Die Bonner Burschenschaft Germania ist eine fakultativ schlagende Studentenverbindung in Bonn. Sie setzt die Tradition von acht Burschenschaften des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes (ADB) fort.

Couleur Die Mitglieder der Bonner Burschenschaft Germania tragen die Farben Schwarz-Rot-Gold mit silberner Perkussion und eine schwarze Mütze.

Geschichte Die Bonner Burschenschaft Germania entstand im Sommer 1995 aus dem Zusammenschluss der Burschenschaften Neogermania Bonn (verbandsfrei), Sugambria Bonn (DB) und Cheruscia Jena (verbandsfrei, nur Altherrenbund). Alle drei Burschenschaften blicken zum Teil auf eine über 100-jährige traditionsreiche Geschichte zurück und gehörten früher dem ADB an. Daher nahm man als Verbindungszirkel den des ADB. Der alte Wahlspruch des ADB wurde dem der Sugambria Bonn hinzugefügt. Außerdem wurden die Farben des ADB übernommen.

Eine Mitgliedschaft des neuen Bundes in der Deutschen Burschenschaft (DB) sollte sichergestellt sein. Da aber nur Sugambria dem Dachverband angehörte, bildete sie gegenüber ihm offiziell den Stamm. Sie nannte sich nun um in „Germania“, und die Neogermanen konnten ihr daraufhin als Einzelmitglieder beitreten. Als Gründungstag gilt aber der 5. Mai 1883. Am 14. Dezember 2002 trat Germania aus der DB aus, weil ihr die politische Entwicklung im Dachverband nach rechts nicht behagte.

Traditionsbünde Datei:Neogermania.png

Neben der Neogermania, der ältesten Reformburschenschaft, setzt die Bonner Burschenschaft Germania die Tradition von sieben weiteren ADB-Burschenschaften fort:

Burschenschaft Neogermania Berlin Die Burschenschaft Neogermania Berlin wurde am 5. Mai 1883 in Berlin mit den Farben Gold-Schwarz-Rot-Gold, zuerst mit einer schwarzen, dann später mit einer roten Mütze als Kopfbedeckung, und dem Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland!“ in Berlin gegründet. * Im ADB war sie vom 11. November 1883 bis zum 1. Januar 1934, in der Deutschen Burschenschaft vom 1. Januar 1934 bis zum 18. Oktober 1935. Sie fusionierte 1995 zur Bonner Burschenschaft Germania.

Geschichte der Burschenschaft Neogermania Berlin Die Reformburschenschaften Am 20. Juli 1881 wurde der „Allgemeine Deputierten Convent“ (ADC), als Zusammenschluss der farbentragenden Burschenschaften mit unbedingter Satisfaktion an den reichsdeutschen Universitäten gegründet. Seit 1902 trägt dieser die Bezeichnung Deutsche Burschenschaft (DB).

Die Errichtung des Deutschen Reiches (1871) hatte gerade im Kreise der Burschenschaft vielfach die Anschauung hervorgebracht, dass ja nun das alte Ziel der Burschenschaft, die deutsche Einheit, erreicht sei; dass man als Burschenschaft keine eigentliche Aufgabe mehr habe und sich in erster Linie der korporationsmäßigen Seite des Bundeslebens widmen müsse. Einzelne Burschenschaften hatten aus dieser Auffassung die für sie logische Folgerung gezogen und sich in Corps umgewandelt.

Die bis zur Arroganz gesteigerte Selbstsicherheit der Corps imponierte trotz allem auch den Burschenschaften. Da die materiellen Grundlagen ein ähnliches Auftreten in der Öffentlichkeit nicht zuließen, suchte man dies durch ein ganz extremes Duellprinzip zu kompensieren und hoffte gleichzeitig, auch durch die Beteiligung am Antisemitismus in der Öffentlichkeit an Ansehen zu gewinnen, ohne Rücksicht darauf, dass man damit Brücken zur eigenen historischen Vergangenheit abbrach.

Auf der anderen Seite entstand, aus der Opposition gegen die fortschreitende Entwicklung zur „Waffenverbindung“ heraus, im Jahre 1883 eine Anzahl von „Reformburschenschaften“, die sich noch im gleichen Jahre zum „Allgemeinen Deutschen Burschenbund“ (ADB) zusammenschlossen.

