Henning Thomsen (geboren 11. Juli 1905 in Berlin; gestorben 31. Dezember 1972 in Bonn-Bad Godesberg) war ein deutscher Diplomat in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland.Persönliche Daten in: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945, hg. vom Auswärtigen Amt, Bd. 5, S. 33.
Leben Thomsens Vater war der Landwirt und Reichstagsabgeordnete Richard Thomsen, seine Mutter hieß Emma Arnold. Henning studierte Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften und Landwirtschaft, legte 1930 die Diplomprüfung für Landwirte ab und begann sein Berufsleben als Referent der Deutschen Gesellschaft für Völkerbundsfragen. 1934 wurde er als Attaché in den diplomatischen Dienst übernommen. Er legte 1936 die diplomatisch-konsularische Prüfung ab und wurde seit Oktober 1938 zunächst bei der Gesandtschaft in Oslo eingesetzt. Thomsen wurde am 4. Juli 1938 Legationssekretär. Er trat zum 1. August 1937 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.009.256)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44641176 und war seit dem 28. Juni 1933 Mitglied der Reiter-SS.John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, S. 25 1938 wechselte er als Gesandtschaftsrat nach Dublin zum Gesandten Eduard Hempel und erlebte dort den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. 1942 wurde er in Dublin Gesandtschaftsrat. Die Republik Irland war im Zweiten Weltkrieg neutral und hielt die diplomatischen Beziehungen bis zum 10. Mai 1945 aufrecht. In Irland gab es eine sehr aktive Gruppe der NSDAP-Auslandsorganisation, die auch in Agententätigkeiten einbezogen war, die in der Botschaft vom Presseattaché Carl-Heinz Petersen und von Thomsen organisiert wurden.Horst Dickel: Deutsche Aussenpolitik und die irische Frage von 1932 bis 1944, S. 147f; S. 192 Der aus Deutschland nach Dublin geflüchtete Linguist Ernst Lewy fürchtete weniger den nationalsozialistischen Botschafter Hempel als dessen Sekretär Thomsen, den er für einen Spitzel der Gestapo hielt.John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, S. 42
Der irische Premier Éamon de Valera gewährte den Gesandtschaftsangehörigen nach Kriegsende Asyl, obschon die Alliierten ihre Auslieferung verlangten, und Thomsen „trat in ein Bauunternehmen ein“.Kuchen von Frau Evelyne, Der Spiegel, 29. Juni 1950 Er entging der Internierung, da er erst im April 1951 nach Deutschland zurückkehrte. Er wurde im Juni 1952 wieder in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland übernommen und bis Ende 1953 in Lima eingesetzt. Nach einer Tätigkeit in der Politischen Abteilung in Bonn war er seit 1956 in Teheran tätig, wo er 1961 zum Botschaftsrat ernannt wurde. 1960 wurde Thomsen zum ersten deutschen Botschafter im nun unabhängigen Kamerun ernannt. Von Ende 1964 bis Mai 1970 war er Botschafter in Reykjavík und folgte dort auf Hans-Richard Hirschfeld. 1970 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Dass seine Tätigkeit in der deutschen Botschaft in Dublin während der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft nicht vergessen war, bewies die kalte Schulter, die ihm der irische Botschafter William Warnock in Bonn zeigte, als er ihn trotz seines Protestes nicht zu einem Empfang einlud.John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, S. 251
Thomsen war in erster Ehe seit Oktober 1936 mit Hiltrud Wernher von Eggeling, Tochter von Wilhelm Wernher und Adoptivtochter von Bernhard von Eggeling, und in zweiter Ehe seit März 1970 mit Angela Rinkler, verw. de Cerro Cebrian, verheiratet. Er hat aus erster Ehe eine Tochter.
Ehrungen Am 4. Februar 1969 erhielt Henning Thomsen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Literatur Johannes Hürter (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. 5. T – Z, Nachträge. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 5: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger: Schöningh, Paderborn u. a. 2014, ISBN 978-3-506-71844-0 John P. Duggan: Herr Hempel at the German Legation in Dublin 1937–1945, Dublin : Irish Academic Press, 2002, ISBN 0-7165-2757-X. Diss. Dublin 1980 John P. Duggan: Neutral Ireland and the Third Reich, Dublin : Gill and Macmillan, 1985, ISBN 0-7171-1384-1 Horst Dickel: Deutsche Aussenpolitik und die irische Frage von 1932 bis 1944, Wiesbaden : Steiner , 1983, ISBN 3-515-03896-5 . Frankfurt (Main), Univ., Diss., 1980 Andrea Wiegeshoff: "Wir müssen alle etwas umlernen" : zur Internationalisierung des Auswärtigen Dienstes der Bundesrepublik Deutschland (1945/51 - 1969). Göttingen : Wallstein, 2013, ISBN 978-3-8353-1257-9, S. 438f.
Weblinks
David O’Donoghue: State within a state: the Nazis in neutral Ireland, History Ireland, 2009 (en)
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Botschafter in Kamerun Kategorie:Deutscher Botschafter in Island Kategorie:Person der deutschen Außenpolitik 1933–1945 Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Falkenordens (Großkreuz) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1905 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Mann