mini|Ehemalige Klosterkirche in Hachborn mit alter Klostermauer im Hintergrund
Das Kloster Hachborn (auch Stift Hachborn) war ein Prämonstratenserinnenstift in Hachborn, einem heutigen Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund im Landkreis Marburg-Biedenkopf, das 1186 gegründet und 1527 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde.
Geschichte mini|Das Mainzer Domkapitel bestätigt die Schutzerteilung für das Kloster Hachborn durch den Mainzer Erzbischof Siegfried II. (1215 April 3)
Die Gründung des Prämonstratenserstifts Hachborn erfolgte 1186 durch eine Schenkung der Herren von Merenberg. Die Brüder Giso und Hartrad der Jüngere (III.) hatten dem Prämonstratenserstift Arnstein ein Allod im Dorf Hachborn unter der Bedingung gestiftet, dass der Ort zum Gottesdienst gemäß den Vorschriften der Prämonstratenser eingerichtet werde. Bestätigt wurde die Schenkung durch eine Urkunde des Arnsteiner Stifts vom 31. Mai 1186.Friedrich Schunder (Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, S. 257. Im Jahr 1189 ging diese Probstei durch eine Schenkung an die Mainzer Kirche über. 1507 wurde das Kloster durch die Bursfelder Kongregation reformiert und im Zuge der Reformation 1527 aufgehoben. Der ehemalige Klosterbesitz wurde 1533 für die Marburger Siechenhäuser verwendet, 1561–93 hessisches Lehen der von Scheuernschloß, 1602–1625 der von Baumbach, wurde seither verpachtet und 1789 unter Hachborner Bauern aufgeteilt.HStAM Bestand Urkunden 25
Zu Beginn handelte es sich vermutlich um ein Doppelstift, da zunächst von Brüdern (fratres) die Rede ist, die das Stift bewohnten, in der Mitte des 13. Jahrhunderts aber auch eine Meisterin für Hachborn bezeugt ist.Friedrich Schunder (Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, S. 797. Ab diesem Zeitpunkt kann vom Bestehen eines reinen Frauenstiftes ausgegangen werden. Zur Schenkung der Merenberger kam das Patronat des Klosters über die nahegelegene Ebsdorfer Kirche hinzu, die ebenfalls der Mainzer Kirche und deren Erzbischof unterstellt war.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 12. Einem Plan aus dem Jahr 1698 lassen sich die zum Stift gehörigen Gebäude sowie die unmittelbar um die Wirtschafts- und Wohngebäude gelegenen Gärten und Nutzflächen entnehmen. Die Klosterkirche, die in mehrfach umgebauter Form noch besteht, muss im 13. Jahrhundert einem Brand zum Opfer gefallen sein, da der Konvent laut einer Urkunde für deren Restaurierung bzw. Wiederaufbau Spenden sammelte.Friedrich Schunder(Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, 798.
Der Auflösung des Stifts 1527 ging bereits eine allgemeine wirtschaftliche Krise voran.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 34 ff. Mit dem vergleichsweise kleinen Grundbesitz, über den das Stift verfügte, war es schließlich nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen und Abgaben zu leisten. Auch die Abgaben, die dem Stift von Seiten der Pächter zustanden, blieben ausweislich der Rechnungsbücher aus. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts kam es so weit, dass einzelne Stiftsfrauen mit ihrem Privatvermögen verpfändeten Besitz des Klosters auslösen mussten, damit die Selbstversorgung weiterhin gewährleistet war. Der verpfändete städtische Besitz in Marburg konnte nicht mehr ausgelöst werden und fiel nach der Auflösung des Stifts an die Stadt Marburg.
