Die Metro Sofia ( / Transkription: Metropoliten Sofija, umgangssprachlich: Софийско метро / Sofijsko metro) ist das U-Bahn-System in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und wurde im Januar 1998 eröffnet. Das Streckennetz hat eine Gesamtlänge von 55,0 Kilometern mit 48 Stationen. Die U-Bahn wird täglich von bis zu 470.000 Fahrgästen benutzt.
Geschichte mini|Das erste Projekt für das U-Bahn-Netz in Sofia, Autor K. KamenovDa es in Sofia ein immer höheres Verkehrsaufkommen gab, bewilligte die Regierung im Jahr 1967 den Plan, ein U-Bahn-Netz mit drei Linien zu bauen. Wie in damals realsozialistischen Staaten üblich, sollte ein Sekantennetz – wie beispielsweise in Prag oder Minsk – mit drei Durchmesserlinien gebaut werden. Das zukünftige System sollte ungefähr 52 km lang sein und etwa 47 Stationen haben, die erste Linie sollte 19 km lang sein und aus 17 Stationen bestehen.
Der erste Spatenstich für die ersten Stationen war am 6. März 1978, die Bauarbeiten begannen zwischen Sliwniza () und Konstantin Welitschkow (). Jedoch dauerte der Bau 20 Jahre an, und die als Linie 1 bezeichnete Strecke mit nur 5 Stationen wurde erst am 28. Januar 1998 eröffnet. Für diese Verzögerungen waren, neben Geldmangel, unter anderem auch archäologisch bedeutende Funde in den Baugruben verantwortlich, die zur zwischenzeitlichen Einstellung des U-Bahn-Baus führten. Bereits 1999 wurde die Strecke Richtung Stadtzentrum um die Station Opaltschenska () verlängert. Im weiteren Verlauf wurden Verlängerungen bis Serdika () im Jahr 2000 im Stadtzentrum und dann 2003 bis Obelja () am nordwestlichen Stadtrand eröffnet. Laut einer Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) nutzten im Jahr 2007 täglich etwa 70.000 Fahrgäste die Metro Sofia, wobei damals nur ein Abschnitt der jetzigen Linie M1 mit nur acht Stationen existierte.
Am 8. Mai 2009 wurde die bis dahin größte Ergänzung mit fünf neuen Stationen zwischen Wassil-Lewski-Stadion () im Zentrum und Mladost 1 () im Südosten fertiggestellt. Beide Abschnitte mussten bis zur Inbetriebnahme der sie verbindenden mittleren Strecke am 7. September 2009, die mit einer Tunnelvortriebsmaschine gebaut wurde, autonom betrieben werden. Auf dieser mittleren Strecke mit einer Länge von 2,3 km befindet sich auch die nach der Universität Sofia benannte Station, das Hauptgebäude der Universität befindet sich direkt am östlichen Eingang der Station. Am 25. April 2012 kamen im Südosten zwei weitere Stationen auf dem Streckenast in Richtung Flughafen Sofia hinzu, am 2. April 2015 wurden die verbleibenden vier Stationen bis Station Letischte Sofija () in Betrieb genommen. Am 8. Mai 2015 wurde auch eine Abzweigstrecke von der Hauptstrecke mit drei Stationen bis zur Station Business Park Sofia eröffnet, die von Verstärker bedient werden, die von der Station Sliwniza beginnen.
Derzeit ist diese Strecke 25,6 km lang und hat 22 Stationen (Sliwniza () ↔ Letischte Sofija ()) sowie Abzweig nach Business Park Sofia (). Die Bahnsteige sind 120 m lang im ersten Teil (Sliwniza () ↔ Serdika ()) und 102 m im zweiten (Sofijski universitet () ↔ Letischte Sofija ()). Der durchschnittliche Stationsabstand beträgt 1,1 km und es wird Normalspur gefahren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h. Besonders markant sind die oberirdisch verlaufenden Streckenabschnitte, die unter einer lichtdurchlässigen Kunststoffüberdachung verlaufen. Oberirdische Abschnitte verlaufen zwischen den unterirdisch gelegenen Stationen Scholijo-Kjuri und G.M. Dimitrow (benannt nach Georgi Michow Dimitrow) sowie zwischen G.M. Dimitrow und der sich oberirdisch befindenden Station Musageniza und von dort bis zur unterirdischen Station Mladost 1. Außerdem sind der westliche und östliche Endteil der Strecke sowie die Stationen Obelja, Sofijska Sweta Gora und Letischte Sofija () oberirdisch. mini|Die 1600 Tonnen schwere Tunnelvortriebsmaschine „Sofia“ bei Arbeiten unter dem Witoscha Boulevard mini|Oberirdische Abschnitte der Linie 1
