Die Luftangriffe auf Durango 1937 durch Kampfflugzeuge der italienischen Aviazione Legionaria waren militärische Operationen gegen die baskische Stadt Durango während des spanischen Bürgerkrieges. Durango gehörte zu dieser Zeit der Spanischen Republik an, die gegen die nationalistischen Rebellen General Francos sowie dessen Unterstützer, das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland kämpfte.
Der erste Luftangriff am 31. März 1937 zählt mit rund 256 Toten und großen Sachschäden zu den schlimmsten Luftangriffen des gesamten Bürgerkrieges. Mit den beiden nachfolgenden Luftangriffen Anfang April stieg die Opferzahl auf 336 Tote. Die Luftangriffe erfolgten im Rahmen der beginnenden Nordoffensive von Francos Nationalisten und wurde von deutschen Offizieren der Legion Condor geplant, jedoch von der Luftwaffe des faschistischen Italien durchgeführt. Für Historiker markiert Durango als „die erste wehrlose Ortschaft in Europa, die erbarmungslos bombardiert wurde“, auch den Beginn der deutsch-italienischen Terrorbombardierungen gegen Städte im Baskenland. Gleichzeitig wurde dem Ereignis weit weniger Aufmerksamkeit zuteil als dem einige Wochen später ebenfalls im Baskenland erfolgten Luftangriff auf Guernica.
Ausgangslage Im Juli 1936 begannen rechtskonservative Kreise der spanischen Armee einen Putsch gegen die Volksfront-Regierung der Spanischen Republik, der zu einem Bürgerkrieg ausartete.Walter L. Bernecker: Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert. München 2010, S. 136; Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 13. Das nordspanische Baskenland zerfiel dabei in zwei Teile: Die aufständischen spanischen Nationalisten einerseits eroberten zunächst beiden Provinzen Navarra und Álava, und bis Ende August 1936 befand sich nach einer Offensive von General Emilio Mola auch der Großteil von Gipuzkoa in nationalistischer Hand. Somit beschränkte sich andererseits das Kontrollgebiet der baskischen Regierung unter José Antonio Aguirre y Lekube, die weiterhin zur Spanischen Republik stand, auf die Bizkaia sowie die zwei Gipuzkoa-Städte Eibar und Elgeta.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 13.
Die in der Bizkaia gelegene Gemeinde Durango hatte laut offiziellen Angaben 1936 insgesamt 9.502 Einwohner. Diese hatten Ende September einen ersten Luftangriff durch Kampfflugzeuge der Nationalisten zu erleiden, bei dem 12 Menschen getötet wurden. Bis zum Februar 1937 hatte Durango zusätzlich 2.884 Flüchtlinge aus den von Nationalisten besetzten Gebieten Gipuzkoas aufgenommen, womit die Gesamtbevölkerung am 31. März 1937 bei etwa 10.000 bis 11.000 Menschen lag.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 19 u. 28.
General Franco hatte bereits am 21. März 1937 die Entscheidung zur Eroberung der nordspanischen Territorien um Santander, Asturien und die Bizkaia getroffen, die weiterhin vom republikanischen Spanien kontrolliert wurden.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 21. Im Rahmen der Angriffsvorbereitungen auf die republikanischen Linien wurden mehrere städtische Ziele ausgewählt, unter anderem dabei auch die Stadt Durango, die als Nachschubumschlagplatz der Republikaner galt, welche mit Wirkung vom 31. März 1937 massiv attackiert werden sollten. General Mola sah es im Vorfeld als vertretbar an, wenn notfalls die gesamte baskische Provinz Bizkaia dem Erdboden gleichgemacht werden müsste.Hugh Thomas: The Spanish Civil War. Durchgesehene und aktualisierte 4. Ausgabe, London / New York 2012, S. 598.
