Ernst Steffan (* 22. Jänner 1890 in Wien als Ernst SteinerGeburtsbuch israelitische Kultusgemeinde Wien, Band M, Nr. 2326 (Faksimile bei FamilySearch – kostenlose Registrierung erforderlich); vgl. Ziviltrauungen Budapest VI., 1911, fol. 537 (Faksimile bei FamilySearch); abweichende Geburtsdaten 22. Jänner 1896 bzw. 2. Jänner 1890 (Oesterreichisches Musiklexikon); † 26. September 1967 in Berlin) war ein österreichischer Komponist, Librettist und Dirigent.

Leben Ernst Steffan wurde 1890 in Wien geboren. Er studierte an der Wiener Musikakademie Klavier bei Robert Fischhof und Komposition bei Hans Thornton. Lieblingskomponist des jungen Musikstudenten war Johannes Brahms. In seinen frühen Kompositionen, in denen er ausschließlich "Ernste Musik" zu schreiben suchte, eiferte er diesem nicht ohne Erfolg nach; in der Tat gehören diese Werke der Brahmsschen Ausdrucksweltvgl. Karl Albert: Biographie Ernst Steffan. In: Welt der Operette, © 2005 an.

Doch es kam ganz anders: Steffans Erfolgsmetier sollte die Operette werden. 1914 wurde sein Erstlingswerk Betty, das er in Zusammenarbeit mit Paul A. Rubens schrieb, am Daly’s Theatre in LondonA musical play by Frederick Lonsdale and Gladys Unger; lyrics by Adrian Ross and Paul A. Rubens; music by Paul A. Rubens; additional numbers by Ernest Steffan; vocal score. Uraufführung: 2. Dezember 1914, Informationen bei klassika.info uraufgeführt, zwei Jahre später folgte am Deutschen Künstlertheater in Berlin das Volksstück mit Musik Der Jüngling mit den EllenbogenUraufführung: 22. September 1916 am Deutschen Künstlertheater in Berlin mit Max Adalbert, Hedy Ury, Adalbert Lieban und Käthe Haack, vgl. klassika.info.

1921 ging Ernst Steffan nach Berlin. Dort erlebte er noch im selben Jahr mit der Operette Das Milliardensouper seinen eigentlichen DurchbruchDie Uraufführung war am 16. April 1921 am Berliner Theater in Berlin mit Ralph Arthur Roberts, Hilde Wörner, Uschi Elleot und Herbert Kieper. Innerhalb kurzer Zeit machte dieses Stück seinen Namen weithin bekannt. Das Couplet An der Kranzler-Ecke weht ein scharfer Wind daraus wurde rasch zum Schlager; nach dem Kriege wurde es durch das Vertauschen der ‘Kranzler’- mit der ‘Broadway’-Eckevgl. Angabe bei textlich ‘modernisiert’.

Wo Steffan nicht selbst als Librettist wirkte, arbeitete er mit bewährten Textdichtern seiner Zeit zusammen, die für einen Erfolg bürgen konnten: mit Felix Dörmann, Paul Knepler, Bela Jenbach, Fritz Löhner-Beda, Carl Rössler, Wilhelm Sterk und Alfred Maria Willner.

Sechs weitere Operetten folgten bis 1932, darunter waren am erfolgreichsten die textliche und musikalische Neufassung der Operette GasparoneDank Ernst Steffans liebevoller Bearbeitung erlebte Gasparone daraufhin einen unvergleichlichen Siegeszug um die Welt, vgl. auf: vvb.de von Carl Millöcker, die 1931 am Berliner Theater am Nollendorfplatz in glanzvoller Besetzung mit Leo Slezak, Margarete Pfahl, Michael Bohnen, Willi Stettner, Emmy Sturm und Marianne Winkelstern uraufgeführt wurde, und die „russische Ballade in neun Bildern“ Katharina,Eine russische Ballade in neun Bildern von Ludwig Herzer und Ernst Steffan, Gesangstexte von Fritz Löhner, Musik von Ernst Steffan, vgl. klassika.info deren Premiere am 17. Oktober 1932 im Theater im Admiralspalast zu Berlin mit Gitta Alpár in der Titelrolle und dem jungen Tenor Hans Rehmann stattfand.

Das Lied Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau, das er mit Paul Knepler als Einlagenach einer Melodie, die Millöcker aus seiner wenig erfolgreichen Operette Der Vizeadmiral übernommen hatte, vgl. Gasparone. Millöcker, Carl: Dunkelrote Rosen bring` ich, schöne Frau. Lied und Boston aus der Operette Gasparone. Textliche Neugestaltung von Ernst Steffan und Paul Knepler. Musikalische Bearbeitung von Ernst Steffan. Klavierarrangement: Rolf Erans. Berlin, Allegro Theaterverlag c 1932 4°, 1 Faltblatt (3 S.), vgl. zur Operette Gasparone geschrieben hatte, wurde zu einem Schlager, der noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Wunschkonzert-Listen rangierte; es wurde von nahezu allen populären Unterhaltungssängern, von Karl Schmitt-Walter über Willy Schneider bis zu Wilhelm Strienz und Rudolf Schock, in ihr Repertoire aufgenommen.Zum makabren Beleg für seine anhaltende Beliebtheit wurde es jüngst sogar in einer Karaoke-Version angeboten, vgl. : Dunkelrote Rosen bring' ich, schöne Frau (Karaoke Version) (Originally Performed By Willy Schneider)

