Die Gattung Dracula gehört der Familie der Orchideen (Orchidaceae) an. Sie wurde erst 1978 durch den Botaniker Carlyle A. Luer als eigene Gattung eingestuft, vorher galt sie der Gattung Masdevallia zugehörig (Masdevallia Section Saccilabiatae). Sie umfasst etwa 130 meist epiphytische Arten, die vom südlichen Mexiko bis nach Peru beheimatet sind. Der Name bedeutet kleiner Drache und ist eine Hommage an die von Heinrich Gustav Reichenbach beschriebene Art Dracula chimaera, sowie an die drei äußeren Blütenblätter, die schwanzähnlich auslaufen und an fliegende Fledermäuse erinnern (es heißt, Luer habe die Publizität, die er der Gattung mit diesem Namen verschafft hat, später bereutnach Clare Drinkell (2007): 586. Dracula cordobae, Orchidaceae. Curtis's Botanical Magazine, 24: 101–107. ). Die dunkle Farbe und ein dazu passender Geruch sind offenbar als Nachahmung von Pilz-Fruchtkörpern entstanden. Die Arten der Gattung werden von Fliegen bestäubt, die normalerweise an Pilzen leben.

Beschreibung Die Arten der Gattung Dracula sind meist epiphytische, seltener terrestrische, krautige Pflanzen. Sie wachsen horstig oder mit einem kriechenden oder aufsteigenden Rhizom. Die Wurzeln sind von einem zwei oder drei Zelllagen dicken Velamen umgeben. Der Spross ist von röhrenförmigen Niederblättern umhüllt, er trägt am Ende ein einzelnes, dünn-ledriges Laubblatt. Das Blatt ist längs der Mittelrippe gekielt oder mit mehreren längs verlaufenden Adern versehen. Die Blattform ist linealisch bis elliptisch, das Blatt endet meist spitz, die Blattbasis ist stielartig verschmälert. Auf beiden Blattseiten sind drüsige Haare vorhanden.

mini|links|Blüte von Dracula iricolor Der traubige Blütenstand enthält meist mehrere, sich nacheinander öffnende Blüten, selten ist er einblütig. Die Tragblätter der Blüten umfassen den Blütenstandsstiel röhrenförmig. Der Fruchtknoten ist unbehaart, die Blüten sind resupiniert. Die drei äußeren Blütenhüllblätter (Sepalen) sind oval geformt, sie enden spitz oder stumpf und besitzen einen lang auslaufenden Fortsatz. Sie sind in unterschiedlichem Grad miteinander verwachsen. Die seitlichen Petalen sind klein, länglich geformt und von knorpliger Textur. Sie sind am Ende zu zwei warzigen Taschen zusammengezogen. Die Lippe ist spatelförmig und fleischig, sie ist gelenkig mit der Säule verbunden. Die Säule ist im Querschnitt halbkreisförmig, an den Seiten geflügelt. Sie bildet einen „Fuß“, an dem die Lippe ansetzt. Das Staubblatt enthält zwei seitlich zusammengedrückte Pollinien, die Narbe besteht aus einer Fläche. Es werden elliptische Kapselfrüchte gebildet.

Verbreitung Die Arten der Gattung Dracula sind in Mittel- und Südamerika beheimatet, das Verbreitungsgebiet reicht vom Süden Mexikos bis nach Peru. Die meisten Arten sind aus den Ländern des Andengürtels beschrieben. In Kolumbien leben 72 Arten,Calderón Sáenz, Eduardo Farfán Camargo, Julián Camilo (2003): Especies de los géneros Dracula y Masdevallia (Orchidaceae) en Colombia. Biota Colombiana 4(2): 187-201 (PDF). in Ecuador 53, in Costa Rica nur noch vier. Die Gattung fehlt z. B. auf den Antillen, in Venezuela, Bolivien und Brasilien.

Die meisten Arten sind aus ungestörten Tropenwäldern bekannt geworden, nur wenige auch aus Sekundärwäldern, sie sind meist selten mit kleinem Verbreitungsgebiet. Die Gattung findet man in Höhenlagen von 300 bis 2.800 Metern, die größte Artenvielfalt jedoch vor allem in Wäldern der Gebirgsregenwaldstufe von etwa 1.500 bis 2.500 Höhenmetern.

Ökologie Die Dracula-Arten sind Epiphyten in immerfeuchten Wäldern, wo sie in einer Moos- oder Humusschicht wachsen.

