Ponte di Legno () ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Brescia, Region Lombardei.

Geographie mini|Lage der Gemeinde Ponte di Legno in der Provinz Brescia Die Gemeinde liegt etwa 80 Kilometer von der Pronvinzhauptstadt Brescia im Valcamonica und grenzt unmittelbar an die Provinzen Sondrio und Trient. In Ponte di Legno hat der Fluss Oglio durch den Zusammenfluss der beiden Sturzbäche Frigidolfo und Narcanello seinen Ursprung. Der Ort wird im Norden und Westen eingegrenzt von der Sobretta-Gavia-Gruppe, im Nordosten und Osten von den Ortler-Alpen und im Süden von den Adamello-Presanella-Alpen. Der beliebte Fremdenverkehrsort Ponte di Legno liegt im Nationalpark Stilfserjoch.

Zur etwas mehr als 100 km² großen Gemeinde gehören auch die vier Fraktionen Pezzo, Poia, Precasaglio und Zuano sowie die Siedlungen Passo del Tonale und Sant’Apollonia.

Die Nachbargemeinden sind Edolo, Peio (TN), Saviore dell’Adamello, Sondalo (SO), Spiazzo (TN), Temù, Valfurva (SO), Vermiglio (TN), Vezza d’Oglio und Vione.

Etymologie Das Toponym spielt auf eine Holzbrücke (ponte di legno) an. Seine Herkunft ist ungewiss. Nach Dante Olivieri könnte sich der Name vom Namen des historischen Ortskerns Dalegna – im Italienischen da oder di legno (= aus Holz) ableiten. Letzterer könnte wiederum eine Ableitung aus dem lateinischen Praenomen Allienus sein.Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. S. 508. Der Name taucht erstmals im Jahr 774 als Dalaunias offiziell auf, als Karl der Große das Gebiet, das sich bis zum Tonalepass erstreckte, dem Kloster Saint-Martin de Tours schenkte.Ponte di Legno. In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 13, S. 289 f.

Geschichte mini|Torrente Frigidolfo in Ponte di Legno mini|hochkant|Pfarrkirche SS. Trinità mini|Blick auf Ponte di Legno vom Tonale aus Frühgeschichte und Antike Zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. kamen die Kelten über den Tonale-Pass und gründeten die Siedlung Dalegno (Dalania); sie vermischten sich mit der lokalen Bevölkerung und begründeten verschiedene Siedlungen (wie Vescasa und Viso), deren Namen noch heute keltische Wurzeln widerspiegeln.

Nach den Eroberungsversuchen und Überfällen der Kimbern unterwarfen die Römer die Camuni schließlich im Jahr 16 v. Chr. unter Publius Silius Nerva endgültig. Dalegno wurde zu Teil des Pagus von Edolo und beherbergte einen Militärstützpunkt zur Bewachung der Pässe Tonale und Gavia. Das römische Erbe ist noch heute in der Ortsnamenkunde, in den Namen der Adelsfamilien – wie den Gavia –, in den alten Eisenminen und im lokalen Dialekt sichtbar. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches waren es die Langobarden, die 590 am Tonale, am Montozzo und in Villa Dalegno Befestigungsanlagen errichteten.

Mittelalter Der Überlieferung zufolge wird die Gründung der Kirche SS. Trinità in Ponte di Legno Karl dem Großen zugeschrieben, obwohl man von einer früheren Christianisierung – um 750 – ausgeht, die mit dem heiligen Vigilius von Trient in Verbindung gebracht wird. Während 887 die Herrschaft von Tours bestätigt wurde, entstanden die Vicinie, die die Gemeinschaftsweiden verwalteten. Im Laufe des 10. Jahrhunderts löste sich die Siedlung von der Pieve von Edolo und bildete eine selbständige Pieve, die ihr religiöses Zentrum in der Kirche S. Maria Assunta hatte. Der zunehmende Zustrom von Pilgern, Kaufleuten und Soldaten über die Alpenpässe führte zur Gründung des Xenodochiums der Heiligen Dreifaltigkeit. Diese Einrichtung gewann derart an Bedeutung, dass sie der Pfarrei ihren Namen gab, die die alte Pieve als religiöses Zentrum ablöste. Das Xenodochium ergänzte sich mit dem Hospiz des heiligen Bartholomäus am Tonalepass. 1158 übertrug der Bischof von Brescia das Gebiet von Dalegno an die Familie Martinengo. Vermutlich handelte es sich dabei um eine Bestätigung von Rechten, die bereits seit 994 bestanden. Unter den Martinengo entstand der erste größere Siedlungskern von Ponte di Legno.