Am 31. August 2012 wurde die Strecke von der existierenden Station Obelja () über die Umsteigestation Serdika () zur Station Dschejms Bautscher () im Stadtviertel Losenez eröffnet, die wurde im Juli 2016 um eine Station nach Süden nach Witoscha () verlängert. Die Strecke hat zurzeit zwölf Stationen und ist 11,5 Kilometer lang. 2007 hatte die Stadtverwaltung von Sofia den ersten Abschnitt des Bauprojektes – 6,4 Kilometer zwischen Nadeschda () und Boulevard Tscherni Wrach () – ausgeschrieben. Dieser Abschnitt wurde mit einer Tunnelvortriebsmaschine gebaut. Um die Überreste der antiken Serdica nicht zu gefährden, liegen die Tunnel im zentralen Teil der Trasse in einer Tiefe von 24 Metern. Anfang 2009 wurde mit dem Bau der Stationen Zentralna gara (,) und Hotel Hemus () begonnen. Diese wurden Ende August 2012 fertiggestellt, wobei der Name für die Station Hotel Hemus gleich bei der Eröffnung auf Ewropejski sajus (, ) geändert wurde. Fast alle Bahnhöfe in diesem Abschnitt haben Seitenbahnsteige mit einer Länge von 104 Metern; nur die Stationen Nazionalen dworez na kulturata () und Ewropejski sajuz sind mit Mittelbahnsteigen ausgestattet, da Bauvorleistungen schon Ende der 1980er-Jahre gleichzeitig mit der Vollendung des Nationalen Kulturpalasts ausgeführt wurden. Die Zusammenlegung der ersten Strecke mit den 2012 eröffneten Stationen änderte auch den ursprünglichen Plan einer Sekantennetztopologie des U-Bahnsystems, die beiden Strecken bildeten nun eine gemeinsame Schleife.
Eine eigenständige Linie soll von General Wladimir Wasow () über die Stadtmitte und Owtscha Kupel nach Gorna Banja () verlaufen. Nach mehrmaligen Verschiebungen aufgrund der pandemischen Lage konnte der erste Streckenabschnitt mit einer Länge von 7,2 km und acht Stationen am 26. August 2020 eröffnet werden. Am 24. April 2021 wurde eine Verlängerung um vier Kilometer mit vier weiteren Stationen nach Gorna Banja eröffnet. Eine weitere Erweiterung Richtung Nordosten ist seit dem 14. August 2026 in Betrieb. Im Gegensatz zu den früher gebauten Strecken werden die Züge von einer Oberleitung mit Strom versorgt.
Zeittafel der Eröffnungen LinieStreckeEröffnungsdatumStationenLängeSliwniza – Konstantin Welitschkow28. Januar 199856,5 kmKonstantin Welitschkow – Opaltschenska17. September 199911,0 kmOpaltschenska – Serdika31. Oktober 200011,0 kmSliwniza – Obelja20. April 200312,2 kmStadion "Wassil Lewski" – Mladost 18. Mai 200955,3 kmSerdika – Stadion "Wassil Lewski"7. September 200912,3 kmMladost 1 – IEZ-Zarigradsko Schosse25. April 201222,4 kmObelja – Dschjems Bautscher31. August 20121110,6 kmIEZ-Zarigradsko Chosse – Letischte Sofija 18px2. April 201545,0 kmMladost 1 – Business Park Sofia8. Mai 201533,4 kmDschjems Bautscher – Witoscha20. Juli 201711,1 kmChadschi Dimitar – Krasno selo26. August 202087,2 kmKrasno selo – Gorna banja24. April 202144,0 kmChadschi Dimitar – General Wladimir Wasow14. August 202633,0 kmInsgesamt:5055,0 km
Betriebshöfe und Leitzentrale Abstellung, Wartung und Einsatz der Fahrzeuge erfolgt in folgenden Betriebshöfen und Werkstätten:
Depot Obelja () – Dieser Betriebshof beherbergt die Züge für die Linien M1, M2 und M4. Er wurde 1990 eröffnet.
Depot Semljane () – Dieses Depot wurde für die Züge der Linie M3 gebaut, eröffnet 2019.
Die Leitzentrale für alle Linien befindet sich in der Antim-I-Straße 35
Linien und Takt Gegenwärtig verkehren auf den existierenden Strecken vier Linien – eine Linie M4 verkehrt von Letischte Sofija über Serdika nach Sliwniza. Eine Linie M2 fährt von Obelja über Zentralna gara nach Witoscha, dabei kreuzt sie die Linie M4 in der Station Serdika. Die Fahrzeit vom Letischte Sofija bis Sliwniza beträgt 40 Minuten, die Fahrzeit von Obelja bis Witoscha 22 Minuten. Eine als M1 nummerierte Verstärkerlinie verkehrt von der Station Business Park Sofia über Mladost 1 und Serdika nach Sliwniza, die Fahrzeit beträgt 33 Minuten. Auf der 2020 eröffneten Strecke zwischen Gorna Banja und Chadschi Dimitar verkehrt die Linie M3, eine Fahrt zwischen den Endbahnhöfen dauert 22 Minuten. Der Verkehr zwischen den Stationen Sliwniza und Obelja bleibt bis zur Vollendung der Station Pantscho Wladigerow auf halber Strecke zwischen den beiden Stationen unterbrochen.
