RTL ist ein französischer privater Hörfunksender, der zu 100 Prozent zur RTL Group, ursprünglich CLR (Compagnie Luxembourgeoise de Radiodiffusion), später CLT (Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion), gehört. RTL, zunächst unter dem Namen Radio Luxembourg, ist der älteste bis in die Gegenwart tätige Privatsender Europas, dessen Zweck es war, durch die Ausstrahlung von in ein unterhaltendes Hörfunkprogramm eingebetteten Werbebotschaften verschiedenster Unternehmen Gewinne zu erzielen. Der Sender war die erste rein internationale Hörfunkanstalt, deren Geschäftsmodell auf dieser Basis beruhte. Da der größte Teil des Gesellschaftskapitals französischen Anteilseignern gehörte, argwöhnten deutsche Stellen bereits 1932, dass das eigentliche Ziel von Radio Luxemburg die Manifestierung staatlicher Machtansprüche Frankreichs im eigentlich neutralen Großherzogtum Luxemburg sei. In Großbritannien führte das multi-linguale Konzept des in großen Teilen Westeuropas zu empfangenden Senders zu Konsequenzen: Britischen Künstlern, die über Radio Luxemburg zu hören waren, wurden zeitweise Auftrittsmöglichkeiten im Programm der BBC verwehrt.Gerald Newton: Radio Luxemburg in peace and war. (englisch), https://www.academia.edu/75889453/Radio_Luxembourg_in_Peace_and_War?uc-sb-sw=2839004. Abgerufen am 3. Januar 2025. Radio Luxemburg wurde im weitesten Sinne als ein „Piratensender“ angesehen.

RTL wurde 1933 als Radio Luxembourg gegründet und 1966 in RTL umbenannt; neben dem französischsprachigen Programm existierten Programme in mehreren weiteren westeuropäischen Sprachen. Das französische Programm wurde bis 1981 teils in Paris, teils in Luxemburg produziert. Der Standort Luxemburg war für die Position von Radio Luxembourg/RTL in Frankreich aus rechtlichen Gründen notwendig, da dort bis zur Einführung des privaten Hörfunks im Prinzip nur die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten senden durften. Mit der Abschaffung des staatlichen Fernmeldemonopols im Jahr 1981 änderte sich die Lage, und alle Sendungen des französischen RTL-Programms kamen seither aus den Studios in der Rue Bayard in Paris; inzwischen betreibt RTL ein neues Funkhaus am Pariser Stadtrand. Das Programm ist ein Vollprogramm mit einem hohen Wortanteil und daher nicht mit dem musikorientierten redaktionsarmen Programm von RTL Radio, dem Nachfolger des deutschsprachigen Radio Luxemburg, oder dem früheren englischsprachigen Mittelwellenprogramm aus Luxemburg vergleichbar.

Die Verbreitung des französischen Programms erfolgte in Frankreich und Luxemburg bis 2022 analog terrestrisch (Langwelle und UKW), seidem nur noch auf UKW sowie seit einigen Jahren im Online-Streaming. RTL ist seit den 1970er Jahren mit Schwankungen der meistgehörte oder zweitmeistgehörte Hörfunksender in Frankreich; 2019 lag der öffentlich-rechtliche Sender France Inter zum ersten Mal seit dreißig Jahren in der Hörergunst vor RTL.lefigaro.fr

1991 wurde ein französischsprachiges belgisches Programm, Bel RTL, gegründet, das dort über UKW empfangen werden kann und inhaltlich einen ähnlichen Ansatz wie RTL Frankreich (radio généraliste) verfolgt, aber auf eine belgische Hörerschaft zugeschnitten ist und mit einheimischen Journalisten und Moderatoren arbeitet.

In Frankreich gibt es seit 1989 ein zweites französischsprachiges RTL-Programm, das über UKW-Sender verbreitet wird. Es nahm am 23. Oktober 1989 unter dem Namen Maxximum den Betrieb auf. 1992 wurde es in M40 umbenannt, 1995 in RTL 1 und im März 1995 in RTL 2. Damit trat die Rundfunkanstalt neben ihrem Hauptprogramm, mit dem sie vor allem mit den anderen populären Langwellen-Sendern, den radios généralistes France Inter, Europe 1 und Radio Monte Carlo, konkurrierte, in den Wettbewerb mit den in den 1980er Jahren neu entstandenen Musiksendern ein, die auf UKW senden.

