270px|mini|Blick auf die Stadt von der Eisenbahnbrücke mini|hochkant=1.2|Stadtkarte Nijmegen Nijmegen []Langenscheidts Taschenwörterbuch Niederländisch, ISBN 3-468-11232-7, S. 287. (), , nordniederfränkisch Nimwèège [] (lateinisch Ulpia Noviomagus Batavorum), ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Gelderland im Osten der Niederlande, die in unmittelbarer Nähe der Grenze zur deutschen Region Niederrhein liegt. Nijmegen war der wichtigste der vier Hauptorte in der Grafschaft Geldern und wurde 1402 Mitglied der Hanse.

Name

Das niederländische Toponym Nijmegen lässt sich nach aller Wahrscheinlichkeit auf das lateinische Noviomagus zurückführen und ist letztendlich keltischen Ursprungs. Der zweite Teil geht zurück auf das keltische Wort magos für „Feld“, „Ebene“ und der erste auf das keltische Adjektiv novios für neu.Whitley Stokes: Urkeltischer Sprachschatz. Übersetzt und bearbeitet von Adalbert Bezzenberger, Göttingen 1894, S. 195: novio-s neu, S. 198 f.: magos - Feld, Ebene (). Die Endung wurde von -os zu -us romanisiert. Über die Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Schreibweisen wie Novimagus, Novomagus, Neomagus oder Noviomagi. In der Zeit Karls des Großen hieß der Ort Numaga, was sich im Laufe der Geschichte in Nieumeghen oder Nimmegen (siehe auch das deutsche Neumagen) veränderte. Letztere ist stets im deutschen Exonym Nimwegen erkennbar.

Die Eigenbezeichnung im lokalen nordniederfränkischen Dialekt (niederländisch Nijmeegs) ist Nimwèège.

Geographie Lage

Nijmegen liegt 15 Kilometer südlich von Arnhem und ist ca. 14,5 km entfernt von den deutschen Gemeinden Kranenburg und Kleve. Im Norden bildete die Waal, die bei Pannerden als einer der Flüsse des Rhein-Maas-Deltas aus dem Rhein entsteht, bis in die 1990er-Jahre die Stadtgrenze. Seither ist dort der neunte und damit jüngste Stadtbezirk mit dem Namen Waalsprong (eigentlich Nijmegen-Noord) angesiedelt.

Gemeindegliederung

mini|Karte der Gemeinde mit den Stadtteilen (durch weiße Linien voneinander abgegrenzt)

Die Gemeinde Nijmegen ist in die folgenden neun Bezirke gegliedert: Nr. Bezirk Einwohnerzahl(1. Jan. 2026) 01 Nijmegen-Centrum 12.850 02 Nijmegen-Oost 35.195 03 Nijmegen-Oud-West 16.100 04 Nijmegen-Nieuw-West 17.350 05 Nijmegen-Midden 20.070 06 Nijmegen-Zuid 23.780 07 Dukenburg 22.575 08 Lindenholt 14.555 09 Nijmegen-Noord 27.395

Erst seit 1998 entspricht die Anzahl der Stadtbezirke der heutigen. Damals entstanden erstmals nördlich der Waal Wohnsiedlungen im heutigen Bezirk Nijmegen-Noord, der deswegen auch Waalsprong genannt wird. Der Stadtbezirk Dukenburg existiert seit 1965 und in Lindenholt begannen erste Bauarbeiten im Jahr 1977.

Nachbargemeinden

Geschichte Antike

Die Hansestadt Nijmegen bezeichnet sich als die älteste Stadt der Niederlande, obwohl auch einige andere niederländische Städte, darunter Maastricht, diesen Titel beanspruchen. Die Geschichte der Stadt geht bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück; 2005 fand die 2000-Jahr-Feier statt, die Römer unterhielten hier seit 19 v. Chr. verschiedene Militärstützpunkte. Zuerst gründeten sie das Oppidum Batavorum, das von Tacitus erwähnt wurde und 69 n. Chr. von Julius Civilis wieder zerstört wurde. Danach entstand zwischen 98 und 104 n. Chr. eine zivile Siedlung: Ulpia Noviomagus Batavorum.

Die militärischen Standorte wechselten: Von 19 v. Chr. bis 12/10 v. Chr. befand sich die Garnison auf dem Hunnerberg, von 12/10 v. Chr. bis 69 n. Chr. auf dem Kops Plateau und von 69 n. Chr. bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts wieder auf dem Hunnerberg. Vom Ende des vierten Jahrhunderts bis zum Anfang des fünften Jahrhunderts gab es noch einmal eine spätantike Befestigung im Bereich des späteren Pfalzhügels. Nach dem Abzug der Römer gingen um 410 auch deren administrativ-militärische Funktionen verloren. Zahlreiche Grabungsfunde im Stadtgebiet erweisen eine spätantik-frühmittelalterliche Siedlungskontinuität vom vierten bis zum siebten Jahrhundert.Reallexikon Bd. 21 S. 217.

