Die Heidelberger Druckmaschinen AG, in der Regel kurz als Heidelberg oder auch Heideldruck bezeichnet, ist ein Unternehmen des Präzisionsmaschinenbaus und weltweit führender Hersteller von Bogenoffset-Druckmaschinen einschließlich umfangreicher Lösungen für die Printmedienindustrie. Der Unternehmenssitz befindet sich in Heidelberg (Baden-Württemberg),Heidelberger Druckmaschinen AG: ; siehe auch: Heidelberger Druckmaschinen AG: Satzung der AG, §1. (PDF; 173 kB), aufgerufen am 27. April 2018. wichtigster Produktionsstandort und Konzernzentrale ist der etwa 13 Kilometer südlich von Heidelberg gelegene Standort in Wiesloch/Walldorf.Heidelberger Druckmaschinen AG: , aufgerufen am 27. April 2018.
Standorte mini|Verwaltungsgebäude der Heidelberger Druckmaschinen in Wiesloch mini|Print Media Academy: Ehemaliges Büro- und Schulungsgebäude der Firma in Heidelberg. Im Vordergrund das „S-Printing Horse“ Der Sitz der Hauptverwaltung sowie Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Service und die Montage fast aller Druckmaschinen sind am 13 Kilometer südlich von Heidelberg gelegenen Standort Wiesloch-Walldorf angesiedelt. Dieser Standort beherbergt mit annähernd 4000 MitarbeiternAlexander Jungert: Heidelberger Druck streicht 1000 Jobs am Stammsitz Wiesloch Walldorf. In: Mannheimer Morgen, 25. Mai 2020, abgerufen am 21. Oktober 2024 und einer Grundfläche von 860.000 m² die größte Druckmaschinenfabrik der Welt.Micha Hörnle: Unternehmer Epple kauft Firmensitz der Heidelberger Druckmaschinen. In: Rhein-Neckar-Zeitung, 21. September 2015, aufgerufen am 27. April 2018.
Im Jahr 2018 wurde das Forschungs- und Entwicklungszentrum mit seinen 900 Beschäftigten als letzter Unternehmensbereich vom ursprünglichen Standort in Heidelberg nach Wiesloch verlagert.Matthias Kros: . In: Mannheimer Morgen, 21. Oktober 2016. Das Gebäude in Heidelberg wurde von den Stadtwerken Heidelberg übernommen.Thomas Daily: Heidelberg: Druck-Forschungszentrum wird zur Zentrale der Stadtwerke., 11. Juni 2018, aufgerufen am 22. Oktober 2024. Das neue Entwicklungszentrum, das mit einer Bruttofläche von 40.000 m² in einer Halle in Wiesloch-Walldorf eingerichtet wurde, weihte im Dezember 2018 der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein.Heidelberger Druckmaschinen AG: „Open for Innovation“ – Heidelberg treibt mit neuem Innovationszentrum digitale Transformation in der Druckbranche voran, abgerufen am 13. Dezember 2018Heidelberger Druckmaschinen AG: Weltweit modernstes Forschungszentrum der Druckindustrie eröffnet – Heidelberg Vorreiter bei der Digitalisierung im Maschinenbau, abgerufen am 13. Dezember 2018 Nach dem Verkauf aller Verwaltungsgebäude in Heidelberg war die Print Media Academy in Bahnhofsnähe das einzige Gebäude im Besitz der Heidelberger Druckmaschinen AG in der namensgebenden Stadt. Im Jahr 2020 zog Heidelberger Druckmaschinen ihre letzten Beschäftigten aus der Stadt Heidelberg ab. Die Räumlichkeiten der Print Media Academy wurden zu diesem Zeitpunkt nur noch an Fremdfirmen vermietet und nicht mehr durch eigene Angestellte genutzt.Matthias Kros: Heideldruck nimmt Abschied aus Heidelberg In: Rhein-Neckar-Zeitung, 14. August 2020, aufgerufen am 29. August 2020. 2021 wurde die Print Media Academy an eine luxemburgische Investmentgesellschaft verkauft.Katja Becher: Heideldruck verkauft Print Media Academy – was passiert jetzt mit der PMA? In: Heidelberg24, 4. Februar 2021, aufgerufen am 22. Oktober 2024.
