mini|Das Bahai-Weltzentrum von den oberen Terrassen aus gesehen mini|Die Hafenstadt Haifa mit dem Schrein des Bab im Vordergrund mini|Die Hängenden Gärten der Bahai gelten als Friedenssymbol und Ort der Ruhe inmitten der Großstadt Haifa am Karmel. Sie gehören zu den meistbesuchten touristischen Anziehungspunkten Israels.
Das Bahai-Weltzentrum (; ; ) ist das administrative und geistige Zentrum des Bahaitums und umfasst Gebäude in oder nahe der Städte Haifa und Akkon in Nord-Israel.
Die Lage des Bahai-Weltzentrums in Akkon und Haifa geht zurück auf die Verbannung Bahāʾullāhs, dem Religionsstifter des Bahaitums, nach Akkon durch osmanische Behörden im Jahr 1868. Am Bahai-Weltzentrum befindet sich eine Vielzahl heiliger Stätten der Bahai, wie der Schrein Baha'ullahs, der Schrein des Bab und der Schrein Abdul-Bahas. Außerdem gehören hierzu die Häuser, in denen Bahāʾullāh und seine Familie während ihrer Verbannung lebten oder die in besonderem Zusammenhang mit der Geschichte der Religion stehen. Einige dieser Gebäude, Monumente und Schreine befinden sich in den ausgedehnten Bahaʾi-Gärten am Berg Karmel. In unmittelbarer Nähe des Schreins des Bab befindet sich auf dem Berg Karmel auch der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit (das internationale Leitungsgremium der Bahai-Religion), das Internationale Lehrzentrum, das Internationale Archiv sowie das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte. Der überwiegende Teil der internationalen Leitung und Verwaltung des Bahaitums erfolgt im Bahai-Weltzentrum, wozu Unterweisungspläne und sowohl das Studium als auch die Übersetzung der Heiligen Schriften des Bahaitums gehören. Ebenso ist das Bahai-Weltzentrum Hauptziel für spirituellen Tourismus sowie die Bahai-Wallfahrt und zieht jährlich etwa eine Million Besucher an.
Die meisten Gebäude des Bahai-Weltzentrums, darunter die Terrassen und der Schrein des Bab am Nordhang des Berg Karmel, wurden 2008 von der UNESCO als Welterbe gelistet.
Berg Karmel 200px Der Berg Karmel ist in der Geschichte der Religion in verschiedenen Quellen aufzufinden. Zum Beispiel wird im Buch Jesaja des Alten Testaments prophezeit, dass es der „Berg des Herren“ sei, zu dem „alle Völker herbeiströmen werden“. Bahāʾullāh besuchte Haifa viermal und schlug auf dem Berg Karmel sein Zelt auf. Bei einem dieser Aufenthalte zeigte er ʿAbdul-Bahāʾ die Stelle, an der das Grabmal des Bab gebaut werden sollte. Ein anderes Mal schrieb er die sogenannte „Tafel vom Karmel“, in der die Bedeutung dieses Berges für die zukünftige Bahai-Gemeinschaft erläutert wird.
Geschichte mini|Der Verbannungsweg Baha’u’llahs zwischen 1853 und 1868 bis nach Akkon mini|Lage des Bahai-Weltzentrums in Akkon und Haifa, Israel Die Lage des administrativen Zentrums geht zurück auf die aufeinanderfolgenden Verbannungen und Inhaftierungen Bahāʾullāhs, dem Religionsstifters des Bahaitum. Bahāʾullāh wurde 1853 von Nāser ad-Din Schāh aus Persien verbannt, woraufhin Bahāʾullāh nach Bagdad im damaligen Osmanischen Reich ging. Im Jahr 1863 wurde er, auf Bitten des persischen Schahs, vom osmanischen Sultan Abdülaziz in Gebiete weiter weg vom Iran verbannt und 1868 schließlich nach Akkon im damaligen osmanischen Syrien. Dort verbrachte Bahāʾullāh seine letzten Lebensjahre und hielt mittels spezieller Kurierdienste Kontakt mit seinen Anhängern im Nahen Osten, Zentralasien und Indien, wodurch sich Akkon zum Zentrum des wachsenden Netzwerkes der Bahai entwickelte. Nachdem Bahāʾullāhs Haftstrafe aufgehoben worden war, wurde das Gebiet auch zum Ziel der Bahai-Wallfahrt, da Bahai bereit waren, die größte Reise auf sich zu nehmen, um Bahāʾullāh zu begegnen.
Während eines Besuches in Haifa zeigte Bahāʾullāh seinem Sohn ʿAbdul-Bahāʾ die Lage des späteren Schrein des Bab am Berg Karmel. Außerdem beschrieb Bahāʾullāh in seiner „Tafel vom Karmel“, die als eine der Gründungsschriften der Bahai-Administration gilt, die zukünftige Lage des administrativen Zentrums des Bahaitum am Berg Karmel.
