mini|hochkant|Grab von Sella Hasse, Friedhof Wismar

Sella Hasse, auch als Selly Schmidt und unter dem Pseudonym Essa Halles bekannt (* 12. Februar 1878 in Bitterfeld als Hedwig Anna Selli Schmidt; † 27. April 1963 in Berlin), war eine deutsche Malerin und Grafikerin.Manfred Neureiter: Lexikon der Exlibriskünstler. Pro Business, Berlin 2009, S. 179.

Biografie Sella Hasse war die Tochter des Schankwirtes Johann Wilhelm Schmidt (1847–1908) und dessen Frau Clara Emma, geb. Günther (1859–1936).Standesamt Schöneberg I, Eheregister, Nr. B 66/1899. (Abruf über ancestry.com) Sie nahm seit 1896 privaten Zeichenunterricht bei Walter Leistikow und Franz Skarbina sowie ab 1901 bei Lovis Corinth. Sie war seit 1899 verheiratet mit dem Chemiker und Dr. phil. Hermann Robert Hasse (1867–1919); 1899 wurde die Tochter Hanne Hasse († 1928) geboren. 1902 begann die Freundschaft mit der zehn Jahre älteren Künstlerin Käthe Kollwitz.Sella Hasse zum 100. Geburtstag. Ausstellung in der National-Galerie 1978. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1978, S. 10–15.

Aus beruflichen Gründen des Ehemannes zog die Familie 1904 von Berlin nach Hamburg. Hier arbeitete sie als Pressezeichnerin, unter anderem für die Hamburg Woche. Nachdem Robert Hasse einen Ruf als Dozent für Mathematik und Naturwissenschaften an die 1908 gegründete Ingenieur-Akademie Wismar erhalten hatte, zog das Ehepaar 1910 von Hamburg nach Wismar. In dieser Zeit bot Sella Hasse an, einen von den Wismarer Ingenieur-Studenten bereits seit 1909 geäußerten Wunsch nach einem Kursus für Aktzeichnen zu unterstützen. Ein offizieller Antrag vom 10. Oktober 1910 an den Rat der Seestadt Wismar für solch einen Kursus wurde jedoch abgelehnt.Antrag auf Aktmalerei / Unterstützerin SELLA HASSE Originalantrag vom 10. Oktober 1910, PDF, 1,2 MB abgerufen am 8. Juli 2025.

1912 reiste die Künstlerin das erste Mal nach Paris, wo sie die Académie Suisse besuchte.

Seit 1930 wohnte die Künstlerin in Berlin.

1937 wurden in der Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Stadtbesitz von Berlin, dem Städtischen Kunst- und Gewerbemuseum Dortmund, der Städtischen Kunstsammlung Gelsenkirchen, dem Wallraf-Richartz-Museum Köln, dem Vestischen Museum Recklinghausen und der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld Arbeiten Sella Hasses beschlagnahmt. Fast alle wurden danach zerstört.

Von 1943 bis 1945 lebte Sella Hasse im Elsass, danach kehrte sie wieder nach Ost-Berlin zurück. Ab 1947 machte sie künstlerische Studien in Betrieben, unter anderem im Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf. 1953 erlitt sie durch einen Unfall eine Lähmung und gab ihr künstlerisches Schaffen auf. 1955 wurde sie Ehrenmitglied im VBKD und Mitglied der Akademie der Künste. 1962 erhielt sie den Käthe-Kollwitz-Preis.Biographische Angaben aus dem Handbuch Wer war wer in der DDR?, abgerufen am 8. April 2015.

Hasses Grab befindet sich auf dem Friedhof Wismar – gemeinsam mit den Grabstätten der Mutter Emma Schmidt, der Tochter Hanne Hasse und des Ehemannes Robert Hasse. Das Grabmal ist nach einem Entwurf der Künstlerin aus dem Jahr 1928 gestaltet.Sella Hasse zum 100. Geburtstag. Ausstellung in der National-Galerie 1978. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1978, S. 13, Foto unten rechts, u. S. 14.

Selbstreflexion

Rezeption

Mitgliedschaften 1912: Deutscher Künstlerbund 1955: Ehrenmitglied des Verbandes Bildender Künstler 1962: Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Ehrungen 1962: Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der KünsteGeschichte des Käthe-Kollwitz-Preises adk.de, abgerufen am 22. Juli 2020. 1962: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze 1981 wurde die Sella-Hasse-Straße in Berlin-Marzahn nach ihr benannt. In Wismar gibt es die Sella-Hasse-Straße.

Werk Hasse war hauptsächlich im Bereich der Druckgrafik künstlerisch tätig. Unter anderem schuf sie von 1908 bis 1910 den aus sechs Lithographien bestehenden Zyklus Hamburger Hafenarbeiter sowie von 1912 bis 1916 den Zyklus Rhythmus der Arbeit, zu dem sieben Linolschnitte gehören 1914 bis 1918 folgte der Zyklus Kriegsblätter aus sechs Holzschnitten. Sie griff vorwiegend sozialkritische Themen auf, wie das Nachkriegselend und die Ausbeutung von Arbeitern. In der DDR wurde sie vor allem durch ihre Grafiken rund um die Arbeitswelt bekannt.Schülerin von Corinth und Kollwitz: Sella Hasse neu entdeckt. schwaebische.de, abgerufen am 8. Juli 2012.

Hasse malte vor allem Porträts und Landschaften. Große Teile ihres künstlerischen Nachlasses (78 Ölbilder und 250 Aquarelle) befinden sich im Stadtgeschichtlichen Museum der Hansestadt Wismar.

Werke (Auswahl) Holzschnitte Telegrafenarbeiter (vor 1949) Der Konstrukteur (1949) Kabelschleppen im Walzwerk (1949) Blinde Arbeiterinnen (vor 1953) Selbstbildnis (1967)

Zeichnungen Feierabend (Tusche, vor 1953) Transportarbeiter (Tusche, vor 1953)

Tafelbild Bettlerin mit Kind (Öl auf Leinwand, 72 × 87 cm, 1912; Kunstsammlungen Chemnitz)https://nat.museum-digital.de/object/1174025

Publikationen Sella Hasses Zur sozialen Wertung der weiblichen Fortpflanzungsorgane. Xenien-Verlag, Leipzig 1918 (unter ihrem Pseudonym Essa Halles) Rhythmus der Arbeit. In: Bettauers Wochenschrift, Wien 1925 Leistikow-Erinnerungen. In: Mecklenburgische Monatshefte, 2, Wismar 1929, S. 71–73. Begegnung mit Käthe Kollwitz. In: Bildende Kunst, 2, Dresden 1955, S. 105–107. Erinnerungen an Lovis Corinth. In: Bildende Kunst, Berlin, 1958, S. 429

Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1916: Dresden, Kunstsalon Emil Richter 1922: Berlin, Graphik und Glasmalereien 1947: Schwerin, Landesmuseum 1958: Berlin, Kupferstichkabinett (Aus dem Graphischen Werk) 1958: Rostock, Museum der Stadt Rostock (Malerei und Graphik) 1978: Berlin, Nationalgalerie (Zum 100. Geburtstag) 2004: Wismar, Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar

Gruppenausstellungen 1902: Berliner Secession 1912: Deutscher Künstlerbund, Bremen. 1912: Salon de la Société Nationale des Beaux-Arts, Grand Palais, Paris. 1913: 5. Graphische Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Hamburg. 1914: 1. Internationale Graphische Kunstausstellung, Leipzig. 1919: Kunsthaus Zürich. 1937: Deutsche Graphikschau, Königsberg 1946: Berlin („Allgemeine Treptower Kunstausstellung“) 1946, 1949 und 1953: Dresden, Allgemeine Deutsche Kunstausstellung und 2. und Dritte Deutsche Kunstausstellung 1949: Berlin, „Mensch und Arbeit“

Postum 1968: Halle/Saale, Staatliche Galerie Moritzburg („Sieger der Geschichte“) 1970: Berlin, Altes Museum („Auferstanden aus Ruinen. Druckgraphik und Zeichnungen 1945–1970“) 1974: Berlin, Altes Museum („25 Jahre Graphik in der DDR. 1949–1974“) 1978/1979: Berlin, Altes Museum („Revolution und Realismus. Revolutionäre Kunst in Deutschland 1917 bis 1933“) 1979: Berlin, Altes Museum („Weggefährten – Zeitgenossen. Bildende Kunst aus 3 Jahrzehnten “) 1980: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Retrospektive Berlin“) 1982: Proletarisch – revolutionäre Grafik – Italien, Venedig. 1986: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („Worin unsere Stärke besteht. Kampfaktionen der Arbeiterklasse im Spiegel der bildenden Kunst.“) 1987: Max Klinger, Sella Hasse – Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphik. Majakowski-Galerie, Berlin. 2004: Femme Flaneur. August-Macke-Haus, Bonn. 2012: Plüschow, Künstlerhaus Schloss Plüschow (”Sella Hasse, Joachim Hukal, Linda Perthen. Zwei Künstlergenerationen aus Mecklenburg.“) 2015: Sonaten der Farbe. Malerinnen 1900–1950, Schleswig-Holstein-Haus, Schwerin. 2015/16: Künstlerinnen der Moderne – Magda Langenstraß-Uhlig und ihre Zeit, Potsdam Museum. 2017: Fortsetzung folgt! 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, Alexander und Renata Camaro Stiftung, Berlin. 2019/20: Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919. Alte Nationalgalerie, Berlin.

Auslobung 2012 hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erstmals einen Sella-Hasse-Preis für bildende Künstler ausgelobt.Kunstundkultur (Zeitschrift der ver.di), Nr. 2/2012, S. 6.

Literatur

Dr. Charlotte E. Pauly: Sella Hasse. In: Holzschnitte von Sella Hasse. Grafik-Verlag Dr. Heinrich Mock im Thüringer Volksverlag GmbH. Weimar 1950 (mit 16 Lichtdrucken). Georg Mielke: Sella Hasse. Verlag der Kunst, Dresden 1958. Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.): Sella Hasse zum 100. Geburtstag. Ausstellung in der National-Galerie 1978. Berlin 1978. Hildegard Reinhardt: Sella Hasse und Käthe Kollwitz im Vergleich. Zwei sozialkritische Künstlerinnen zu Beginn der klassischen Moderne. In: Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein Berliner Künstlerinnen. Berlinische Galerie, Berlin 1992, ISBN 3-89181-410-0. Béatrice Busjan, Corinna Schubert: Sella Hasse. Ölbilder im Bestand des Stadtgeschichtlichen Museums Wismar. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2004, ISBN 978-3-935749-32-9. Hasse, Sella. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010. ISBN 978-3-355-01761-9, S. 319.

Weblinks

https://www.bing.com/images/search?q=sella+hasse&qpvt=sella+hasse&form=IQFRML&first=1&tsc=ImageHoverTitle https://www.bildindex.de/ete?action=queryupdate&desc=Sella%20Hasse&index=pic-all

Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar wismar.de, abgerufen am 8. Juli 2012. Sella-Hasse-Teilnachlass im Archiv der Akademie der Künste, Berlin

Einzelnachweise

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