Die Firma Mesa/Boogie, auch als Mesa Engineering bekannt, ist ein US-amerikanischer Hersteller von Verstärkern für E-Gitarre und E-Bass mit Sitz im kalifornischen Petaluma. Während für E-Gitarren die Verstärker ausschließlich in Vollröhrentechnik entwickelt und gefertigt werden, sind für den E-Bass zusätzlich auch Hybridverstärker mit Röhrenvorstufe und MOSFET-Endstufe erhältlich. Der Name „Boogie“ soll auf den Gitarristen Carlos Santana zurückgehen, der beim ersten Test eines Mesa-Verstärkers gesagt haben soll: “Man, that little thing really boogies!”
Geschichte und Technik Der typische, stark verzerrte Klang der Mesa/Boogies war zunächst das Resultat einer elektrisch falsch dimensionierten Vorstufe. Der Firmengründer Randall Smith (* 1946) war sich nicht sicher, ob die Ausgangsleistung der Vorverstärkerstufe ausreichend sei, und konstruierte diese mit vier Doppeltrioden (acht Trioden), von denen die ersten sieben Triodenstufen auch heute noch zur Verstärkung des Eingangssignals verwendet werden. Mesa/Boogie bezieht seine speziell mit einem „Mesa/Boogie“-Schriftzug versehenen Elektronenröhren überwiegend von der New Sensor Corporation.
Mesa Boogie hält mehrere Patente auf spezielle Verstärkerschaltungen (Multi Watt, Dyna Watt, SimulClass).
Eine weitere Besonderheit der Geräte des amerikanischen Herstellers ist die Tatsache, dass sie über eine fest eingestellte Bias-Spannung verfügen. Bei herkömmlichen Röhrenverstärkern muss diese Spannung bei jedem Röhrenwechsel neu eingestellt und auf die neu verbauten Röhren angepasst werden. Die Änderung der Bias-Spannung ist bei Mesa/Boogie-Geräten nicht vorgesehen. So ist ein Wechsel der Endstufenröhren auch ohne Techniker möglich, solange man Röhren von Mesa Boogie verwendet. Dieses „Fixed Bias“-Feature wird kontrovers diskutiert, da ein Wechsel des Röhrenherstellers nicht ohne Modifikation des Gerätes oder Selektion der Röhren auf den Wertebereich der Mesa/Boogie-Röhren möglich ist.
Im Januar 2021 wurde Mesa/Boogie von der Gibson Guitar Corporation übernommen.
Produkte
Gitarrenverstärker Mark-Serie Die ursprünglichen Combo-Verstärker-Modelle der Mark-Serie basierten auf dem Layout eines Fender-Princeton-Gitarrenverstärkers und wurden nach und nach verfeinert und erweitert, sowohl durch Weiterentwicklung (I bis IV) als auch innerhalb einer Modellreihe als sogenannte Stripe Editions (blue, green und red). Die Mesa-Verstärker gelten bei Gitarristen inzwischen als legendär. So spielt zum Beispiel Carlos Santana noch heute einen 1972er-Mark-I, der seinen typischen, singenden Gitarrenton stark prägt. Zwei weitere kleine Röhrenverstärker, quasi Kopien des Mesa/Boogie, der Acoustic 165 (den ebenfalls Carlos Santana eine Weile benutzte) und der Jim Kelly, reichten zwar in der Klangqualität, aber nie bezüglich des Rufs an den „Mythos Mesa/Boogie“ heran.
Mark I Bei der Entwicklung der Gitarrenverstärker verband der Mark I bei seiner Markteinführung 1971 eine wichtige Brücke zwischen der alten, traditionellen Bauweise und dem modernen Verstärkerbau. Auf dem Fender Princeton aufbauend, hatte dieser Verstärker einen unter Gitarristen hoch geschätzten Clean-Sound (reiner, unverzerrter Klang). Neue Klangvorstellungen der damaligen Zeit und der gewachsene Anspruch an Lead-Sounds (verzerrter Klang durch Übersteuern der Verstärkerstufen) verlangten jedoch eine neuere Verstärkertechnik, die sich auch den Bedingungen des Live-Betriebs anpassen musste. Der Gründer von Mesa Engineering, Randall Smith, erreichte dies, indem er eine zweite Vorstufe in den Vorverstärker (Pre-Amp) integrierte. Die erste Vorstufe kann die zweite Vorstufe so übersteuern, dass ein intensiver, verzerrter Klang bereits bei geringer Gesamtlautstärke entsteht. Der typische Boogie-Sound wird gerne als cremig und leicht nasal beschrieben. Kritiker charakterisieren ihn als zu glatt und sprechen vom „kalifornischen Schönklang“ im Vergleich zum aggressiveren und raueren Charakter eines Marshall-Verstärkers.
Der Mark I durchlebte bis zu seiner Ablösung 1978 durch den Mark II die unterschiedlichsten Varianten (nach der Umbenennung des zweiten Kanals in „Input 1“). Frühere Versionen hatten keinen Reverb-Effekt (Nachhall), spätere besaßen einen grafischen Equalizer (EQ) und auf der Rückseite einen 60-/100-Watt-Umschaltknopf.
