mini|hochkant=1.2|St.-Christophorus-Kirche Die Pfarrkirche St. Christophorus, in der Innenstadt von Wolfsburg gelegen (Antonius-Holling-Weg 21) und nach dem Patron der Autofahrer benannt, ist heute die älteste und größte katholische Kirche in Wolfsburg. Das denkmalgeschützte Gotteshaus (ID 34291331) wurde 1950/51 nach Plänen von Peter Koller erbaut. Die Kirche gehört zum Bistum Hildesheim und ist Sitz des Dekanats Wolfsburg-Helmstedt.
Geschichte Bereits im Gründungsjahr der Stadt des KdF-Wagens, ab Oktober 1938, hielten ein italienischer Priester, der zur religiösen Betreuung der italienischen Arbeiter in die Stadt gekommen war, sowie der Pfarrer aus Gifhorn katholische Gottesdienste im Saal der Gaststätte Zum Brandenburger Adler in Heßlingen. Zu dieser Zeit war das nächstgelegene katholische Gotteshaus die Kapelle St. Michael in Fallersleben. Ab Ende 1939 wurde der Heßlinger Saal zu einer Notkirche ausgebaut.
Zum 1. März 1940 beauftragte der Bischof von Hildesheim, Joseph Godehard Machens, den damals in Hamburg-Wilhelmsburg tätigen Kaplan Antonius Holling (1908–1996) mit dem Dienst als Pfarrvikar für die Stadt des KdF-Wagens und deren Umgebung. Für Gottesdienste nutzte er ab März 1940 den Saal der Gaststätte Zur guten Quelle in Rothenfelde, bis nach einigen Wochen die Gestapo dies verbot. Von da an hatten die in der Stadt des Kdf-Wagens wohnenden Katholiken zum Gottesdienst den Weg zur Kapelle nach Fallersleben auf sich zu nehmen. Mit Schreiben vom 28. Juni 1940 gründete der Bischof von Hildesheim die Kuratie der Stadt des KdF-Wagens, zum Kuraten ernannte er Antonius Holling, der damit vom Kaplan zum Pastor befördert wurde. Ab dem 29. September 1940 konnte auch er den Saal der Gaststätte Zum Brandenburger Adler in Heßlingen nutzen. 1940 beauftragte auch Bischof Joseph Godehard Machens den Architekten Wilhelm Fricke aus Hannover mit einem Vorentwurf einer Kirche, der jedoch nicht ausgeführt wurde.Ulrich Knapp: Das Bistum Hildesheim und seine Kirchen. Éditions du Signe (Hrsg.), Strasbourg 2002, ISBN 2-87718-893-0, S. 43.
Mitte April 1945 wurde die Stadt des KdF-Wagens durch den Einmarsch amerikanischer Streitkräfte vom Nationalsozialismus befreit. Am 25. Mai 1945 beschloss die Stadtverordnetenversammlung auf Drängen der britischen Besatzungsmacht die Umbenennung des bisherigen Stadtnamens „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ in „Wolfsburg“. Bereits im August 1945 beantragte Holling beim Wolfsburger Bürgermeister die Ausweisung eines Bauplatzes für eine neu zu errichtende Kirche, der Architekt Niggenius machte am 15. August 1945 einen Vorschlag für einen Kirchenbau.Ulrich Knapp: Das Bistum Hildesheim und seine Kirchen. Éditions du Signe (Hrsg.), Strasbourg 2002, ISBN 2-87718-893-0, S. 46. Im September 1945 beantragte Holling den Bau der Kirche beim Bischof. Die bischöfliche Genehmigung blieb zunächst aus, so dass der Bauplatz anderweitig vergeben wurde.Vortrag „Kirchengeschichte Wolfsburgs“ am 26. November 2014 im Föhrenkrug, Wolfsburg. 1947 bekam der neben der Notkirche errichtete Glockenturm seine beiden Glocken, St. Anna und St. Maria, die 1947 in Bockenem gegossen worden waren.Karoline Steinbock: Vorsfelde plant ein großes Glockenfest. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 4. August 2026.
Zum 1. August 1950 wurde die Kuratie Wolfsburg zur Kirchengemeinde erhoben, und am 1. Dezember 1950 oder 1954 zur Pfarrei.
mini|Grundstein Der Bau der Kirche startete am 17. September 1950 mit dem ersten Spatenstich durch Heinrich Nordhoff, und am 3. Dezember 1950 erfolgte die Grundsteinlegung. Neben dem Grundstein befinden sich Steinfragmente vom Kolosseum in Rom und vom Hildesheimer Dom, um die Verbindung zum Zentrum der katholischen Weltkirche in Rom und zum Bischof von Hildesheim auszudrücken. Am 12. August 1951 fand der letzte Gottesdienst in der Notkirche statt, mit einer Prozession zu der an diesem Tag durch Bischof Joseph Godehard Machens eingeweihten St.-Christophorus-Kirche. Die beiden Glocken der Notkirche kamen in die im Folgejahr erbaute St.-Michael-Kirche in Vorsfelde.
Die Kirche wurde in der Nähe des Volkswagenwerkes Wolfsburg errichtet und nach dem Schutzpatron der Autofahrer, dem heiligen Christophorus, benannt. Auch bei den katholischen Kirchen im Umfeld des Volkswagenwerkes Braunschweig und des Volkswagenwerkes Hannover, St. Christophorus (Braunschweig-Rühme) und St. Christophorus (Hannover), wurde der heilige Christophorus zum Schutzpatron.
1958 wurde das Dekanat Wolfsburg errichtet,Ansprache bei der Profanierung der St.-Heinrich-Kirche zuvor gehörte Wolfsburg zum Dekanat Celle.Heinz Pohlendt: Der Landkreis Helmstedt. Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn 1957, Abb. 131. Im August 1963 wurde die Heßlinger Gaststätte mit dem Saal, der als Notkirche gedient hatte, abgerissen. Am 24. Mai 1986 wurde Antonius Holling als Pfarrer in den Ruhestand verabschiedet und blieb bis zu seinem Tod in Wolfsburg wohnen, zu seinem Nachfolger wurde Martin Verdiesen (1923–2009) ernannt. Seit dem 16. Juli 1989 erinnert eine von Joseph Krautwald geschaffene Stele in Heßlingen an die ehemalige Notkirche. Im November 1993 ging Martin Verdiesen in den Ruhestand und blieb bis zu seinem Tod in Wolfsburg wohnen, sein Nachfolger war bis Juni 2013 Prälat Heinrich Günther. Am 7. September 1996 verstarb der erste Pfarrer der Gemeinde, Antonius Holling, und wurde auf dem Waldfriedhof bestattet. 2004 wurde die Antonius-Holling-Stiftung gegründet, die sich bisher schwerpunktmäßig der Bildung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der jährlichen Kids Academy widmet.antonius-holling.de
Seit dem 1. November 2006 ist die Kirche Sitz des Dekanats Wolfsburg-Helmstedt, welches damals aus dem Dekanat Wolfsburg und dem Helmstedter Teil des Dekanats Helmstedt-Wolfenbüttel gebildet wurde. Am 1. September 2010 wurden der Pfarrgemeinde St. Christophorus auch die Kirchen St. Joseph (Wohltberg), St. Heinrich (Rabenberg), St. Bernward (Alt-Wolfsburg), St. Raphael (Detmerode) und St. Elisabeth (Westhagen) angeschlossen. Am 27. November 2015 wurde die Kirche St. Joseph profaniert, am 19. November 2016 folgte St. Elisabeth und am 22. März 2019 St. Heinrich.
Kirchengebäude mini|Ansicht von Nordwesten Neben dem Haupteingang der in rund 63 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gelegenen Kirche befinden sich Steintafeln mit den Zehn Geboten, sie wurden 2013 anlässlich des Eintritts von Pfarrer Heinrich Günther in den Ruhestand angebracht.
Der Innenraum der Kirche ist ein heller hallenförmiger Bau ohne Pfeiler, so dass von jedem der 440 Sitzplätze ein freier Blick zum halbrunden Altarraum möglich ist.
Ausstattung mini|Blick Richtung Altar An der Südwand befindet sich seit 1953 ein 6 m hohes Fenster mit einer Darstellung des Hl. Christophorus, gestaltet vom Kunstmaler Richard Holzner (1883–1958), Glasmalerei F. X. Zettler, München. Die sieben Deckengemälde mit Szenen aus dem Johannesevangelium schuf Claus Kilian anlässlich der Renovierung zur 50-Jahr-Feier der Kirche im Jahre 2001. Die beiden Gemälde über den Zugängen zur Kreuzkapelle zeigen die Heilige Familie und die Steinigung des Stephanus, sie sind ein Geschenk des niederländischen Volkswagen-Importeurs Ben Pon. Über der Seiteneingangstür befindet sich eine Statue des hl. Christophorus, sie erinnert an Heinrich Nordhoff, den früheren Generaldirektor des Volkswagenwerkes und Mitglied der Kirchengemeinde. Daneben wurde im Januar 2017 die Statue der heiligen Elisabeth von Thüringen aus der profanierten St.-Elisabeth-Kirche aufgestellt.Katholische Pfarrgemeinde St. Christophorus (Hrsg.): Sonntagsgruß. Ausgabe 22. bis 29. Januar 2017, S. 3. Die seit 1952 links und rechts neben dem Altarraum befindlichen Figuren der Hl. Maria und des Hl. Joseph haben eine Höhe von jeweils 2,60 m.
