Der Bahnhof Frankfurt (Oder), bahnbetrieblich auch Frankfurt (Oder) Pbf genannt, ist der wichtigste Personenbahnhof der Stadt Frankfurt (Oder). Er zählt zu den bedeutendsten Bahnhöfen im Land Brandenburg. Der Bahnhof dient sowohl dem Personenfern- als auch dem -nahverkehr und ist seit 1945 Grenzbahnhof nach Polen. Der Bahnhof wurde mehrfach erheblich umgebaut. Ein Gebäude auf dem Gelände des ersten Frankfurter Bahnhofs nördlich der heutigen Station steht unter Denkmalschutz, ebenso die als Eisenbahnersiedlung gebaute Wohnanlage Kiliansberg am Bahnhofsvorplatz mit einem Denkmal für im Ersten Weltkrieg gefallene Eisenbahner.
Lage und Name Der Bahnhof liegt südwestlich des Stadtzentrums von Frankfurt (Oder) oberhalb der im Tal der Oder liegenden Innenstadt, südwestlich schließt sich der Ortsteil Beresinchen an. Die älteste Strecke, die den Bahnhof berührt, ist die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn von Berlin über Frankfurt nach Guben, die einstmals weiter bis Breslau führte. Sie knickt im Bereich des Bahnhofs aus Richtung Westen kommend nach Südsüdost ab. Aus Richtung Süden endet die Bahnstrecke aus Großenhain über Cottbus und Grunow im Bahnhof, aus Richtung Norden die Strecke aus Eberswalde. Eine weitere, heute nicht mehr existente Strecke führte von Frankfurt Richtung Nordosten nach Küstrin. Die Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Poznań führt im Wesentlichen in Richtung Osten, macht in Frankfurt einen großen Bogen in südliche Richtung, um das deutlich tieferliegende Odertal zu überqueren. In Fahrplänen und den Bahnhofskategorielisten von DB Station&Service wird der Bahnhof nur als Frankfurt (Oder) bezeichnet;Deutsche Bahn, Station&Service, (PDF; 315 kB), abgerufen am 30. Januar 2013. in den Stationsverzeichnissen von DB Netz heißt er Frankfurt (Oder) Pbf (Personenbahnhof). Damit wird er vom Rangierbahnhof Frankfurt (Oder) Rbf (früher Verschiebebf) unterschieden. An dessen ausgedehnten und heute weitgehend ungenutzten Anlagen nördlich des Personenbahnhofs an der Strecke in Richtung Eberswalde fand früher auch der örtliche Güterverkehr statt.
Weitere Stationen in der Stadt sind der nur betrieblich genutzte Grenzbahnhof Oderbrücke, der an der Bahnstrecke nach Berlin liegende Bahnhof Rosengarten sowie der an der Strecke in Richtung Grunow liegende Haltepunkt Neuberesinchen und den saisonal bediente Halt Helenesee, ebenfalls an dieser Strecke. Nicht mehr in Betrieb sind der Bahnhof Booßen und der Haltepunkt Klingetal an der Strecke nach Eberswalde sowie der Haltepunkt Güldendorf an der Strecke nach Guben sowie der Güterbahnhof Rosengarten.
Geschichte Erster Frankfurter Bahnhof Erste Pläne für den Bau einer Eisenbahn zwischen Berlin und Frankfurt gab es bereits in den 1830er Jahren. Maßgeblich für die Planungen verantwortlich war der Bauingenieur und preußische Baubeamte August Crelle. Neben der tatsächlich ausgeführten geradlinigen Führung über Fürstenwalde und Jacobsdorf gab es auch Bestrebungen für eine Strecke, die nach Südosten abknickend über Müllrose ins Odertal verlaufen und Frankfurt von Süden erreichen sollte. Dies hätte die Strecke von Berlin nach Breslau verkürzt, für Frankfurt jedoch deutliche Umwege bedeutet. Nachdem Diskussionen über den Trassenverlauf zu einigen Verzögerungen geführt hatten, konnte am 1. Juni 1841 der erste Spatenstich für den Streckenbau stattfinden. Über die Lage des Frankfurter Bahnhofs wurde jedoch erst nach Baubeginn der Strecke entschieden. Es wurde ein Kopfbahnhof auf dem Ziegeleiberg etwas außerhalb der Stadt an der heutigen Briesener Straße errichtet; eine stadtnähere Lage ließ sich wegen der große Höhenunterschiede nicht verwirklichen. Am 23. September 1842 ging die Strecke zwischen Berlin und Frankfurt und damit der erste Bahnhof der Stadt in Betrieb.Lothar Meyer, Horst Regling: Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder). transpress, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 13 f.
