mini|Landschaftsschutzgebiet Hüttertal

Das Hüttertal in Sachsen befindet sich zwischen Wallroda und Radeberg und ist seit 1954 ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet (Sächsische LSG-Nr. d14; CDDA-Code 321858). Es gehörte zu den ersten Schutzgebieten der DDR und mit einer Fläche von 54 Hektar auch zu den kleinsten.

Seit 2006 ist das Hüttertal Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000 (zugehörig zum insgesamt 770 ha großen FFH-Schutzgebiet Nr. 4848-301 Rödertal oberhalb Medingen) und unterliegt damit strengen natur- und vogelschutzrechtlichen Bestimmungen.

Es liegt im Übergangsbereich vom Westlausitzer Hügel- und Bergland zum Schönfelder Hochland. Durch das Hüttertal fließt die Große Röder in Richtung Radeberg.

Allgemeines mini|Granodioritaufschluss nahe der Hüttermühle Das Hüttertal ist ein etwa drei Kilometer langes und im Durchschnitt 150 bis 200 Meter breites Kerbsohlental, das die Große Röder im Laufe von Millionen Jahren in die felsige Landschaft zwischen Wallroda und Radeberg erodiert hat. An vielen Stellen des Tals gibt es offene Felshänge aus Granodiorit und Sedimentgesteinen. Der Granodiorit wird bereichsweise von turmalinführenden Quarzgängen durchzogen. Das Mineral tritt in der schwarzen Varietät „Schörl“ auf. Die gefundenen Turmalinkristalle wiesen vereinzelt Schmucksteinqualität auf.Museum Mineralogia München, Sonderausstellung Turmaline (25.11.2020 bis 31.05.2021)Sächsische Zeitung v. 21.01.2006 https://www.saechsische.de/plus/edelsteine-im-huettertal-1386628.html Zwei ehemalige Steinbrüche sind erkennbar („Tote Frau“ und „Grotte“). Entlang des Flusslaufes entwickelten sich sowohl Waldflächen (teils als naturnahe Auwälder) als auch Wiesen und Hochstaudenfluren. Der Fernwanderweg Lausitzer Schlange verläuft durch das Hüttertal. Die höchste Erhebung ist der zur Wallrodaer Flur gehörende Hutberg (296 Meter). Nördlich des Hüttertals befand sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts das Waldgebiet Strankholz, ein Teil der Landwehr.

Natur Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Hüttertal vorrangig als Weidefläche für Schafe benutzt und war daher fast baumlos. Nur vereinzelt wurden Baumpflanzungen von einigen Mühlenbesitzern vorgenommen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde vom Verschönerungsverein Radeberg begonnen, das Hüttertal zu einem Volkspark umzuwandeln. Erste großflächige Pflanzungen von Eichen, Platanen und Robinien wurden durchgeführt. Dieses Vorhaben konnte wegen der veränderten Bedingungen des Ersten Weltkrieges nicht weiter umgesetzt werden.

Flora mini|Große Röder im Hüttertal Das Hüttertal besteht zu großen Teilen aus naturnahem Eichen-Hainbuchenwald. Außer den namensgebenden Baumarten wachsen Ulmen, Birken, Eschen, Linden, Erlen und Ahorne sowie Kiefern, Fichten und Weymouthskiefern. Durch die intensive Beweidung des Tals bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gibt es nur sehr wenige ältere Bäume.

Zwischen den Waldflächen sind einige besondere Wiesen zu finden. Neben Märzenbecherwiesen gibt es eine Orchideenwiese, auf der unter anderem das Breitblättrige Knabenkraut, eine einheimische Orchideenart, größere Vorkommen aufweist. Diese Wiese ist als Flächennaturdenkmal ausgewiesen. Im Frühling sind viele Lichtungen mit Buschwindröschen bedeckt. Weitere schützenswerte Pflanzen des Hüttertals sind die Akeleiblättrige Wiesenraute, verschiedene Arten der Pestwurzen, der Wald-Gelbstern und das Scharbockskraut.

Die Rödertalblume, eine Unterart aus der Gattung des Sonnenhutes, wurde erst durch den Menschen in das Hüttertal eingeschleppt und ist somit als Neophyt zu betrachten. Ebenfalls neobiotisch ist das Drüsige Springkraut, welches auf Wiesen und Lichtungen sowie in locker bewachsenen Waldstücken sehr häufig zu finden ist.

Fauna mini|Weißstorch im Hüttertal Im Hüttertal sind Rotfuchs, Reh, Feldhase, Eichhörnchen, Dachs, verschiedene Mausarten, Fledermäuse und Mauswiesel heimisch. Der Flusslauf der Großen Röder bietet Lebensraum für Fischotter, Libellen und einige Kröten- und Froscharten. An einigen Stellen des Waldes kommen Nashornkäfer und wilde Hornissen vor. In den vergangenen Jahren sind öfter durchziehende Biber gesichtet worden, Biberbaue sind noch nicht gefunden worden.

