Das Kloster Friedland ist eine ehemalige Zisterzienserinnenabtei in Altfriedland im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg in der nordöstlichen Ecke des Naturparks Märkische Schweiz.
Nach 1230 unter dem Namen Vredeland (‚befriedetes Land‘) im Zuge der Deutschen Ostsiedlung gegründet, hatte das Kloster im Hochmittelalter eine stützende Funktion beim Landesausbau der Mark Brandenburg. Gelegen auf einer Landzunge zwischen dem Klostersee und Kietzer See am Rande des Oderbruchs, besetzten die Askanier mit dem landsichernden Kloster die nordöstlichste Ecke der Löcknitz-Stobberow-Linie, die insbesondere die Barnim-Besitzungen des Klosters Zinna vom Bistum Lebus trennte. Das Nonnenkloster diente als Hauskloster des Barnim-Adels; vor allem die unverheirateten Töchter des märkischen Landadels fanden hier Aufnahme. Mit umfangreichem Landbesitz, darunter zehn Dörfer, zwanzig Einzelgüter und acht Seen, zählte die Abtei zu den wohlhabenden Klöstern der Mark.
Nach der Säkularisation 1540 wurden die Klostergüter vom Landesherren eingezogen und nach ihrem Verkauf zum repräsentativen märkischen Gutshof um- und ausgebaut. Von den Klosterbauten sind lediglich die Ruine des Refektoriums, Reste eines Kreuzgangs und das Langhaus der mehrfach überbauten frühgotischen Feldsteinkirche erhalten, die heute als evangelische Dorfkirche genutzt wird. Die Kirche und die Gebäudereste gelten neben Chorin architekturhistorisch als bedeutsamste mittelalterliche Klosterbauten der Region.
Geschichte Gründung und landsichernde Funktion Die Ecclesia sanctae Mariae semper virginis in VredelandGustav Abb (Germania Sacra), S. 349. wurde, soweit bekannt, erstmals 1271 urkundlich erwähnt.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission. be.bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 58, . Das genaue Gründungsjahr, ein etwaiger Stifter und ob es ein Mutterkloster des Zisterzienserordens gab, ist nicht bekannt. Neben einem Eintrag im Landbuch Karls IV. von 1375 beruhen die Kenntnisse über die Klostergeschichte auf lediglich 19 Urkunden, die zum größten Teil aus dem verschollenen Klosterarchiv stammen.Gustav Abb (Germania Sacra), S. 350.
Die Gründung wird den gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. zugeschrieben und auf die Zeit um 1230, bald nach 1230Uta Puls, S. 55. oder um 1250Märkische Schweiz. Zisterzienser-Nonnenkloster Friedland datiert. Soweit das Kloster des im gleichen Zeitraum errichteten Friedlands (heute Altfriedland) tatsächlich eine askanische Gründung waren und vor 1245 erfolgten, dürften die Anlagen in den innerdeutschen Auseinandersetzungen um den Barnim eine machtpolitische Rolle gespielt haben. Während der deutschen Ostsiedlung prallten in dem Landstrich die Interessen der Askanier, der Wettiner und des Erzstifts Magdeburg, dessen Kloster Zinna seit 1224 im südöstlichen Barnim ausgedehnte Ländereien besaß, aufeinander. Erst 1245 brachten die Askanier mit dem Sieg im Teltow-Krieg und Magdeburger Krieg den gesamten Barnim endgültig unter ihre Kontrolle. Als sicher gilt, dass Friedland neben seiner sozialen und religiösen Funktion der Grenzsicherung nach Osten und als Maßnahme gegen die Bestrebungen des niederschlesischen Herzogs Heinrich der Bärtige diente, der ab 1224/25 östlich der Löcknitz/Stobber-Linie umfangreiche Ländereien zur Siedlungsanlage an den Templerorden sowie an die Klöster Leubus, Trebnitz und Naumburg/Bober, deren Landesherr er war, vergeben hatte.Helmut Assing, S. 66. Auch das Bistum Lebus, östlich der den Barnim und die Lebuser Platte trennenden glazialen Löcknitz-Stobber-Rinne gelegen, stand bis 1248 unter schlesisch-piastischer Herrschaft. Laut Uta Puls reagierten die Askanier auf die Besiedelungstätigkeit Heinrich I. im Lande Lebus, indem sie mittels der Barnim-Besitzungen des Klosters Zinna und der Ländereien der Friedländer Nonnen lückenlos die Löcknitz-Stobberow-Grenze von der Spree bis zum Oderbruch besetzten. Zudem lagen das Kloster und das 1301 als castrum et oppidum erwähnte Friedland an der wichtigen Handelsstraße von Stettin nach Frankfurt/Oder. Der Ort wurde Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts um die Kolonistendörfer Karlsdorf und Neufriedland erweitert und zur besseren Unterscheidung in Altfriedland umbenannt.
