PQ 18 war die Bezeichnung eines alliierten Nordmeergeleitzuges, der im September 1942 Nachschub für die Rote Armee von Island und Schottland nach Archangelsk durch das Nordmeer transportierte. Als Folge der schweren Verluste, die das Vorgängergeleit erlitten hatte, war PQ 18 durch zahlreiche Kriegsschiffe schwer gesichert und wurde als erster Nordmeergeleitzug von einem Flugzeugträger begleitet. Sowohl der Geleitzug selbst als auch die Angreifer erlitten erhebliche Verluste. PQ 18 war der letzte alliierte Geleitzug mit einer „PQ“-Kennung.
Planung und Zusammensetzung Planungen Nach dem Geleitzug PQ 17, der im Juli 1942 wegen der möglichen Bedrohung durch deutsche Überwasserschiffe voreilig aufgelöst worden war und in der Folge schwere Verluste erlitt, trat bei der Aufstellung von Geleitzügen durch das Nordmeer zunächst eine Pause ein.
Zwar war die britische Flotte durch neue Schlachtschiffe verstärkt worden, aber ein erheblicher Teil der britischen Kriegsschiffe wurde ab August 1942 für die Operation Pedestal abkommandiert und stand nicht zur Verfügung,Roskill: Royal Navy. S. 208. um einen weiteren Nordmeergeleitzug vor einer möglichen erneuten Bedrohung durch schwere deutsche Kriegsschiffe abzusichern. Weiterhin wollte man zunächst keinen Geleitzug mehr durch das Nordmeer senden, solange der arktische Sommer mit seinem Tageslicht nahezu pausenlos deutsche Luftangriffe von Basen der Luftwaffe in Norwegen erlaubt hätte.
Admiral John Tovey, als Oberbefehlshaber der Home Fleet auch verantwortlich für die Aufstellung und Routenplanung von Geleitzügen, stand unter Druck von Premierminister Churchill, den Geleitverkehr zur verbündeten Sowjetunion wieder aufzunehmen. Tovey, weitgehend korrekt über die Zusammensetzung der deutschen Marinestreitkräfte in Norwegen informiert, entschied, dass ein großer Geleitzug mit etwa 40 Handelsschiffen die beste Lösung sei.Roskill: Royal Navy. S. 209. So war es möglich, ein Maximum an Sicherungsschiffen und unterstützenden Flugzeugen und U-Booten für den Einsatz zur Verfügung zu stellen, anstatt diese Ressourcen auf viele kleine Geleitzüge zu verteilen. Die Sicherungsschiffe konnten so auch den rückkehrenden Geleitzug QP 14 decken, der in dem Moment in See stechen sollte, in dem PQ 18 sein Ziel erreichte.
Bisher hatten die leichten Sicherungsschiffe das heimkehrende Geleit immer nahe der Bäreninsel aufgenommen, so dass sie zu dem Zeitpunkt noch genug Treibstoff hatten, um die Gefahrenzone zu verlassen, bevor sie nachtanken mussten. Das war bei dem Plan für PQ 18 nicht mehr möglich, deshalb musste bei Spitzbergen ein Punkt zum Auftanken eingerichtet werden.
Aufstellung und Zusammensetzung des Geleits mini|Frachter Empire Baffin mini|Frachter Mary Luckenbach mini|Frachter Patrick Henry Das Geleit sollte 40 Handelsschiffe unter dem Kommando von Kommodore E. K. Boddam-Whetham (Konteradmiral d.R.) beinhalten, dazu zwei Flottentanker, einen regulären Tanker und ein Rettungsschiff.