Das heutige Unternehmen, zu dem RTL gehört, RTL Group, wurde im Jahr 2000 von Bertelsmann, der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) und Pearson ins Leben gerufen. 2001, durch einen Aktientausch mit GBL, erhielt Bertelsmann die Mehrheit und besitzt heute etwa 75 % der Anteile an der RTL Group. Die RTL Group bildet einen von acht Geschäftsbereichen des Bertelsmann-Konzerns und ist für über ein Drittel des Konzernumsatzes und einen Großteil seiner Gewinne verantwortlich. Der Hauptsitz der RTL Group ist weiterhin Luxemburg. Zu ihr gehören neben Hörfunk- auch mehrere Fernsehsender in verschiedenen Ländern, deren Programme überwiegend in diesen selbst produziert werden. In Luxemburg veranstaltet RTL insbesondere noch luxemburgischsprachige Hörfunk- und Fernsehprogramme.

Geschichte Die Anfänge vor dem Zweiten Weltkrieg mini|Lage von Luxemburg mini|Sendeanlage in Junglinster (2006) Die Geschichte des Rundfunks im Großherzogtum Luxemburg begann im Jahr 1924, als die Brüder François und Marcel Anen einen Sender auf dem Dachboden ihres Hauses in der Rue Beaumont in der Hauptstadt Luxemburg errichteten. Ab April 1924 sendeten sie ein Musikprogramm, das mit Schallplatten bestritten wurde und in dem sie für ihr Fotogeschäft warben. 1925 gründeten sie die Association Radio Luxembourg. Die Wortbeiträge im Luxemburger Hörfunkprogramm waren überwiegend auf Luxemburgisch, aber auch auf Deutsch, Französisch und Englisch.RTL Group - the history (PDF)

Ende der 1920er Jahre, in denen der Aufbau des Rundfunkwesens zahlreicher Länder durch die Einschaltung privatrechtlicher (kommerzieller) Unternehmen geleistet wurde, waren Investorengruppen aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland daran interessiert, Senderechte in Luxemburg zu erwerben. Ihr Ziel war es, die Werbemärkte der angrenzenden Länder gewinnbringend zu erschließen. So begann im Jahr 1929 die von Jacques Trémoulet, dem Besitzer von Radio Toulouse, geführte Compagnie Nationale de Radiodiffusion Luxembourgeoise (CNRL) mit dem Bau eines Senders in Cessange (Kohlenberg), um den Sender der Gebrüder Anen fortzuführen. Jedoch schuf die luxemburgische Regierung per GesetzGesetz vom 19. Dezember 1929, betreffend die im Großherzogtum bestehenden oder zu errichtenden Rundfunksendestationen eine staatliche Genehmigungserfordernis und untersagte im Januar 1930 den weiteren Betrieb des Senders Cessange durch die CNRL. Stattdessen erteilte sie im September 1930 der von der französischen Compagnie des Compteurs geführten Société Luxembourgeoise d’Études Radiophoniques (SLER) eine Sendelizenz für die Dauer von 25 Jahren unter der Bedingung, dass 30 Prozent der von der SLER erwirtschafteten Gewinne an den luxemburgischen Staat abgeführt würden. Die Anteilseigner der SLER gründeten daraufhin am 30. Mai 1931 die Compagnie Luxembourgeoise de Radiodiffusion (CLR), die von François Anen, dem französischen Verleger Henry Étienne und dem französischen Ingenieur Jean le Duc geführt wurde und zu deren Anteilseignern neben der Compagnie des Compteurs auch CSF (Compagnie générale de la télégraphie sans fil), die Nachrichtenagentur Agence Havas, I&P, die Banque de Paris et des Pays-Bas, die Compagnie des Compteurs und die Banque Industrielle Belge gehörten. Es bestand eine geheime Vereinbarung mit der CSF-Gruppe, dem damaligen Mehrheitseigner von Radio-Paris. CSF und Radiophonie du Midi, zu der wiederum Radio Toulouse gehörte, beherrschten den französischen Radiomarkt und agierten in Konkurrenz zueinander., aufgerufen am 27. März 2022. Die CSF war – ebenso wie schon zuvor Jacques Trémoulet und seine CNLR – am Aufbau einer leistungsfähigen Sendeanlage in Luxemburg interessiert, um ihren Aktionsradius auf dem französischen Markt auszubauen und der eventuellen Verstaatlichung oder anderweitigen Neuregelung des Rundfunkbetriebs in Frankreich ganz oder teilweise zu entgehen. 100ansderadio.free.fr Der Eigentümer von Radio Toulouse, Trémoulet, erwarb später über einen einheimischen Strohmann eine Sendelizenz in Andorra und hielt weitere Lizenzen in Nordafrika. Anen wurde bei der CLR technischer Leiter. Im selben Jahr wurde ein für damalige Zeiten starker Langwellensender in Junglinster errichtet, der aus zwei 40 Meter hohen Masten bestand, die 90 Meter auseinander standen.RTL Radio Luxemburg Chronik. radio-journal.de

