mini|Betriebshof in der Freiimfelder Straße mini|Fahrscheinautomat der HAVAG (2007) mini|Straßenbahnbetriebshof in der Freiimfelder Straße mini|HAVAG-MGT6D der Linie 5 an der damaligen Endhaltestelle in Bad Dürrenberg (2009) mini|Fahrkarte der HAVAG
Die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) ist das Nahverkehrsunternehmen der Stadt Halle (Saale) und bedient daneben auch mehrere Gemeinden im Saalekreis wie Schkopau, Merseburg, Leuna und Bad Dürrenberg mit Straßenbahnwagen und Bussen. Die HAVAG ist seit September 2009 ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Halle GmbH.
Die HAVAG ist Mitglied des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV).
Geschichte des ÖPNV in Halle Die Anfänge bis zum Zweiten Weltkrieg 1878 wurde als Vorläufer zur Pferdestraßenbahn eine Pferdeomnibuslinie vom Markt über Giebichenstein nach Trotha eröffnet.
Ab dem 15. Oktober 1882 fuhren auf der Strecke Hauptbahnhof – Markt – Geiststraße – Mühlweg – Giebichenstein – Trotha (heutige Seebener Straße) die ersten Pferdebahnen durch die Saalestadt, damals noch unter dem Namen Hallesche Straßenbahn-AG („Rote Bahn“). Die Endstelle Trotha befand sich am heutigen Hintereingang des Halleschen Bergzoos vor der damaligen Saalschlossbrauerei. Im August 1889 nahm mit der Stadtbahn Halle („Grüne Bahn“) eine zweite Gesellschaft den Pferdebahnbetrieb auf. Dabei erhielten die heutige Magdeburger Straße, Große Steinstraße, Franckeplatz, Steinweg und die heutige Merseburger Straße eine Anbindung an die Pferdestraßenbahn.
1890 begann die AEG, die die Stadtbahn Halle erworben hatte (AEG Stadtbahn Halle), mit der Elektrifizierung ihres Streckennetzes. Der elektrische Betrieb begann am 24. April 1891. Es war die erste deutsche Straßenbahn mit Fahrdraht und Rollenstromabnehmer, die von Anfang an für kommerziellen Betrieb gebaut worden war. Durch den hohen Konkurrenzdruck war auch die Hallesche Straßenbahn-AG gezwungen ihre Strecken zu elektrifizieren, musste aber lange Zeit mit dem Physikalischen Institut der Universität kämpfen, das sich in der Nähe einer Trasse befand. Die dortigen Wissenschaftler befürchteten, dass „der von den Schienen entweichende und sich mit dem Erdmagnetismus verbindende Rückstrom die feinen, außerordentlich empfindlichen magnetischen Instrumente des Institutes so beeinträchtigen würde“.Geschichte der Straßenbahn Halle – Hallesche Straßenbahn AG (Pferdebahn 1882–1911) – 3. Januar 1898. auf: strassenbahn-halle.de Vom 7. Mai 1899 bis zum 23. August 1902 wurde ein gemischter Betrieb mit Akku- und Oberleitungs-Triebwagen durchgeführt. Zahlreiche neue Strecken wurden von beiden Gesellschaften in den Folgejahren gebaut. Unter anderem wurden der Bahnhof Trotha, Böllberg, Kröllwitz und Reideburg an das Straßenbahnnetz angeschlossen.
Am 15. März 1902 nahm die der AEG gehörende elektrische „Fernbahn Halle–Merseburg“ von Ammendorf aus den Straßenbahnverkehr zwischen Halle und Merseburg (und später durch das Geiseltal und nach Bad Dürrenberg) auf. Sie war jedoch keine Konkurrenz zu den halleschen Gesellschaften, da sie nur bis zum Riebeckplatz fuhr und kein innerhallesches Netz aufbaute. Die Bahn gehörte ab 1913 der Merseburger Überlandbahnen-AG (MÜBAG) und wurde 1951 mit der halleschen Straßenbahn vereinigt.
1911 kaufte die Stadt Halle die Hallesche Straßenbahn-AG und betrieb sie als städtisches Unternehmen weiter. Hinzu kam 1917 durch Kauf die AEG Stadtbahn Halle, so dass es danach nur noch die Städtische Straßenbahn Halle gab.
1919 begann der Bau des Betriebshofs Freiimfelder Straße. Auch die Verwaltung und später die Busse wurden hier untergebracht.
Weitere Streckeninbetriebnahmen gab es unter anderem mit der Verlängerung der Trasse in Kröllwitz, in der Beesener Straße und über den heutigen Gimritzer Damm an den Heiderand. Später folgte eine Trasse in der Dessauer Straße zu den Siebel Flugzeugwerken.
1929 wurde die Städtische Straßenbahn Halle mit anderen Unternehmen der Stadt zu den Stadtwerken zusammengeschlossen. Der neue Name lautete Werke der Stadt Halle AG, Abteilung Straßenbahn (WEHAG). Die WEHAG nahm im Mai 1930 erstmals einen Omnibusverkehr in Halle auf.