Bahāʾullāh starb 1892 nahe Akkon und seine Ruhestätte ist in seinem Schrein in Bahji. Nach dem Tod Bahāʾullāhs wurde sein Sohn ʿAbdul-Bahāʾ das religiöse Oberhaupt der Bahai und setzte die Entwicklung des Gebietes zum Weltzentrum des Bahaitum fort. Er hielt den Kontakt mit Bahai weltweit aufrecht, wozu nun auch Bahai in westlichen Ländern zählten. Obschon er offiziell weiterhin ein Gefangener war und sich sein Aufenthaltsort auf Akkon beschränkte, organisierte ʿAbdul-Bahāʾ auch die Überführung der Gebeine des Bāb aus dem Iran nach Palästina. Er regelte den Landerwerb am Berg Karmel, wo nach dem Willen Bahāʾullāhs die Gebeine des Bab bestattet werden sollten und er beaufsichtigte auch den Bau des Heiligtums des Bab. Dieses Projekt dauerte weitere zehn Jahre und wurde 1909 abgeschlossen.
Im Jahr 1908 wurden nach der jungtürkischen Revolution alle politischen Gefangenen im osmanischen Reich freigelassen, darunter auch ʿAbdul-Bahāʾ. Kurz nach der Revolution zog er nach Haifa um nahe des Schrein des Bab zu wohnen, und seitdem befindet sich das administrative Zentrum des Glaubens in Haifa. In den letzten Lebensjahren ʿAbdul-Bahāʾs führte die wachsende Korrespondenz zur Anstellung mehrerer Sekretäre, darunter auch einige für westliche Sprachen und die Einrichtung eines Pilgerhauses für die Gegend. ʿAbdul-Bahāʾ starb 1921 und er wurde in einem Zimmer im Schrein des Bab in Haifa bestattet.
Nach dem Tod ʿAbdul-Bahāʾs wurde Shoghi Effendi „Hüter“ des Glaubens und er führte einige der Bauprojekte in dem Gebiet fort. 1929 renovierte er das Haus Bahāʾullāhs in Bahji und in den 1950er Jahren erlangte er Rechtssicherheit für das Land rundum das Gebäude und legte dort Gärten an. Er erwarb auch andere Stätten rundum Akkon, die in Verbindung mit Bahāʾullāhs Leben stehen, darunter das Haus von ʻAbbud. Um Haifa erweiterte er den Schrein des Bab, der seine goldene Kuppel erhielt, und erwarb darüber hinaus Land für neue Gärten. Shoghi Effendi entschied auch, dass die Gebäude für die Institutionen des Glaubens, die in Bahāʾullāhs „Tafel vom Karmel“ beschrieben worden sind, darunter das Universale Haus der Gerechtigkeit, das damals noch inexistente internationale Leitungsgremium des Bahaitums, in einen mit Gärten umgebenen Bogen angelegt werden sollten. Zentrum des Bogens wurde der Grabmalgarten mit Grabmälern für Mitglieder der Familie Baha’u’llahs. Noch zu Lebzeiten begann er mit einem Gebäude des Bogens, das Internationale Archiv. Außerdem handelte er mit Israel eine Steuerbefreiung für alle Bahai-Immobilien aus. Der Status der Religion in Israel wurde mit einer Übereinkunft geklärt, die 1987 vom damaligen Vizepremier und Außenminister, Schimon Peres, unterzeichnet worden war, in der die Regierung das Bahaitum als „anerkannte religiöse Gemeinschaft in Israel“ bezeichnete und seine „freundschaftlichen Beziehungen“ mit der weltweiten Bahai-Gemeinschaft bekräftigte, darauf hinwies, dass die „heiligsten Stätten des Bahaitums, … in Israel gelegen sind“ und bestätigte, „dass das Universale Haus der Gerechtigkeit Treuhänder über die Heiligen Stätten des Bahaitums in Israel und über die Bahai-Stiftungen in Israel“ sei.
Heilige Stätten in Haifa und Akkon
Schrein des Bab
Dieses Mausoleum birgt die Gebeine des Bab und befindet sich an dem Ort, den Bahāʾullāh selbst bei einem Aufenthalt in Haifa wählte. ʿAbdul-Baha' kam die Aufgabe zu, dieses Bauwerk zu errichten, die sterblichen Überreste des Bab nach 60 Jahren Wanderschaft von Teheran/Iran zum heiligen Berg Karmel/Israel zu bringen und sie beizusetzen. In diesem Gebäude befindet sich außerdem noch das Grabmal ʿAbdul-Baha's.