Weitere Produktions- und Entwicklungsstandorte in Deutschland befinden sich in Amstetten auf der Schwäbischen Alb (Gießerei), Brandenburg an der Havel (Fertigung und Montage von Komponenten), Kiel (Software für Integration aller Prozesse in prepress, press und postpress), Langgöns (Entwicklung und Fertigung von Etikettendruckmaschinen), Ludwigsburg (Falzmaschinen und Mailingsysteme), und Weiden in der Oberpfalz (Druckmaschinen und Stanzen).Heidelberger Druckmaschinen AG: Selected Locations, abgerufen am 21. Oktober 2024 Als erster europäischer Druckmaschinenhersteller eröffnete Heidelberg Ende 2006 ein Werk in China. In Qingpu/Shanghai stellen rund 400 Mitarbeiter vor allem standardisierte Druckmaschinen in allen gängigen Formatklassen für den asiatischen Markt her. Weitere Produktionsstandorte im Ausland gibt es seit der Veräußerung der Standorte für die Herstellung von Drucksaalchemikalien 2019 noch in St. Gallen (Etikettendruckmaschinen der Marke Gallus) sowie in den USA (Falzmaschinen der Marke Baumfolder). An weltweit 250 Standorten in 170 Ländern ist das Unternehmen mit mehr als 3000 Vertriebs- und Servicemitarbeitern vertreten. Rund 88 Prozent seines Umsatzes von 2,3 Milliarden Euro wurden im Geschäftsjahr 2024/25 im Ausland erzielt.
Geschichte links|mini|Aktie über 100 RM der Schnellpressenfabrik AG Heidelberg vom Januar 1925 mini|Firmengeschichte und beteiligte Personen mini|Gott grüß die Kunst – Plakette anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Unternehmens mini|Der berühmt gewordene Heidelberger Tiegel — Als Tiegeldruckpresse wird eine Druckmaschine bezeichnet, bei der sowohl der Press- als auch der Gegendruckkörper je eine ebene Fläche bilden. Hinzu kam der automatische Papiereinzug. mini|Ein Stock-Motorrad aus Heidelberger Produktion
Die Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen AG wurde zu großen Teilen von gesamtwirtschaftlichen Aufschwüngen im 20. Jahrhundert geprägt, die mittelbar durch den Aufstieg der Werbebranche und des Konsumgütersektors auch die Printmedien-Branche positiv beeinflussten. In der neueren Geschichte seit dem Jahr 2000 kam das Unternehmen aufgrund der abnehmenden Bedeutung von Druckerzeugnissen durch die digitale Revolution und wegen kaufmännischer Fehlentscheidungen mehrfach in finanzielle Schwierigkeiten und versucht insbesondere seit den 2010er Jahren auch durch neue Geschäftsmodelle Märkte außerhalb der graphischen Industrie zu erschließen.Focus: Heidelberger Druck will mit neuen Modellen Krise endgültig abhaken, abgerufen am 16. Februar 2019
Anfangsjahre (1845–1896) Der erste Vorläufer der Heidelberger Druckmaschinen AG war eine Glocken-, Feuerspritzen- und Dampfmaschinenfabrik im pfälzischen Frankenthal. Der gelernte Glockengießer Georg Hamm übernahm diese Glockengießerei 1845 vom Stiefsohn des Firmengründers Georg Friedrich Schrader, der die Gießerei 1774 gegründet hatte. Im Januar 1849 wurde Georg Hamms Bruder Andreas Hamm als Teilhaber des Unternehmens aufgenommen, er war zu diesem Zeitpunkt allerdings nur Kommanditgesellschafter zusammen mit dem Beamten Friedrich Wilhelm Meinhold. Die solidarisch haftenden Gesellschafter waren weiterhin Georg Hamm und der Flussreeder Georg Adam Kühnle.
Als offizielles Gründungsdatum der Heidelberger Druckmaschinen AG gilt das Jahr 1850. In diesem Jahr übernahm Andreas Hamm die Anteile seines Bruders Georg am Unternehmen, da Georg Hamm aufgrund seiner Teilnahme an der Revolution 1848/1849 ins Exil flüchten musste. Unzufrieden mit seinen geringen Entscheidungsbefugnissen beschloss Andreas Hamm, schon 1851 wieder aus der Gesellschaft auszuscheiden. Er erhielt die Glockengießerei des Unternehmens, die Maschinenherstellung verblieb bei den anderen Gesellschaftern, die diesen Bereich fortführten.Martin Krauß: Vom Glockenguss zum Offsetdruck. Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen AG. S. 9–14. Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2000, ISBN 978-3-89735-148-6
1856 lernte Hamm Andreas Albert, Montageleiter bei der C. Reichenbachschen Maschinenfabrik und früherer Werkmeister bei Koenig & Bauer, kennen, der sich gerade auf Geschäftsreise befand. Zusammen beschlossen sie fünf Jahre später, neben Glocken und Gussteilen in loser Kooperation auch Schnellpressen herzustellen. Erst im Jahr 1863 begann mit einem formellen Vertrag mit einer Laufzeit von 10 Jahren die Produktion unter dem Firmennamen Albert & Hamm. In diesem neuen Unternehmen stellte Hamm die betriebliche Ausrüstung mit Maschinen und Werkzeugen und sorgte für die Rohstoffbelieferung mit Gussteilen und Stahl. Albert übernahm hauptsächlich die Leitung des Tagesgeschäfts, insbesondere die Konstruktion der Druckmaschinen. Betriebskosten und Gewinn teilten sich die beiden Partner. Die hergestellten Maschinen wurden teilweise kritisiert, eine zu große Ähnlichkeit mit den Reichenbachschen Modellen aufzuweisen ohne nennenswerte Verbesserungen zu besitzen.Martin Krauß: Vom Glockenguss zum Offsetdruck. Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen AG. S. 20. Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2000, ISBN 978-3-89735-148-6 Dennoch konnten schon bald Maschinen weit außerhalb des deutschen Sprachraums nach Cherson und Odessa verkauft werden.Heidelberger Druckmaschinen AG: , abgerufen am 28. September 2018 Nach dem Weggang Alberts 1873 begann eine Zwischenphase, die Hamm nutzte, um sich wieder verstärkt dem Glockenguss zu widmen. In diesen Zeitraum fiel auch der Guss der Kaiserglocke für den Kölner Dom. Danach baute Hamm, nun zusammen mit seinem Sohn Karl, wieder Schnellpressen in harter Konkurrenz zu Alberts neuem Unternehmen, der Schnellpressenfabrik Albert & Cie. Diese wurde im 20. Jahrhundert als Albert-Frankenthal AG wieder von Koenig & Bauer übernommen.