Bei einigen Arten verströmen die Blüten einen Geruch nach Pilzen. Bei Dracula chestertonii wurden die Duftstoffe 1-Octen-3-ol und 3-Octanon festgestellt, Dracula chimaera riecht ähnlich. Der Duft lockt Fliegen als Bestäuber an, die normalerweise an Pilzen leben. In Einzelfällen kommt es hier sogar zur Eiablage durch getäuschte Fliegen.Roman Kaiser (2006): Flowers and Fungi Use Scents to Mimic Each Other. Science 311: 806-807. Bei den Arten Dracula lafleurii und Dracula felix wurden an Pilzen lebende Fruchtfliegen (Drosophilidae) als Bestäuber identifiziert. Die Bestäubung erfolgt hier durch einen Klemm-Mechanismus des Säulchens, der die Fliegen temporär einklemmt. Eine Ausnahme bildet Dracula sodiroi, die von Vögeln bestäubt wird.

Bedrohung Die Gattungen Dracula und Masdevallia zeichnen sich durch spektakuläre Blüten in der sonst unscheinbaren Untertribus Pleurothallidinae aus. Dadurch sind sie bei Sammlern und Züchtern begehrt, einige Arten werden kommerziell gehandelt.zur Zucht vgl. . Durch illegales Besammeln und Abholzung von Tropenwäldern sind zahlreiche Arten in ihrem Bestand bedroht, möglicherweise sind vierzehn der beschriebenen Arten bereits ausgestorben. Die Arten sind besonders gefährdet durch ihre Seltenheit und ihr meist nur kleines Verbreitungsgebiet. Zahlreiche Arten sind nur von einem einzigen Fundort bekannt, mehr als zwei Drittel der Arten von drei oder weniger. Handelsbeschränkungen durch Aufnahme in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) werden erwogen.Harold Koopowitz, Alan Thornhill, Mark Anderson (1993): Species distribution profiles of the neotropical orchids Masdevallia and Dracula (Pleurothallidinae, Orchidaceae); implications for conservation. Biodiversity and Conservation Volume 2, Number 6: 681-690, .

mini|Dracula chestertonii mini|Dracula chimaera mini|Dracula diabola mini|Dracula erythrochaete mini|Dracula gorgona mini|Dracula lotax mini|Dracula minax mini|Dracula posadarum mini|Dracula robledorum mini|Dracula sijmii mini|Dracula simia mini|Dracula vampira mini|Dracula vespertilio

Systematik und botanische Geschichte Die Gattung Dracula gehört zur Subtribus Pleurothallidinae. Nach DNA-Analysen stellt sie eine monophyletische Gruppe dar. Nah verwandt sind die Gattungen Diodonopsis, Masdevallia, Porroglossum und Trisetella; Dracula ist die Schwestergruppe zu einer Klade aus Masdevallia und Porroglossum. Innerhalb der Pleurothallidinae stellt Dracula eine der jüngsten Gruppen dar, entsprechend unterscheiden sich die einzelnen Arten auf der Ebene der DNA nur wenig voneinander.

Die Gattung wurde 1978 von Carlyle August Luer in Selbyana Band 2, Seite 190 aufgestellt. Luer publizierte mehrere Arbeiten zu dieser Gattung, unter anderem eine Unterteilung in Untergattungen, Sektionen, Subsektionen und Serien. Diese Aufteilung spiegelt wahrscheinlich nicht die Verwandtschaftsverhältnisse der Arten wider, wird aber zu Bestimmungszwecken als nützlich angesehen.