Schrein Bahāʾullāhs
Hier befinden sich die sterblichen Überreste Bahāʾullāhs. Im Selbstverständnis der Bahai ist dieser Ort dadurch ausgezeichnet, dass hier laut Shoghi Effendi „der heiligste Staub, den je die Erde in ihrem Schoß empfing“, bestattet ist. Bahāʾullāh wurde im nördlichsten Zimmer im Haus seines Schwiegersohnes Siyyid ’Ali Afnan am Tag seines Hinscheidens am 29. Mai 1892 kurz nach Sonnenuntergang beigesetzt. Zu diesem Zimmer wurde später ein separater überdachter Zugang gebaut. Täglich kommen etliche Bahai, die meist im Rahmen ihrer Pilgerreise die Heiligen Stätten besuchen, zu stillen Gebeten und Meditationen hierher. Dieser Ort ist aber auch von großer Bedeutung für alle Bahai der Welt, weil er als „Qiblih“ die Richtung für die Pflichtgebete, die Bahai angehalten sind täglich zu sprechen, und das Totengebet vorgibt.
Schrein ʿAbdul-Bahas
Zurzeit ist ʿAbdul-Baha' noch im Schrein des Bab bestattet. Am 7. Mai 2019 hat das Haus der Gerechtigkeit bekanntgegeben, dass Hossein Amanat mit der Planung des Schreins Abdul-Bahas beauftragt wurde. Am 19. September 2019 stellte das Haus der Gerechtigkeit den Entwurf für den Schrein vor. Inzwischen macht der Bau Fortschritte.
Garten Ridvan Diese kleine grüne Insel inmitten eines Flusses wurde von Bahāʾullāh als Garten Ridvan (arabisch: „Paradies“) bezeichnet und ist nicht mit dem Garten Ridvan in Bagdad zu verwechseln, in dem Bahāʾullāh 1863 seine Sendung verkündete. Hier konnte Bahāʾullāh nach fast einem Jahrzehnt Haft in Akko erstmals die Umfriedungen des Gefängnisses Akko verlassen und die Natur erleben. Bis dahin hatten seine körperlichen Bewegungen einzig darin bestanden, fortwährend in seinem Schlafzimmer auf- und abzugehen.
Landhaus Bahji Das Landhaus Bahji befindet sich auf einer Anhöhe, die in einer Gegend liegt, die früher als Al-Bahja (arabisch: „Ort der Freude“) bekannt war. Aus diesem ehemaligen Sommerpalast eines reichen Kaufmanns namens Udi Khammar, der ursprünglich die Osthälfte des Hauses Abbud besaß, flohen nach einer Epidemie die Eigentümer. 1879 erwarb ʿAbdul-Baha' dieses Landhaus und es wurde zum Wohnsitz eines Großteils seiner Familie. Verschiedene Räume dieses Hauses sind für die Bahai von besonderer historischer Bedeutung.
Haus von Abbud In dem in zwei Bereiche eingeteilten Gebäude, das als „Haus Abbud“ bekannt war, lebte Bahāʾullāh insgesamt fast sieben Jahre. Es war ein für die Anzahl der Familienangehörigen Bahāʾullāhs viel zu kleines Gebäude, da stellenweise 13 Personen in einem Zimmer leben mussten. Trotz der widrigen Verhältnisse wurde hier 1873 das Heiligste Buch der Bahai, der Kitab-i-Aqdas, offenbart.
Bahá'u'lláhs Zelle im Gefängnis Akko Die Zelle im Gefängnis Akko, wo Bahá'u'lláh mit Angehörigen zwischen 1868 and 1870 gefangen saß, ist eine Wallfahrtsstätte zugänglich im Museum der Gefangenen des Untergrunds. Israelische Denkmalpflege, der Weltrat der Bahai und die Gesellschaft zur Entwicklung Alt Akkos haben die Zelle wiederhergerichtet und im Juni 2004 wiedereröffnet.
Andere Gebäude Die anderen Gebäude des Bogens, das Universale Haus der Gerechtigkeit, das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte und das Internationale Lehrzentrumm wurden 1982, 1999 bzw. 2000 fertiggestellt. Das fünfte, zu bauende Gebäude, die Internationale Bahai-Bibliothek, soll schließlich am östlichen Ende des Bogens errichtet werden und ist als Zentrum für „Wissen in allen Bereichen“, einschließlich wissenschaftlicher Forschung, gedacht. Die Terrassen am Schrein des Bab wurden 2001 fertiggestellt.
Galerie
Administration mini|Der Bahai-Bogen vom Internationalen Archiv aus gesehen mini|Das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte Der überwiegende Teil der internationalen Leitung und Verwaltung des Bahaitums erfolgt im Bahai-Weltzentrum. Dazu gehören Entscheidungen, die die Religion auf globaler Ebene betreffen, und sowohl das Studium als auch die Übersetzung der Heiligen Schriften des Bahaitums. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, das internationale Leitungsgremium des Bahaitums, befindet sich in Haifa, zusammen mit dem Internationalen Lehrzentrum, das die Aktivitäten zwischen den kontinentalen Räten koordiniert und als Verbindung zwischen diesen und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit dient.