Organisation, Bewirtschaftung und Besitz miniatur|hochkant|Konventssiegel, hier der Äbtissin Katharina von Löben (Lobens) auf einer Urkunde von 1524.
Die religiöse Frauenbewegung des 13. Jahrhunderts fand in der strengen Abgeschiedenheit der Zisterzienserinnenklöster einen idealen Raum. Die stark affektiv geprägte Frömmigkeit der Zeit ermutigte die Frauen, sich in Leben und Leiden Christi einzufühlen. Die Zisterzienserinnen Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta aus dem Kloster Helfta zählen zu den berühmtesten Mystikerinnen ihrer Zeit. Die kulturell und wirtschaftlich erfolgreiche sowie aus religiöser Sicht vorbildliche Lebensweise der Mönche führte zu verschiedenen Gründungen von Frauenklöstern, die allerdings in der Regel – wie sehr wahrscheinlich auch Friedland – keine Aufnahme in den Orden fanden, auch wenn das Generalkapitel des Zisterzienserordens seit 1228 die Aufnahme von Frauenklöstern prinzipiell ermöglichte.
Die wirtschaftliche Verwaltung und die rechtliche Interessenvertretung nach außen lag in den Händen eines Propstes, während dem Konvent die Äbtissin vorstand, die zur Unterstützung die Priorin, Subpriorin, Schaffnerin und Küsterin an ihrer Seite hatte. Daneben gab es eine Scholastica oder Magistra zur gemeinsamen geistlichen und schulischen Ausbildung der jüngeren Nonnen und Kinder.Gustav Abb (Germania Sacra), S. 352. Das spitzovale Siegel des Konvents stellte ein Lamm mit einem Kreuz dar.Gustav Abb (Germania Sacra), S. 353. Die Aufgaben der Nonnen lagen in den Bereichen Alten- und Krankenpflege, Herberge und Handel. Gröbere Arbeiten in Küche, Garten, Hospital und Gästehaus erledigten die Laienschwestern, deren Schlaf- und Speisebereich in Lage und Klausurabtrennung dem der Konversen der Männerklöster entsprach. Darüber hinaus gab es männliche Konversen (conversi monialium), die für die Felder, Höfe und Werkstätten zuständig waren und im Wirtschaftsbereich untergebracht waren.Oliver H. Schmidt, Stephan Worch: Geschichte und Organisation des Zisterzienserordens. In: H. Jürgen Feuerstake, Oliver H. Schmidt (Hrsg.): Die Zisterzienser und ihre Klöster in Brandenburg. Ein kulturhistorisch-touristischer Führer. Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2005, S. 26f ISBN 3-936872-23-6
Am 19. November 1300 bezeugten der Abt Johannes des Klosters Lehnin und Bruder Wilhelm, Prior des Dominikanerklosters Cölln, eine Urkunde, in der Markgraf Albrecht III. (Mitregent) dem Kloster den Gesamtbesitz bestätigte. Darunter befand sich ein Weinberg bei Wriezen mit dem Vermerk vineam apud vritznam et in vinea proxima adiacente octavum dimidium solidum.Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Bd 12.1. Freie Universität Berlin, Diss. 1999. Lukas Verlag, Berlin 2000, S. 170, 177, 198, 345. ISBN 3-931836-45-2Gustav Abb (Germania Sacra), S. 351. Zehn Dörfer, zwanzig Einzelgüter und acht Seen zählten in seiner Blütezeit zum klösterlichen Besitz, der sich durch Stiftungen, Schenkungen, Überlassungen, Käufe, Verkäufe und Pfändungen angesammelt hatte.
Dörfer im Klosterbesitz: a) Altfriedland (beziehungsweise Friedland) mit Gottesgabe und um Altfriedland: Ringenwalde, Slawe, Damerow, Metzdorf und südwestlich vorgelagert Bollersdorf; b) die heutigen Wriezener Ortsteile: Biesdorf und Lüdersdorf; c) südöstlich von Eberswalde: Gersdorf und Karutz mit den benachbarten Höfen auf der wüsten Feldmark Kruge. Einzelgüter im Klosterbesitz bestanden in: Pritzhagen, Buckow, Kaprow (heute Wüstung im Wriezener Ortsteil Schulzendorf), Wriezen, Alt-Bliesdorf, Leuenberg, Beiersdorf, Bernau, Börnicke (heute Ortsteil von Bernau), Ladeburg, Klein-Barnim, Marzahn, Wesendahl, Batzlow, Dahmsdorf, Prötzel, Kruge, Dolgelin, Brunow, Falkenberg und Kunersdorf. Seen im Klosterbesitz: Großer Tornowsee, Kleiner Tornowsee, Buckowsee, Schermützelsee (zum Teil), Weißer See, Griepensee (alle bei und um Buckow), Kietzer See, Klostersee.Gustav Abb (Germania Sacra), S. 351f, 356f.