In der Tivoli-Rede „Zur Reform der Burschenschaften“ stellte Konrad Küster im Wesentlichen drei Forderungen aufHelmut Kraussmüller und Ernst Anger: Die Geschichte des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes (ADB) 1883–1933 und das Schicksal der ehemaligen ADB-Burschenschaften. Gießen 1989, Historia Academica, Heft 28.: Allmähliche Abschaffung der Säbel- und Pistolenduelle, stattdessen Einführung obligatorischer Schiedsgerichte, Aufhebung der Bestimmungs- und Verabredungsmensuren. Übung von Toleranz als Zeichen hoher Bildung und selbstbewußter Stärke. Überparteiliche nationale Betätigung der Burschenschaften mit der Feier des 18. Januar als Nationalfeiertag als sichtbarstem Ausdruck der nationaldeutschen Betätigung der Burschenschaften.

Diese Reformbewegung innerhalb der Burschenschaften richtete sich einerseits gegen die Angleichung der Burschenschaften an die Corps, andererseits aber auch gegen die zunehmende Aufsplitterung der deutschen Studentenschaft in zahlreiche verschieden orientierte und oft miteinander verfeindete Korporationen und Dachverbände. Die Burschenschaften sollten sich unter Ablehnung von Bestimmungsmensur und Commentübertreibung wieder stärker auf sittliche Ziele besinnen, Toleranz zeigen und eine Wiedervereinigung der Studentenschaft in einer allgemeinen Burschenschaft vorantreiben. Das Echo in den bestehenden ADC-Burschenschaften auf diese Rede erwies sich für Küster als unerwartet gering. Selbst diejenigen, die mit Reformgedanken sympathisierten, hielten sich zurück. Sie gaben zu, dass Missstände vorhanden seien. Nachdrücklich aber betonte man, dass noch heute das Ziel aller Burschenschaften die Herausbildung einer bewusst deutsch-nationalen Gesinnung wäre. Das Wichtigste war, dass man den Mensurstandpunkt Küsters verwarf. So blieb der Kreis der älteren Burschenschaften fest geschlossen und keine fiel vom ADC ab.

Nachdem sich der ADC endgültig dem Reformgedanken verschlossen hatte, entwarfen Konrad Küster und Eugen Wolff das Programm für eine neu zu begründende Reformburschenschaft im Anschluss an die älteren Prinzipien von 1818 mit den „durch die veränderte Zeit und veränderte Lage bedingten einzelnen Frontverschiebungen und Erweiterungen“. Leitspruch: „Prüfen wir alles und behalten das Beste!“

Als erste Reformburschenschaft überhauptPeter Krause: O alte Burschenherrlichkeit. Die Studenten und ihr Brauchtum. 5. Auflage. Graz, Wien, Köln 1997, S. 107. wurde am 5. Mai 1883 die Burschenschaft Neo-Germania gegründet. Der Name „Neo“-Germania war bewusst in Erinnerung an den Richtungsstreit der frühen Burschenschaft zwischen Arminen und Germanen gewählt worden. Erster Sprecher wurde der spätere Literaturwissenschaftler Eugen Wolff.

Burschenschaft Neogermania Berlin Die Burschenschaft Neogermania Berlin hatte die Farben Gold-Schwarz-Rot-Gold und eine schwarze (später rote) Mütze als Kopfbedeckung. Ihr Wahlspruch lautete: „Freiheit, Ehre, Vaterland!“

1884, 1892, 1898, 1902, 1907, 1908 und 1933 hatte Neogermania im ADB den Vorsitz.

Kaiserzeit Am 5. Mai 1883 fand die Gründungsversammlung der Neo-Germania statt, bei der sich 24 Kommilitonen auf die Satzungen verpflichteten. Veranlasst war diese Versammlung durch die sogenannte Tivoli-Rede, die Konrad Küster anlässlich des ersten Reichsgründungskommerses Alter Burschenschafter gehalten hatte und in der er zu einer Reform des studentischen Lebens im Sinne der Urburschenschaft aufgefordert hatte. Die neue Verbindung trug die Farben Schwarz-Weiß-Rot.

Die Grundsätze wurden wie folgt festgelegt: Pflege des deutschen nationalen Sinns ohne Parteipolitik. Pflege der studentischen und speziell der burschenschaftlichen Geschichte. Wissenschaftlichkeit. Sittlich ernster Lebenswandel. Verbot, über die Verhältnisse zu leben und Schulden gegen Verpfändung des Ehrenworts zu machen. Prinzip der Gleichberechtigung sämtlicher Mitglieder. Prinzip der körperlichen Ausbildung durch Fechten, Turnen, Schwimmen, Fußwanderungen. Prinzipielle Verwerfung des Zweikampfs und Streben, ihn ganz zu bannen.1883–1983. 100 Jahre Burschenschaft Neogermania. Festschrift, Bonn 1983.

Auf den Beschluss des 1. Bundestages des ADB, möglichst allgemein die Burschenschafterfarben zu führen, nahm man am 18. Oktober 1884 das gold-schwarz-rot-goldene Band und die schwarze Mütze an. Seit dem 11. Juni 1886 nannte sich der Bund nicht mehr Reformburschenschaft, sondern, unter Änderung der Schreibweise, Berliner Burschenschaft Neogermania. 1890 wurde die hellrote Tuchmütze eingeführt.