1842 gründete sich die Niederschlesisch-Märkische-Eisenbahngesellschaft. Ihr Ziel war die Verlängerung der Strecke von Frankfurt nach Breslau. Am 1. August 1845 übernahm die Gesellschaft die bis dahin selbständige Berlin-Frankfurter Bahn. Ursprüngliche Planungen sahen einen Abzweig der Strecke in Briesen unter Umfahrung von Frankfurt vor. Nach Protesten der Stadt wurde die Strecke doch über Frankfurt geführt. Der Bahnhof konnte für die Strecke nach Breslau nicht mehr genutzt werden, da er als Kopfbahnhof und wegen des großen Höhenunterschiedes zum Odertal keine Streckenführung in Richtung Südosten ermöglichte.Lothar Meyer, Horst Regling: Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder). transpress, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 18.
Bahnhofsneubau mini|Denkmalgeschütztes ehemaliges Werkstattgebäude von 1855 (Bahnhofstr. 7)
Am 1. September 1846 ging die Strecke nach Breslau durchgehend in Betrieb. Der neue Frankfurter Bahnhof war ein Durchgangsbahnhof etwa in der heutigen Lage.Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder), transpress, Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 48. Auf dem Gelände des alten Bahnhofs errichtete die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahngesellschaft unter Leitung von August Wöhler ihre Zentralwerkstatt als Ersatz für bisher in Berlin und Breslau bestehende Einrichtungen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Bahnhof an mehrere weitere Strecken angebunden. Der preußische Staat betrieb den Bau der Königlichen Ostbahn nach Königsberg. Ihr Teilstück von Frankfurt über Küstrin nach Kreuz wurde am 12. Oktober 1857 eröffnet. Mit der 1866 eröffneten direkten Verbindung von Berlin über Strausberg nach Küstrin umging der Verkehr von der Ostbahn Frankfurt wieder.Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder), transpress, Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 25.
Frankfurt als damals wichtigste Messestadt in Nordostdeutschland war sehr an einer Bahnverbindung zwischen den drei Messestädten Leipzig, Frankfurt und Posen interessiert. Jedoch konnte sie sich mit ihren Plänen nicht durchsetzen. Die Strecke zwischen Leipzig und Posen wurde über Guben gebaut, Frankfurt erhielt nur einen Abzweig in Richtung Posen von Bentschen aus. Beim Bau dieser Strecke machten sich erneut die topographischen Schwierigkeiten durch den großen Höhenunterschied zwischen Odertal und den Hügelzügen im Westen von Frankfurt bemerkbar. Zeitweise war in Diskussion, die Strecke aus Posen auf dem östlichen Oderufer ohne Gleisverbindung zu den anderen Strecken enden zu lassen. Schließlich wurde eine Variante gefunden, bei der die Strecke über eine Brücke über die Oder weit südlich der Stadt geführt wurde. Am 26. Juni 1870 wurde der Verkehr auf der Strecke aufgenommen.Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder), transpress, Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 28/29. Im Zuge des Baus der Strecke musste der Bahnhof umgebaut und erheblich erweitert werden. Die Strecke aus Posen erhielt einen eigenen Bahnhofsteil, den (Märkisch-)Posener Hof östlich des Empfangsgebäudes. Die Ostbahn besaß eigene Rangieranlagen nördlich des Bahnhofs, der unter Eisenbahnen auch als Ostbahnhof bezeichnet wurde. Beide Bezeichnungen hielten sich bis in die Gegenwart.Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder), transpress, Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 49–51.
Am 31. Dezember 1876 folgte die Strecke aus Cottbus über Grunow und am 15. Juni 1877 die Strecke aus Eberswalde, betrieben von der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft. Bis 1882 wurden alle Frankfurt berührenden Eisenbahnstrecken verstaatlicht. 1897 wurde der Bahnhof an das Frankfurter Straßenbahnnetz angeschlossen. 1900 wurde die Bahnhofsstraße, die bisher in Eisenbahnbesitz war, von der Stadt Frankfurt übernommen.