1161 befreite Kaiser Friedrich Barbarossa das Gebiet von Abgaben, um sichere Durchgangswege zu gewährleisten. Dies begünstigte die Abwanderung von Familien aus den Bergdörfern hinunter ins Tal. Mit dem Aufstieg der Stadt Brescia im 13. Jahrhundert bemächtigte sich die Familie Federici der örtlichen Befestigungsanlagen. Um der Usurpation durch die Federici entgegenzuwirken und die Kontrolle zurückzugewinnen, bot die Stadt Brescia im Jahr 1294 jedem eine Geldprämie an, der bei der Zerstörung der Festung von Dalegno half. Nach der Beilegung des auch im Valcamonica ausgetragenen Streites zwischen Guelfen und Ghibellinen durch den Frieden von Breno im Jahr 1397 erfuhr der Ort eine neue Blütezeit. Ponte di Legno entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt für den Handel zwischen der Lombardei und Tirol und verband wichtige Märkte wie die Messe in Bozen mit Regionen wie dem Veltlin und der Gegend um Bergamo. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich vor allem der Eisenhandel und der Tonale-Pass war der wichtigste Weg für den Export von Eisenwaren, wie Klingen, Messer und Pfannen aus Speckstein. Mit der Intensivierung des Handels wurden die Infrastrukturen ausgebaut und eine neue Talstraße errichtet, die die alte Via Valeriana ersetzte. Die Bedeutung dieser Route war so groß, dass die Republik Venedig zwischen 1280 und 1303 Vereinbarungen mit Brescia schloss, um deren Instandhaltung zu gewährleisten, wovon auch Ponte di Legno profitierte.

Frühe Neuzeit Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert gewann Ponte di Legno dank der Via Camuna zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung und entwickelte durch die „Vicinia“ eine starke Autonomie, die bis ins 20. Jahrhundert Bestand hatte. Die kurze, aber intensive Herrschaft der Federici (1410–1428), die durch die von den Visconti gewährte steuerliche und gerichtliche Unabhängigkeit gekennzeichnet war, endete 1428 mit dem Aufkommen der Republik Venedig, nachdem es zu Unruhen gegen ihre unterdrückerische Herrschaft gekommen war. Mit der Konsolidierung Venedigs stabilisierte sich die Gemeinschaft und nahm neue einflussreiche Familien auf, wie die Ronchi aus Breno, die auch bei der zukünftigen militärischen Verteidigung des Gebiets eine Schlüsselrolle spielen sollten.

Unter dem Einfluss Venedigs fand der Ort zur politischen Stabilität. 1524 wurde das erste Gemeindestatut verfasst, das sich durch ein komplexes und unentgeltliches System der Selbstverwaltung auszeichnete, in dem die Vertreter verpflichtet waren, unparteiisch zu regieren. 1567 wurde die Pfarrei San Martino in Villa Dalegno zum religiösen Zentrum der Gemeinde, die die neun historischen Ortsteile vereinte. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts suchen eine Reihe von Bränden die Gemeinde beim. Die Zerstörungen waren so groß, dass der venezianische Senat nach dem verheerenden Brand von 1573 Steuerbefreiungen für zwölf Jahre gewährte, um den Wiederaufbau zu fördern. Um Epidemien – wie die Pest von 1630 – und Armut zu bekämpfen, richtete die Vicinia den Monte di Pietà und zahlreiche Legate ein. Diese sicherten den Bedürftigen lebensnotwendige Güter wie Brot und Salz. Die Armut veranlasste dennoch viele, in das benachbarte Val di Sole und in die Versilia auszuwandern.

1753 zerstörte erneut ein großer Brand den Ort, bei dem in weniger als zwei Stunden etwa 100 Häuser niederbrannten. 1764 zählte die Gemeinde 976 Einwohner, die sich auf 136 Familien verteilten. Die Gesellschaft war überwiegend landwirtschaftlich geprägt, wies jedoch einen starken handwerklichen Anteil auf und war eng mit dem Transportwesen verbunden. Das Gebiet zählte 11 Mühlen, 4 Schmieden zur Eisenverarbeitung, Sägewerke, Färbereien und Tuchwebereien. Der Viehbestand umfasste über 3.000 Schafe, gefolgt von Ochsen, Maultieren und Eseln, die für die Bergwirtschaft und den transalpinen Handel unverzichtbar waren.