Während des Zweiten Weltkrieges Mit den Vorbereitungen zum Zweiten Weltkrieg wurde der begonnene Bau einer Straßenbahnstrecke von Ammendorf nach Schkeuditz und Leipzig abgebrochen. Im Zweiten Weltkrieg scheiterte auch das Projekt eines Einheitsstraßenbahnwagens, für den die Gottfried-Lindner-AG (Waggonbau Ammendorf) einen Prototyp baute. Die Straßenbahn in Halle erlitt während des Krieges nur geringe Personen- und Sachschäden.
Zur Zeit der DDR Kurze Zeit nach Kriegsende wurde der Straßenbahn- und Busverkehr (mit kurzen Unterbrechungen) wieder aufgenommen. Die WEHAG wurde in Kommunales Wirtschaftsunternehmen (KWU) umbenannt und 1951 mit der MÜBAG zum VEB Straßen- und Überlandbahn Halle vereinigt. Zahlreiche Trassen wurden in den Folgejahren zurück- bzw. ganz abgebaut.
An zahlreichen Endhaltestellen entstanden Wendeschleifen. Mit dem VEB Kraftverkehr Halle nahm Mitte der 1950er Jahre ein weiteres Unternehmen den Omnibusbetrieb auf.
1958 begann infolge des Braunkohleabbaus im Mitteldeutschen Revier die Stilllegung der Straßenbahnstrecke von Merseburg durch das Geiseltal nach Mücheln. Seit Mai 1968 endet die Verbindung in Merseburg-Süd. Die Strecke zwischen Merseburg und Bad Dürrenberg wird jedoch weiterhin befahren.
Seit 1964 fahren in Halle keine Schaffner mehr in Straßenbahnwagen mit, es wurden Zahlboxen eingeführt. Zur Ausnahme wurden hier vorerst die von Halle nach Schkopau und Merseburg fahrenden Linien. Zur gleichen Zeit begann der Bau von Halle-Neustadt, wobei die geplante Anbindung an das Straßenbahnnetz zugunsten eines dichten Busliniennetzes verworfen wurde. Dieses wurde hauptsächlich durch den VEB Kraftverkehr Halle betrieben. Mit dem Umbau des Thälmannplatzes ab 1965 verlor dieser in den Folgejahren seine Rolle als zentraler Umsteigepunkt.
Im August 1969 trafen der erste Tatra T4D und B4D aus Prag in Halle ein. Im selben Jahr begann der S-Bahn-Betrieb in Halle vom Hauptbahnhof nach Trotha. Der durchgehende Verkehr von Trotha über Hauptbahnhof nach Halle-Neustadt und Dölau folgte kurze Zeit darauf. Die Strecke zwischen Nietleben und Dölau wurde 2002 eingestellt. Im Dezember 2004 nahm die S-Bahn Leipzig-Halle den Verkehr auf (heute S-Bahn Mitteldeutschland).
Um das Umsteigen in Merseburg zu beenden, wurden die Überlandlinien 1971 eingestellt. Seit Dezember 1971 fährt die Linie 5 durchgehend von Halle über Schkopau, Merseburg und Leuna nach Bad Dürrenberg. Sie ist als „Überlandstraßenbahn“ mit etwa 31 km Streckenlänge eine der längsten Straßenbahnlinien der Welt und gehört zu den besonderen Attraktionen im ÖPNV.
Die ersten großen Streckenerweiterungen seit Ende der 1930er Jahre begannen 1976, zeitgleich mit dem Aufbau der Südstadt I und II und der Silberhöhe. Dabei wurden Gleise in der heutigen Vogelweide, Paul-Suhr-Straße, Böllberger Weg verlegt sowie 1982 eine Trasse quer durch die Silberhöhe gebaut.
Von 1982 bis 1989 gab es zwischen Halle und Merseburg einen Güterverkehr, der mit Straßenbahnwagen erfolgte.
Nach 1989/90 Firmenstruktur 1990 ging aus dem VEB Kraftverkehr Halle die OBS Omnibusbetrieb Saalkreis GmbH (OBS) hervor. Als Rechtsnachfolger der VE Verkehrsbetriebe Halle wurde im Frühsommer 1990 die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) gegründet. Sie übernahm den Halle-Neustädter Busverkehr.
Seit 2001 ist die HAVAG Gesellschafter des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV).
Im Jahr 2009 wurde die HAVAG in die kommunale Holding Stadtwerke Halle integriert.
Netz und Infrastruktur Seit Mitte der 1990er Jahre wurden zahlreiche Streckenabschnitte – wie etwa der Bereich Trotha – Reileck – Ludwig-Wucherer-Straße oder Kröllwitz – Burg Giebichenstein modernisiert und umgestaltet.
1997 wurde der Betriebshof Rosengarten eröffnet. Die Schließung der Betriebshöfe Ammendorf und Merseburg erfolgte bis 2003.