Teile der Innenausstattung, darunter den Tabernakel, auf dem das Lamm Gottes mit dem Kreuzesstab steht, den Engel mit dem Ewigen Licht und den Ambo, schuf der Wolfsburger Goldschmiedemeister Raimund Lange (1928–2006). Das auf der Apsis erstellte Wandgemälde vom Jüngsten Gericht des Osnabrücker Kunstmalers Franz Josef Langer (1916–1981)Ernst Pauer: Kirchengeschichte und Kirchenkunst. In: Historische-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Blatt Wolfsburg. Erhard Kühlhorn, Hildesheim 1977, ISBN 3-7848-3626-7, Erläuterungsheft S. 115. wurde am 15. September 1956 enthüllt, ist aber seit den 1960er Jahren durch eine Wärmeisolationswand abgedeckt. Die heute dort vorhandene Kreuzigungsgruppe stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und schmückt seit 1976 die St.-Christophorus-Kirche. Während der Karfreitagsliturgie am 16. April 1976 erfolgte ihre feierliche Enthüllung.Die Kreuzgruppe wird feierlich enthüllt. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 15. April 1976, S. 17.
Orgel Die heutige Orgel wurde 1994 von dem westfälischen Orgelbauer Siegfried Sauer erbaut und am 17. Juni 1994 geweiht. Sie ist die größte Orgel in Wolfsburg. Das Schleifladen-Instrument hat 52 Register auf drei Manualwerken und Pedal und ist französisch-romantisch disponiert. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch. Wiederverwendet wurde Pfeifenmaterial des Vorgängerinstruments, das 1951 von Emanuel Kemper (Lübeck) erbaut worden war.Nähere Informationen zur 2019 wurde die Orgel vom Unternehmen Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt grundüberholt.Grundsanierung unserer Orgel – Tag der offenen Orgelbaustelle. kirchewolfsburg.de, abgerufen am 23. Juni 2019.
I Hauptwerk C–g3 1. Principal 16′ 2. Octave 8′ 3. Doppelflöte 8′ 4. Spitzflöte 8′ 5. Gamba 8′ 6. Octave 4′ 7. Koppelflöte 4′ 8. Quinte ′ H 9. Superoktave 2′ 10. Cornett V 8′ 11. Mixtur V 2′ 12. Trompete 16′ 13. Trompete 8′ Tremulant Zymbelstern II Rückpositiv C–g3 14. Musiziergedackt 8′ h 15. Quintade 8′ H 16. Prinzipal 4′ 17. Flöte 4′ H 18. Waldflöte 2′ H 19. Larigot ′ H 20. Sesquialtera III ′ H 21. Scharff III 1′ H 22. Dulcian 16′ H 23. Krummhorn 8′ Tremulant III Schwellwerk C–g3 24. Bordun 16′ H 25. Ital. Principal 8′ h 26. Rohrpommer 8′ H 27. Salicional 8′ 28. Vox coelestis 8′ 29. Principal 4′ 30. Traversflöte 4′ 31. Nasard ′ H 32. Schwiegel 2′ 33. Terz ′ H 34. Septime ′ 35. Piccolo 1′ H 36. Fourniture V ′ 37. Basson 16′ 38. Trompette harm. 8′ 39. Oboe 8′ H 40. Vox humana 8′ 41. Clairon 4′ Tremulant Pedalwerk C–f1 42. Principal 16′ 43. Subbass 16′ H 44. Oktavbass 8′ H 45. Gedackt 8′ 46. Choralbass 4′ 47. Flachflöte 2′ H 48. Hintersatz IV ′ H 49. Bombarde 32′ 50. Posaune 16′ 51. Trompete 8′ 52. Hautbois 4′ Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Anmerkungen H/h = Register ganz (H) oder teilweise (h) aus der Vorgängerorgel übernommen
Kirchturm und Glocken Der 51 Meter hohe freistehende Kirchturm wurde 1951 erbaut und ist ein Geschenk der Stadt Wolfsburg an die Kirchengemeinde. Der Turmschacht setzt sich aus vier Stützen und dem Ausfachungsmauerwerk zusammen. Auf seiner oberen Plattform ist der Stahlglockenstuhl verankert, der von einer achteckigen Stahlbetonkonstruktion umgeben ist. Die fünf Stahlglockenndr.de Glockenläuten der Glocken der Christophorus-Kirche wurden am 8. August 1951 installiert und hängen in nachstehender Reihenfolge (von oben nach unten) im Glockenstuhl: Antonius (Gewicht 440 kg, Schlagton as′) Michael (Gewicht 1570 kg, Schlagton des′) Josef (Gewicht 1080 kg, Schlagton es′) Maria (Gewicht 2580 kg, Schlagton B°) Christophorus (Gewicht 780 kg, Schlagton f′) Oberhalb des Glockenstuhls befindet sich eine weitere Plattform, die über eine den Glockenstuhl umgebende Wendeltreppe erreichbar ist. In die Turmspitze, die von einem Kreuz und einem Wetterhahn gekrönt wird, wurde am 29. Juni 1973 eine Kreuzreliquie eingelassen. 2016/17 erfolgte eine Sanierung des Turmesludwig-freytag.de und die Installation einer Beleuchtung.kirchewolfsburg.de
Taufkapelle mini|hochkant|Taufkapelle