Die sehr artenreiche Vogelwelt (Avifauna) des Hüttertals bewirkte die Einstufung als Vogelschutzgebiet. Über 60 verschiedene Arten wurden gezählt. Die wichtigsten Großvögel sind Graureiher, Rotmilan, Mäusebussard und Weißstorch. Außerdem brüten Grünspecht, Buntspecht, Kleiber, Finken, Amseln, Meisen, Grasmücken, Zaunkönig und Waldsänger im Hüttertal. Zu den exotischsten Bewohnern zählen Eisvogel und Wasseramsel.

Schlossmühle Radeberg mini|Schlossmühle (2015) Im Jahr 1445 wurde die ehemals zum Schloss und Amt Radeberg (nicht zur Stadt Radeberg) gehörende Schlossmühle als „Hußmol“ das erste Mal urkundlich erwähnt und ist damit nach heutiger Kenntnis die älteste Mühle auf dem Gebiet der heutigen Stadt Radeberg. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses Klippenstein. Das Erbbuch von 1551 führt zur Radeberger Amtsmühle aus: Eine Mohle unterm schloss an der Reder gelegen, hat drey uberschlechtige genge...Thieme, André: Zur Geschichte des Amtes Radeberg In: Burg und Amt zu Radeberg. Stadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 1, Radeberg, 2004. Die Schlossmühle gilt als das stadtseitige „Eingangstor“ zum Hüttertal.

In der oberschlächtigen Wassermühle mit ihren bereits 1551 belegten 3 Gängen wurde nach dem letzten großen Umbau 1982 durch Müllermeister Günter Sonntag bis ins Jahr 1996 Getreide zu Mehl gemahlen. Die Mühle gehört seit 2009 den Söhnen des letzten Müllers Günter Sonntag und wurde als Museumsmühle restauriert. Zu den Mühlentagen, den Tagen des Offenen Denkmals und bei besonderen Anlässen werden Vorführungen der wieder betriebsfähigen Walzenstühle und der zugehörigen Mühlentechnik einschließlich Schaumahlen geboten. Das Mühlengebäude, die dazugehörige Scheune und der Mühlgraben stehen unter Denkmalschutz.

Langbeinscher Garten mini|Blick in den Langbeinschen Garten Ernst Ludwig Langbein, Radeberger Justizamtmann und Vater des Dichters und Romanschriftstellers August Friedrich Ernst Langbein, erwarb nach dem Siebenjährigen Krieg die ursprünglich zum Schloss Klippenstein gehörige Brache auf der dem Schloss gegenüberliegenden (linken) Seite der Großen Röder und errichtete darauf eine terrassenförmige Gartenanlage mit Springbrunnen, Lusthäuschen und Statuen im Hüttertal. Bei der Erbauung der Anlage wurden die Reste alter Gebäude gefunden, die bei den vom Jagdschloss Klippenstein ausgehenden Jagden als Quartiere für Jäger und als Hundeställe benutzt wurden. Daran erinnern der Wegname Großer Hundestallweg entlang des Gartens sowie die Hundestallbrücke, eine 1781 gebaute Steinbogenbrücke über die Große Röder. Vorher befand sich an dieser Stelle des Fahrweges vom Schloss / Amt Radeberg nach Wallroda, zum Rittergut Kleinwolmsdorf und weiter nach Stolpen eine Furt. Die Anlage befindet sich in heute Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.

Knochenstampe mini|Ehemalige Knochenmühle, jetzt Wohnhaus Als Knochenstampe wird umgangssprachlich die ehemalige Öl- bzw. Knochenmühle zwischen der Felsklippe Tote Frau und der Hüttermühle bezeichnet. In der Mühle wurden Knochen für die Herstellung von Leim und Düngemittel zermahlen. 1859 erbaute der Besitzer der Hüttermühle, Carl Gottfried Mißbach, etwas unterhalb seiner Hüttermühle eine Ölmühle, die später zur Knochenmühle umgebaut wurde. Die Hüttermühle verkaufte er 1860 an seinen einzigen Sohn Carl Friedrich Mißbach. Nach dem Ende der DDR wurde das verfallene Haupthaus der Knochenmühle aufwändig saniert und dient seitdem als Wohngebäude. Das Haus steht zusammen mit einer davor befindlichen einbogigen Sandstein-Granit-Brücke unter Denkmalschutz.