Wirtschaft und Besitz Als Kloster Der Ausgangspunkt für Besitz und Versorgung des Hachborner Stifts war der zur Stiftung des Geschlechts von Merenberg gehörende Grundbesitz, der aus landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und Wald bestand.Friedrich Schunder (Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, 787. Die landwirtschaftlichen Flächen dienten der Viehzucht und zum Gemüse- sowie Getreideanbau, während die Waldflächen zur Brennholzversorgung und Schweinemast genutzt wurden. Gemäß der Ordensregel der Prämonstratenser versorgten sich die in Hachborn ansässigen Stiftsfrauen in Eigenwirtschaft, wurden hierbei allerdings durch Laienbrüder bzw. -schwestern unterstützt.
Der Besitzschwerpunkt des Hachborner Stifts lag den Urkunden zufolge südlich von Marburg. Insgesamt verfügte das Kloster über Besitzungen in den heutigen Kreisen Marburg, Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Biedenkopf und Frankenberg. Zum Besitz des Klosters gehörten neben reinem Grundbesitz auch Mühlen, Fischteiche und Gewässer, städtische Immobilien und Höfe bzw. sogenannte Hofstellen, die das Kloster und seine Bewohner mit ihren Erträgen versorgten.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 378. Die wichtigste Mühle des Stifts, die Sandmühle, befand sich in Hachborn selbst; hier wurde der Großteil des Getreides gemahlen und dann direkt im Kloster gelagert und verbraucht. Es ist anzunehmen, dass die Dorfbevölkerung die Klostermühle mitbenutzte. Der vergleichsweise hohe Arbeitsaufwand, der sich durch die großflächigen Besitzungen ergab, erforderte zahlreiche Arbeitskräfte, die sich nicht allein aus den Reihen der Stiftsfrauen rekrutieren ließen. Vielmehr stammte das Gros der für Hachborn belegten Konversen bzw. Konversinnen aus dem Ort selbst oder aus der nahen Umgebung.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 82 ff. Sie waren mit der Verrichtung landwirtschaftlicher Arbeiten und der Bewirtschaftung des Streubesitzes betraut, während sich die Stiftsfrauen gemäß dem Grundsatz der Klausur lediglich im Bereich des Stifts aufhielten.
Dass es nicht zu allen Zeiten eine ausreichende Zahl an Konversen gab, legt die Tatsache nahe, dass für kleinere Aufträge und landwirtschaftliche Arbeiten zusätzlich Tagelöhner bzw. Lohnarbeiter hinzugezogen wurden.Friedrich Schunder (Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, 864. Doch nicht nur von Flächen, die das Stift unmittelbar selbst bewirtschaftete, profitierten die Schwestern. Vielmehr war ein Großteil des entfernter gelegenen Besitzes verpachtet und erbrachte Abgaben an das Hachborner Konvent. In diese Gruppe fällt auch der etwa vier Kilometer von Hachborn bei Ilschhausen gelegene Hof Fortbach, der gleich an zwei Pächter gegeben wurde. Ein anderer Hof, der Mönchhof, befand sich direkt in Hachborn und wurde von Konversen und Prämonstratenserinnen bewirtschaftet.
Der Großteil des Besitzes setzte sich aus gestifteten und im Laufe der Zeit erworbenen Flächen zusammen, wobei eine Tendenz zur Arrondierung von Grundbesitz in und um Hachborn zu erkennen ist, während aus verwaltungstechnischen Gründen versucht wurde, weiter entfernt gelegenen Besitz zu vermeiden bzw. zu verpachten oder zu veräußern. Einen Radius von 50 Kilometer um das Stift haben die Besitzungen nie überschritten, was durchaus auch mit der Größe des Konvents in Verbindung zu bringen ist.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 38. Die Wirtschaftstätigkeit der Prämonstratenserinnen in Hachborn blieb trotz allem beschränkt, wenn auch der Handel mit überschüssigen Erträgen oder Tieren belegt ist.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 104. Eine Ausweitung der Handelstätigkeit, wie sie den Zisterzienserinnenklöstern Caldern und Georgenberg durch deren Tuchproduktion möglich war, erfolgte hier nicht.
