Das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen liegt im Landkreis Diepholz, Niedersachsen, und ist als staatlich anerkanntes Gymnasium in freier Trägerschaft das erste niedersächsische Konkordatsgymnasium mit gymnasialer Oberstufe. Es wurde 2004 unter dem Namen Gymnasium Twistringen gegründet und steht seit 2010 unter der Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Nach der Fertigstellung des Gebäudes für die Sekundarstufe I im Jahr 2007 wurde es 2011 um das Gebäude für die Sekundarstufe II und eine Sporthalle erweitert und in Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen umbenannt.

Das Schulgelände umfasst 51.455 m². 2012 fanden die ersten Abiturprüfungen statt. Insgesamt werden hier etwa 760 Schüler von etwa 70 Lehrkräften unterrichtet. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig, ab der Klasse 11 dann vierzügig. Einen festgelegten Einzugsbereich hat die Schule nicht, die Schüler kommen aus den umliegenden Gemeinden.gymnasium-twistringen.deKreiszeitung Syke vom 7. Juni 2007, Mit striktem Zeitplan zum Ziel. Twistringer Gymnasium wie kalkuliert zum neuen Schuljahr bezugsfertig / Übergabe am 24. August

Gründung der Schule Im Mai 2004 nahm eine Planungsgruppe die Arbeit auf, um die Anmeldung und Einschulung des ersten Jahrganges des Gymnasiums vorzubereiten. Grund für die Errichtung der neuen Schule war, dass Gymnasiasten aus Twistringen bisher einen weiten Schulweg auf sich nehmen mussten, zudem waren die umliegenden Gymnasien in Vechta und Syke aufgrund der Auflösung der Orientierungsstufe im Jahr 2004 überfüllt.

Träger des neuen Gymnasiums war zunächst die Stadt Twistringen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits geplant, die Schule in eine Stiftungsschule umzuwandeln. Im August 2004 wurde das Gymnasium Twistringen mit über 200 Gästen und 75 Schülerinnen und Schülern in der Aula des Schulzentrums eröffnet, wo die neue Bildungsstätte zunächst untergebracht wurde. Es ist das 248. Gymnasium in Niedersachsen.

Im September 2004 löste der Schulentwicklungsausschuss die Planungsgruppe ab, Martin Lütjen wurde kommissarischer Schulleiter. Im Juni 2007 wurde er endgültig zum Schulleiter ernannt.Kreiszeitung Syke vom 30. Juni 2007, Lütjen: Ende der Übergangszeit. Nun zum Gymnasiums-Leiter ernannt Im Januar 2005 wurde das Konzept für den Neubau des Gymnasiums entwickelt, das als PPP-Projekt (Public-Private-Partnership) verwirklicht werden sollte: Ein Investor errichtet das Gebäude und die Stadt mietet es über einen längeren Zeitraum (20 bis 25 Jahre). Im Februar 2005 beschloss der Rat der Stadt Twistringen den Standort des Neubaus an der Vechtaer Straße. Im Mai 2006 wurde das Bieterverfahren zum Schulneubau entschieden.

Im September 2006 begann das Unternehmen Prien mit dem Bau des neuen Gymnasiums.Kreiszeitung Syke vom 7. August 2006, Kommende Woche soll erste Wand des Gymnasiums stehen Im Januar 2007 waren die Rohbauten für die drei Jahrgangshäuser erstellt.Kreiszeitung Syke vom 3. Januar 2007, Jetzt geht’s an die Obergeschosse. Frostfreie Witterung gut für Zeitplan des Gymnasium-Baus Im Juli desselben Jahres fand der Abschied vom Schulzentrum statt.Kreiszeitung Syke vom 19. Juli 2007, Hier ist die Wiege des Gymnasiums. Abschied vom Schulzentrum vor Bezug des Neubaus/ Baum zur Erinnerung gepflanzt/ „Harmonisches Miteinander“

Am 24. August 2007 wurde das neue Schulgebäude an die Stadt Twistringen übergeben. Sechs Tage später durften die Schüler erstmals das Gymnasium betreten.Kreiszeitung Syke vom 31. August 2007, Ein großer Schritt für Twistringen. Die jüngsten Schüler betraten zuerst das Gymnasium Da die Schule ab dem 1. August 2008 Konkordatsschule werden sollte,gymnasium-twistringen.de wurden im Januar 2008 die entsprechenden Verträge zwischen dem Land Niedersachsen und dem Bistum Osnabrück unterzeichnet. Die Unterzeichnung war erst nach einer Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG) möglich. (PDF; 153 kB)

Im September 2009 wurde die Erweiterung des Gymnasiums Twistringen um den Sekundarbereich II (Gymnasiale Oberstufe) zum Schuljahresbeginn 2009/2010 genehmigt.Kreiszeitung Syke vom 18. September 2008, Riesenjubel: Oberstufe genehmigt. Gestern traf endlich der schriftliche Bescheid bei der Stadt Twistringen fürs neue Gymnasium ein. Im August 2010 begannen die Arbeiten a Bauabschnitt II und III (Gymnasiale Oberstufe und Sporthalle), welche im Sommer 2011 abgeschlossen wurden.