Hinzu kamen zehn Kirchenpatronate, darunter die Liebfrauenkirche in Wriezen und die romanische Feldsteinkirche in Ringenwalde. Zudem unterhielten die Zisterzienserinnen Wassermühlen, Fischteiche, Fischgewässer und Weinberge.Uta Puls, S. 56f.
Klosterleben und Barnim-Adel Mit einer strengen, asketischen Lebensweise folgten die Nonnen der Charta Caritatis, mit der die Zisterzienser die ursprüngliche Strenge und die Regel „ora et labora“ des Benediktinerordens, von dem sie sich 1098 getrennt hatten, wiederherstellen wollten. Unter dem Einfluss von Bernhard von Clairvaux prägten einfache Kleidung, bescheidene Ernährung mit Gemüse ohne jedes Fleisch und strohgedeckte Betten ohne Polster die Lebensweise in den Zisterzienserklöstern. Der Tagesablauf im Kloster war von der Arbeit bestimmt, unterbrochen durch Gebetszeiten und Messen. Messen und Gebete galten oft den adligen Gönnern des Klosters, was im Selbstverständnis des Adels zu dieser Zeit eine große Bedeutung hatte. Zwar fanden auch bürgerliche Töchter in Friedland Aufnahme, doch diente das Kloster als Standesinstitution in erster Linie der Versorgung der unverheirateten Frauen des lokalen Adels und damit auch familien- und territorialpolitischen Interessen. Die Abtei war gewissermaßen Hauskloster einiger der zu dieser Zeit einflussreichsten märkischen Familien wie der von Pfuel, von Ihlow, von Löben, von Barfus, von Hohendorf, von Eichendorff, von Krummensee, von Stranz, von Löwenberg oder von Hoppenrade. Die letzten sechs beziehungsweise laut Fontane sieben Nonnen, die nach der Auflösung das Kloster am 22. Dezember 1568 verließen, stammten sämtlich aus diesen Familien.Theodor Fontane, S. 165f. Zur Größe des Konvents liegt lediglich eine Angabe von 1549 vor, nach der zu dieser Zeit vierzig Nonnen im Refektorium gespeist haben.Uta Puls, S. 53.
Bischöflicher Erlass zur Einhaltung der Ordensregeln miniatur|Ostfassade der Klosterkirche mit Inschrift (um 1937) Am 3. Juli 1381 stellte Dietrich III., Bischof des Bistums Brandenburg, eine umfangreiche Urkunde aus, mit der er, wie Fontane sich ausdrückte, den um sich greifenden Sittenverfall zu steuern suchte, der auch vor den Klostermauern nicht Halt gemacht habe. Klostermitgliedern, die sich über den Erlass hinwegsetzten, wurde mit der Exkommunikation gedroht. Einen Grund für diesen Verfall sah Fontane in der engen Bindung des Klosters zu den Adelsfamilien. So sei das Kloster zu einem Rendezvousplatz geworden, wohin die adeligen Insassen des Kreises ihre Neuigkeiten trugen, um sie gegen andere auszutauschen. Die Welt innerhalb und außerhalb der Klostermauern war dieselbe. Alles war versippt, verschwägert, und die Kordialität, die Familienzugehörigkeit mußte natürlich die Aufrechterhaltung der Disziplin erschweren. Der Brandenburger Bischof rief die Nonnen zu strengem Gehorsam auf, verbot ihnen, sich weiterhin über die Verpflegung zu beschweren, weiterhin Brote, Backwerk und Speisen für Festlichkeiten herzustellen, Geburtstage und Feste feierlich zu begehen und wies sie an, Schmuck nur nach Vorschrift der Kirche zu tragen, auf Maskenspiel und Maskenscherze sowie auf persönliche Mägde oder besondere weltliche Dienerinnen zu verzichten und Mitbewohnerinnen nur noch nach Absprache aufzunehmen.Theodor Fontane, S. 160–164.
Theodor Fontane gibt diesen Abschnitt aus dem ungegliederten bischöflichen Erlass in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg (Band Oderland) als Punkt 3f wie folgt wieder: