mini|hochkant|Leo Rauth: Selbstporträt, 1911 Leopold Rauth (* 18. Juli 1884 in Leipzig; † 9. Januar 1913 bei Welschnofen im Eggental, Südtirol) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben mini|Wohn- und Geschäftshaus der Familie Rauth, Hospitalstraße 12 Familie und Ausbildung Leopold Rauth war der Sohn des Leipziger Großkaufmanns und Weinhändlers Carl RauthCarl Rauth (* 23. Mai 1847 in Ober-Ingelheim am Rhein; † 5. Juli 1917 in Leipzig; römisch-katholisch). Das Adressbuch von Leipzig aus dem Jahr 1912 gibt an: Carl Rauth; Rheinische Kellereien- und Weingroßhandlung, Leipzig, Hospitalstraße 12 pt.; Inhaber: Carl Rauth, Wohnung I. Etg.; Hauseigentümer. und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Holzammer.Elisabeth Rauth, geborene Holzammer (* 7. Mai 1850 in Mainz; † 8. März 1929 in Leipzig; römisch-katholisch) Wie seine älteren Brüder KarlKarl Rauth (* 12. Juli 1876 in Mainz; † 12. September 1894 in Leipzig) verstarb als Obersekundaner an einem Herzschlag. Vgl.: König Albert-Gymnasium (bis 1900 Königliches Gymnasium) in Leipzig (Hrsg.): Schüler-Album 1880–1904/05, Friedrich Gröber, Leipzig 1905., ArnoArno Rauth (* 22. November 1878 in Leipzig; † 17. Mai 1916 im Gefecht vor Verdun als Reserve-Unteroffizier der Landwehr, 10. Kompanie des Infanterie-Regiments 64) erlernte den Beruf des Kaufmanns im väterlichen Weingroßhandel, ab 1905 Kaufmann in Berlin. und Otto, war er Schüler des König-Albert-Gymnasiums, das er vom 22. April 1895 bis 7. März 1906 besuchte.Jahresbericht des König-Albert-Gymnasiums in Leipzig für das Schuljahr Ostern 1913 bis Ostern 1914, Alexander Edelmann, Leipzig 1914, S. 10.

Von Ostern bis zum 29. September 1906 studierte Rauth ein Semester an der Königlichen Kunstakademie in Leipzig.Leo Rauth ist im Matrikelbuch der Akademie unter der Nummer 4269 inskribiert. Er studierte in der Malklasse Ia bei den Professoren Georg Belwe das Naturformenzeichnen und das Entwerfen von Zierformen, bei Klepzig das Zeichnen nach dem Stillleben, bei Lamprecht Rißbildzeichnen und Schattenlehre, bei Adolf Lehnert das Formen nach dem Stillleben, bei Naumann Bau- und Zierformenlehre sowie das Photographieren nach der Natur und bei Delitzsch das Schriftschreiben. Quelle: Archiv der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Anschließend begab er sich an die Kunstakademie Karlsruhe, um sich bei Ernst Schurth (1848–1910) im Porträt- und Aktzeichnen ausbilden zu lassen. Danach war er Schüler von Waldemar Friedrich (1846–1911) an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Am 14. Oktober 1908 schrieb er sich an der Münchner Kunstakademie in die MalklasseDieser Malklasse gehörten an: der Mexikaner Sandro Mendoza (ab Mai 1908), Richard Mund (1885–1968; ab 3. Oktober 1908), Gustav Eyer (1887–1956; ab 3. Oktober 1908), Ernst Heidemann (ab 14. Oktober 1908), Walter Hörwarter (1883–1963; ab 14. Oktober 1908), Erwin Tintner (1885–1957; ab 14. Oktober 1908), Walter Trier (1890–1951, ab 14. Oktober 1908) und Gustav Weiss (1886–1973; ab 14. Oktober 1908). von Franz von Stuck ein. Hier widmete er sich insbesondere dem Porträt-, Akt-, Figur- und Gewandzeichnen.

Nach Studienaufenthalten in Paris und Venedig kehrte Rauth 1909 nach Leipzig zurück, wo er in kurzer Zeit meteorhaft am Kunsthimmel emporstiegOswald Weigel, Auktions-Katalog Neue Folge Nr. 46, S. 27. In den ihm verbleibenden drei Lebensjahren brachte er eine erstaunliche Fülle vielseitiger Produktionen als Maler und Zeichner hervor. Seine Bilder wurden vielfach in Ausstellungen präsentiert, wo sie allerdings keineswegs nur Zustimmung erfuhren. Und gerade weil man sie nicht so ohne Widerspruch aufgenommen hat, sind sie mehr beachtet worden, als dies bei Kollektivausstellungen sonst der Fall ist.Oswald Weigel, Auktionskatalog N.F. Nr. 46, S. 28 Nach dem frühen Tod des Künstlers veranstaltete die renommierte Leipziger Galerie Pietro Del Vecchio vom 2. Februar bis 9. März 1913 eine Gedächtnisausstellung zu Ehren des verstorbenen Künstlers.Galerie del Vecchio. Am heutigen Sonntag wird die Nachlaß-Ausstellung des jüngst verstorbenen Leipziger Malers und Graphikers Leo Rauth eröffnet. Diese Sonder-Ausstellung, die unter einigen älteren Werken alle letzten Werke des genialen Künstlers enthält, dürfte sicher in allen kunstliebenden Kreisen das größte Interesse hervorrufen. Leipziger Neueste Nachrichten, Nr. 32, Sonntag, 2. Februar 1913. - Galerie Del Vecchio. Sonntag, den 9. März, letzter Tag der umfangreichen Nachlaßausstellung Leo Rauth-Leipzig und der Sonderausstellung Professor George von Hoeßlin-München. Beide Ausstellungen haben das größte Interesse gefunden, davon zeugen der zahlreiche Besuch und die vielen abgeschlossenen Verkäufe. Leipziger Neueste Nachrichten; Nr. 68, Sonntag, 9. März 1913. Das Leipziger Auktionshaus Oswald Weigel versteigerte im März und April 1914 einen Teil des künstlerischen Nachlasses Leo Rauths, darunter 56 Ölgemälde, 80 kolorierte Handzeichnungen, 41 Radierungen und kolorierte Drucke. Weitere Gemälde wurden von der 1913 gegründeten Kunsthandlung seines älteren Bruders Wilhelm RauthWilhelm Rauth (*4. November 1879; † 5. Dezember 1933 in Leipzig), verheiratet mit Anna Rauth, geborene Fleischmann (* 7. Mai 1893 in Leipzig; † 7. Februar 1960 in Leipzig), war als Verwalter des väterlichen Grundbesitzes tätig, eröffnete in den Geschäftsräumen Hospitalstraße 12 zunächst eine Zigarrenhandlung und firmierte nach dem Tode seines Bruders ebenda als Kunsthändler. veräußert.

Künstlerisches Schaffen mini|hochkant|Leo Rauth: Selbstporträt in blauem Frack, 1911 mini|hochkant|Reklamemarke der Kunsthandlung Wilhelm Rauth, die den künstlerischen Nachlass Leo Rauths verwaltete mini|Atelierwohnung des Künstlers (ab 1912) in der damals mondänen Kaiser-Wilhelm-Straße in Leipzig (Aufnahme 2017); Architekt: Georg Wünschmann, Fassadenschmuck: Bruno Héroux In der Anfangsphase seines künstlerischen Schaffens war Rauth von der Malweise der Münchner Schule um Franz von Stuck beeinflusst. Bald fand er jedoch zu seinem eigenen Stil, der sich vor allem in einer eigentümlichen Erfindung von sprechenden Gesten und Bewegungen und einer dekorativen, kontrastreichen Farbgebung zeigte. Seine Gemälde lassen eine charakteristische Neigung zu plakativer Wirkung erkennen: So steht Rauths Haremswächter vor einem dunkelblauen Vorhang mit weißen Tupfen, sein nackter Sieger ist in ein großes blutrotes Tuch gehüllt und im Gemälde Sommerspuk (Scherzo) schmiegt sich ein braun-schwarzerdiger Faun an die helle Lichtgestalt einer jungen Tänzerin.

Zu Rauths besten malerischen Leistungen zählt das Porträt. Oftmals stellt er die Abgebildeten vor einem flachen Hintergrund aus farbigen oder silbernen Kacheln dar, von dem sich die Farben und Linien der Porträtierten kräftig abheben.

Rauths Motive entstammten der Mythologie, dem Märchen und der Legende, vor allem aber dem Mummenschanz und der Maskerade des Karnevals. Der Münchner Fasching und das Varieté und ihre mondäne Lebewelt haben Leo Rauth zum Künstler gemacht. Ihre luministischen Erscheinungen, die Groteske ihrer Bewegungen, ihr phantastisches Gaukelspiel, ihre Typen und Figurinen haben ihn inspiriert.Paul Kühn: Leo Rauth. In: Illustrirte Zeitung. S. 767 Daneben malte er Gestalten aus der Welt des Rennplatzes, der Nachtcafés und Bars, Damen und Herren, elegant gekleidet in Phantasiekostümen oder nach der neuesten Mode und mit preziöser Gebärde. Als Künstler brachte ihm dies große Beliebtheit, aber auch den Vorwurf des übertriebenen Ästhetizismus ein.

Zu Rauths Lieblingsmotiven gehörte außerdem der Pierrot und Szenen aus dem Märchen Froschkönig. Die Begegnung zwischen Prinzessin und Frosch gestaltete er in sechs verschiedenen Varianten. Der Firma Philipp Rosenthal dienten Rauths Froschkönig und Liebesschwur als Entwürfe für zwei der beliebten Rosenthaler Porzellanfigurinen.

Leo Rauth widmete sich als Grafiker auch der Gebrauchskunst. Seine Plakate zählten zu den besten ihrer Art. Daneben fertigte er Radierungen, entwarf Exlibris, Geschäftskarten, Postkarten, Warenzeichen, Buchumschläge und Buchillustrationen.

Die kolorierte Zeichnung wurde für den geborenen LinienkünstlerPaul Kühn: Leo Rauth. In: Illustrirte Zeitung. S. 771 das eigentliche künstlerische Ausdrucksmittel, mit der er die Vielfalt seiner gestalterischen Ideen adäquat umzusetzen vermochte. Am nachhaltigsten hat er sich durch seine Zeichnungen von Tänzen bekannt gemacht. Eine Auswahl davon gab Rauth als handkolorierte Lichtdrucke in zwei heute äußerst raren MappenDie bibliographischen Angaben betreffend der Anzahl der Mappen, der Anzahl der in ihnen enthaltenen Drucke und der mit der Herausgabe beauftragten Verlage variieren. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass kurz vor oder nach dem Tod des Künstlers weitere Mappen in Kleinstauflage veröffentlicht wurden. heraus. In farbig höchst aparten Figuren sind alle nur erdenklichen Tänze dargestellt, alle kulturhistorischen, von den mystisch-feierlichen der Ägypter angefangen bis zum Cancan und Cake Walk und Twostep. Zu Mignons Eiertanz und Salomes Schleiertanz gesellen sich berühmte Tänzerinnen ihrer Evolutionen: Cleo de Merode, Saharet in der Kathinka-Polka, Ruth St. Denis mit ihrem Schlangentanz, andere mit Phantasie- und Kabarettänzen. Mit bewundernswerter Beobachtungsgabe hat Rauth die verschiedenen Tanzarten erfaßt, ihren Rhythmus, ihr Temperament, in Bewegung und Linien der Körper, der Arme, der Finger, in der Art, wie die Tanzenden auftreten, die Füße bewegen. Ganz erstaunlich sind die immer neuen Darstellungen exzentrischer Stellungen, die graziösen, verführerischen Körperverrenkungen, dieses geschmeidige Wiegen und leidenschaftliche Locken verlangender, sich preisgebender Tanzgebärden. In diesen köstlichen Tanzbildern weiß Rauth auch das Kostümliche, die kleinen intimen Einzelheiten verführerischer Dessous, das Flimmern und Gleißen der Stoffe, der Spitzen und Perlen mit Raffinement zu behandeln.Paul Kühn: Leo Rauth. In: Illustrirte Zeitung. S. 770

Für Leo Rauth war der Tanz ein Lebensthema. Bereits auf den Münchner Künstlerkarnevalsfesten trat er mit Inszenierungen von Bajaderen- und Bauchtänzen hervor. In Leipzig entwarf er dem Stadttheater Figurinen für ein Rokoko-Ballett zu der Musik Les petits Riens von Mozart.

Rauth, dem selbst Kritiker eine große Zukunft als Maler voraussagten, konnte sein künstlerisches Talent nicht vervollkommnen. Es klingt wie eine Vorausschau auf das jähe Ende eines kurzen, intensiven Künstlerlebens, wenn Paul Kühn wenige Monate vor Rauths Tod in seinem einfühlsamen Essay einleitend und zugleich resümierend über den jungen Maler schrieb:

Leo Rauth starb völlig unerwartet während eines Aufenthalts in Südtirol im Gasthof des Anton Dejori an der Elisabeth-Promenade oberhalb von Welschnofen.Laut dem Bericht einer eilig zusammengestellten Untersuchungskommission soll Rauth in der Dachkammer des im Winter geschlossenen Hauses Suizid begangen haben. Er wurde auf dem dortigen Kirchhof zwischen Beinhaus und Friedhofsmauer anonym bestattet.Eintrag in der Sterbematrikel der Katholischen Pfarrei Welschnofen, Januar 1913. Dieser Teil des Friedhofs wurde in den 1960er Jahren aufgelassen und überbaut.Franz Kohler: Kleriker und Laien, Folio-Verlag, Wien, Bozen 1994 [Welschnofen - Von der alten Zeit, Bd. 2].

Mitgliedschaften Deutscher Künstlerbund (abgerufen am 16. Dezember 2015) Leipziger Secession Deutsche Exlibris-Gesellschaft

Ausstellungen (Auswahl) 1909 Galerie Del Vecchio, Leipzig: Grafiken von Leo Rauth und Heinrich Haberl (1869–1934) 1909 Kunsthalle P. H. Beyer & Sohn, Leipzig: Zeichnungen, Lithographien und Radierungen 1910 Erste Leipziger Jahresausstellung der Secession: Ölgemälde: Herrenbildnis und Porträt 1910 Kunst und Gewerbehalle Hannover: Sonderausstellung Leo Rauth: 40 Ölgemälde: Porträts und Genrebilder, Grafiken 1911 Leipziger Jahresausstellung: Ölgemälde: Aline Sanden als Carmen 1911 Internationale Aquarell-Ausstellung des Sächsischen Kunstvereins