Weitere Umbauten Noch vor dem Ersten Weltkrieg begannen Bauarbeiten für einen großen Verschiebebahnhof nördlich des Bahnhofs an der Strecke nach Eberswalde, der 1917 in Betrieb ging. In diesem Bereich hatte die Berlin-Stettiner Bahn für die Strecke aus Eberswalde bereits vorher ihren Güterbahnhof gehabt. Der neue Bahnhof wurde über Verbindungsstrecken nach Rosengarten in Richtung Berlin und zwischen Booßen und Lebus in Richtung Küstrin angebunden. Auch ein Ortsgüterbahnhof entstand in diesem Bereich.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Stadt Posen und der größte Teil der angrenzenden Provinz zu Polen. Die früher dort ansässige Eisenbahndirektion wurde zunächst nach Berlin-Charlottenburg und 1923 nach Frankfurt verlegt und dann als Reichsbahndirektion Osten bezeichnet. Eine Vielzahl von Eisenbahnern siedelte sich daraufhin in Frankfurt an.
Trotz des neuen Güterbahnhofs blieben die Kapazitäten im Bahnhof beengt. Anfang der 1920er Jahre entschied man sich zu einem Komplettumbau. Ein neues Empfangsgebäude entstand östlich des alten, das abgerissen wurde. Die freigewordene Fläche wurde für weitere Gleisanlagen genutzt. Der Märkisch-Posener Hof östlich des Bahnhofsgebäudes konnte verkleinert werden. Der Bahnhofsvorplatz wurde beim Umbau um vier Meter abgesenkt, so dass das Bahnhofsgebäude mit dem Bahnsteigtunnel und der Straßentunnel nach Beresinchen nördlich des Bahnhofsgebäudes ohne große Höhenunterschiede angebunden werden konnten. 1926 wurden zwei Bahnsteighallen von der Firma Beuchelt (Grünberg/Schlesien) errichtet.
1930 wurde die Hauptwerkstatt am Bahnhof geschlossen und das Gelände von anderen Bahneinrichtungen genutzt.Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder), transpress, Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71126-5, S. 98.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Zum Kriegsende waren die Stadt, das Umland und die Eisenbahnstrecken heftigen Zerstörungen ausgesetzt. Elf Wochen war die Stadt Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee. Am 23. April 1945 besetzten sowjetische Truppen die Stadt. Bereits zwei Tage später wurde mit dem Bau einer Behelfsbrücke als Ersatz für die beim Rückzug der Wehrmachtstruppen gesprengte Oderbrücke begonnen. Nachdem bereits bis zur Oder ein Gleis auf russische Breitspur umgespurt worden war, wurde bald ein Breitspurgleis bis Frankfurt, im Mai 1945 auch bis Berlin verlegt. Auch einige Bahnhofsgleise wurden umgespurt. Erst schrittweise konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Als Folge der im Potsdamer Abkommen festgelegten Oder-Neiße-Grenze wurde die Stadt zum Grenzort. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Bahnhof zum wichtigsten Grenzbahnhof der DDR in Richtung Osten.
Der Abschnitt zwischen Frankfurt und dem Abzweig Wüste Kunersdorf bei Lebus an der Strecke nach Küstrin wurde als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut und nicht wieder aufgebaut. Der Verkehr auf dieser Strecke wurde danach ausschließlich über die Verbindungsstrecke von Booßen aus geführt. Durch die neue Grenzziehung nahm jedoch die Bedeutung dieser Strecke deutlich ab, die Strecke wurde nur noch als Nebenbahn eingestuft.
Zur Abfertigung des starken Güterverkehrs in Richtung Polen entstand auf dem Westufer vor der Brücke der Bahnhof Oderbrücke (heute Frankfurt-Oderbrücke).
Auch wenn der Güterverkehr im Wesentlichen über den Rangierbahnhof abgewickelt wurde, war auch der Personenbahnhof durch diesen Verkehr belastet, da der gesamte Verkehr von Berlin und vom Rangierbahnhof nach Polen und in Richtung Süden den Personenbahnhof passieren musste. Über mehrere Jahrzehnte gab es Planungen zum Bau einer südlichen Verbindungskurve, wodurch der Bahnhof entlastet werden sollte. Die Kurve sollte den Bahnhof Oderbrücke direkt mit der Strecke nach Eisenhüttenstadt verbinden, so dass die Kohle- und Erztransporte nicht mehr im Bahnhof Frankfurt (Oder) bzw. – bei zweimaliger Fahrt durch den Personenbahnhof – im Rangierbahnhof die Fahrtrichtung wechseln mussten. Gegen den Bau regten sich Bürgerproteste. Nachdem 1984 zur Entlastung des Landweges und aufgrund der politischen Situation in Polen die Fährverbindung Mukran–Klaipėda in die Sowjetunion eröffnet worden war, wurde endgültig auf den Bau der Kurve verzichtet.