mini|hochkant|Martin Hairer, 2014

Martin Hairer (* 14. November 1975 in GenfAngaben nach seinem Curriculum Vitae, abgerufen von seiner Homepage in Warwick am 2. Juli 2012) ist ein österreichischer Mathematiker und Gewinner der Fields-Medaille (2014). Er beschäftigt sich insbesondere mit stochastischen partiellen Differentialgleichungen (SPDE) und deren Anwendungen in der statistischen Mechanik. Er ist Professor für Mathematik am Imperial College London und an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne.

Herkunft und Ausbildung Hairer ist der Sohn des Mathematikers Ernst Hairer (Professor in Genf) und von Evi Gröbner. Er ging in Genf auf das Collège Claparède, wo er 1994 seinen Abschluss machte. Er studierte Physik mit Mathematik als Nebenfach (Diplom in Physik 1998, Systèmes Mécaniques couplés à des bains thermiques de températures différentes) an der Universität Genf, wo er 2001 in Physik bei Jean-Pierre Eckmann promoviert wurde (Comportement Asymptotique d’Equations à Dérivées Partielles Stochastiques).Mathematics Genealogy Project

Akademische Laufbahn 2002 ging er als Post-Doktorand an der University of Warwick, wo er 2004 Lecturer, 2006 Associate Professor und 2007 Reader wurde und 2010 eine ordentliche Professur erhielt. 2009 war er Associate Professor am Courant Institute of Mathematical Sciences of New York University. Er war unter anderem Gastprofessor an der TU Berlin (2009), in Toulouse, Rennes, am Imperial College und in China.

Von 2013 bis 2017 war er Regius Professor of Mathematics an der University of Warwick.Mathematik-"Nobelpreis" an Österreicher Martin Hairer; auf Nachrichten.at vom 13. August 2014.The Work of Martin Hairer auf der Webseite der International Mathematical Union; abgerufen am 21. Dezember 2015. Er ist seit Oktober 2017 Professor am Imperial College London und seit 2023 Professor an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL).

Forschung Hairer schuf Methoden zur Behandlung nichtlinearer stochastischer PDEs, zum Beispiel der KPZ-Gleichung, die 1986 von den Namensgebern Mehran Kardar, Giorgio Parisi und Yi-Cheng Zhang eingeführt wurde und die in zufälliger Weise fluktuierende Grenzfläche zweier Medien beschreibt. Sie stellte Mathematiker vor ein Problem wegen ihrer Nichtlinearität, was zunächst die Betrachtung verallgemeinerter Lösungen (Distributionen) unmöglich machte. Hairer entwickelte (aufbauend auf der Rough Path Methode von Terry Lyons für gewöhnliche stochastische Differentialgleichungen) dafür eine Theorie von sog. Regularitätsstrukturen (das heißt, er fand eine Methode, das Rauschen von der Dynamik abzutrennen und das System zu regularisieren), zuerst bei der KPZ-Gleichung, später für viele weitere nichtlineare stochastische PDEs, auch in höheren Dimensionen (die KPZ-Gleichung beschreibt das Grenzflächenphänomen als eindimensionale Kurve). Nichtlineare stochastische partielle Differentialgleichungen haben viele Anwendungen, zum Beispiel im Finanzbereich.

Daneben erzielte er auch mit Jonathan Mattingly bedeutende Fortschritte bei der stochastischen Version der Navier-Stokes-Gleichung, der grundlegenden Gleichung der Hydrodynamik. Sie konnten die Ergodizität in zwei Dimensionen nachweisen.

Preise, Ehrungen und Mitgliedschaften 2008 erhielt er den Whitehead-Preis und den Leverhulme Preis. 2009 erhielt er den Wolfson Research Merit Award der Royal Society. Er erhielt 2006 eine (auf fünf Jahre vergebene) EPSRC (Engineering and Physical Sciences Research Council) Advanced Research Fellowship. 2013 wurde er mit dem Fermat-Preis ausgezeichnet „für seine Beiträge zur Analyse stochastischer partieller Differentialgleichungen, insbesondere zur Wohlgestelltheit von Problemen, der Regularität der Lösungen und Konvergenz zum Gleichgewicht“ (Laudatio).

