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Das Kernnetz besteht aus vier Durchmesserlinien, die ausgehend vom Hauptbahnhof und der Innenstadt fünf wichtige Verkehrskorridore in Richtung der Stadtteile Wik, Neumühlen-Dietrichsdorf, Elmschenhagen, Mettenhof und Suchsdorf erschließen.

Nach einem vorausgegangenen mehrjährigen Prüf-, Planungs- und Beteiligungsprozess stimmte die Kieler Ratsversammlung am 17. November 2022 mit den Stimmen der Fraktionen von SPD, CDU, Grünen, Linken, FDP, SSW und den Stimmen der zwei fraktionslosen Ratsmitglieder dafür, die weiteren Schritte des Planungs- und Realisierungsprozess einzuleiten. 2023 wurde die Grundlagenermittlung als erste Leistungsphase (LPH 1) abgeschlossen, 2024 lag die Vorplanung (LPH 2) für die erste Inbetriebnahmestufe vor. Diese bildeten zusammen mit Kostenschätzung und Standardisierter Bewertung die Grundlage, auf der im März 2025 die Entwurfs- und Genehmigungsplanung (LPH 3 und 4) eingeleitet wurde. Baubeginn ist für 2030 und die Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe für 2034 vorgesehen.

Bereits von 1881 bis 1985 gab es in Kiel eine Straßenbahn. Nach deren Stilllegung wurde im Rahmen des Projekts StadtRegionalBahn Kiel die Einführung eines Tram-Train-Systems in der Region Kiel untersucht, jedoch aufgrund unterschiedlicher verkehrspolitischer Prioritäten in der Stadt und den von der Planung berührten Kreisen nicht weiterverfolgt. Zur Ergänzung der Stadtbahn ist das Projekt S-Bahn Kiel vorgesehen.

Strecken- und Liniennetz Kernnetz mini|Liniennetz (Kernnetz) in topografischer Darstellung Das geplante Kernnetz umfasst eine Streckenlänge von 35,8 km und liegt vollständig auf Kieler Stadtgebiet. Es sind vier Linien vorgesehen. Kernstück ist eine Innenstadtstrecke zwischen Andreas-Gayk-Straße/Ziegelteich, Hauptbahnhof und Karlstal, die von allen Linien befahren wird. In diese Stammstrecke münden westlich der Förde vier und östlich davon drei Streckenäste. Dieses im Fahrgastbetrieb bediente Streckennetz hat eine Länge von 34,7 km und erschließt neben der Innenstadt und zahlreichen Wohnlagen auch zentrale Einrichtungen wie die Universität, die Fachhochschule und die Ostseehalle. Zum Fahrgastnetz kommt eine rund 1,1 km lange Betriebsstrecke hinzu, die östlich der geplanten Haltestelle Gablenzstraße aus der Stammstrecke ausfädelt und über die Werft- und Sörensenstraße in südliche Richtung führt, die B 76 kreuzt und den Standort des geplanten Betriebshofs der Stadtbahn im Bereich der nördlichen Diedrichstraße erreicht.

Das Netz wurde auf Grundlage der im Rahmen einer 2019 fertiggestellten sog. Mobilitäts-Grundlagenstudie identifizierten fünf Verkehrskorridore entwickelt, die ausgehend von der Innenstadt die Achsenräume in Richtung Norden/Wik (Linie 2), Nordosten/Neumühlen-Dietrichsdorf (Linien 1 und 3), Südosten/Elmschenhagen (Linie 2), Westen/Mettenhof (Linie 3) und Nordwesten/Suchsdorf (Linien 1 und 4) erschließen und die jeweils über ein ausreichend großes Nachfragepotenzial für eine Stadtbahn verfügen. Diese fünf Korridore bzw. die durch die Stadtbahn zu bedienenden Strecken weisen entsprechend heute in weiten Teilen dichte bis sehr dichte Bustaktungen auf. Mit Ausnahme der Südoststrecke nach Elmschenhagen und der kurzen Äste zur Fachhochschule und nach Projensdorf waren zudem alle Strecken mit weitgehend identischem Verlauf bereits Teil der bis 2015 verfolgten Planungen für die StadtRegionalBahn Kiel.

Alle Linien sollen an Werktagen (außer samstags) während der Haupt- und Nebenverkehrszeit im 10-Minuten-Takt verkehren, sodass sich auf der innerstädtischen Stammstrecke ein durchschnittlicher Takt von 2½ Minuten ergäbe. Außerhalb dieser Zeit ist ein 15-Minuten-Takt vorgesehen.