Mittelalter

Die römischen Befestigungen gingen an die Merowingerkönige und dann in die Hände der karolingischen Könige. Anfang des 7. Jahrhunderts ist eine merowingische Münzstätte nachgewiesen. Die Pfalzkirche aus dem ersten Viertel des 7. Jahrhunderts diente zugleich als Pfarrkirche. Nijmegen war ein castrum gegen die Nachbarvölker Sachsen und Friesen. Karl der Große baute 777 auf den Mauern des Kastells eine Pfalz, die aber erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde.Walter Hotz: Pfalzen und Burgen der Stauferzeit. Geschichte und Gestalt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981, ISBN 3-534-08663-5, S. 39. Die zugehörige Ortschaft wurde als villa bezeichnet. Ludwig der Fromme hielt sich oft in der Pfalz auf. Die Pfalz war Mittelpunkt eines ausgedehnten Königsgutsbezirkes (fiscus Niumaga) mit Reichsforst. Um das Jahr 880 nahmen die Normannen die Pfalz ein, die sie bei ihrem späteren Abzug niederbrannten.

Als Handelsniederlassung entstand Nijmegen wahrscheinlich vor dem Jahr 1000 zwischen der heutigen Grotestraat, Priemstraat und Nonnenstraat, westlich des Pfalzhügels in unmittelbarer Nähe zur Waal.Roodenburg: Städtebauliche Geschichte. Während der ottonischen und salischen Zeit fanden königliche oder kaiserliche Hoftage im Ort statt.Ludwig/Schilp: Mittelalter an Rhein und Maas, Münster 2004, S. 88 und 93. Wohl um 1030 wurde in der Pfalz die St.-Nikolaus-Kapelle, einer der wenigen erhaltenen romanischen Zentralbauten errichtet. Es war ein Zentralbau nach dem Vorbild der Aachener karolingischen Pfalzkirche.

Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ließ die im Jahr 1047 von Herzog Gottfried dem Bärtigen niedergebrannte Pfalz 1155 in eine ausgedehnte Burganlage, den Valkhof, umbauen. Davon sind im 21. Jahrhundert jedoch nur zwei Kapellen erhalten. Seit Ende des 12. Jahrhunderts hatte Nijmegen eine königliche, seit 1247 eine gräfliche Münzstätte. Mit der Burggrafschaft war ein umfangreicher Gerichtsbezirk im Umland verbunden, zu dem Ubbergen und Groesbeck gehörten.

Unter Heinrich VII. wurde Nijmegen 1230 freie Reichsstadt. Kurz darauf, am 8. Oktober 1247, kam die Reichsstadt in gelderländische Hände. Graf Otto II. von Gelderland erhielt die Stadt als Pfand vom römisch-deutschen König Wilhelm II. (der gleichzeitig Graf von Holland war). Weil das Lehen nicht ausgelöst werden konnte, blieb es fortan im Besitz der Herren von Geldern. Unter Otto II. begann 1250 auch der Bau der Stevenskerk, einer Kirche, die auch heute noch die Silhouette von Nijmegen dominiert. Um 1300 wurde die Umwallung der Stadt anlegt (Fläche 29 ha).

mini|Blick auf den Fluss Waal und die Valkhof-Zitadelle, Gemälde von Jan van Goyen, 1641

Trotz der Großen Pest 1345 stieg die Einwohnerzahl Nijmegens kontinuierlich. Nijmegen wurde 1402 Mitglied der Hanse. Es wurden Handelsbeziehungen nach England und in die Ostsee aufgebaut.

Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert

Mitte des 15. Jahrhunderts soll die Stadt über 10.000 Einwohner gehabt haben. Die Errichtung und Renovierung zahlreicher Kirchen und Klöster lockte Handwerker und Künstler in die Stadt. In dieser Zeit wurde zur Unterstützung des Handels der Nimweger Kran (Nijmegse Craen (Kraan), ein steinerner Haus- oder Tretradkran als Hafenkran) auf der Waalkade errichtet. Er diente auch als Wachunterkunft und wurde 1882 wegen Baufälligkeit abgerissen.Geschichtsseite Noviomagus.nl von Nimwegen. Die Reformation fand zunächst freundliche Aufnahme.Nijmegen wurde der wichtigste von vier Hauptorten im Herzogtum Geldern. 1543 kam Nijmegen mit dem Rest des Geldernlandes durch den Vertrag von Venlo in spanischen Besitz. Prinz Moritz eroberte die Stadt 1591. Zu Nijmegen wurde 1678 der Friede von Nimwegen zwischen Frankreich und der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande geschlossen. Unter Napoleon geriet Nijmegen unter französische Herrschaft, bis es in den Befreiungskriegen am 5. Januar 1814 befreit wurde.Niederrheinische Blätter, 8. Januar 1814, S. 4.