2014 war er Eingeladener Sprecher auf dem ICM in Seoul und erhielt dort die Fields-Medaille für Beiträge zur Theorie stochastischer partieller Differentialgleichungen und insbesondere Entwicklung einer Regularitätsstruktur für diese.http://www.mathunion.org/fileadmin/IMU/Prizes/2014/news_release_hairer.pdf 2015 wurde Hairer in die Academia EuropaeaEintrag auf der Internetseite der Academia Europaea und zum Mitglied der Leopoldina gewählt, ebenfalls 2015 in die Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2016 in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 2019 in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur.Neue Mitglieder in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainzer Akademie der Wissenschaften vom 6. April 2020, abgerufen am 15. Februar 2022 Für 2021 erhielt er den Breakthrough Prize in Mathematics für bahnbrechende Beiträge zur Theorie der stochastischen Analysis, speziell für die Regularitätsstruktur stochastischer partieller Differentialgleichungen (Laudatio).For transformative contributions to the theory of stochastic analysis, particularly the theory of regularity structures in stochastic partial differential equations. (Laudatio), Breakthrough Prize 2021 2022 wurde ihm der Internationale König-Faisal-Preis zugesprochen gemeinsam mit Nader Masmoudi.König-Faisal-Preis 2022 2023 wurde Hairer ausgewählt, eine Gauß-Vorlesung zu halten, 2024 die Lars Onsager Lecture. Hairer ist Ehrenmitglied der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft. 2025 wurde ihm die Sylvester-Medaille der Royal Society verliehen.Sylvester-Medaille 2025 2026 wurde Hairer zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Publizistische Tätigkeiten Er ist Mitherausgeber von Probability Theory and Related Fields (ab 2008), Nonlinear Differential Equations and Applications und der Annales Henri Poincaré (Ser.B) des Institut Henri Poincaré (ab 2011). 2014 wurde er in die Royal SocietyBiografie von Martin Hairer auf der Webseite der Royal Society; abgerufen am 21. Dezember 2015. aufgenommen und erhielt den Fröhlich-Preis der London Mathematical Society. 2014 erhielt er einen Consolidator Grant des European Research Council.

Privates und Trivia Er ist mit der Mathematikerin Xue-Mei Li verheiratet.

Er entwickelt auch Software für den Macintosh (Audiobearbeitung, Amadeus bei HairerSoft, ab 1997). Die Anfänge der Entwicklung dieser Software brachten ihm 1995 den Jugend-Forschungspreis der Schweiz.Mathematiker Martin Hairer - Die Feuergleichung Artikel in der Zeit

Schriften (Auswahl) mit Jean-Pierre Eckmann: Uniqueness of the invariant measure for a stochastic PDE driven by degenerate noise. Comm. Math. Phys. 219 (2001), no. 3, 523–565. mit Jonathan Mattingly: Ergodicity of the 2D Navier-Stokes equations with degenerate stochastic forcing. Ann. of Math. (2) 164 (2006), no. 3, 993–1032. Solving the KPZ equation. Ann. of Math. (2) 178 (2013), no. 2, 559–664. A theory of regularity structures. Inv. Math. (2014) doi:10.1007/s00222-014-0505-4 mit Peter Friz: A Course on Rough Paths: With an Introduction to Regularity Structures, Springer 2014

Weblinks

Webpräsenz von Martin Hairer Daniel Saraga: Der Gleichungs-Bändiger. In: Horizonte, SNF Nr. 103, S. 26f. Hairer: Introduction to regularity structures Fields-Medaille 2014 mit Würdigung

Einzelnachweise

Kategorie:Mathematiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (University of Warwick) Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Träger der Fields-Medaille Kategorie:Regius-Professor für Mathematik Kategorie:Fellow der American Mathematical Society Kategorie:Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Knight Commander des Order of the British Empire Kategorie:Absolvent der Universität Genf Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1975 Kategorie:Mann