Der US-amerikanische Frachter Beauregard musste wegen Maschinenproblemen umkehren, so dass noch 39 Handelsschiffe verblieben:
Africander, panamaisch, 5.441 BRT Andre Marti, sowjetisch, 2.352 BRT * Atheltemplar, britisch, 8.892 BRT Black Ranger (3.417 BRT), Tanker Campfire, amerikanisch, 5.671 BRT Charles R. McCormick, amerikanisch, 6.027 BRT Copeland, britisch, 1.526 BRT, Rettungsschiff Dan-Y-Bryn, britisch, 5.117 BRT Empire Baffin, britisch, 6.978 BRT Empire Beaumont, britisch, 7.044 BRT Empire Morn, britisch, 7.092 BRT, CAM-Schiff Empire Snow, britisch, 6.327 BRT Empire Stevenson, britisch, 6.209 BRT Empire Tristram, britisch, 7.167 BRT Esek Hopkins, amerikanisch, LS, 7.191 BRT Exford, amerikanisch, 4.969 BRT * Goolistan, britisch, 5.851 BRT Gray Ranger, britisch, 3.313 BRT, Tanker Hollywood, amerikanisch, 5.498 BRT John Penn, amerikanisch, 7.177 BRT Kentucky, amerikanisch, 5.446 BRT Komiles, sowjetisch, 3.962 BRT * Lafayette, amerikanisch, 5.887 BRT Macbeth, panamaisch, 4.941 BRT Mary Luckenbach, amerikanisch, 5.049 BRT Meanticut, amerikanisch, 6.061 BRT Nathanael Greene, amerikanisch, LS, 7.177 BRT Ocean Faith, britisch, 7.173 BRT Oliver Ellsworth, amerikanisch, 7.191 BRT Oregonian, amerikanisch, 4.862 BRT Patrick Henry, amerikanisch, 7.191 BRT Petrowski, sowjetisch, 3.771 BRT * Sahale, amerikanisch, 5.028 BRT Schoharie, amerikanisch, 4.971 BRT St. Olaf, amerikanisch, 7.191 BRT Stalingrad, sowjetisch, 3.559 BRT * Sukahona, sowjetisch, 3.124 BRT * Tibilisi, sowjetisch, 7.169 BRT * Temple Arch*, britisch, 5.138 BRT Virginia Dare, amerikanisch, 7.176 BRT Wacosta, amerikanisch, 5.432 BRT White Clover, panamaisch, 5.462 BRT William Moultrie, amerikanisch, LS, 7.177 BRT
Unterstützungsmaßnahmen Die Briten hatten im Vorfeld neben diversen Jagdflugzeugen weitere Luftstreitkräfte auf russische Flugbasen bei Murmansk und Archangelsk verlegen wollen. Sie bestanden aus neun Catalina-Flugbooten des „210. Squadron“ zur Langstreckenaufklärung, vier Spitfire-FotoaufklärernRoyal Air Force 1939–1945 Chapter IV auf ibiblio.org, gesichtet am 21. Juni 2012 und 32 Handley-Page-Hampden-Bombern der 144. RCAF und 455. RAAF-Staffel für Einsätze gegen die deutschen Stützpunkte und Schiffe in Norwegen. Die Erlaubnis zur Überführung der Maschinen kam von sowjetischer Seite so spät, dass die Maschinen bei schlechtem Wetter von Sumburgh auf den Shetlandinseln am Abend des 4. Septembers starten und über Norwegen fliegen mussten. Der Verband mit den Hampden-Bombern erlitt dabei schwere Verluste. Sechs Maschinen ging infolge von Navigationsfehlern der Treibstoff aus, ein Flugzeug wurde irrtümlich von sowjetischen Jagdflugzeugen abgeschossen, ein weiteres von deutschen Jägern, und eine Maschine fiel am 5. September 1942 dem Flugabwehrfeuer eines deutschen Flaktrawlers nahe Vardø zum Opfer. Die Besatzung der Maschine, bestehend aus fünf Australiern, geriet in Kriegsgefangenschaft. Im Wrack des Flugzeuges fanden deutsche Truppen Unterlagen über PQ 18, die ihnen zusammen mit entschlüsselten sowjetischen Funksprüchen Hinweise auf den Zeitplan des Geleits lieferten.
Aufstellung und Zusammensetzung der Sicherungskräfte Schutz der Frachter der Gruppen eins und zwei Den direkten Schutz der Frachter, die direkt von Loch Ewe nach Archangelsk ausliefen, gewährleistete die Nahsicherung unter Commander Russell vom 7. bis zum 21. September mit den Zerstörern Malcolm, Achates und Amazon. Hinzu kamen die Flugabwehrschiffe Alynbank und Ulster Queen, die Korvetten Bergamot, Bryony, Bluebell und Camellia sowie vier bewaffnete Trawler und die Minensucher Harrier, Gleaner sowie Sharpshooter.
Die Frachter der Gruppe Reykjavík – Archangelsk, die sich mit dem Rest des Geleits aus Loch Ewe zusammenschlossen, wurden bis zum Zusammenschluss von den Zerstörern Campbell, Eskdale, Farndale, Mackay, Montrose, Echo, Walpole und fünf bewaffneten Trawlern begleitet. Die Gruppe löste sich nach der Übergabe der Frachter an das Hauptgeleit auf und drei Zerstörer schlossen sich in Akureyri auf Island der Fernsicherung mit dem schweren Verband von Vizeadmiral Bruce Fraser an.
Ungewöhnlich war die Beigabe von zwei U-Booten, die an der Oberfläche im Geleit mitfahren sollten. Die Idee war, dass ihre Entdeckung durch deutsche Aufklärer einen gegnerischen Kommandeur vom Einsatz schwerer Überwasserschiffe abschrecken sollte. Am 8. September stießen zu diesem Zweck die Boote P614 und P615 zum Geleitzug.
Der Geleitflugzeugträger Avenger mit seinen beiden Begleitzerstörern der Hunt-Klasse, Wheatland und Wilton, schloss sich dem Geleit am 9. September an und fuhr zunächst in der letzten Reihe der Handelsschiffformation mit. Seine Aufgabe bestand in erster Linie darin, mit seinen zwölf Sea-Hurricane-Mk.I-Jagdflugzeugen deutsche Aufklärungsflugzeuge abzudrängen und mit seinen drei Swordfish-Mk-II-Bombern nach U-Booten zu suchen, die sich über Wasser mit hoher Geschwindigkeit außerhalb der Sichtweite der Schiffe vor den Geleitzug zu setzen versuchten.Clai Blair: Hitler’s U-Boat War: The Hunted 1942–45. Absatz: „The Arctic: Convoys PQ 18 and QP 14“.
