Die Rote Liste Kultur oder kurz Die Rote Liste ist eine Initiative des Deutschen Kulturrats, des Spitzenverbands der deutschen Kulturverbände, um auf bedrohte oder geschlossene Kulturstätten und Einrichtungen hinzuweisen. Die sechs Jahre lang kontinuierlich erschienene Liste wurde mit der Ausgabe Nummer 30 im Jahr 2018 eingestellt, da sich die Situation der Kultureinrichtungen zum Positiven entwickelt hatte. 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie und der erneuten Bedrohung kultureller Einrichtungen in Anlehnung an die Rote Liste Kultur die Publizierung als Rote Liste 2.0 wiederbelebt.Deutscher Kulturrat: Die Rote Liste 2.0, abgerufen am 12. Februar 2021.
Zweck Die Liste wurde im Juli 2012 vom Deutschen Kulturrat, dem mehr als 200 kulturelle Organisationen angehören, ins Leben gerufen, um auf diese Weise auf bedrohte oder bereits geschlossene Kultureinrichtungen wie Theater, Museen, Initiativen, Vereine, Programme oder Filmhäuser öffentlich aufmerksam zu machen. Diese stets aktuell gehaltene Liste wird in jeder Ausgabe der Verbandszeitschrift Politik & Kultur (Herausgeber Olaf Zimmermann) publiziert, in Analogie etwa zu den Roten Listen gefährdeter Arten oder der Roten Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO. Mit dieser Liste soll ein Zeichen gegen den schleichenden Kulturabbau gesetzt werden.
In der 2020 wiederbelebten Roten Liste 2.0 werden jedoch nur durch die aufgrund der Corona-Pandemie bedrohten Kultureinrichtungen aufgeführt.
Einteilung (Bewertung) Die einzelnen Einrichtungen werden in fünf Gefährdungskategorien von 0 bis 4 eingeteilt.
Kategorie 4: Gefährdung aufgehoben/ungefährdet Kategorie 3: Vorwarnliste Kategorie 2: gefährdet Kategorie 1: von Schließung bedroht Kategorie 0: geschlossen.
Rote Listen Einträge Rote Liste Kultur Auf der ersten veröffentlichten Liste in Politik & Kultur. Zeitung des Deutschen Kulturrates (2012)Ausgabe 4/12, S. 9 finden sich unter den bereits geschlossenen Einrichtungen die theaterburg Roßlau in Sachsen-Anhalt (2013 wieder geöffnet), die von einer Schließung bedrohte Nordwestdeutsche Philharmonie in Herford, Streit’s Filmtheater in Hamburg sowie das gefährdete Berliner Archiv der Jugendkulturen.
Liste 2 (2012)Ausgabe 5/12, S. 13 berichtet über die von Schließungen bedrohte (Kategorie 1) Stadtbibliothek Calbe in Sachsen-Anhalt (bereits 1911 gegründet) und das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Brandenburg sowie das gefährdete (Kategorie 2) Frauenmusikzentrum in Hamburg. Auf die Vorwarnliste (Kategorie 3) wurde die Bergische Philharmonie der Städte Remscheid und Solingen gesetzt.
Liste 3 (2012)Ausgabe 6/2012, S. 7 enthält das Theater der Keller in Köln, das Atelierhaus Prenzlauer Promenade in Berlin sowie das SWR Sinfonieorchester, Rheinland-Pfalz/BW als von der Schließung bedroht (Kategorie 1); als gefährdet (Kategorie 2) gilt die Künstlersiedlung Halfmannshof e. V. in Gelsenkirchen.
Liste 4 (2013)Ausgabe 01/2013, S. 13 setzt das mit einem festen Ensemble ausgestattete Theater Hagen auf die Vorwarnliste (Kategorie 3). In die Liste aufgenommen wurden ferner das 1999 gegründete und bereits geschlossene selbstverwaltete Jugendkulturzentrum Hotel am Kalkberg (HaK) in Bad Segeberg (Kategorie 0) sowie das 1994 gegründete Archiv Potsdam, ein alternatives Kulturzentrum mit zahlreichen Kulturangeboten für Jugendliche, das Ende 2013 von der Schließung bedroht sein wird (Kategorie 1). Die Opernhäuser Köln und Bonn wurden auf die Vorwarnliste gesetzt (Kategorie 3).