Eine weitere Einnahmequelle des Stiftes waren sogenannte Seelgerätestiftungen, mit denen die Spender für ihr Seelenheil zu sorgen gedachten, indem sie dem Kloster Geldsummen, Grundbesitz oder andere Güter wie beispielsweise Wachs stifteten.Christina Vanja: Besitz- und Sozialgeschichte der Zisterzienserinnenklöster Caldern und Georgenberg und des Prämonstratenserinnenstiftes Hachborn in Hessen im späten Mittelalter. Darmstadt 1984, S. 23. Auch das Patronat der Ebsdorfer Kirche, das dem Stift bei der Gründung übertragen wurde, erwies sich als rentabel, gehörten doch zu Ebsdorf zwölf Dörfer, deren kirchliche Einnahmen an das Stift flossen. mini|Grabsteine nahe der Kirche des ehemaligen Klosters; im Hintergrund Reste der Klostermauer Verwaltet wurde der Besitz des Hachborner Stifts durch die Meisterin, die dem Konvent seit Mitte des 13. Jahrhunderts vorstand.Friedrich Schunder (Hrsg.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden I. Marburg 1961, 797. Gemeinsam mit ihr überwachte eine Priorin die Einnahmen und Ausgaben des Stifts sowie den rechtzeitigen Eingang der Abgaben aus den verpachteten Gütern.
Nach der Reformation Mit dem Kasseler Landtagsabschied vom 15. Oktober 1527 leitete die Landgrafschaft Hessen faktisch die Säkularisation der hessischen Klöster ein.Franz (1969), S. 154 Demnach sollten deren Einkünfte künftig der Universität Marburg zufallen.Bruno Hildebrand: Urkundensammlung über die Verfassung und Verwaltung der Universität Marburg unter Philipp dem Grossmüthigen, Marburg 1848, Nr. 2, S. 5. Der Marburger Gründungsrektor Johannes Eisermann lieferte die intellektuelle Rechtfertigung für den Zugriff auf das geistliche Vermögen, der mit dem „gemeinen Nutzen“ begründet wurde.Heinemeyer, S. 84 Noch im Jahre 1527 erfolgte dementsprechend die Inventarisation des klösterlichen Wertgegenstände.Schunder, S. 324, Nr. 1038. Es gelang jedoch nicht, eine einheitliche und planmäßige Verwaltung der eingezogenen Klostergüter zu etablieren.Franz (1969), S. 163. Nicht zuletzt verhinderte der fürstliche Geldbedarf den Aufbau einer zentralisierten Klosterkammer o. ä.
Vielmehr wurden in den 1530er Jahren einzelne der sequestrierten Klostergüter veräußert, um auf diese Weise unmittelbar große Einkünfte zu erlösen. So wurde das Kloster Hachborn am 19. Februar 1534 „mit allem Zubehör“ an Kaspar Treis aus Gießen und dessen Frau Juliane verkauft, wenngleich ein Rückkaufrecht vorbehalten war.Schunder, S. 324, Nr. 1039. Am 1. Dezember 1545 ging das gesamte Gut – wiederum auf Wiederkaufsrecht – an Daniel Scheuernschloss.Schunder, S. 324, Nr. 1039 und Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Aktivlehen (Lehns- und Adelsbriefe) von Hessen-Darmstadt und anderen Rechtsvorgängern der Großherzöge von Hessen) (A 5), Nr. 359/7. Am 8. April 1561 erfolgte die Zusammenfassung des Besitzes zu einem landgräflichen Lehen, das an Johann (Hans) Scheuernschloss, den Sohn des Daniel Scheuernschloss, gegeben wurde.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Aktivlehen (Lehns- und Adelsbriefe) von Hessen-Darmstadt und anderen Rechtsvorgängern der Großherzöge von Hessen) (A 5), Nr. 359/7 Eine Urkunde vom 10. Mai 1561 bestätigte das Lehensverhältnis und regelte zugleich Wagenstellpflicht und Jagdrecht neu.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Aktivlehen (Lehns- und Adelsbriefe) von Hessen-Darmstadt und anderen Rechtsvorgängern der Großherzöge von Hessen) (A 5), Nr. 359/11.