Durch den Beschluss des Wiener Kongresses gelangte Nijmegen 1815 definitiv zum Königreich der Niederlande.

20. und 21. Jahrhundert

Im Jahr 1923 eröffnete in Nijmegen eine katholische Universität (Katholieke Universiteit Nijmegen, kurz KUN). mini|Nijmegen nach der Bombardierung von 1944 Am 22. Februar 1944, im Zweiten Weltkrieg, verursachte ein alliiertes Bombardement starke Zerstörungen in der Stadt: Nachdem eine Mission auf Gotha (dort befand sich ein Werk der Messerschmitt AG) abgebrochen worden war, erlagen die zurückfliegenden Bomberbesatzungen auf der Suche nach einem Sekundärziel vermutlich dem Irrtum, das deutsche Kleve anzufliegen. Fast 800 Menschen starben, darunter alle Menschen in einem Schulgebäude.William I. Hitchcock: The Bitter Road to Freedom: A New History of the Liberation of Europe S. 101. Der Bombenopfer aus dem Zweiten Weltkrieg gedachte die Stadtverwaltung mit der Gestaltung von Infoplatten auf den Gehwegen der Innenstadt. Diese runden Edelstahl-Plaketten sind außen herum gekennzeichnet als Brandgrens Bombardement 1944-02-22 und markieren frühere Gebäudestandorte oder nennen Personen, die genau an der Stelle umgekommen sind.Gesehen und fotografiert im September 2019 bei einer Stadtführung.

Im September 1944 erlitt Nijmegen weitere Kriegsschäden während der Schlacht um Arnheim. Im nahe gelegenen Klever Reichswald und im Umfeld der heutigen Stadt fand zudem im Februar 1945 die sogenannte Schlacht im Reichswald statt. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein schlagen und von dort aus das Ruhrgebiet einnehmen.

Die am 17. Oktober 1923 eröffnete Hochschule wurde 2004 in Radboud Universiteit Nijmegen umbenannt (kurz RU), um mit dem überregional bekannten Universitätsklinikum Radboudumc auch namentlich eine Einheit zu bilden.

Verkehr und Wirtschaft Schienengebundener Verkehr

mini|Bahnhof

Eisenbahnen und Autobahnen verbinden die Stadt mit Arnhem, ’s-Hertogenbosch und Venlo. Der Bahnhof Nijmegen wird auf der Bahnstrecke Arnhem–Nijmegen seit 1879 von Norden, auf der Bahnstrecke Tilburg–Nijmegen seit 1881 von Westen und auf der Maaslinie seit 1883 von Süden erreicht; die historisch älteste Verbindung auf der Linksniederrheinischen Strecke (1865–1991) von Osten liegt inzwischen brach. Seit dem Frühjahr 2008 sind auf einem Teil dieses Abschnittes Draisinenfahrten für bis zu 14 Personen zwischen Kleve und Groesbeek möglich.

Das Bahnhofsgebäude wurde dagegen 1944 auch ein Opfer des Bombardements. Im Jahr 1955 war der heutige Bahnhof (siehe Bild) fertiggestellt.Radverkehr in Nijmegen, 15. Juli 2017; abgerufen am 15. März 2020.

Bis 1955 besaß Nijmegen eine Straßenbahn. Die Einführung einer Regional-Stadtbahn ist im Gespräch (Stand 2018).

Öffentliche Nahverkehrsmittel und Autonutzung

Die Stadtbusse des Verkehrsunternehmens Hermes verkehren unter dem Namen Breng. Außerdem wird Nijmegen mit Regionalbussen angefahren. Der ÖPNV in Richtung Deutschland wird heute mit Bussen der NIAG (Linie SB 58 von Kleve) angeboten. Nijmegen liegt an der Europastraße 31 nach Papendrecht (Südholland), nach Goch (Linker Niederrhein), Köln und Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis). Am Südrand der Rheinniederung verläuft die N325 von Arnhem über Nijmegen zur deutschen Grenze, wo sie durch die Bundesstraße 9 fortgesetzt wird.

Fahrradverkehr

Seit dem 19. Mai 2016 galt Nijmegen für zwei Jahre als die beste niederländische Fahrradstadt (Fietsstad 2016). Sie war 2017 mit Arnhem auch Gastgeberin der internationalen Fahrrad-Konferenz Velo City. Die Stadt ist an den Fernradweg Via Romana angebunden, welcher von Xanten bis hierher verläuft.

Der Fahrradverkehr in der Stadt weist einen hohen Anteil am Gesamtverkehr auf: 37 Prozent aller Wege bis 7,5 km wurden 2017 mit dem Fahrrad zurückgelegt, 64 Prozent aller Pendlerstrecken bis 7,5 km erfolgen mit dem Fahrrad (eine Verdreifachung gegenüber 2013) und 65 Prozent aller Wege in die Innenstadt werden mit dem Fahrrad erledigt.