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verließ Ernst Steffan Deutschland und zog nach London, wo er 20 Jahre lang lebte. Während dieser Zeit im Exil schrieb Steffan keine Operette mehr. Erst nachdem er 1953 nach Deutschland zurückgekehrt war, wagte er noch einen Versuch in diesem Genre. Am 31. Dezember 1954 wurde am Lessing-Theater in Nürnberg das Musikalische Lustspiel Liebling, ich hasse dich, sein letztes Werk für die Operettenbühne, uraufgeführt.vgl. klassika.info

Neben seinen Operettenkompositionen war Ernst Steffan auf vielen Gebieten des Musiklebens tätig. So gab er Gesangs- und Klavierunterricht, schrieb Textez. B. die deutschen Liedtexte zu den beiden Filmschlagern aus René Clairs Tonfilm Sous les toits de Paris von 1930, zusammen mit Egon Schubert. Er arbeitete dabei auch mit anderen Textdichter-Kollegen wie Austin Egen und Arthur Rebner. und komponierte auch Filmmusik.

Ernst Steffan starb am 26. September 1967 in Berlin.vgl. akuma.de Nach seinem Tode wurde seine Asche von seiner Familie zurück nach England gebracht.

Werk Das DNB-Musikarchiv führt 77 Einträge zu Steffan, Ernst. worldcat.org führt 107 Einträge zu Steffan, Ernst.

Operetten Betty (London, 1914) (T Adrian Ross; Paul A.Rubens) Der Jüngling mit den Ellenbogen (Berlin, 1916) (T Carl Rössler; Ludwig Heller) Das Milliardensouper (Berlin, 1921) (T Alfred Maria Willner; Hans Kottow) Agri (Wien, 1924) (T A. M. Willner; Wilhelm Sterk) Hoheit Franzl (Wien, 1924) (T Felix Dörmann) Münchhausen (Berlin, 1927) (T Felix Dörmann; Bela Jenbach) Die Toni aus Wien (Berlin, 1931) (T nach A.M. Willner und E. Rubricius, von Ernst Steffan u. Paul Knepler) Gasparone (Berlin, 1931, Neufassung der Operette von Millöcker) (T Ernst Steffan; Paul Knepler) Katharina (Berlin, 1932) (T Fritz Löhner-Beda) Liebling, ich hasse dich (Nürnberg, 1954) (T Ernst Steffan nach einer Idee von Viktor Kelemen) (Quelle:vgl. auf: comusico.com)

Filmmusik Die Firma heiratet (Deutschland 1930, Regie Carl Wilhelm. Musik, musikalische Leitung, Liedtexte: Ernst Steffan) Uraufführung: 19. Jänner 1931, BerlinInformationen auf filmportal.de Der Raub der Sabinerinnen (BR Deutschland 1953/1954, Regie Kurt Hoffmann, Musik: Ernst Steffan) Uraufführung: 2. April 1954, BerlinInformationen auf filmportal.de

Lied- und Tanzschlager Verlag: UFA Musikverlage Besetzung: Gesang und Klavier An der Broadway- (Kranzler-) Ecke. Onestep aus der Operette "Das Milliarden-Souper". (T Dr. A. M. Willner und Hans Kottow) Best-Nr.: UFA12324 Carmen, ach du machst uns toll. Schotis españole aus der Operette "Das Milliarden-Souper". (T Dr. A. M. Willner und Hans Kottow) Best-Nr.: UFA12325 Du gehst so fremd an mir vorbei. Tango (Text von A. Rebner). Best-Nr.: UFA12326 Ein Mädel wie nach Maß gemacht. Best-Nr.: UFA12327 In Amerika ist alles möglich. Best-Nr.: UFA12328 Nur in Sebastopol. Best-Nr.: UFA12329 Schatz, lass dich kommunisieren. Best-Nr.: UFA12330 Was kann es Schön’res geben. Best-Nr.: UFA12332

