mini|hochkant|Phil Harris (1956) Wonga Philip „Phil“ Harris (* 24. Juni 1904 in Linton, Indiana; † 11. August 1995 in Rancho Mirage, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Musiker, Bandleader, Entertainer und Schauspieler. Er wurde vor allem als Begleiter des Komikers Jack Benny in dessen Radioshow und als Stimme des singenden Bären „Balu“ in der Originalfassung des Zeichentrickfilms Das Dschungelbuch (1967) bekannt.
Leben Jugend und Familie Phil Harris war der Sohn zweier Vaudeville-Künstler, die in kleineren Musiktheatern und im Zirkus auftraten, und wuchs in Tennessee auf. Seinen zweiten indianischen Vornamen „Wonga“ (Cherokee für „flinker Bote“) erhielt er eigenen Angaben zufolge von einem Indianerhäuptling, der sich seiner annahm, während seine Eltern auf der Bühne standen.Benny Show’s Phil Harris dies at 89, Nachruf in der Los Angeles Times vom 13. August 1995 (abgerufen am 30. Juni 2012) Schon in jungen Jahren erlernte er verschiedene Musikinstrumente; sein Hauptinstrument wurde das Schlagzeug, mit dem er bereits als Zwölfjähriger im Varietéprogramm seines Vaters auftrat.
In den 1920er Jahren spielte Harris als Schlagzeuger in verschiedenen Bands, unter anderem im Orchester von Francis Craig. Während einer Konzertreise nach Australien lernte er die dortige Schauspielerin Marcia Ralston kennen, die er 1928 heiratete. Phil Harris und Marcia Ralston adoptierten einen neugeborenen Jungen (Phil Harris Jr.). Die Ehe wurde 1940 geschieden. 1941 heiratete er die Sängerin und Schauspielerin Alice Faye, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor (Alice und Phyllis).
Orchesterleiter, Sänger und Komiker Ende der 1920er Jahre gründete Harris das Dixieland-Quintett „The Dixie Syncopators“, aus dem bald seine eigene Big Band hervorging, mit der er vor allem in Kalifornien erfolgreich war, wo er in San Francisco und im Cocoanut Grove mehrjährige Engagements bestritt. 1934 drehte er mit seiner Band die halbstündige musikalische Filmkomödie So This is Harris!, die bei der Oscarverleihung 1934 in der Kategorie „Bester Kurzfilm (Comedy)“ ausgezeichnet wurde und ihm den Weg ins Filmgeschäft ebnete. In den folgenden Jahren entstanden weitere Musikfilme mit seinem Orchester, unter anderem Harris In the Spring (1937), in dem er das Lied „That’s What I Like About the South“ sang, das zu seiner Erkennungsmelodie wurde und auch auf Schallplatte erfolgreich war.
Landesweit bekannt wurde Harris ab 1936 als ständiger Orchesterleiter der populären wöchentlichen Radioshow von Jack Benny, dessen musikalischer „Sidekick“ und Sketchpartner er dort bis 1952 blieb. In dieser Funktion begleitete er mit seinem Orchester die zahlreichen Gaststars der Sendung bei ihren Gesangsnummern (beispielsweise 1948, 1950 und 1952 Frank Sinatra). In der Show präsentierte er sich als trinkender und großspuriger Lebemann, der sich regelmäßig über Bennys Eitelkeit und Geiz belustigte. Neben seinem Engagement bei Jack Benny trat er ab 1946 gemeinsam mit seiner Frau Alice Faye in der Radioshow The Fitch Bandwagon (1946–48) auf, aus der 1948 die bald ebenso populäre wöchentliche musikalische Comedy The Phil Harris-Alice Faye Show (1948–54) hervorging. Im Januar 1949 traten Alice Faye und Phil Harris mit seinem Orchester bei der feierlichen Amtseinführung des US-Präsidenten Harry S. Truman auf.
