Pilsenit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Bi4Te3 und gehört damit zu den mit den Sulfiden verwandten Verbindungen der Telluride.
Pilsenit ist undurchsichtig und entwickelt nur selten tafelige Kristalle. Meist findet er sich in Form massiger Mineral-Aggregate oder in wechselnden Lagen zusammen mit Hessit. Seine Farbe variiert zwischen einem metallisch glänzenden Zinnweiß und einem hellen Stahlgrau.
Etymologie und Geschichte Erstmals entdeckt wurde Pilsenit bei Nagybörzsöny (Deutsch-Pilsen) im Königreich Ungarn und beschrieben 1853 durch Gustav Adolf Kenngott, der das Mineral nach der deutschen Bezeichnung seiner Typlokalität benannte.
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pilsenit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Csiklovait (diskreditiert), Tellurobismutit und Tetradymit in der „Tetradymit-Reihe“ mit der Systemnummer II/C.03a steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.11-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Pilsenit zusammen mit Ikunolith, Joséit-A, Joséit-B und Laitakarit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.11 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pilsenit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S = 3 : 4 und 2 : 3“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „M : S variabel“ zu finden, wo es zusammen mit Ikunolith, Joséit-A, Joséit-B, Joséit-C und Laitakarit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.DC.05d bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Pilsenit die System- und Mineralnummer 02.06.02.05. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=4:3“ in der „Joséitgruppe (Trigonal: R3m)“, in der auch Joséit, Joséit-B, Ikunolith, Laitakarit, Poubait, Rucklidgeit und Babkinit eingeordnet sind.
Kristallstruktur Pilsenit kristallisiert trigonal in der mit den Gitterparametern a = 4,45 Å und c = 41,94 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Modifikationen und Varietäten Wehrlit gilt einerseits als Synonym für den Pilsenit, bezeichnet andererseits aber auch ein Gemenge aus Pilsenit und Hessit.
Bildung und Fundorte Pilsenit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge. Als Begleitminerale treten neben Hessit unter anderem noch Bismuthinit, Joséit, Pentlandit, Tetraedrit und Tsumoit.
Als seltene Mineralbildung konnte Pilsenit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei rund 40 Fundorte als bekannt gelten. Seine Typlokalität Nagybörzsöny ist dabei der bisher einzige Fundort in Ungarn.
Mehrere Fundstätten in verschiedenen Provinzen liegen sind unter anderem in China, Kanada, Schweden, der Slowakei, Usbekistan und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
Des Weiteren fand sich Pilsenit auch bei Wardenis in der armenischen Provinz Gegharkunik, Osikonmäki (Rantasalmi) in Finnland, in der Gold-Lagerstätte Lukhra bei Swanetien in Georgien, in der Gold-Silber-Lagerstätte Koronuda im griechischen Regionalbezirk Kilkis, bei Quarona und Varallo Sesia in Italien, in der „Mukaidani Mine“ bei Chino (Nagano) in Japan, bei Săcărâmb in Rumänien, in der Gold-Lagerstätte Talatui in der russischen Region Transbaikalien, bei Nový Knín und Jeseník in Tschechien, in der ukrainischen Oblast Transkarpatien, bei Zarafshon (Zarafshan) und Zarmitan in Usbekistan und in der Clogau-Goldmine von Bontdduim (Wales) im Vereinigten Königreich.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Mineralienatlas: Pilsenit (Wiki)
Einzelnachweise
Kategorie:Anerkanntes Mineral Kategorie:Trigonales Kristallsystem Kategorie:Sulfide und Sulfosalze Kategorie:Bismutmineral Kategorie:Tellurmineral