Die folgende alphabetische Liste der Gattung Dracula umfasst 138 Arten und drei Naturhybriden, die von den Wissenschaftlern von Kew Gardens, London, als gültig akzeptiert sind. Dracula adrianae : Kolumbien. Dracula agnosia (neu beschriebene Art vom 1. Juni 2012 aus Panama) Dracula alcithoe : Südwestliches Kolumbien bis nördliches Ecuador. Dracula amaliae : Westliches Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula andreettae : Westliches Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula anthracina : Nordwestliches Kolumbien. Dracula antonii : Kolumbien. Dracula aphrodes : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula astuta : Costa Rica. Dracula barrowii : Peru. Dracula bella : Kolumbien. Dracula bellerophon : Westliches Kolumbien. Dracula benedicti : Kolumbien. Dracula berthae : Kolumbien. Dracula brangeri : Kolumbien. Dracula callithrix : Kolumbien. Dracula carcinopsis : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula carlueri : Costa Rica. Dracula chestertonii : Westliches Kolumbien. Dracula chimaera : Westliches Kolumbien - Typus Species Dracula chiroptera : Südwestliches Kolumbien bis Ecuador. Dracula christineana : Wohl Ecuador. Dracula circe : Kolumbien. Dracula citrina : Kolumbien. Dracula cochliops : Südwestliches Kolumbien. Dracula cordobae : Südwestliches Ecuador. Dracula cutis-bufonis : Kolumbien. Dracula dalessandroi : Südliches Ecuador. Dracula dalstroemii : Nordwestliches Ecuador. Dracula decussata : Westliches Kolumbien. Dracula deltoidea : Südöstliches Ecuador. Dracula deniseana !--(2002)-->: Peru. Dracula dens-canis : Kolumbien. Dracula diabola : Kolumbien. Dracula diana : Westliches Kolumbien. Dracula dodsonii : Kolumbien und Ecuador. Dracula erythrochaete Luer : Costa Rica bis westliches Panama. Dracula erythrocodon : Ecuador. Dracula exasperata : Südwestliches Kolumbien. Dracula fafnir : Südöstliches Ecuador. Dracula felix : Südwestliches Kolumbien bis Ecuador. Dracula fernandezii : Ecuador. Dracula fuligifera : Ecuador. Dracula fuliginosa : Ecuador. Dracula gastrophora : Ecuador. Dracula gerhardii : Nordöstliches Kolumbien. Dracula gigas : Westliches Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula gorgona : Westliches Kolumbien. Dracula gorgonella : Kolumbien. Dracula hawleyi : Nordwestliches Ecuador. Dracula hirsuta : Ecuador. Dracula hirtzii : Südwestliches Kolumbien bis Ecuador. Dracula houtteana : Kolumbien. Dracula immunda : Panama. Dracula inaequalis : Kolumbien. Dracula incognita : Kolumbien. Dracula inexperata : Costa Rica. Dracula insolita : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula janetiae : Zentrales Peru. Dracula kareniae : Ecuador. Dracula lafleurii : Nordwestliches Ecuador. Dracula lehmanniana : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula lemurella : Kolumbien. Dracula leonum : Peru. Dracula levii : Südwestliches Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula ligiae : Kolumbien. Dracula lindstroemii : Nordwestliches Ecuador. Dracula lotax : Östliches Ecuador. Dracula maduroi : Panama. Dracula mantissa : Südwestliches Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula marieae : Ecuador. Dracula marinii : Ecuador. Dracula marsupialis : Ecuador. Dracula mendozae : Ecuador. Dracula minax : Kolumbien. Dracula mopsus : Ecuador. Dracula morleyi : Ecuador. Dracula navarrorum : Ecuador. Dracula nigritella : Ecuador. Dracula nosferatu : Kolumbien. Dracula nycterina : Kolumbien. Dracula octavioi : Südwestliches Kolumbien. Dracula olmosii : Panama. Dracula ophioceps : Südwestliches Kolumbien. Dracula orientalis : Nordöstliches Kolumbien. Dracula ortiziana : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula papillosa : Nordwestliches Ecuador. Dracula pholeodytes : Nordöstliches Kolumbien. Dracula pileus : Kolumbien. Dracula polyphemus : Ecuador. Dracula portillae : Ecuador. Dracula posadarum : Kolumbien. Dracula presbys : Kolumbien. Dracula psittacina : Kolumbien. Dracula psyche : Ecuador. Dracula pubescens : Ecuador. Dracula pusilla : Südliches Mexiko bis Panama. Dracula radiosa : Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula rezekiana : Costa Rica. Dracula robledorum : Kolumbien. Dracula roezlii : Westliches Kolumbien. Dracula rojasii : Kolumbien. Dracula saulii : Peru. Dracula schudelii : Ecuador. Dracula senex-furens : Kolumbien. Dracula sergioi : Kolumbien. Dracula severa : Kolumbien. Dracula sibundoyensis : Südwestliches Kolumbien bis nördliches Ecuador. Dracula sijmii : Vermutlich Ecuador. Dracula simia : Südöstliches Ecuador. Dracula smaug : Ecuador. Dracula sodiroi : Ecuador. Dracula soennemarkii : Ecuador. Dracula spectrum (Syn.: Dracula platycrater ): Kolumbien. Dracula syndactyla : Südwestliches Kolumbien. Dracula terborchii : Ecuador. Dracula tobarii : Ecuador. Dracula trichroma (Syn.: Dracula iricolor ): Kolumbien bis nordwestliches Ecuador. Dracula trigonopetala : Ecuador. Dracula trinympharum : Ecuador. Dracula tsubotae : Südwestliches Kolumbien. Dracula tubeana : Ecuador. Dracula ubangina : Ecuador. Dracula vampira : Ecuador. Dracula veleziana : Kolumbien. Dracula velutina : Kolumbien. Dracula venefica : Kolumbien. Dracula venosa : Westliches Kolumbien bis Ecuador. Dracula verticulosa : Kolumbien (Valle del Cauca). Dracula vespertilio : Nicaragua bis Ecuador. Dracula vierlingii : Ecuador. Dracula villegasii : Kolumbien. Dracula vinacea : Kolumbien. Dracula vlad-tepes : Nordöstliches Kolumbien.