Liebesgrüße aus Moskau (Originaltitel From Russia with Love) ist der zweite Teil von Eons James-Bond-Reihe und basiert auf Ian Flemings gleichnamigen Roman: Eine junge russische Überläuferin lockt den britischen Superspion nach Istanbul und damit unwissentlich in eine Falle des internationalen Verbrechersyndikats SPECTRE.

Der Actionfilm kam 1963 in die Kinos und wird zu den besten Bond-Filmen gezählt; auch der Hauptdarsteller Sean Connery sah es so.Barry Norman: Der Film startete am 14. Februar 1964 in den bundesdeutschen Kinos.

Handlung mini|hochkant|links|Sein zweiter Auftrag als englischer Superspion führt Sean Connery nach Istanbul. Die Verbrecherorganisation PHANTOM (orig. SPECTRE, Special Executive for Counter-Intelligence, Terrorism, Revenge, and Extortion, Apronym von ) will während des Kalten Kriegs die beiden Seiten gegeneinander ausspielen. Nach dem vom PHANTOM-Strategen Kronsteen, einem Großmeister im Schach, aufgestellten Plan will man die sowjetische Dechiffriermaschine LectorDiese ist von der deutschen Chiffriermaschine Enigma und der Operation Ultra inspiriert: Die Beschaffung der Lector beruht lose auf Ian Flemings Plan aus dem Zweiten Weltkrieg, im Dienst der Naval Intelligence Division eine deutsche Enigma zu beschaffen. stehlen und sich gleichzeitig an James Bond für den Tod des PHANTOM-Partners Dr. No rächen.

Mit der Ausführung des Plans wird die ehemalige sowjetische Geheimdienstabteilungsleiterin Oberst Rosa Klebb beauftragt, die heimlich zu PHANTOM übergelaufen ist und die arglose Dechiffrier-Spezialistin des sowjetischen Konsulates, Tatiana Romanova, für eine angebliche Spezialmission rekrutiert: Sie soll mit James Bond eine Affäre beginnen. Dem britischen Geheimdienst wird eine Nachricht zugespielt, dass eine sowjetische Agentin Bond diese Maschine verschaffen will, da sie sich in ihn verliebt habe. James Bond erhält den Auftrag, sich dieses Gerät zu beschaffen. Bevor er seine Reise nach Istanbul antritt, erhält er von Q einen Aktenkoffer, der mit diversen Gadgets ausgestattet ist. In Istanbul beginnt er mit Tatiana Romanova eine Romanze, um an die Dechiffriermaschine zu gelangen.

Bond bringt mit Hilfe des MI6-Vertrauten Ali Kerim Bey und Tatianas die Dechiffriermaschine an sich und flieht mit ihnen im Orient-Express durch Jugoslawien. Sowohl ein russischer Agent als auch der PHANTOM-Agent „Red“ Grant sind mit an Bord des Zuges. Bond findet den russischen Agenten und Ali Kerim Bey, die von Grant getötet worden sind, und wird schließlich von ihm selbst in eine Falle gelockt. Grant offenbart ihm den kompletten Plan und kündigt Bond an, ihn qualvoll zu ermorden. Mithilfe seines speziellen Aktenkoffers kann Bond sich aus der misslichen Situation befreien und schafft es nach einer Schlägerei im Abteil, Grant zu töten und mit Tatiana aus dem Zug zu entkommen. Auf der folgenden Flucht werden die beiden von PHANTOM-Agenten mit einem Hubschrauber und später mit Booten bedrängt, gelangen aber schließlich nach Venedig.

Nachdem Bond alle Gefahren durch List und Geschick überstanden hat, zitiert der PHANTOM-Anführer Blofeld Kronsteen und Rosa Klebb zu sich, die sich gegenseitig die Verantwortung am Scheitern des Plans geben. Blofeld lässt schließlich Kronsteen als Versager umbringen und gibt Klebb eine letzte Chance, Bond zu töten und sich der Lector zu bemächtigen. Als Zimmermädchen verkleidet, versucht sie, Bond mit einer vergifteten Schuhspitze zu töten. Tatiana Romanova muss sich zwischen der Liebe zu Bond und ihrer Verpflichtung gegenüber ihrer vermeintlichen Vorgesetzten entscheiden; sie erschießt Klebb und rettet Bond damit in höchster Not.

Inszenierung mini|hochkant|links|James Bond ist zum zweiten Mal mit dem Verbrechersyndikat SPECTRE konfrontiert.

Schurken Kurt Weills Witwe Lotte Lenya spielt Rosa Klebb, die vom sowjetische Geheimdienst KGB zum Verbrechersyndikat SPECTRE übergelaufen ist. Mit Hilfe ihrer ahnungslosen Untergebenen Tatiana Romanova (Daniela Bianchi) soll sie eine russische Dechiffriermaschine vom Typ Lektor beschaffen. Um James Bond aus dem Weg zu räumen, engagiert sie den Attentäter Red Grant (Robert Shaw). Romanova erschießt Klebb, als diese Bond mit einer Giftklinge in ihrem Schuh attackiert.