In die 5. Liste (2013)Ausgabe 02/2013, S. 13 wurden neu aufgenommen und in die Kategorie 2 als gefährdet eingestuft: das 1999 gegründete Studienzentrum für Künstlerpublikationen der Weserburg/Bremen, das Elektrohaus Hamburg sowie das Fachlehramt für Musik und Kunst an Grundschulen in Berlin der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin. Auf die Vorwarnliste (Kategorie 3) wurde die 1902 gegründete Stadtbibliothek Essen gesetzt.
Die 6. Liste (2013)Ausgabe 03/2013, S. 13 verzeichnet erstmals das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, das Internationale Artistenmuseum in Klosterfelde, den Bunker Ulmenwall in Bielefeld als gefährdet (Kategorie 2) sowie das 1950 gegründete Maison de France in Berlin, bestehend aus dem Institut Français, dem Cinema Paris und einer privaten Künstleragentur, als von der Schließung bedroht (Kategorie 1); es soll 2015 geschlossen werden. Die Stadtbibliothek Calbe (Sachsen-Anhalt) wurde inzwischen geschlossen (Kategorie 0). Für das Frauenmusikzentrum in Hamburg wurde die Gefährdung aufgehoben, es gilt damit als ungefährdet (Kategorie 4).
Die 7. Liste (2013)Ausgabe 04/2013, S. 13 verzeichnet das Theater Trier sowie die Landesbühne Sachsen-Anhalt in Eisleben als von Schließung bedroht (Kategorie 1); die Galerie M in Berlin wird als gefährdet angesehen (Kategorie 2), das Deutsche Stickmuster-Museum in Celle wurde Ende Februar 2013 geschlossen (Kategorie 0).
Die 8. Liste (2013)Ausgabe 05/2013, S. 15 verzeichnet das Deutsche Elfenbeinmuseum in Erbach (Hessen) als von Schließung bedroht (Kategorie 1); das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten (Nordrhein-Westfalen), die Hochschule für Musik in Trossingen (Baden-Württemberg) sowie die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Nordrhein-Westfalen) werden als gefährdet angesehen (Kategorie 2).
Die 9. Liste (2013)Ausgabe 06/2013, S. 13 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind das Archiv Frau und Musik in Frankfurt am Main, das Filmfestival in Münster (Westfalen) sowie das Anhaltische Theater in Dessau (Sachsen-Anhalt). Von Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft ist die Außenstelle Freiburg im Breisgau der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
Die 10. Liste (2014)Ausgabe 01/2014, S. 13 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind Kultureinrichtungen in Krefeld. Von Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft sind das Deutsche Fernsehballett des Mitteldeutschen Rundfunks und das Kulturwerk Riesa in Sachsen. Die Museen und Bibliotheken der Stadt Gera in Thüringen wurden in die Kategorie 3 eingestuft und damit auf die Vorwarnliste gesetzt.
Die 11. Liste (2014)Ausgabe 02/2014, S. 13 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind die bereits 1901 gegründete Stadtteilbibliothek des Bezirksamts Treptow-Köpenick, die Johannes Bobrowski-Bibliothek in Berlin-Friedrichshagen sowie das 1974 begründete Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester (Schleswig). Von einer Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft sind das 1994 gegründete Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig (Sachsen) sowie die 1994 gegründete Stadtteilbibliothek des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, die Bona-Peiser-Bibliothek.
Die 12. Liste (2014)Ausgabe 03/2014, S. 15 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet ist das 1987 gegründete soziokulturelle Zentrum Kulturfabrik Salzmann in Kassel (Hessen). Von einer Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft sind das bereits 1956 gegründete, von der Stadt Ranis finanzierte Museum Burg Ranis in Thüringen, die 1999 begründete Architektur Biennale plan in Köln sowie die 1990 ins Leben gerufene Impulse Theater Biennale, die in den Städten Bochum, Düsseldorf und Köln stattfindet.
Die 13. Liste (2014)Ausgabe 04/2014, S. 13 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind das Museum Reichenfels in Thüringen und die Stadtteilbibliothek Grossauheim (Hanau) in Hessen. Von einer Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft ist das Institut für Klassische Archäologie der Universität Leipzig in Sachsen. Auf die Vorwarnliste gesetzt und damit in die Kategorie 3 eingestuft wurde das Kulturzentrum Kaminwerk in Memmingen (Bayern).