In dieser Zeit gelangen Harris weitere Plattenerfolge als Sänger, etwa 1947 mit einer Coverversion des Tex-Williams-Songs Smoke! Smoke! Smoke! (That Cigarette), und 1950 mit dem für ihn geschriebenen Lied The Thing, das er im Oktober 1950 für RCA Victor einspielte. The Thing hielt sich 14 Wochen in den Billboard-Charts und stand im Dezember 1950 vier Wochen lang auf Nummer eins. Im März 1951 war die Aufnahme drei Wochen lang auf dem Spitzenplatz in der australischen Hitparade.
Nach dem Ende der Radio-Ära war Harris von den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre hinein oft als musikalisch-komödiantischer Gast diverser Fernsehshows auf dem Bildschirm zu sehen, außer bei Jack Benny unter anderem in Shows von Milton Berle, Dinah Shore, Steve Allen, Eddie Fisher, Red Skelton, Andy Williams, Bing Crosby, Dean Martin, Pat Boone, Lucille Ball, Mitzi Gaynor, Johnny Cash, Tom Jones und Pearl Bailey. Zwischen 1964 und 1968 war er zudem achtmal Gastgeber der Variety-Show The Hollywood Palace.
Schauspieler in Film und Fernsehen Seit seinem Filmdebüt 1933 trat Harris vor allem in Musikkomödien auf, etwa in Varieté-Prinzessin (Walbash Avenue) (1950) und Broadway-Zauber (Anything Goes) (1956), daneben war er auch in dramatischen Filmen wie Höllenreiter der Nacht (The Wild Blue Yonder) (1951) zu sehen. 1954 spielte Harris an der Seite von John Wayne in Es wird immer wieder Tag seine einzige bedeutende Filmrolle als Charakterschauspieler. Weitere prominente Rollen bestritt er in Good-bye, My Lady (1956, mit Walter Brennan und Sidney Poitier) sowie in den Komödien Getrennte Betten (1963, mit James Garner) und Die Heulboje (1964, mit Jerry Lewis). Danach war er noch in The Cool Ones (1967) und The Gatling Gun (1973) zu sehen.
1956 wirkte Harris im Fernsehen in der szenischen Umsetzung der musikalischen Suite Manhattan Tower von Gordon Jenkins als Schauspieler mit. Dazu kamen später einige Gastrollen in Fernsehserien, darunter Amos Burke (1963/64, mit Gene Barry), Ben Casey (1964, mit Vince Edwards), F-Troop (1967, mit Forrest Tucker), Fantasy Island (1978), Love Boat (1980) und Concrete Cowboys (1981, mit Billy Barty und Michael Fox).
Stimme in Zeichentrickfilmen Internationale Bekanntheit erreichte Harris 1967 als Sprech- und Singstimme des Bären „Balu“ in der Disney-Zeichentrickverfilmung Das Dschungelbuch. Sein Duett als Balu mit Bruce Reitherman (in der Rolle des „Mogli“) zu The Bare Necessities brachte dem Komponisten Terry Gilkyson eine Oscar-Nominierung für den besten Filmsong ein und Harris wurde in Großbritannien mit einer Silbernen Schallplatte, sowie in den USA mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet.Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK US Daneben war Harris auch im Duett mit Louis Prima (in der Rolle des „King Louie“) zu I Wan’na Be Like You zu hören, welches in Großbritannien mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde.
In dem ebenfalls von Disney produzierten Zeichentrickfilm Aristocats sprach und sang Harris 1970 die Figur der Katze „O’Malley“ (und deren Lied Thomas O’Malley Cat) mit ähnlichem Erfolg. 1973 lieh er in Robin Hood, einem weiteren Disney-Film, der Figur des Zeichentrick-Bären „Little John“ seine Stimme und sang dabei den von Johnny Mercer komponierten Song The Phony King of England. In der britisch-amerikanischen Koproduktion Rock-a-Doodle – Ein Hahn erobert die Stadt, die reale Filmelemente mit Zeichentrick verknüpft, hatte Harris 1991 als „Erzähler“ und „Patou der Hund“ nochmals eine prominente Sprechrolle.