Am 17. April 1998 begann der Bau der Straßenbahn Halle-Neustadt – Hauptbahnhof. Zu diesem Projekt gehört auch die Umgestaltung der Straße An der Magistrale in Halle-Neustadt, des Verkehrsbereichs Franckeplatz/Glauchaer Platz und des Riebeckplatzes bis 2006. 2007 begann der Lückenschluss zwischen den Endhaltestellen Heide und Kröllwitz über den Brandbergweg, am 14. Oktober des gleichen Jahres wurde die Strecke eröffnet.
Im Oktober 2005 wurde der neue Streckenabschnitt für die Straßenbahn zwischen den Haltestellen Riebeckplatz und Hauptbahnhof aufgenommen. Kurze Zeit später, am 18. Dezember 2005, trat ein neuer Fahrplan in Kraft, der für die Straßenbahn einen einheitlichen 15-Minuten-Takt vorsieht. Außerdem wurde die Straßenbahnlinie 3 nach 84 Jahren eingestellt, der Betrieb auf dieser Linie wurde jedoch zum 31. Oktober 2006 wieder aufgenommen.
Im Jahr 2008 begann die Sanierung der Delitzscher Straße mit Verlängerung des Liniennetzes von Büschdorf.
Fahrzeugpark Im März 1990 trafen die ersten westlichen Omnibusse in Halle ein. Die ersten Erdgasbusse wurden 1995 eingesetzt. Die HAVAG setzt Gelenk-, Solo- und Kleinbusse ein.
1990 wurden ältere Gelenkwagen von der Straßenbahn Stuttgart des Typs GT4 übernommen. Sie wurden bis 2003 eingesetzt, danach wurden diese Wagen in die rumänische Iași verkauft. 41 komplette Tatra-Garnituren (sog. „Großzüge“) bestehend aus je zwei Trieb- und einen Beiwagen wurden ab 1991 in Mittenwalde modernisiert, sie hießen fortan T4DC bzw. B4DC.
1992, gleichzeitig mit der kompletten Umgestaltung des Liniennetzes erhielt die HAVAG einen neuen und modernen Gelenkwagentyp, den MGT6D. Nach zwei Prototypen, die später nach Brandenburg an der Havel übergeben wurden, kamen 60 Serienwagen zwischen 1996 und 2001 zu. Ein weiterer Wagentyp – MGT-K – fährt seit 2004 in der Stadt, nach 30 Wagen hat man eine zweite Serie von 12 Fahrzeuge nachbestellt, die 2013 in Betrieb genommen wurde.
Von den überflüssig gewordenen Tatrawagen wurden zuerst die nicht modernisierten Fahrzeuge zwischen 1997 und 2005 nach Arad, Iași, Sofia, Kaliningrad und Pjatigorsk verkauft. In der ersten und letzten Stadt sind sie noch im Betrieb. 2011 gingen auch ein Teil der modernisierten Wagen in die bulgarische Hauptstadt – wobei ein „Großzug“ für je 18.000 Euro verkauft wurde – wurden jedoch bis zu Anfang der 2020er Jahre komplett abgestellt.
In Halle standen die modernisierten Tatras bis 2021 in Betrieb, danach wurde die Garnitur 1156 + 1201 + 222 als Museumsfahrzeuge erhalten.
Die historischen Straßenbahnwagen sind im 1996 eröffneten Straßenbahnmuseum Halle im musealen Depot Seebener Straße zu besichtigen.
Unternehmen Am 16. Juni 1990 wurde die HAVAG als Rechtsnachfolger der VE Verkehrsbetriebe Halle gegründet.
Sie unterhält derzeit 12 Straßenbahn- und 24 Buslinien. Davon werden drei Buslinien nur im Schülerverkehr eingesetzt. Die Straßenbahnlinien 1, 2, 5, 7, 8, 10 und 95 verkehren wochentags im Spätverkehr und am Wochenende auch im Nachtverkehr. Die Buslinien 21, 22, 27, 34 und 40 verkehren im Spätverkehr und am Wochenende auch im Nachtverkehr. In der Woche decken die Buslinien 91 und 97 das Streckennetz im Nachtverkehr ab. Auf den Buslinien 23, 24, 25, 26, 28 kommen in der Nacht und teilweise am Wochenende Rufbusse zum Einsatz.
Die Straßenbahngleise haben eine Spurweite von 1000 mm (Meterspur).
Versorgungsgebiet Stadt Halle (Saale) Landkreis Saalekreis Franzigmark (nur Bus) Schkopau (nur Straßenbahn) Merseburg (nur Straßenbahn) Leuna (nur Straßenbahn) Bad Dürrenberg (nur Straßenbahn) Zscherben (nur Bus)
Von 2007 bis 2010 wurden mehrere Buslinien in den benachbarten Saalekreis aufgegeben, da Liniengenehmigungen abgelaufen warenFahrplanwechsel der HAVAG – Rufbusangebot wird ausgebaut. auf: havag.com, 4. Dezember 2007. bzw. die Stadt Halle ein entsprechendes Angebot nicht weiter finanzieren wollte.Havag stellt Buslinie nach Lieskau ein. auf: mz-web.de, 27. September 2010.