Im Jahr 1894 starb Andreas Hamm. Anschließend verkaufte Hamms Sohn das Unternehmen 1895 an Wilhelm Müller, der den Unternehmenssitz nach Heidelberg verlegte. Der Verkauf umfasste jedoch nur den Maschinenbau und nicht die Glockengießerei, die noch bis 1960 eigenständig betrieben wurde. Müller war zum Zeitpunkt der Übernahme bereits Gesellschafter der Maschinenfabrik Heidelberg Molitor & Cie, die er zusammen mit seinem Partner Wilhelm Molitor an der Eppelheimer Straße (heute: Alte Eppelheimer Straße) in Heidelberg-Bergheim betrieb.Martin Krauß: Vom Glockenguss zum Offsetdruck. Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen AG. S. 23–34. Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2000, ISBN 978-3-89735-148-6Martin Welke, Boris Fuchs: „Zeitungsdruck: die Entwicklung der Technik vom 17. zum 20. Jahrhundert“, Band 58 von „Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung“, 2000, Seite 49, ISBN 3-598-21321-2; Ausschnitt aus der Quelle 1896 wurde die Maschinenfabrik Molitor liquidiert und die A. Hamm OHG, Schnellpressenfabrik und Eisengießerei in das Heidelberger Handelsregister eingetragen. Teilhaber dieses Unternehmens, das die Gebäude der Maschinenfabrik Molitor übernahm, waren Wilhelm Müller und Karl Geiger. Die Hamm’sche Fabrik in Frankenthal wurde noch mehrere Jahre als weiterer Betriebsstandort fortgeführt und schließlich 1900 aufgelöst. An den beiden Fertigungsstandorten in Frankenthal und in Heidelberg-Bergheim wurden 1896 rund 300 Personen beschäftigt.Heidelberger Druckmaschinen AG: 150 Jahre Heidelberger Druckmaschinen Aktiengesellschaft. Vom Schnellpressenbauer zum weltweit führenden Lösungsanbieter für die gesamte Druck- und Verlagsindustrie. S. 14–15, Heidelberg 2000, ISBN 3-00-006068-5
Übernahme durch die Banken und den Kahn-Konzern (1896–1931) Durch steigende Rohstoffpreise und eine nachlassende Nachfrage kam das Unternehmen zur Jahrhundertwende in eine Krise, in deren Folge die nun Schnellpressenfabrik A. Hamm AG genannte Fabrik in den Besitz der Rheinischen Creditbank in Mannheim und der Darmstädter Bank für Handel und Industrie überging. Im Jahr 1905 wurde die Firmenbezeichnung in Schnellpressenfabrik Aktiengesellschaft Heidelberg (Kurzform: Schnellpresse) geändert. Da die Schnellpressenfabrik jedoch weiterhin rote Zahlen schrieb, suchten die Banken bald einen neuen Investor für das Unternehmen, als dessen Gläubiger sie gleichzeitig auftraten. Dieser wurde 1916 im gebürtigen Bochumer Unternehmer Richard Kahn gefunden, der die Heidelberger Maschinenfabrik in sein eigenes Unternehmensgeflecht, den Kahn-Konzern, einband.Martin Krauß: Vom Glockenguss zum Offsetdruck. Geschichte der Heidelberger Druckmaschinen AG. S. 45–47. Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2000, ISBN 978-3-89735-148-6