Der Sender sollte im Sommer 1932 seinen Betrieb aufnehmen; tatsächlich begannen jedoch erst Ende 1932 Versuchssendungen. Mit Unterstützung der luxemburgischen Behörden bemühte sich die CLR beim Weltrundfunkverein (UIR) um die offizielle Zuteilung einer störungsfreien Sendefrequenz. Dabei wurde eine Wellenlänge gewählt, die in Kombination mit der Sendeleistung eine möglichst hohe Reichweite erzielen sollte. Da sich einige Mitgliedsländer der Frequenzvergabe an Luxemburg widersetzten, beschied die UIR, dass die geringe Größe des Großherzogtums den Einsatz der gewählten Wellenlänge nicht rechtfertige; der Empfang der Sendungen anderer Staaten, denen benachbarte Frequenzen zugewiesen waren, würde gestört. Insbesondere britische Behörden fürchteten, die CLR könnte das in Großbritannien geltende staatliche Rundfunkmonopol unterlaufen.https://www.radiojournal.de/luxi/rtlradio-chronik/index.htm. Abgerufen am 2. Januar 2025.Vor 80 Jahren erstmals auf Langwelle: Radio Luxembourg. rtlgroup.com.

Obwohl Luxemburg diese Frequenz nicht zugewiesen war, nahm die CLR am 14. Januar 1933 Versuchssendungen auf 252 kHz (später 232 kHz) mit einer Sendeleistung von 200 kW über einen Langwellensender in Junglinster auf. Am 15. März 1933 um 19 Uhr begann der reguläre Sendebetrieb mit vorab aufgenommener leichter Musik. Moderiert wurde das Programm in Französisch mit kurzen Beiträgen auf Deutsch und Luxemburgisch. Die Sendezeit war in den Jahren 1932/33 täglich von 19 bis 23 Uhr; bis 1938/39 verlängerte sie sich zu einem Ganztagsprogramm von 6.30 bis 24 Uhr. Anfangs nannte sich der Sender „Radio Luxembourg Expérimental“, später Radio Luxembourg.Wochenprogramm von Radio Luxembourg 1938/39, abgerufen am 27. August 2025. Man hoffte weiterhin auf eine offizielle Sendefrequenz, bekam sie jedoch erst im Kopenhagener Wellenplan von 1948 auf der Mittelwelle. Nach Inbetriebnahme des luxemburgischen Langwellensenders im Jahr 1932 auf der selbstgewählten Frequenz 252 kHz wurde erstmals der sogenannte Luxemburgeffekt beschrieben.

Unter deutscher Besatzung Im September 1939 wurde wegen Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs auf Beschluss der um Neutralität bemühten Luxemburger Regierung der Sendebetrieb eingestellt und erst im November 1945 wiederaufgenommen. Nach der Besetzung Luxemburgs durch deutsche Truppen nutzte der Großdeutsche Rundfunk den Luxemburger Langwellensender als „Sendestelle Luxemburg“.The History of: Radio Luxembourg. radio-journal.de.

Alliierter Sender bei Kriegsende