Hüttermühle mini|Gasthaus und Gondelteich Hüttermühle um 1906 mini|Hüttermühle um 1930. Aquarell von Karl Stanka Die geschichtlich und überregional bedeutsame Hüttermühle ist historisch, baulich und touristisch der Kernpunkt im Hüttertal. Sie ist (unter verschiedenen Namen) bis in das 15. JahrhundertKlaus Schönfuß: Die Hüttermühle Radeberg. Eine Chronik. Hrsg.: Förderverein Hüttertal Radeberg e. V. Mai 2019. ISBN 978-3-00-062700-2 nachgewiesen. Ihre heutige Gebäude-Substanz besteht im Kern aus dem langgezogenen, in mehreren Ausbaustufen seit Ende des 16. Jahrhunderts existierenden und mehrmals erweiterten, ca. 43 m langen Gebäudekomplex. Das Mühlen-Gelände war Kreuzungspunkt früherer überregionaler Verkehrswege und spielte wegen der bereits 1762 erbauten Steinbogenbrücke über die Große Röder sowohl landwirtschaftlich (Verbindung Rittergut Kleinwolmsdorf mit den Radeberger Vorwerken Heinrichsthal und Friedrichstal) als auch militär-strategisch eine wichtige Rolle, insbesondere für Truppenbewegungen gegen Ende des Siebenjährigen Krieges und während der Napoleonischen Kriege wegen ihrer relativen Nähe zur damaligen Fernstraße (Königsstraße) Dresden – Bautzen – Görlitz – Breslau.

Mühlenbetrieb Für die Zeit von 1445 bis 1535 ist in den Aufzeichnungen der Einnahmen des Amtes Radeberg ein Schleifwerk nachgewiesen. Dabei handelte es sich um eine mit Wasserkraft angetriebene Schleiferei für landwirtschaftliches Gerät und auch für Waffen.

In den Jahren 1590/91 wurde an der Stelle des alten Schleifwerks durch Blasius Lorentz eine Walkmühle errichtet. Deren frühere Gebäude-Substanz ist Kern des heutigen langgezogenen Gebäudekomplexes. Christian Zschiedrich erweiterte den Mühlenbetrieb im 17. Jahrhundert mit einer Brettmühle, später ist zusätzlich noch ein Mahlwerk eingerichtet worden. Bekannte Besitzer der Mühle waren zum Beispiel Ernst Friedrich von Döhlau, Johann Christoph von Naumann und Gottfried Arnhold aus der überregionalen Müller-Dynastie Arnhold. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fungierte die Hüttermühle als Mahl-, Säge- und Walkmühle, zeitweise auch als Lohmühle. Auf dem Gelände wurden Pferde- und Kuhställe sowie weitere Wirtschaftsgebäude errichtet. Der Mühlenbetrieb wurde bis 1870 aufrechterhalten. Aus dem früheren Tal-Namen Walckmühlental folgten wegen der jahrhundertelangen intensiven Weidewirtschaft (Schafhaltung mit den historischen Namen Schafs-Huth und -Hüter) im Talgrund und an den z. T. bewaldeten Hängen und der näheren Umgebung (Hutewald) ab etwa 1785 die Namen Hütertal und Hütersmühle, daraus entwickelten sich Hüttertal und Hüttermühle.

Gastronomie/Erholung mini|Hüttermühle, westlicher Giebel des Gebäude-Komplexes (Auszugshaus), 2012 Die Hüttermühle erhielt 1877 das Schankrecht. Neben der Ausflugsgaststätte war vor allem der vom oberen Mühlgraben gespeiste. etwa 2.000 Quadratmeter große Mühlenteich beliebt, der im Sommer zum Gondeln und im Winter zum Eislaufen benutzt wurde. Ende der 1930er Jahre kam es zum wirtschaftlichen Niedergang und schließlich um 1940 zum Ruin und zur Schließung der Gaststätte. Von 1954 bis 1961 sind die Mühlengebäude nach notdürftiger Instandsetzung als Kinderferienlager genutzt worden.

In den Jahren 1972/1973 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten am Gebäude der Mühle, am Teich und am umliegenden Gelände. Von der Mühlentechnik blieb bis dahin nur das originale unterschlächtige Wasserrad (Holz-Rahmen mit speziell geformten Blech-Schaufeln, ca. 4 Meter Durchmesser) an der vorderen Fassade (ehem. Radhaus) erhalten, das jedoch wegen seines maroden Zustandes im Jahre 1978 gegen eine vom Schlossmühlen-Besitzer Günter Sonntag hergestellte mittelschlächtige, aber nicht mittels Wasserkraft angetriebene Nachbildung ausgewechselt wurde. Die Hüttermühle wurde fortan als Konsumgaststätte bis zum Ende der DDR betrieben. Statt der 2010 geschlossenen Gaststätte sichert heute eine umfassende Imbissversorgung die gastronomische Betreuung (Stand: August 2021). Teile des Mühlengebäudes, die Torsäulen sowie das Röder-Wehr mit dem teilweise überbauten Mühlgraben stehen unter Denkmalschutz.

Grünes Klassenzimmer