Späte Jahre und Tod Nach 1991 zog sich Harris endgültig ins Privatleben zurück und trat nur noch auf Wohltätigkeitsveranstaltungen in Erscheinung. Seit den 1950er Jahren lebte er mit seiner Frau Alice Faye im kalifornischen Palm Springs, wo er ausgedehnte Ländereien besaß, und in einem zweiten Haus im nahen Rancho Mirage, wo er im August 1995 starb. Er liegt zusammen mit seiner 1998 gestorbenen Frau auf dem Forest Lawn Cemetery (Name bis 2005: Palm Springs Mortuary & Mausoleum) in Cathedral City begraben.
Ihren umfangreichen Nachlass stifteten Harris und seine Frau Alice Faye schon 1979 seiner Geburtsstadt Linton in Indiana, wo das Material heute in drei gesonderten Archivräumen aufbewahrt wird. auf den Webseiten der Linton-Stockton High School (abgerufen am 30. Juni 2012).
Auf dem Hollywood Walk of Fame erinnern zwei Sterne an Phil Harris, je einer der Kategorie Musikaufnahmen (bei 6508 Hollywood Boulevard) und der Kategorie Radio (bei 6651 Hollywood Boulevard).
Werke Filmographie
'Als Zeichentrick-Stimme' 1967: Das Dschungelbuch (The Jungle Book) 1970: Aristocats (The Aristocats) 1973: Robin Hood 1991: Rock-a-Doodle – Ein Hahn erobert die Stadt (Rock-a-Doodle)
Fernsehen als Schauspieler 1963–1964: Amos Burke 1964: Ben Casey: The Only Place Where They Know My Name 1967: F-Troop: What Are You Doing After the Massacre? 1978: Fantasy Island: The Vaudevillians 1980: Love Boat: Rent a Romeo
Als Musiker, Sänger und Komiker (Auswahl) 1952–53: Four Star Revue 1952–55: The Colgate Comedy Hour 1954/1966: The Milton Berle Show 1956: The Dinah Shore Show 1957–58/1960: The Steve Allen Show 1957: This is Your Life: Phil Harris 1957: The Eddie Fisher Show 1958: The Jack Benny Program: Phil Harris Show 1960: The Big Sell (mit Jackie Gleason) 1962–63: The Red Skelton Show 1964–66: The Andy Williams Show 1964–68: The Hollywood Palace 1965: The Bing Crosby Show 1966–70: The Dean Martin Show 1968: The Pat Boone Show 1968: The Lucy Show: Lucy and Phil Harris 1968: Mitzi 1969: The Johnny Cash Show 1969: That’s Life: A Cold is Nothing to Sneeze at 1970: This is Tom Jones 1970: The Pearl Bailey Show 1972: Once Upon a Tour 1974: Here’s Lucy: Lucy and Phil Harris Strike Up the Band
Diskografie LP 1972: Southern Comfort… The Best of Phil Harris (Mega Records) (Neuaufnahmen seiner Erfolge)
CD (Sampler) 1992: The Uncollected Phil Harris & His Orchestra (1933) (Hindsight Records) (Aufnahmen von 1933) 1996: The Thing about Phil Harris (Living Era/ASV) (Sammlung von Originalsingles der 1930er bis frühen 1950er Jahre) 1996: Echoes from the Cocoanut Grove: Phil Harris & His Orchestra (Take Two) (Liveaufnahmen von 1932/33) 1999: My Kind of Country (Flapper/Pearl) (Sammlung von Originalsingles der 1940er Jahre) 2000: The Phil Harris and Alice Faye Show (Cliffhanger) (Ausschnitte aus der gleichnamigen Radiosendung) 2001: Phil Harris: Southern Gentleman of Song (Collector’s Choice) (Aufnahmen aus seiner Radioshow)
Weblinks
Benny Show’s Phil Harris Dies at 89, Nachruf in der Los Angeles Times vom 13. August 1995 (abgerufen am 30. Juni 2012)
Einzelnachweise
Kategorie:Musiker (Vereinigte Staaten) Kategorie:Bandleader Kategorie:Sänger Kategorie:Entertainer Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Mann