Musik hochkant|mini|John Barry komponierte hier seinen ersten vollständigen Bond-Soundtrack.

Das Titellied From Russia With Love wurde von Matt Monro gesungen.Matt Monro: Im Vorspann wird eine Instrumentalversion verwendet. Nur in einer Filmszene und im Abspann ist Monroes Gesang zu hören. Nach seinem viel beachteten Arrangement für den Vorgängerfilm Dr. No ist dies der erste komplette Bond-Soundtrack von John Barry. Er führte hier das Action-Thema 007 ein, das Bond-Filme bis einschließlich Moonraker (1979) in Variationen begleitete.The John Barry Seven And Orchestra:

Der Soundtrack erschien erstmals bei United Artists Records im Jahr 1963 auf LP.John Barry: In den 1980er Jahren wurde eine erste CD-Pressung von EMI Records herausgebracht. Nach dem 40. James-Bond-Jubiläum wurde 2003 eine neu aufgearbeitete Fassung von Capitol Records veröffentlicht. In Deutschland gab es auch eine deutschsprachige Version des Titelliedes, welche von Ruth Berlé unter dem Titel Die Wolga ist weit gesungen wurde.Ruth Berlé:

Titelliste der Originalauflage

Gadgets Der Aktenkoffer – dies ist Bonds erstes Gadget (technische Spielerei). Er wird ihm von der Q-Abteilung übergeben und enthält ein zerlegbares Scharfschützengewehr im (fiktiven) Kaliber 0.25 mit einem Zielfernrohr mit „Infrarotstrahlen“ (ein Nachtsichtgerät in der gezeigten Größe war damals technisch noch nicht machbar). Die im Film gezeigte Waffe war die tatsächlich existierende AR-7 Survival Rifle im Kaliber .22 LR (5,6 × 15 mm) der Firma ArmaLite für die US Air Force als Notfallbewaffnung. Die originale AR-7 war zwar wie dargestellt zerlegbar, enthielt aber keinen Schalldämpfer. Die AR-7 taucht im späteren Film Goldfinger in der Hand von Tilly Masterson erneut auf. In Geheimfächern des Aktenkoffers sind 2 × 10 Schuss Munition, ein Messer und 50 Goldstücke (Sovereigns) versteckt. Das Schloss ist mit einem Mechanismus gesichert, der bei falscher Bedienung eine in einer Puderdose versteckte Tränengasladung auslöst. Ein unauffälliger Wanzendetektor (im Original ein Schichtstärkenmessgerät „Elcometer“). Ein Pager – Bond besaß ein Gerät, mit dem der Geheimdienst MI6 ihn jederzeit kontaktieren konnte (im Original ein Pager der Firma Multitone). Ein Funktelefon in Bonds Auto, einem Bentley Mark IV – zu dieser Zeit noch lange keine Selbstverständlichkeit. Ein in einem Fotoapparat verstecktes Tonbandgerät. Der Gegenspieler Red Grant verfügt über eine als Armbanduhr getarnte Garrotte, die auch im späteren Film Im Geheimdienst ihrer Majestät noch einmal kurz gezeigt wird. In den Schuhspitzen von Klebb und Morzeny befindet sich jeweils eine verborgene und mit Gift versehene Springklinge. Als Privatyacht von Blofeld diente die nach Griechenland verkaufte Wappen von Hamburg.

Historischer Fehler In der Szene, wo Ali Kerim Bey James Bond per Boot durch die unterirdischen Zisternen führt, erläutert er, diese seien „von Kaiser Konstantin vor über 1600 Jahren“ gebaut worden – in Wirklichkeit aber wurden sie erst unter Kaiser Justinian I. Anfang 6. Jahrhundert, also ca. 200 Jahre später, angelegt.

Produktion Besetzung und Synchronisation James Bond Sean Connery Gert Günther HoffmannTatiana Romanova Daniela Bianchi(Stimme: Barbara Jefford) Marianne MosaAli Kerim Bey Pedro Armendáriz Klaus MiedelRosa Klebb Lotte Lenya Alice TreffDonald „Red“ Grant Robert Shaw Horst Niendorf„M“ Bernard Lee Siegfried SchürenbergSylvia Trench Eunice Gayson Uta HallantMorzeny Walter Gotell Benno HoffmannVavra Francis De Wolff Stanislav LedinekZugschaffner George Pastell Wolfgang DraegerKronsteen Vladek Sheybal Jürgen ThormannErnst Stavro Blofeld Anthony Dawson(Stimme: Eric Pohlmann) Friedrich JoloffMajor Boothroyd („Q“) Desmond Llewelyn Heinz Petruo Kerims Freundin Nadja Regin Beate Hasenau Miss Moneypenny Lois Maxwell Lola Luigi Vida Aliza Gur Zora Martine Beswick Krilencu Fred Haggerty Kerims Sohn/Fahrer Neville Jason Toni Herbert Kommissar Benz Peter Bayliss Mehmet Nushet Ataer Claus Jurichs MacAdams Peter Madden Peter Elsholtz synchronisiert bei der Ultra-Film, Berlin