Moderne Im Zuge des von Napoleon Bonaparte angeführten Italienfeldzuges der französischen Revolutionsarmee wurde Ponte di Legno und das obere Valcamonica 1796 zunächst von österreichischen Truppen unter General Laudon besetzt. Durch das Dorf zogen Zehntausende von Soldaten. Nach der Etablierung einer pro französischen Regierung in Brescia wurde die Gemeinde 1797 in einen von den Franzosen und einen von Brescia kontrollierten Bereich aufgeteilt. Zu der ohnehin schon prekären Lage aufgrund der Besatzung und der durchziehenden Armeen kamen noch die Übergriffe von Deserteuren und Fahnenflüchtigen beider Seiten hinzu. Während des Zweiten Koalitionskrieges zogen im April 1799 austro-russische Truppen durch den Ort, bevor letztere in Edolo von den Franzosen zurückgeschlagen wurden und sich kurzfristig bis zum Tonale zurückzogen, um anschließend erneut Ponte di Legno und das obere Valcamonica zu besetzen. Nach der österreichischen Niederlage in der Schlacht bei Marengo im Juni 1800 rückten wieder die Franzosen bis zum Tonalepass vor. Während des Tiroler Volksaufstandes zog eine Schar Aufständischer im Frühjahr 1809 aus dem Val di Sole bis nach Edolo, bevor sie von den Franzosen zurückgedrängt und Letztere die Lage wieder stabilisieren konnten.

Mit dem Zusammenbruch des Königreichs Italien unter Eugène de Beauharnais im April 1814 wurde Norditalien von Österreich besetzt. Unter den Habsburgern würde Ponte di Legno und das Valcamonica von der Provinz Brescia gelöst und der Provinz Bergamo angeschlossen. Es folgte eine Zeit, die durch Hungersnöte und mehrere Epidemien gekennzeichnet war. Das Risorgimento fand auch in Ponte di Legno Anhänger. Im Zuge des Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieges bekämpften Freiwillige die Österreicher zwangen sie im Juli 1848 über den Tonale. Während des Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieges wurde der Ort im Juni 1859 von österreichischen Truppen besetzt. Nach dem Verlust der Lombardei und der Eingliederung in das Königreich Sardinien fiel die Gemeinde wieder der Provinz Brescia zu.

Während des Dritten Italienischen Unabhängigkeitskriegs wurde der Ort erneut von Tausenden österreichischen Soldaten besetzt, die ihn in einen Versorgungsstützpunkt verwandelten, ihn befestigten und bei den Kämpfen im Zusammenhang mit der Schlacht von Vezza d’Oglio im Juli 1866 schwer beschädigten, bevor sie sich nach dem Waffenstillstand endgültig in Richtung Tonale zurückzogen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann mit dem Auftauchen der ersten Alpinisten der Fremdenverkehr langsam an Bedeutung. Douglas William Freshfield bezeichnete Ponte di Legno 1864 zwar noch als ein armseligen Dorf, doch immer mehr Alpinisten wählten den Ort als Ausgangspunkt für ihre Besteigungen, darunter beispielsweise Julius Payer, dem am 15. September 1864 die Erstbesteigung des Adamello gelang. Daneben besuchten auch zunehmend Geologen und Naturalisten die Gegend, wie Antonio Stoppani. Zur touristischen Entwicklung trug nach vierjähriger Bauzeit die Fertigstellung der Tonalepassstraße 1880 bei. Damit war der Pass nun auch von italienischer Seite leicht zu erreichen, nachdem die Straße vom österreichischen Vermiglio aus bereits 1859 auf den Tonale geführt wurde. In den 1890er Jahren entstanden mehrere moderne Hotels und die Heilquellen von S. Apollonia wurden durch ein Thermalbad einem breiteren Publikum erschlossen. Die Gäste kamen vor allem aus dem Bürgertum der lombardischen Städte nach Ponte di Legno. 1899 wurde der Ort elektrifiziert und 1902 auch die umliegenden Ortsteile an das Stromnetz angeschlossen.

20. Jahrhundert