Fleuve (deutsch Fluss) ist ein Album des Pierre Favre Ensembles, das im Oktober 2005 im Volkshaus Basel aufgenommen und 2006 bei ECM veröffentlicht wurde.

Das Album Der Schlagzeuger, Perkussionist, Komponist und Arrangeur Pierre Favre kehrte nach Produktionen in den 1990er Jahren wie De la nuit... le jour und Window Steps nach rund zehn Jahren zum Münchner ECM-Label zurück. In seinem Ensemble spielten im Tieftonbereich zwei Bassisten, Bänz Oester (Kontrabass) und Wolfgang Zwiauer (Bassgitarre), dazu der Tuba- und Serpent-Spieler Michel Godard. Die Instrumente in den mittleren und hohen Tonlagen spielen der Gitarrist Philipp Schaufelberger, Sopransaxophonist und Bassklarinettist Frank Kroll und die Harfenistin Hélène Breschand.

Die Musik, die Favre „für sein ungewöhnlich besetztes Ensemble schrieb, entwickelte sich aus den Klangfarben, ‚dem Puls und Atem‘ seines Perkussionsspiels heraus;“Besprechung des Albums bei JazzEcho (2006) es enthält auch ein paar Stücke, die er ursprünglich für das musikalische Drama Ciel d’Orphée komponiert hat. Während Michel Godards Serpent „der Musik stellenweise ein archaisches Flavour verleiht, verschafft ihr Hélène Breschands Harfe andererseits einen Hauch von Renaissance. Manchmal erinnert die Musik - trotz des freien kontrapunktischen Spiels - an den Jazz längst vergangener Tage, doch im Grunde ist sie stets zeitgenössisch,“ schrieb der Kritiker des JazzEcho.

Der erste Titel Mort d’Eurydice hat einen frei gespielten Teil mit Harfe und Perkussion, gefolgt vom Hauptteil, in dem das Thema unisono von Sopransaxophon, Bass, Gitarre und Harfe gespielt wird. Mort d’Eurydice und Decors, die an Renaissancemusik erinnern, sind stark rhythmisch geprägt, wie auch der Walzer Panama. Budd Koppman nennt vier Wesenszüge der leichten Musiktextur: die Arrangements, die Gebrauch des Unisono-Spiels verschiedener Instrumente, die Tieftöner-Instrumente, die generell in ihren höheren Registern spielen und letztlich den Anschlag der Bassisten.Budd Kopman: Besprechung des Albums. All About Jazz Das getragene Albatros ist vom Gitarrenspiel Schaufenbergers geprägt, während Reflet Sud von schnellen Rhythmen dominiert ist. Nile ist von einer Basstrommel geprägt, zu der die anderen Instrumente spielen; Nile „versprüht Arpeggio-Wellen und das majestätische Fließen eines Stroms, während Decors Spannungen durch kontinuierliche Verschiebungen zwischen Renaissance-Tanz[musik] und afrikanischen Polyrhythmen schafft.“

Der Filmemacher Pio Corradi begleitete die Musiker des Favre-Ensembles bei ihrer Aufnahmesession im Tonstudio unter Leitung des Produzenten Manfred Eicher, dokumentiert in dem Film Poetry in Motion – Der Schlagzeuger Pierre Favre.Poetry In Motion -Der Schlagzeuger Pierre Favre Ein Film von Pio Corradi mini|Bänz Oester im Jazzclub Unterfahrt (München 2009)

Titelliste Pierre Favre Ensemble: Fleuve (ECM 1977) Mort d’Eurydice 5:33 Panama 6:35 Albatros 7:57 Reflet Sud 6:03 Fire Red - Gas Blue - Ghost Green 7:55 Nile 8:24 Decors 7:30

Alle Kompositionen stammen von Pierre Favre.

Rezeption des Albums Fleuve wurde in der Fachpresse wohlwollend aufgenommen; „This is a gratifying listen“ (BBC), „Subtle, with lovely dynamics and beautifully balanced colours, ultimately it burns with more light than heat“ (Irish Times), „[Favre] ist ein Poet, der mit Trommeln, Becken, Gongs feingliedrige Klanggedichte zaubert“ (Jazzthetik), „fernab jeglicher Hektik entwickeln sich sieben filigrane Stücke mit magischen Melodien und Rhythmen.“ (Audio), „Diese Poesie ist nicht gemütlich, sondern scharf. Über all den tiefen Sounds weht ein zauberischer Atem.“ (Peter Rüedi, Weltwoche) ECM.

Thom Jurek vergab an das Album in Allmusic 3½ Sterne und urteilte:

Budd Kopman schrieb in All About Jazz enthusiastisch:

mini|Tubist Michel Godard bei einem Konzert im Treibhaus Innsbruck, 2009 Steve Futterman meinte in JazzTimes:

Der Kritiker der Jazzzeitung schränkt ein:

Der Kritiker von Culture Jazz meinte, Fleuve gewänne „eher ihre Bedeutung als „Klanginszenierung“, der Schaffung von musikalischen Freiräumen, die entstehen, wenn sich ein Ensemble von sieben Musikern aus verschiedenen Fachbereichen zusammenfindet und man jedem von ihnen eine bestimmte Improvisationsmarge einräumt. Dieser aufgenommene Klang, in seiner selbst gewählten Unterschiedlichkeit trägt dazu bei, diesen Eindruck von unendlichem Raum zu schaffen, typisch für den Stil des Labels ECM.“ […] „Denn diese Schallplatte überrascht durch die spezielle Betonung des Raumes, die Musik fließt klar und durchsichtig, ohne Zwang eines bestimmten Stils oder Gruppe. Ohne Zweifel meditativ, zeitweise fröhlich, stellt sie jedenfalls eine nicht zu unterschätzende Richtung in der modernen Musiklandschaft dar, die noch zu erkunden gilt. Beinahe siebzigjährig, unterzeichnet hier Pierre Favre ein Werk voller Weisheit.“Besprechung. Culture Jazz (französisch)Im Original: « Fleuve serait plutôt un disque de ‹ metteur en sons ›, de scénographe agençant les espaces musicaux qui vont se construire dès lors qu’on réunit un ensemble de sept musiciens venus d’horizons variés en laissant à chacun des marges de liberté. La prise de son, volontairement distanciée, développe cette impression d’espace dans un style propre au label ECM. […] Si ce disque peut surprendre par son agencement particulier des espaces, la musique y circule, limpide et claire, sans contraintes de styles et de chapelles. Méditative sans doute, empreinte de sérénité, elle n’en est pas moins une voie à explorer dans le paysage des musiques actuelles. Bientôt septuagénaire, Pierre Favre signe ici une oeuvre empreinte de sagesse. »

Weblinks Thom Jurek: Budd Kopman: Besprechung des Albums. All About Jazz Steve Futterman: Besprechung des Albums. JazzTimes Besprechung. Culture Jazz (französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Album 2006 Kategorie:Album (Jazz)