Blofeld, von dem nur Hinterkopf und Hände zu sehen sind, wird von Anthony Dawson gespielt, der im Vorgängerfilm noch den Bösewicht Professor Dent mimte. Im englischen Original wurde er vom österreichischen Schauspieler Eric Pohlmann synchronisiert.

Desmond Llewelyn tritt zum ersten Mal als Q auf, der hier in der deutschen Fassung noch als „Waffenmeister“ bezeichnet wird. Diese Figur spielte er von 1963 bis zu seinem Tod im Jahr 1999 in allen offiziellen Bond-Filmen, außer 1973 in Leben und sterben lassen. Das für die Beziehung zwischen Bond und Q übliche verbale Kräftemessen fehlt in diesem Film noch. Q erklärt hier lediglich die unterschiedlichen Funktionen von Bonds Aktenkoffer, ohne dass die spezielle Freundschaft zwischen den beiden zum Ausdruck kommt.

Die Rolle der Tatiana Romanova wurde mit der Italienerin Daniela Bianchi besetzt. Da die Verantwortlichen ihr Englisch nicht für gut genug befanden, wurde sie von der britischen Schauspielerin Barbara Jefford nachsynchronisiert.Liebesgrüße aus Moskau Audiokommentar, Ultimate Edition DVD.

Rosa Klebb wurde von Lotte Lenya gespielt. Ali Kerim Bey war die letzte Rolle von Pedro Armendáriz vor dessen Tod.

Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden vom 1. April 1963 bis 23. August 1963 in folgenden Ländern und Orten statt:Siegfried Tesche: Der große James Bond-Atlas. Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, ISBN 978-3-577-07305-9, S. 108.

Für Publicity-Fotos posierte der Hauptdarsteller Sean Connery mit einer erhobenen Pistole in der Hand.Bild auf imdb.com Dabei handelte es sich um eine einfache Luftpistole der Marke Walther, Modell 53. Diese wurde 2010 vom englischen Auktionshaus Christie’s für unerwartet hohe 277.250 £ versteigert und dürfte damit die teuerste Luftpistole der Welt geworden sein.Bericht im Spiegel

Die Schachpartie zwischen Kronsteen und MacAdams basiert auf der Schachpartie Spasski – Bronstein, UdSSR-Meisterschaft 1960.

Veröffentlichung

Die Weltpremiere fand am 10. Oktober 1963 zeitgleich an verschiedenen Orten in London statt. Als Hauptveranstaltung gilt die Aufführung im Odeon am Leicester Square, bei der die Schauspieler Sean Connery und Daniela Bianchi sowie die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman anwesend waren. Die britische Königsfamilie wurde durch den Duke of Bedford nebst Gemahlin repräsentiert.

In den Vereinigten Staaten fand die Premiere am 8. April 1964 in New York City statt. Ab dem 27. Mai 1964 war der Film dort als Double Feature mit War Is Hell zu sehen. In den bundesdeutschen Kinos startete der Film am 14. Februar 1964.

Der Film war ein großer Erfolg an den Kinokassen. Er spielte bei einem geschätzten Budget von 2 Mio. US-Dollar weltweit beinahe 79 Mio. US-Dollar wieder ein, davon fast 25 Mio. allein in den Vereinigten Staaten. Inflationsbereinigt entspricht dies inzwischen Gesamteinnahmen von etwa  Mio. US-Dollar, womit der Film 2025 auf Platz 13 der umsatzstärksten Filme der Reihe stand. Die Zeitschrift Stern gibt 3 Millionen Kinobesucher in Deutschland an.50 Jahre James Bond. Stern-Edition 2/2012

Seine deutsche Fernsehpremiere erfolgte am 9. Juni 1984 um 22:15 Uhr in der ARD als erster Film der Reihe überhaupt. Zeitgleich erschien Liebesgrüße aus Moskau bei Warner Bros. Deutschland als Leihversion und Kaufkassette sowie später auch als Laserdisc. Ende der 1990er Jahre übernahm 20th Century Fox den Heimkino-Vertrieb und veröffentlichte die erste DVD-Version als Special Edition im Jahr 2000. Eine Blu-ray Disc folgte acht Jahre später.

Rezeption