Die Reglerleiste (Front-Panel) eines typischen Mark I bietet die Potentiometer:
Volume 1: als Push-Poti mit der Funktion Gain-Boost für stärkere Signalvorverstärkung Volume 2: Pull Bright zur Anhebung des Höhenanteils für brillanteren Klang Treble (Höhen), Middle (Mitten) und Bass (Tiefen) zur Klanganpassung Master: Gesamtlautstärke
Später fehlte der Eingang des Kanals 2 und wurde ersetzt durch den Footswitch-Eingang. Damit ließ sich mit einem Fußschalter zwischen dem ersten und zweiten Kanal umschalten. Nach 1976 ließen sich auch Boost und EQ mittels Fußschalter ein- und ausschalten. Die Lautsprecher der früheren Modelle des Mark I (etwa bis 1977) besaßen einen 12-Zoll-Lautsprecher der Firmen Vega, Eminence, EVM 12L oder JBL. Später gab es, durch eine Sonderanfertigung für die Rolling Stones, auch einen Altec-Lansing Speaker.
Die bekanntesten Benutzer von Mesa/Boogie-Amps sind Carlos Santana, Larry Carlton, Robben Ford, Eric Johnson, Keith Richards und Pete Townshend.
Seriennummern Mark I 1x12: A0001–A2999 = 2999 Mark I Mark I 1x15: B001–B300 = 300 Mark I
Von 1971 bis 1978 wurden 3.299 Verstärker der Serie Mark I produziert.
Mark IV miniatur|Mark-IV-Comboverstärker (Wide Head REV B)
Der im Mai 1990 auf den Markt gebrachte Mark IV ist der erste dreikanalige Gitarrenverstärker von Mesa/Boogie, bei dem sich jeder Kanal klanglich größtenteils getrennt einstellen lässt.
Der Mark IV bietet unverzerrten Klang bis leicht bluesigen Sound im Fender-Stil mit einer klanglichen Bandbreite zwischen jazzigem und bissigem Funk, angezerrtem Sound mit weitreichenden Variationsmöglichkeiten, sowie einen Lead-Sound mit deutlicher Verzerrung. Hinzu kommt ein Einschleifweg für Effektgeräte und der grafische Boogie-5-Band-Equalizer. Diese große Klangvielfalt sowie die sehr kurzen Umschaltzeiten zwischen den einzelnen Kanälen haben diesem Verstärker unter Gitarristen sehr beliebt gemacht.
Erhältlich ist der Mark IV als Topteil oder Combo, jeweils als Long- oder Short-Head (mit Rack-Kompatibilität) mit der 85 Watt starken Simul-Class-/Class-A-Endstufe und in Kombination mit einem modifizierten Celestion- oder Electro-Voice-12-Zoll-Lautsprecher. Mittlerweile existiert eine überarbeitete 85-Watt-Version mit leicht verändertem Klang und parallelem Effektweg.
Zu den bekanntesten Gitarristen, die den Mark IV nutzen bzw. nutzten, gehören unter anderem Kirk Hammett und James Hetfield von der Band Metallica, Dexter Holland und Dream-Theater-Gitarrist John Petrucci. Angus Young (AC/DC) spielte ebenfalls in den 1990er-Jahren mit Mesa/Boogie.
Mark V Im Januar 2009 präsentierte Mesa auf seiner Website den neuen Mesa/Boogie Mark V. Er bietet einige Neuerungen und erweiterte Einstellmöglichkeiten im Vergleich zu seinem Vorgänger. Das Gerät hat drei getrennte Kanäle, einen Federhall, Fünfband-EQ sowie einen parallelen Effektweg. In jedem Kanal ist die Leistung und Verschaltung der Endstufe wählbar (10-Watt-Class-A, 45-Watt-Class-A/-B, 90-Watt-Simul-Class).
Mark Five:25 2014 kam der kleine Bruder des Mark Vs heraus. 2 Kanäle mit je zwei Sounds per Fuß schaltbar, jeweils schaltbar zwischen 10 und 25 W; der zusätzliche 5-Band-EQ, auch per Fußschalter bedienbar, und das Speaker-Load mit simulated-XLR-Ausgang sind am Board sowie FX-Loop und Reverb. Röhren: 2 Endstufenröhren EL84, 6 Vorstufenröhren 12AX7.
Mark Five:35 Nach dem Erfolg des Mark V:25s kam Anfang 2016 der Mark Five:35 heraus. 2 Kanäle per Fuß schaltbar (je 10/25/35 W), der zusätzliche 5-Band-EQ auch per Fußschalter bedienbar, Speaker-Load mit simulated-XLR-Ausgang und nunmehr größerem Fußschalter (CH1/2, EQ on/off, Solo 1, Solo 2). 4 Endstufenröhren EL84, 6 Vorstufenröhren 12AX7.