Katholische Trägerschaft des HvB-Gymnasiums Twistringen Die ersten Gespräche zum Trägerwechsel wurden im Februar 2004 zwischen Vertretern der Stadt Twistringen, des Landkreises Diepholz, der katholischen Kirche sowie den Schulleitungen der Twistringer Grundschulen geführt. Dabei wurde eine vorläufige Trägerschaft des Gymnasiums Twistringen durch die Stadt festgelegt.Kreiszeitung Syke vom 7. Februar 2004.

Im weiteren Verlauf wurde im November 2005 festgelegt, dass zum Schuljahr 2006 das Gymnasium Twistringen durch die Schulstiftung des Bistums Osnabrück getragen werden sollte. Diese neue Form der Schule war nicht unumstritten, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, äußerte deutliche Kritik in einem Schreiben der GEW: „Das Land bezahlt die Lehrkräfte, der Landkreis bezahlt die Sachkosten und der Bischof von Osnabrück bestimmt das Profil der Schule.“Brandt, Eberhard: MK plant eine autoritäre Schulverfassung Fraktionen von CDU und FDP wollen Stiftungsschulen; Hannover, 22. November 2005.

Da für den Trägerwechsel eine Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG) notwendig war, konnte dieser zum Schuljahr 2006 nicht realisiert werden.Interview mit Schulleiter Martin Lütjen im Rahmen einer Projektwoche am 11. Juli 2012.

In der öffentlichen Sitzung des Twistringer Stadtrats am 28. März 2008 wurde die kirchliche Trägerschaft des geplanten Gymnasiums durch die Stadt Twistringen beschlossen. 2008 erklärte Bürgermeister Karl Meyer, dass es ohne eine Oberstufe keinen Trägerwechsel für das Gymnasium gäbe, weswegen auch der damalige Landtagsvizepräsident und Landtagsabgeordnete Hans-Werner Schwarz Unterstützung zusagte.Kreiszeitung Syke vom 28. März 2007, Konkordatsschule nur mit Oberstufe Anfang Juni 2010 sollte der Landtag dem Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und dem Vatikan zustimmen. Die Trägerschaft des Gymnasiums Twistringen sollte dann voraussichtlich zum 1. August 2010 an das Bistum Osnabrück übergeben werden.gymnasium-twistringen.de

Am 28. Juni 2010 tauschten der apostolische Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset, der Botschafter des Vatikans, und Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff die Ratifizierungsurkunden zur kirchlichen Trägerschaft für das Gymnasium Twistringen aus. Anwesend waren in der Berliner Nuntiatur unter anderem Bürgermeister Karl Meyer und Dechant Monsignore Reinhard Molitor sowie viele Lehrer, Schüler und Eltern.gymnasium-twistringen.de

Zum Schuljahresbeginn am 1. August 2010 wurde die Trägerschaft des Gymnasiums von der Schulstiftung des Bistums Osnabrück übernommen, 2011 erfolgte der Namenswechsel in Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen. Die Stadt Twistringen blieb jedoch weiterhin Grundstückseigentümerin und sicherte sich im Schulstiftungsvorstand die notwendige Einflussnahme, der Landkreis Diepholz ist ebenfalls in diesem Gremium vertreten, da er die Verantwortung für die Schülerbeförderung trägt.