Verlag: UFA Musikverlage. Besetzung: Klavier Shimmy. Best-Nr.: UFA12331

Andere Musikverlage: Zuerst wünscht man bloß ein Momentchen. Shimmy-Lied aus der Operette: "Agri". Textanfang: Einmal kommt der Augenblick, wo unser Herz sich bindet. Von A.M. Willner, Wilhelm Sterk und Ernst Steffan; [für] Gesang und Klavier. Leipzig: Doblinger, © 1924. Reizendes Kind mit den blonden Haaren. Lied aus der Operette "Münchhausen". Text von Felix Dörmann und Bela Jenbach; Musik von Ernst Steffan, [Arr. ?] Gustav BlasserBlasser, Gustav Adolf Josef, Komponist und Arrangeur (1857–1942) ; [für Gesang und Klavier]. Leipzig: Doblinger, © 1927. Die Toni aus Wien, daraus: Walzer (Ernst Steffan; Wolfgang Friebe) Verlag: Berlin-München Dreiklang-Dreimasken Bühnen- und Musikverlag / Crescendo Musikverlag, o. J. Blonde Mädels. Foxtrot aus dem Singspiel "Die Toni aus Wien". Musik von Ernst Steffan – Text v. Ernst Steffan u. Paul Knepler. Dreiklang-Dreimasken Bühnen- und Musikverlag / Crescendo Musikverlag, o. J. Zwei Augen, so betörend wie deine. Slow Fox aus dem Singspiel "Die Toni aus Wien". Musik von Ernst Steffan – Text v. Ernst Steffan u. Paul Knepler. Dreiklang-Dreimasken Bühnen- und Musikverlag / Crescendo Musikverlag, o. J. Dunkelrote Rosen bring' ich, schöne Frau. Lied aus “Gasparone” (Carl Millöcker – Ernst Steffan – Paul Knepler) Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG 1932 Er soll dein Herr sein. Lied aus der Operette "Gasparone" (Carl Millöcker – Ernst Steffan – Paul Knepler) Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG 1932 Tatjana (Freu dich, Tatjana). Lied aus "Katharina". Musik: E. Steffan, Text: Fr. Loehner. Wiener Boheme-Verlag, 1932 Das Mädel vom K.D.W. (Ernst Steffan) o. Angab.worldcat.org gibt nur eine Aufnahme mit dem »Odeon-Orchester mit Refraingesang« an, nennt aber weder Bestell- noch Matrizennummer der Odeon-Platte. Auch ob das Stück aus einer Operette von Steffan ist, wird nicht angegeben. Es handelt sich um die Platte 312.289 (Matrizennummer xBe 3031). Mit dem K.d.W. ist das 1907 eröffnete Berliner "Kaufhaus des Westens" gemeint, vgl. auf: kakanien.wordpress.com. Zitiert daraus: „Das KaDeWe ist aber keine Erfindung der CIA sondern über 100 Jahre alt. Der „Westen“ stand damals nicht für Kapitalismus: der Westen, das waren die – 1907 – neuen Bezirke Tiergarten, Charlottenburg und Wilmersdorf. Das Kaufhaus wurde in einem Jahr fertig gestellt, was uns Gegenwärtige wundert, und ist heute angeblich das größte Warenhaus Kontinentaleuropas.“

Texte Sous les toits de Paris (In Paris, in Paris sind die Mädels so süß). Lied und Waltz. Deutscher Text von Ernst Steffan und Egon Schubert. Musik von R. Nazelles, Raoul Moretti; M. Galiardin. Aus dem Tonfilm "Sous les toits de Paris" (F 1930, R René Clair). C'est pas comme ça (Ohne Liebe ist das Leben …). Lied und Fox-Trot. Deutscher Text von Ernst Steffan und Egon Schubert. Musik von R. Nazelles, Raoul Moretti; M. Galiardin. Aus dem Tonfilm "Sous les toits de Paris" (F 1930, R René Clair). Schau nie zu tief in schöne Augen. Fox-Trot (Fred Raymond; arr. Fred Ralph; Text von Austin Egen u. Ernst Steffan). Ungeküsst soll eine Frau nicht schlafen geh’n. Fox-Trot (Rudolf Nelson, Text von Ernst Steffan). Warum, charmante Frau, lieb' ich grad' Sie? Tango (Bruno Bauer; Ernst Steffan; Arthur Rebner)vgl. Ritzel (Oldenburg) S. 57, Anm. 18 (PDF) Abendlied: [Des-Dur, op. 85, Nr. 12] Robert Schumann; Raoul Moretti; Text von Ernst Steffan; Egon Schubert [ca. 1930].

Tondokumente (Auswahl) Operette Ich hab' 'nen Scheck, Lied aus "Der Jüngling mit dem Ellenbogen" (E. Steffan): “Beka”-Orchester. Beka Nr. 30 090 (mx. 30 090), aufgen. 19. September 1916 (PDF) Chef und Tippmamsell. Lied aus "Der Jüngling mit dem Ellenbogen" (E. Steffan): “Beka”-Orchester. Beka Nr. 30 091 (mx. 30 091), aufgen. 19. September 1916 (PDF) An der Kranzler-Ecke. One-Step aus “Das Milliardensouper” (E. Steffan): “Beka”-Orchester mit Gesang. Beka Nr. 31 048 (mx. 31 048), aufgen. 6. April 1921 (PDF) Auch auf Polyphon-Record 30 512/2-27 098 (mx. 206 at) Kapellmeister Stern mit seiner Künstlerkapelle vom Hotel Adlon, Berlin Auch auf Homokord Nr. 16 278 Orchester mit Refraingesang Carmen, ach du machst uns toll! Schottisch espagnole aus “Das Milliardensouper” (E. Steffan) “Beka”-Orchester mit Gesang. Beka Nr. 30 969 (mx. 30 969), aufgen. 23. April 1921 Auch auf Homokord Nr. 16 279 Orchester mit Refraingesang