Luftangriff am 31. März 1937 Der Luftangriff am 31. März 1937 wurde zwar von den deutschen Offizieren Wolfram von Richthofen und Hugo Sperrle aus der Legion Condor geplant, jedoch – anders als jahrzehntelang von der Öffentlichkeit angenommen – von Geschwadern der in Spanien operierenden italienischen Luftwaffe, der Aviazione Legionaria, durchgeführt. Der italienische Luftwaffenverband agierte nach Italiens schwerer Niederlage bei Guadalajara eine Zeit lang im Rahmen der deutschen Legion Condor. Das Dokument Orden de colaboración de apoyo de las fuerzas aéreas con las Brigadas de Navarra el 31.3.37 (Legión Condór L/a) („Befehl der Luftwaffe zur Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Brigaden in Navarre am 31/3/37“) beschreibt die erfolgten Angriffe und ordnet verschiedene Operationen einzelnen Luftwaffeneinheiten zu. Sie sollten von den italienischen Geschwadern durchgeführt werden, die in Soria und Logroño stationiert waren. Neben Durango wurde auch Elorrio an diesem Tag Ziel der Bombardierungen.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 22.
Erster Luftangriff am Vormittag mini|Italienische SM.81 Bomber im Kampfeinsatz (1936)
Um 7:15 Uhr morgens starteten vom Flughafen in Soria die schweren italienischen Bomber SM.81 Pipistrello Nr. 1, 2, 5 und 6 des 214. Geschwaders ihre Militärmission. Jeder war mit insgesamt zwanzig 50-kg-Bomben und vier 20-kg-Brandbomben ausgestattet. Das insgesamt über 4,3 Tonnen schwere Bombenmaterial, das für Durango bestimmt war, wurde jedoch um über eine Tonne verringert, da der Bomber Nr. 6 aufgrund von technischen Problemen wieder umkehren musste. Angeführt wurde die Mission von Ferdinando Raffaelli, alias Umberto Marelli, der sie direkt vor Ort aus seinem Flugzeug Nr. 5 leitete. Zusammen mit dem 214. Geschwader startete auch das 213. Geschwader, welches mit dem Luftangriff auf Elorrio beauftragt war. Um 7:55 Uhr wurde es über Logroño noch von neun Jägern Fiat CR.32 unter Kapitän Armando Francois, alias Arturo Martori, ergänzt, die als Sicherheitseskorte fungierten. Das Kontingent überflog zunächst die Stadt Idiazabal in der Region Gipuzkoa, und peilte von dort sein Ziel Durango an.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 23.
Um etwa 8:30 Uhr morgens kamen die drei Bomber und neun Jäger über Durango an und warfen ihre Bomben ab. Die Stadtbevölkerung wurde zwar von den Sirenen gewarnt, blieb zum größten Teil aber dennoch zu Hause oder wurde während ihres Alltages vom Angriff überrascht. Nur eine Minderheit der Bewohner konnte sich in von der Stadtregierung organisierten Luftschutzunterkünften flüchten. Die Bomber begannen ihren Angriff bei der Calle Kurutziaga nahe der Altstadt. Die ersten Bomben gingen an einer Kreuzung dieser Straße nieder, die heute als Calle Músico Altuna bekannt ist. Sie wurde völlig zerstört. Die restlichen Bomben gingen zwischen diesem Einschlagsort und der 350 Meter entfernten Plaza de Ezkurdi nieder. Der Angriff wurde dabei fotografisch von Angelo Zoia aus einem angreifenden Flugzeug festgehalten.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 23.