Mark VII Anfang 2023 wurde der Mark VII vorgestellt und damit die sechs in der Nummerierung übersprungen. Er verfügt über drei separate Kanäle, die jeweils mit einem eigenen Dreiband-Toneregler (Pre-Gain), Gain-, Master- und Presence-Regler ausgestattet ist. Jeder Kanal hat zudem drei Modi und unterstützt die MultiWatt-Funktion, mit der die Leistung pro Kanal auf 90, 45 oder 25 Watt eingestellt werden kann. Der Verstärker bietet zahlreiche Klangvarianten, die auf früheren Verstärkern der Mark-Serie basieren, darunter zwei neue Modi: Mark IIB auf Kanal 3 und Mark VII auf Kanal 2. Neu für die Mark-Serie war auch die Mesa CabClone IR-Technologie, die es ermöglicht, den Amp lautlos ohne eine externe Last zu betreiben und mit kanalzuweisbaren Impulse Responses (IRs) direkt für Silent Recording zu verwenden.
Caliber-Serie Die Caliber-Serie kam im November 1985 heraus, das erste Model war studio caliber.22. Das waren die ersten preiswerten Low-Wattage-Amps. .38 special (mit vier el84-Röhren, 38 Watt) und .50 caliber (zwei 6l6-Röhren, 50 Watt) waren im Product Guide von 1986 aufgelistet. Das el84-Modell kam im Januar 1987 heraus und wurde bis Ende 1988 produziert. Daraufhin wurden diese von .50 caliber mit 6L6-Röhren mit Pull-Channel-Switch von mind. 1990 bis 1993 unter dem Namen .50+ cal ersetzt (caliber .50+ Kombo mit 2 x 6L6, Push-Pull Volume Poti, 9-21-90 Signatur auf Chassis / 8.90 auf PCB). 1993 wurden diese wiederum von Dual-Caliber-Amps ersetzt.
Nomad-Serie Die Nomad-Serie löste 1999 die Dual-Caliber-Reihe ab.
Klein, kompakt und vielseitig. “Inspired by the ancient peoples who left the security and comfort of their villages and set out in search of answers and deeper meaning to life, these amplifiers are vehicles of exploration” (aus dem Vorwort im Benutzerhandbuch Mesa Boogie Owners manual zu den Nomad 45, 55 und 100 Amps).
Die Nomad-Amps gibt es in drei Versionen: 45, 55 und 100 Watt, jeweils als 1 × 12, 2 × 12, und 4 × 10 Combo, sowie als Short- (45/55 W) und Long-Head (100 W).
Der Nomad 45 hat eine Dyna-Watt-Endstufe mit veränderbarer Ausgangsleistung (Normal/Extreme), 5 × 12AX7-A- und 4 × EL84-Röhrenschaltung, der Nomad 55 eine Class-A/-B-Schaltung mit 5 × 12AX7-A und 2 × 6L6, die wahlweise auch mit 2 × EL34-Endröhren bestückt werden kann, der Nomad 100 hat in der Endstufe 4 × 6L6 (wahlweise auch EL34) und bot die Möglichkeit zur Umschaltung von 100 auf 50 W. Die Combos sind mit Celestion-Lautsprechern ausgerüstet.
Die Ausstattung der Amps ist mehr oder weniger identisch und besteht prinzipiell aus drei vollständig voneinander unabhängigen Kanälen. Jeder Kanal verfügt über Regelmöglichkeiten für: Gain, Treble, Mid, Bass, Presence, Master, Reverb sowie Output und Solo Level. Wie bei Mesa/Boogie üblich beeinflussen sich die Regler gegenseitig. Jeder Kanal hat einen zusätzlichen Wahlschalter, der die Klangcharakteristik des Grund-Sounds stark beeinflusst (Chn 1: Clean Normal und Pushed, Chn 2: Vintage Normal und Modern, Chn 3: Modern Normal und Vintage). Wobei bei Chn 2 und 3 die Schaltung bewusst umgekehrt wurde, um eine einfache Steigerung zu Chn 2 zu erreichen. Der Nomad 100 hat zusätzlich einen fünfbändigen „Graphic EQ, (80, 240, 750, 2200, 6600 Hz“).
Anschlüsse: Input, FX Send, FX Return, Recording/Phones Out, Footswitch 7-pol. DIN, Netzkabel, slave to power amp. Der FX-Mono-Einschleifweg (parallel) ist regelbar (FX Mix 100 % = seriell). Speaker out 2 × 4 und 1 × 8 Ω. Der Lautsprecherausgang kann stummgeschaltet werden. Als Effekt steht ein großer "Accutronics-Federhall" zur Verfügung. Die Kanalumschaltung erfolgt über einen Dreh-Schalter auf der Rückseite, ebenso die Einstellung für den Hall pro Kanal. Kanalwahl, Solo Level ein/aus und Hall ein/aus können auch über den zugehörigen Fußschalter bedient werden. Selten bei Rörenamps ist der Headphone out.