Die 14. Liste (2014)Ausgabe 05/2014, S. 15 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Von einer Schließung bedroht und damit in Kategorie 1 eingestuft sind das Theater am Winterfeldplatz, Hans Wurst Nachfahren in Berlin, der Studiengang Kirchenmusik der Hochschule für Künste Bremen. Auf die Vorwarnliste gesetzt und damit in die Kategorie 3 eingestuft wurde das Zollmuseum Friedrichs Aachen (Nordrhein-Westfalen). In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet ist die Stadtbücherei Wedel (Schleswig-Holstein).
Die 15. Liste (2014)Ausgabe 06/2014, S. 13 verzeichnet eine geschlossene Kultureinrichtung und drei neue bedrohte Kultureinrichtungen: Geschlossen (Kategorie 0) wurden die Mönchguter Museen in Göhren auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern). Auf die Vorwarnliste gesetzt und damit in die Kategorie 3 eingestuft wurden Kultureinrichtungen der Stadt Bonn (Nordrhein-Westfalen) und das Jugendtheaterbüro in Berlin (JTB). In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet ist der Hofgarten Saal der Kulturgemeinschaft Oberallgäu (KGO) in Immenstadt (Bayern).
Die 16. Liste (2015)Ausgabe 01/2015, S. 13 verzeichnet vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Auf die Vorwarnliste gesetzt und damit in die Kategorie 3 eingestuft wurde das 1987 gegründete Museum für Regionalgeschichte Pönitz in Schleswig-Holstein. Von Schließung bedroht und damit in die Kategorie 1 eingestuft ist das 1994 gegründete Theater Morgenstern in Berlin. In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind die bereits 1927 gegründete Anhaltische Gemäldegalerie in Dessau in Sachsen-Anhalt und das 1898 als Vogtland-Theater Plauen gegründete Theater Plauen Zwickau in Sachsen.
Die 17. Liste (2015)Ausgabe 02/2015, S. 13 verzeichnet wie stets vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Von Schließung bedroht und damit in die Kategorie 1 eingestuft ist das erst 1989 gegründete, private Schulmuseum Bochum in Nordrhein-Westfalen. In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind die 1855 erbaute Saalorgel im Kurhaus Wiesbaden (Hessen), der 2001 gegründete Akku-Arbeitskreis Kultur in Rhede (Nordrhein-Westfalen) sowie die 1996 ins Leben gerufene Neue Philharmonie Westfalen – Landesorchester NRW in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen).
Die 18. Liste (2015)Ausgabe 03/2015, S. 15 verzeichnet wie stets vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Von Schließung bedroht und damit in die Kategorie 1 eingestuft sind die kommunale Bibliothek am Berliner Platz in Erfurt (Thüringen) und das 1954 gegründete Institut für Bildung, Medien und Kunst (IMK) in Lage-Hörste (Nordrhein-Westfalen). In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind die 2000 neu gegründete (Erstgründung 1701) Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG) in Mecklenburg-Vorpommern und das 2005 begründete Bach-Festival-Arnstadt in Thüringen.
Die 19. Liste (2015)Ausgabe 04/2015, S. 13 verzeichnet wieder vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Von Schließung bedroht und damit in die Kategorie 1 eingestuft sind der 2005 begründete Singer-Songwriter-Wettbewerb „Troubadour“ in Berlin, das bereits 1889 gegründete und 1992 wiederbelebte Stadttheater Cöpenick in Berlin-Köpenick sowie der im Wintersemester 2004/2005 installierte Internationale Studiengang (Bachelor) Journalistik der Hochschule Bremen. In die Kategorie 2 eingestuft und damit gefährdet sind die unter Denkmalschutz stehenden KHD-Hallen/Maschinenfabrik Humboldt in Köln-Kalk, die als Dependance „Halle Kalk“ des Schauspiels Köln bespielt wurden und als Depot des Museums Ludwig benutzt wurden.
Die 20. Liste (2015)Ausgabe 05/2015, S. 13 Kulturelles Leben verzeichnet wieder vier neue bedrohte Kultureinrichtungen: Von Schließung bedroht und damit in die Kategorie 1 eingestuft sind das Deutsche Museum Bonn und Kultursendungen des Bayerischen Rundfunks. Gefährdet und damit in die Kategorie 2 eingestuft sind das Belgische Haus Köln und die Phonetische Sammlung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Sachsen-Anhalt).