Im Sommersemester 1900 wurde vom Universitätsrichter die Suspension über die Burschenschaft verhängt, da sie Angehörige fremder Berliner Hochschulen in ihre Reihen aufgenommen hatte. Sie trat jedoch an der Technischen Hochschule Charlottenburg weiter unter dem alten Namen auf. Bis sie zu Beginn des Wintersemesters 1901/1902 wieder an der Universität zugelassen wurde, gab die Charlottenburger Burschenschaft ihren Namen sowie ihre Universitätsstudenten nach Berlin zurück. Sie selbst blieb unter dem Namen Sigambria Charlottenburg weiter bestehen.

Es begannen Kämpfe, die die Einführung von Bestimmungsmensuren und den Ausschluss der Juden zum Ziel hatten. Die Auflösung der Burschenschaft scheiterte an den Alten Herren und 7 Inaktiven, die wieder aktiv wurden und die alte freiheitliche ADB-Gesinnung hochhielten.

Im Jahre 1913 bestand der ADB aus 29 Burschenschaften und rund 1900 Mitgliedern. Neogermania zählte damals 134 Mitglieder, darunter 76 Alte Herren. Im August 1914 meldete sich die Aktivitas zum Kriegsdienst, doch war der Bestand der Burschenschaft während des Ersten Weltkrieges mit Hilfe des Altherrenbundes gesichert. Am Ersten Weltkrieg nahmen 103 Bundesbrüder teil, von denen 19 gefallen sind.

Tochterverbindung: Burschenschaft Markomannia München Am 7. Juni 1890 wurde in München als Tochterverbindung die MARKOMANNIA mit den Farben rot-schwarz-gold als Burschenschaft und mit den Prinzipien des ADB gegründet. Die Aufnahme in den ADB erfolgte auf dessen 7. Bundestag 1890. In den Jahren 1893 bis 1903 musste Markomannia vertagen. 1903 wurde der Betrieb unter den Farben gold-weiß-blau-gold wieder eröffnet. Ende des WS 1927/28 erfolgte nach Fusion mit dem Altherrenverein der früheren ADB-Burschenschaft Askania München (gegr. 9. November 1906, Farben: blau-gold-grün, blaue Mütze) eine Farbenänderung in blau-gold-grün. Im Jahr 1929 übernahm Markomannia die vertagte ADB-Burschenschaft Rhein-Elsaß (gegr. 27. März 1922; Farben: schwarz-weiß-schwarz auf rotem Grund, rote Tuchmütze) und verblieb im ADB bis zu dessen Ende im Oktober 1933. Sie trat am 5. Mai 1934 gemeinsam mit Cheruskia Königsberg und Askano-Silesia Marburg in die Neogermania Berlin ein.

Weimarer Republik Schon vor 1914 bestand der Bund zum größten Teil aus Mitgliedern, deren Herkunft nicht die sogenannten wohlhabenden Oberschichten waren. Jetzt aber wurde der Typ des Werkstudenten zur allgemeinen Erscheinung. Nach 1918 loderten die inneren Kämpfe erneut auf. Nun wurde, im Gegensatz zu früheren Beschlüssen, die Einführung von Verabredungsmensuren und die Nichtaufnahme von Juden beschlossen. Man versicherte, „den verschwindend wenigen bei uns verbliebenen Altherren jüdischer Abstammung“ die Treue zu halten. Der ADB verstand sich als „asemitisch“, nicht als „antisemitisch“.

Von der SPD bis zur DVP: Neogermanen in der Führungsspitze

Die Weimarer Republik markiert den Höhepunkt des politischen Einflusses der Neogermania: Eduard David, der 1887 den Entwurf der ADB-Verfassung formuliert hatte, wurde als SPD-Politiker erster Präsident der Weimarer Nationalversammlung und später Reichsinnenminister. Otto Fischbeck, war Vorsitzender des Vorstandes der linksliberalen DDP sowie preußischer Staatsminister für Handel und Gewerbe. Gustav Stresemann, der im Sommersemester 1898 Sprecher der Neogermania sowie Präside (Verbandsvorsteher) des ADB war, war Parteivorsitzender der nationalliberalen DVP, Reichskanzler, Außenminister und Friedensnobelpreisträger. Hermann Dietrich, ADB-Burschenschafter und Leibfuchs des Ex-Neogermanen Paul Lensch (Reichstagsmitglied für die SPD), war Reichsminister, Vizekanzler und Parteivorsitzender der linksliberalen Deutschen Staatspartei.