Die Sicherungstechnik auf der Strecke der Linien M1/M2/M4 erlaubt eine minimale Zugfolgezeit zwischen den Zügen von 90 Sekunden, gegenwärtig verkehren die Linien in einem Takt von 6 Minuten in der Hauptverkehrszeit, 11 Minuten in der Nebenzeit und 18 Minuten abends, wobei zwischen den Stationen Sliwniza und Mladost 1 immer ein Zug der Linie M4 auf den Zug der Linie M1 folgt, damit wird der Takt auf bis zu 3 Minuten verdichtet. Die Linie M3 verkehrt in einem Takt von 5 Minuten zu Stoßzeiten und 10 Minuten in der übrigen Zeit.
Betrieb Betriebszeiten Die U-Bahn verkehrt von circa 5:00 Uhr bis etwa 0:00 Uhr. Zu speziellen Anlässen wie Silvester oder Ostern werden die Betriebszeiten verlängert.
Fahrscheinkontrollen und Sicherheit Die Metro Sofia gehört zu den geschlossenen Systemen – alle Stationen verfügen über Bahnsteigsperren, die nur mit einem gültigen Fahrschein passiert werden können. Auch die Ausgänge sind mit Drehkreuzen ausgestattet. Zusätzlich werden in den Zügen Fahrkartenkontrollen durchgeführt, daher darf der Fahrschein nach Passieren der Bahnsteigsperren nicht weggeworfen werden. Der Einzelfahrschein hat keine zeitliche Begrenzung und erlaubt zudem das Umsteigen zwischen den Linien; eine Rückfahrt ist möglich, solange der Bereich hinter den Bahnsteigsperren nicht verlassen wird. Wer sich hinter den Absperrungen ohne einen gültigen Fahrschein aufhält, muss ein erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von ggw. 20 Euro entrichten.mini|Bahnsteigsperre in der Metro Alle Stationen der 2020 eröffneten Strecke zwischen Gorna Banja und Chadschi Dimitar wurden von Anfang an mit halbhohen Bahnsteigtüren ausgestattet. 2019 begann die Stadtverwaltung, auch die alten Stationen um Bahnsteigsperren mit Schutzgittern zu ergänzen. Im Gegensatz zu konventionellen Bahnsteigtüren öffnen sie nach oben. Die Wahl für dieses System fiel zum Zweck der Bahnsteigabsicherung, aber gleichzeitig auch, damit die alten Züge mit unterschiedlichen Türanordnungen in Einsatz bleiben können. Die Umrüstung begann mit den Stationen Stadion "Wassil Lewski" und Opaltschenska.mini|Schutzgitter an den Bahnsteigkanten
An allen Stationen gibt es einen Wachpolizisten, sein Dienstzimmer befindet sich meist direkt hinter den Eingangsbereichen auf den Zwischenebenen der Stationen.
Die Bahnsteige und die Zugänge sind von einem Videoüberwachungssystem abgedeckt, in den Zügen selbst gibt es dagegen keine Videoüberwachung.
Tarif Am 1. Januar 2023 wurde ein neues elektronisches Ticket- und Entwertungssystem eingeführt. Das Passieren der Schranken an den Eingängen ist seitdem sowohl mit RFID-Chipkarten mit aufgeladenen Einzelfahrten als auch mit Kredit- oder Debitkarten möglich, die Bankkarte gilt dann als Fahrausweis. Der Umstieg auf andere Metrolinien ist inklusive, sowie die Mitnahme von bis zu zwei Stück Handgepäck ohne Größenbegrenzung, man darf auch innerhalb von 30 Minuten nach Entwertung in einem anderen Verkehrsmittel des ÖPNVs umsteigen. Nach dem Entwerten an der Schranke ist die Karte dann für ein erneutes Passieren innerhalb der nächsten 15 Minuten gesperrt um die Nutzung einer Karte durch mehrere Personen zu unterbinden. Die RFID-Chipkarten gibt es als Plastikkarte (Sofia City Card) zum Preis von 1,50 Euro oder als Papierversion (Ultralight) zum Preis von 0,40 Euro, die Aufladung kann dann an den Kassen oder online erfolgen.sofiatraffic.bg, abgerufen am 1. Januar 2023. Auf Papier gedruckte Einzelfahrscheine können aber weiterhin an den mehrsprachigen Fahrscheinautomaten oder an den Kassen an den Eingängen der Stationen für 0,80 Euro (Stand 1. Januar 2026)