Eine schnelle Gruppe aus schweren Zerstörern mit der Bezeichnung „Fighting Escort“ unter Konteradmiral Robert Burnett wurde dem Verband zugeteilt. Das war eine Neuerung, die die Flugabwehr- und U-Jagd-Fähigkeiten des Geleitzuges beträchtlich verstärkte. Sie bestand aus dem Leichten Kreuzer Scylla und den 16 Zerstörern Ashanti, Eskimo, Faulknor, Fury, Impulsive, Intrepid, Marne, Martin, Meteor, Milne, Offa, Onslaught, Onslow, Opportune, Somali und Tartar. Kurz nach dem Zusammenschluss bildeten diese Schiffe einen Verteidigungsring um das Geleit und Burnett übernahm von der Scylla aus das Kommando über gesamte Operation.
Schwere Deckungsgruppe Die Fernsicherung für den ersten Teil der Reise oblag einem schweren Verband der Home Fleet unter Vizeadmiral Fraser mit zwei Schlachtschiffen, einem Leichten Kreuzer und sechs Zerstörern: Schlachtschiff Anson Schlachtschiff Duke of York Leichter Kreuzer JamaicaZerstörer Bramham Zerstörer Broke Zerstörer Campbell Zerstörer Keppel Zerstörer Mackay Zerstörer Montrose
Der Verband lief von Akureyri auf Island am 11. September und kreuzte nahe der Insel Jan Mayen, um im Fall des Auslaufens deutscher Schiffe eingreifen zu können. Nachdem der Geleitzug die Stelle passiert hatte, es kein Anzeichen von auslaufenden gegnerischen Schiffen gab und britische Abhörspezialisten in Bletchley Park den Funkspruch eines deutschen Aufklärungsflugzeuges entzifferten, der die Schlachtschiffe bei Jan Mayen meldete, sah Vizeadmiral Fraser seine Aufgabe als erfüllt an. Er hatte das Geleit gesichert und für den Rest von dessen Reise beim Gegner die Illusion einer schweren Deckungsgruppe erzeugt. So nutze er eine Schlechtwetterzone aus, um sich – von deutschen Flugzeugen unerkannt – abzusetzen und kehrte er mit seinen Schiffen am 14. nach Akureyri zurück.Bewegungen der „Duke of York“ auf naval-history.net, gesichtet am 20. Juni 2012 Seine schweren Schiffe durften nicht riskieren, in Reichweite der deutschen Kampfflugzeuge zu gelangen.Winston Churchill The Second World War – The Hinge Of Fait. Houghton Mifflin, 1950, S. 508.
Leichte Deckungsgruppe Die Fernsicherung gegen mögliche Angriffe von Überwasserschiffen für den zweiten Teil der Reise oblag einer zweiten Deckungsgruppe (16th Cruiser Squadron) unter Vizeadmiral Stuart Bonham Carter. Er kommandierte drei Schwere Kreuzer und zwei Zerstörer:
Schwerer Kreuzer Norfolk Schwerer Kreuzer London Schwerer Kreuzer SuffolkZerstörer Bulldog Zerstörer Venomous. Seine Flotte kreuzte westlich von Spitzbergen und hatte dort die Gelegenheit genutzt, um die kleine Garnison der Alliierten bei Barentsburg mit Nachschub zu versorgen.
Auftankgruppe Der Schwere Kreuzer Cumberland, der Leichte Kreuzer Sheffield und die Zerstörer Eclipse, Windsor, Worcester, Cowdray und Oakley wurden bei Spitzbergen in Reserve gehalten, um dort im Bellsund einen Punkt zum Auftanken der Eskorten aus den Flottentankern Oligarch und Blue Ranger zu sichern.
U-Bootaufklärungsgruppe Eine Gruppe von acht alliierten U-Boote überwachte bei den Lofoten und vor der norwegischen Küste die wahrscheinlichen Anmarschrouten möglicher deutscher Kriegsschiffe: Tribune (T-Klasse) Tigris (T-Klasse) Shakespeare (S-Klasse) Sturgeon (S-Klasse)HMS Unique (U-Klasse) HMS Unrivalled (U-Klasse) HMS Unshaken (U-Klasse) HNoMS Uredd (U-Klasse, Norwegen)
Sowjetische Kräfte Außerdem unterstütze die sowjetische Marine PQ 18, indem sie für den letzten Teil der Reise vier Zerstörer als zusätzliche Sicherung abstellte: Gremjastschi Sokruschitelny Kuibyschew Urizki
Für die Dauer des Geleits beorderte sie zudem fünf U-Boote auf Abfangpositionen vor deutschen Stützpunkten in Nordnorwegen: K-1 K-2 K-21 Shch-422 M-174
Aufstellung und Zusammensetzung der deutschen Kräfte Überwasserkampfgruppe