Linie Start – Ziel Haltestellen Länge Rungholtplatz – Fachhochschule KielBeinhaltet die erste zur Realisierung vorgesehene Teilstrecke zwischen Universität und Wellingdorf;Verlauf des Abschnitts zwischen Ansgarkirche und Wellingdorf entspricht im Wesentlichen dem der Linie 4 der früheren Kieler Straßenbahn Rungholtplatz – Sylter Bogen – Schneiderkamp – Rehbenitzwinkel – Torfende – Bremerskamp – Leibnizstraße – Uni-Sportstätten – Uni-IPN – Uni-Audimax – Samwerstraße – Ansgarkirche – Schauenburgerstraße – Dreiecksplatz – Lorentzendamm – Martensdamm – Andreas-Gayk-Straße – Hauptbahnhof – Hummelwiese – Gablenzstraße – KVG-Betriebshof – Karlstal – Alfons-Jonas-Platz – HDW – Franziusallee – Ellerbeker Markt – Seefischmarkt – Wellingdorf – Tiefe Allee – Grenzstraße – Fachhochschule Kiel 15,7 km Wik – Isarwegfolgt nördlich der Innenstadt dem Verlauf der Holtenauer Straße; Verlauf des Abschnitts zwischen Wik und Karlstal entspricht dem der Linie 4 der früheren Kieler Straßenbahn Wik – Auberg – Knorrstraße – Elendsredder – Hanssenstraße – Belvedere – Hardenbergstraße – Schauspielhaus – Ansgarkirche – Schauenburgerstraße – Dreiecksplatz – Lorentzendamm – Martensdamm – Andreas-Gayk-Straße – Hauptbahnhof – Hummelwiese – Gablenzstraße – KVG-Betriebshof – Karlstal – Helmholtzstraße – Am Langsee – Sophienhöhe – Villacher Straße – Weinberg – Andreas-Hofer-Platz – Teplitzer Allee – Illerweg – Isarweg 13,2 km Mettenhof – DietrichsdorfDer westliche Endpunkt der Linie ist Mettenhof, die Haltestelle ist Teil einer eingleisigen, nur im Uhrzeigersinn befahrenen Ringstrecke entlang des Jütlandrings, die sich an die Haltestelle Kurt-Schumacher-Platz anschließt mit dem Verlauf Kurt-Schumacher-Platz (stadtauswärts) – Odensestraße – Mettenhof – Aalborgring – Kurt-Schumacher-Platz (stadteinwärts) Odensestraße – Mettenhof – Aalborgring – Kurt-Schumacher-Platz – Stockholmstraße – Göteborgring – Daimlerstraße – Dehnckestraße – Westring – Wilhelmplatz – Exerzierplatz – Ziegelteich – Hauptbahnhof – Hummelwiese – Gablenzstraße – KVG-Betriebshof – Karlstal – Alfons-Jonas-Platz – HDW – Franziusallee – Ellerbeker Markt – Seefischmarkt – Wellingdorf – Tiefe Allee – Lüderitzstraße – Dietrichsdorf 15,6 km Projensdorf – Am Langseehauptsächlich Verstärkerfunktion auf den besonders hochfrequentierten Streckenabschnitten der Linien 1 und 2 Projensdorf – Torfende – Bremerskamp – Leibnizstraße – Uni-Sportstätten – Uni-IPN – Uni-Audimax – Samwerstraße – Ansgarkirche – Schauenburgerstraße – Dreiecksplatz – Lorentzendamm – Martensdamm – Andreas-Gayk-Straße – Hauptbahnhof – Hummelwiese – Gablenzstraße – KVG-Betriebshof – Karlstal – Helmholtzstraße – Am Langsee 9,5 km Die Haltestellennamen sind den Planunterlagen zu den Vorzugsvarianten der Infrastrukturplanung der einzelnen Streckenäste entnommen.