Bauliche Entwicklung Erste Jahre ohne Gebäude Zunächst war das damalige Gymnasium Twistringen im Schulzentrum Twistringen untergebracht. Durch die damalige Abschaffung der Orientierungsstufe war es möglich, die ersten zwei Jahrgänge in den frei gewordenen Räumen unterzubringen. Zum Schuljahr 2006/07 reichte der Platz am Schulzentrum nicht mehr aus, für den dritten Jahrgang des Gymnasiums mussten Container als Unterrichtsräumlichkeiten aufgestellt werden.Kreiszeitung Syke vom 17. August 2006, Drei „Fliegende Klassenzimmer“ In den ersten Jahren wurden bereits Überlegungen zur Finanzierung eines Schulneubaus angestellt und im November 2004 ein Konsens mit der Kreisschulbaukasse erzielt.„NN“

Zeitweilige Überlegungen, das Twistringer Rathaus als Standort des Gymnasiums zu nutzen, wurden aufgrund zu hoher Umbaukosten und einer für den Schulbetrieb nicht ausreichenden Statik fallen gelassen. Der Rat der Stadt Twistringen beschloss, ein neues Schulgebäude auf einer Fläche an der Vechtaer Straße zu errichten. Allerdings musste der Schulneubau in mehreren Abschnitten durchgeführt werden, da zum Zeitpunkt der ersten Bauphase die Oberstufe für das Twistringer Gymnasium noch nicht genehmigt worden war.

Konzept und Umsetzung des Neubaus Bauabschnitt 1: Der Kernteil der Schule Im ersten Abschnitt wurde der Kernteil der Schule mit drei Jahrgangshäusern, Fachräumen sowie medialen Räumen, der Bibliothek und dem Meditationsraum gebaut. Eine Besonderheit stellt hierbei das Lernatelier dar, das sein Vorbild in US-amerikanischen Colleges findet. Es ist mit einem Klassensatz Notebooks und einem interaktiven Whiteboard ausgestattet.

Im September des Jahres 2006 begann der Bau des neuen Schulgebäudes an der Vechtaer Straße. Der Bau wurde durch den Hamburger Generalunternehmer August Prien durchgeführt. Das Richtfest konnte am 23. April gefeiert werden, am 24. August wurde der erste Bauabschnitt der Stadt Twistringen übergeben. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt betrugen 5,6 Mio. Euro, die von der Stadt Twistringen getragen werden.Kreiszeitung Syke vom 25. August 2007, Bauzeit kurz bemessen

Bauabschnitt 2: Oberstufenhaus und Sporthalle Der zweite Bauabschnitt konnte nach der erfolgten Genehmigung der Oberstufe durchgeführt werden. Er beinhaltete das Oberstufenhaus mit Ganztagesräumen für die Sekundarstufe I und II, einen eigenen Trakt für die Fachbereiche Kunst und Musik und eine Zweifeld-Sporthalle. Zudem wurden einige Räume zur Cafeteria und zur Mensa umgebaut.

Im Sommer 2010 wurde der zweite Bauabschnitt ebenfalls im PPP-Verfahren durch August Prien umgesetzt. Das Richtfest wurde am 11. Dezember desselben Jahres gefeiert werden. Am 6. Juni 2011 wurden die neuen Räume bezogen. Die Kosten belaufen sich auf 6,4 Mio. Euro.Kreiszeitung Syke vom 7. Juni 2011.

Weitere Planungen Schon bei den ersten Planungen wurde an einen Sportplatz hinter dem Gymnasium gedacht. 2012 begannen die Planungen für einen Kunstrasenplatz, der ganzjährig bespielbar sein soll. Die geschätzten Kosten betragen 560.000 € und sollen vollständig durch Spenden finanziert werden. Der Platz soll von allen Schulen und Vereinen der Stadt genutzt werden können.Kreiszeitung Syke vom 11. Juni 2012, Bagger könnte anrollen

Besuch des Bischofs Am 9. September 2011 besuchte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die Schule und benannte das Gymnasium nach Hildegard von Bingen. Des Weiteren weihte er den Neubau ein. Ein im Schuljahr 2006/07 geplanter Besuch des Bischofs fand aufgrund von Unklarheiten um die Trägerschaft nicht statt.

Namensgebung In einer Diskussion zwischen Schüler- und Elternvertretern sowie den Lehrern wurde als Namensgeberin Hildegard von Bingen vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde von der Schulstiftung des Bistums Osnabrück angenommen, obwohl Niels Stensen zu Beginn (2004) der potentielle Namenspatron war. Der Name Hildegard von Bingen setzte sich gegen z. B. Johannes Prassek; Geschwister Scholl durch.

In einem Interview sagte Schulleiter Martin Lütjen: „Der Vorschlag Hildegard von Bingen kam einfach aus dem Lehrerkollegium, dabei setzten sich besonders Lehrerinnen für diesen Vorschlag ein. […] Es ist eine starke Leistung von Hildegard von Bingen gewesen, in einer von Männern dominierten Zeit ein Kloster zu gründen und zu erhalten. Dieses Durchsetzungsvermögen passt zum Profil der Schule.“Interview mit Martin Lütjen vom 9. Juli 2012.

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