mini|Inneres der Kirche Santa María de Uribarri in Durango (2019) Die Altstadt, das am dichtesten besiedelte Gebiet Durangos, erlitt durch den Luftangriff schwere Schäden und hatte zahlreiche Todesopfer zu beklagen. Dabei wurden auch mehrere bedeutende Gebäude von Bomben getroffen: Zunächst die Jesuiten-Kirche San José, wo Pater Rafael Billalabeitia Mauroñagoitia gerade eine Messe abhielt. Er und mehrere seiner Ordensbrüder wurden von den Bomben sofort getötet. Ebenfalls getroffen wurde das augustinische Nonnenkloster Santa Rita. Die Ordensschwestern flohen aus dem beschädigten Kloster in ein Nebengebäude, wurden dort jedoch direkt von einer Granate getroffen, wobei elf Nonnen und ein junges Dienstmädchen getötet wurden. Ein anderes bedeutendes Gebäude, das von der Bombardierung in Mitleidenschaft gezogen wurde, war die Kirche Santa María de Uribarri mit ihrer historischen Säulenhalle. Auch hier wurde während des Luftangriffs gerade eine Messe abgehalten; die Ausführenden waren der Priester Carlos Morilla Carreño und der Ministrant Rafael Cuevas. Neben der Kirche befand sich die Säulenhalle, wo der wöchentliche Markt abgehalten wurde, da der eigentliche Marktplatz, der Plaza del Mercado, von Fahrzeugen der baskischen Armee besetzt war. In der Säulenhalle trafen sich Menschen aus den umliegenden Dörfern sowie Durangos Stadtbevölkerung zum Einkaufen. Der italienische Luftangriff führte an diesen Plätzen zu zahlreichen Toten, jedoch waren hunderte an Todesopfern und Verletzten auch in Privathäusern, Geschäften und offenen Straßen in ganz Durango zu beklagen.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 24.
Laut dem Arzt Claudio Alegría Mendialdua, der nach dem Luftangriff aus Guernica nach Durango geeilt war um die Verletzten zu versorgen, dauerte der Angriff insgesamt sieben Minuten, wobei die Bomber ihre drei Tonnen an Bombenmaterial abwarfen und die Kampfflugzeuge im Tiefflug mit Maschinengewehren auf die flüchtende Stadtbevölkerung feuerten. Im Lichte der heute bekannten Dokumente aus dem römischen Archiv gilt es als erwiesen, dass die italienischen Flugzeuge während des Angriffs auch Brandbomben abwarfen – insgesamt 12 Stück à 20 Kilogramm.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 24 f.
Zweiter Luftangriff am Nachmittag Um 14:25 Uhr starteten die SM.81-Bomber des 214. Geschwaders vom Flughafen in Soria aus mit ihrem zweiten Angriff auf Durango. Die Fliegertruppe umfasste die Flugzeuge Nr. 1, 2 und 5 und wurde von drei weiteren Bombern des 213. Geschwaders verstärkt, deren Ziel Durangos Eisenbahnstation sein sollte. Über Logroño kamen dann noch sieben Jagdflugzeuge des 5. Geschwaders hinzu. Nachdem sie Durango gegen 16:30 Uhr erreicht hatten, konzentrierten sich die drei Bomber des 214. Geschwaders erneut auf die Altstadt. Dabei bombardierten sie insbesondere die Strecke vom Stadtfriedhof zur Calle Zeharkale. Diese war zu diesem Zeitpunkt die belebteste Straße der Stadt, weil sie als einzige zum Friedhof führte, wo die Opfer des ersten Luftangriffs vom Vormittag hingebracht wurden. Die SM.81-Flugzeuge warfen dabei 5 Tonnen an Bomben ab. In der Folge flüchtete die bereits vom morgendlichen Angriff traumatisierte Stadtbevölkerung aus dem Stadtzentrum in Richtung der Felder, wo sie jedoch von den Jagdflugzeugen im Tiefflug unter Beschuss genommen wurden. Augenzeugen zufolge starben während dieser Jagdfliegerangriffe in den Feldern von San Roque, Landako, Montorretas und El Pasiego mehr Menschen als durch das von den Bombern abgeworfenen Material.Joan Mariah Thomàs (Hg.), Jon Irazabal Agirre, Ramon Arnabat Mata: Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 25.