Inbetriebnahmestufen mini|Liniennetz der ersten Inbetriebnahmestufe (IBS 1) Die Trassenstudie sieht die Inbetriebnahme des Kernnetzes in drei Stufen vor, dabei sind die Inbetriebnahmestufen 2 und 3 flexibel in der Reihenfolge der Realisierung. Für die erste Inbetriebnahmestufe sind zwei Linien vorgesehen. Die Linie 1 (Länge 10,5 km) verkehrt von Bremerskamp bis nach Wellingdorf. Die Linie 2 (7,5 km, nicht identisch mit der Linie 2 des Kernnetzes) verdichtet das Angebot von Bremerskamp bis Gaarden und endet auf der Strecke zum Betriebshof in Gaarden Am Brook. In der Haupt- und Schwachverkehrszeit soll die Linie 1 alle 7,5 bzw. 15 Minuten, die Linie 2 alle 20 bzw. 30 Minuten verkehren.

Stufe Start – Ziel Haltestellen 1 Universität – Wellingdorfzzgl. Betriebsstrecke Universität – Samwerstraße – Ansgarkirche – Schauenburgerstraße – Dreiecksplatz – Lorentzendamm – Martensdamm – Andreas-Gayk-Straße – Hauptbahnhof – Hummelwiese – Gablenzstraße – KVG-Betriebshof – Karlstal – Alfons-Jonas-Platz – HDW – Franziusallee – Ellerbeker Markt – Seefischmarkt – Wellingdorf 2 Ansgarkirche – Wik Ansgarkirche – Schauspielhaus – Hardenbergstraße – Belvedere – Hanssenstraße – Elendsredder – Knorrstraße – Auberg – Wik Ziegelteich (Andreas-Gayk-Straße) – Mettenhof Ziegelteich – Exerzierplatz – Wilhelmplatz – Westring – Dehnckestraße – Daimlerstraße – Göteborgring – Stockholmstraße – Kurt-Schumacher-Platz – Odensestraße – Mettenhof – Aalborgring 3 Universität – Rungholtplatz Universität – Uni-IPN – Uni-Sportstätten – Leibnizstraße – Bremerskamp – Torfende – Rehbenitzwinkel – Schneiderkamp – Sylter Bogen – Rungholtplatz Wellingdorf – Fachhochschule Kiel Wellingdorf – Tiefe Allee – Grenzstraße – Fachhochschule Kiel Karlstal – Isarweg Karlstal – Helmholtzstraße – Am Langsee – Sophienhöhe – Villacher Straße – Weinberg – Andreas-Hofer-Platz – Teplitzer Allee – Illerweg – Isarweg Tiefe Allee – Dietrichsdorf Tiefe Allee – Lüderitzstraße – Dietrichsdorf Torfende – Projensdorf Torfende – Projensdorf

Erweiterungen mini|hochkant=1.2|Liniennetz (Gesamtzielnetz) in topografischer Darstellung

Im Rahmen der Trassenstudie wurde eine Reihe möglicher Erweiterungsvorhaben des Kernnetzes identifiziert, deren weitere Prüfung empfohlen wird. Es wurden zwar auch Verlängerungen nach Ellerbek und in die benachbarte Gemeinde Kronshagen untersucht, jedoch aufgrund ihres zu geringen Potenzials verworfen. Die Studie differenziert zwischen Strecken, die aufgrund bereits bestehender verkehrlicher Potenziale verfolgt werden könnten, und solchen Strecken, die in Abhängigkeit von der weiteren städtebaulichen Entwicklung im Trassenumfeld künftig von Interesse sein könnten und die bei anderen Planverfahren und Bauvorhaben freizuhalten wären.

Die empfohlenen Erweiterungen sind in sieben sog. Bausteinen zusammengefasst, mit denen unter anderem das Universitätsklinikum (Baustein A, teilweise B), das Regierungsviertel am Westufer der Förde mit dem Landtag und verschiedenen Ministerien (Baustein B) und das Olympiazentrum Schilksee (Baustein D) an das Stadtbahnnetz angebunden würde. Gleichzeitig würden wichtige Redundanzen (Bausteine A, B in Verbindung mit E, G) geschaffen, die zur Entlastung der Strecken des Zielnetzes und zur Steigerung der Betriebsstabilität und -flexibilität etwa bei Streckensperrungen beitrügen.

Sollte sich Kiel darum bewerben, die Olympischen Segelwettbewerbe 2036, 2040 oder 2044 auszutragen, wäre eine Stadtbahn nach Schilksee (Baustein D) Teil des Konzeptes. Ein Ersatzneubau für die Olympiabrücke über den Nord-Ostsee-Kanal, der eine Stadtbahntrasse integriert, würde im Fall einer erfolgreichen Bewerbung durch den Bund finanziert werden.