St. Gallenkirch ist eine Gemeinde im österreichischen Bundesland Vorarlberg mit Einwohnern (Stand ). Die vom Fremdenverkehr geprägte Gemeinde liegt im Montafon im Bezirk Bludenz und gliedert sich in die Ortsteile St. Gallenkirch, Gargellen und Gortipohl.

Name St. Gallenkirch leitet den Namen vom Patron der Pfarrkirche, dem Heiligen Gallus, ab. Bereits 1305 wird hier eine dem hl. Gallus geweihte Kapelle erwähnt.Gemeinde St. Gallenkirch (Hrsg.): Heimatbuch St. Gallenkirch – Gortipohl – Gargellen. St. Gallenkirch 1988, Eigenverlag, ISBN 3-85430-101-4, S. 17.

Geografie mini|Wasserfall des Balbierbaches in Gortipohl

Der Ort St. Gallenkirch liegt auf 878 Metern Höhe. Hauptfluss ist die Ill, das Gemeindegebiet umfasst auch das Einzugsgebiet des Suggadinbachs. Im Westen steigt das Gemeindegebiet zum Rätikon an. Die höchsten Gipfel sind Gargeller Madrisa (), Rotbühelspitze () und Isentällispitz (). Im Osten liegt der Verwall mit Zamangspitze () und Valschavieler Maderer ().

Mit einem Gemeindegebiet von Quadratkilometer ist St. Gallenkirch die Gemeinde des Bundeslandes mit der zweitgrößten Fläche. 29 Prozent dieser Fläche sind bewaldet, 39 Prozent sind Almen und weitere 26 Prozent zählen zum hochalpinen Gebiet; nur vier Prozent sind landwirtschaftliche Nutzfläche.

Gemeindegliederung Links der Ill, im Westen des Kirchdorfs, liegt der Ortsteil Galgenul mit den Talstationen der Valiserabahn und der Grasjochbahn.

Dahinter, etwa fünf Kilometer am Suggadinbach entlang den Berg hinauf, liegt auf einer Höhe von das kleine Bergdorf Gargellen mit Einwohnern (Stand ). Der ehemalige Maisäss ist der höchstgelegene Ort im Montafon. Gargellen ist stark vom Tourismus geprägt, es gibt eine Vielzahl von Hotels, Pensionen, Privatzimmern und Ferienwohnungen.

Taleinwärts des Kirchdorfs, auf einer Höhe von etwa , liegt das Dorf Gortipohl mit Einwohnern (Stand ), der Pfarrkirche und einem Wasserfall.

Nachbargemeinden

Geschichte Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort, wie ganz Vorarlberg und Tirol, zu Bayern, danach wieder zu Österreich. Zu Vorarlberg gehört St. Gallenkirch seit der Gründung des Landes im Jahre 1861.

Im schweren Lawinenwinter 1689 fanden in St. Gallenkirch/Gortipohl 18 Menschen den Tod. 1801 starben über 30 Menschen, meist Kinder, an den Pocken und 1920 trat die Ruhr in St. Gallenkirch auf.

Während des Zweiten Weltkrieges waren viele Männer der Gemeinde vor allem als Gebirgsjäger in Divisionen in Norwegen und Jugoslawien. Über Gargellen versuchten während der Zeit der NS-Terrorherrschaft in Österreich zahlreiche vom NS-Staat Verfolgte in die benachbarte Schweiz zu fliehen. Diese Fluchtversuche gelangen nicht immer und nahmen häufig auch ein tödliches Ende, wie etwa die Tragödie des Jahres 1942 aufzeigt, als sich die beiden jüdischen Schwestern Elisabeth und Martha Nehab aus Berlin in der Arrestzelle in St. Gallenkirch nach einem gescheiterten Fluchtversuch gemeinsam das Leben nahmen, um der Deportation in ein Vernichtungslager zu entgehen.

Nach der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus war St. Gallenkirch wie ganz Vorarlberg von 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Bevölkerungsentwicklung 1821 hatte Sankt Gallenkirch 1490 Einwohner, die 382 Häuser bewohnten.Gemeinde St. Gallenkirch (Hrsg.): Heimatbuch St. Gallenkirch – Gortipohl – Gargellen. St. Gallenkirch 1988, Eigenverlag, ISBN 3-85430-101-4, S. 209.

Der Ausländeranteil lag Ende 2002 bei 9,9 Prozent. Nach Jahrzehnten des Einwohnerwachstums, in denen Geburten- und Wanderungsbilanz positiv waren, nahm in den Jahren von 2001 bis 2011 die Abwanderung zu. Dies führte zu einem leichten Rückgang der Bevölkerung, der in den Folgejahren aber wieder revidiert werden konnte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kuratienkirche Gortipohl mini|Kuratienkirche Gargellen mini|Überdachte Holzbrücke über die Ill

Katholische Pfarrkirche St. Gallenkirch hl. Gallus in St. Gallenkirch: Ab 1307 stand an dieser Stelle eine Kapelle. Die Kirche wurde 1474 erbaut, 1669 erweitert mit Neubau des Turmes. Katholische Kuratienkirche Gortipohl hl. Nikolaus in Gortipohl: Bei der Renovierung der Kirche im Jahr 1959 wurde bei der Neueindeckung des Kirchturms eine Chronik aus dem Jahr 1854 entdeckt, die Aufschluss über die damalige Zeit gibt. Die Gortipohler Curatiechronik aus dem Jahre 1854 (PDF; 57 kB) Katholische Kuratienkirche Gargellen hl. Maria Magdalena in Gargellen: Vermutlich ab 1411 stand an dieser Stelle eine Kapelle, und die Kirche wurde durch eine Stiftung von Peter Lentsch 1615 erbaut. Der Aufbau des Seitenaltars wurde 1674 von David Bertle erstellt. Die Maisäß Montiel ist noch eine der wenigen Montafoner Maisäßsiedlungen im ursprünglichen Zustand. Die überdachte Holzbrücke nach Gargellen über die Ill am Montafoner Hüsli.

Wirtschaft und Infrastruktur Am Ort gab es im Jahr 2003 68 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 949 Beschäftigten und 23 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 1.176. Tourismus und Fremdenverkehr sind wichtig. Im Tourismusjahr 2007/2008 gab es insgesamt 553.408 Übernachtungen, davon 387.354 im Winter und 166.054 im Sommer.

Bildung In St. Gallenkirch und Gortipohl gibt es je einen Kindergarten sowie je eine Volksschule, und auch der kleine Ortsteil Galgenul besitzt noch eine eigene (einklassige) Volksschule. Die Hauptschule Innermontafon der Gemeinden St. Gallenkirch und Gaschurn befindet sich in Gortipohl.

Am Ort gab es im Schuljahr 2007/2008 239 Schüler, von denen 86 Kinder eine der drei Volksschulen besuchten und 128 Schüler die Hauptschule.

Politik Gemeindevertretung

In Vorarlberg wählen die Bürger alle fünf Jahre die Mitglieder der Gemeindevertretung durch Ankreuzen eines Listen-Wahlvorschlages bzw. durch Mehrheitswahl wenn kein Listenvorschlag vorliegt. Weiters den Bürgermeister durch Ankreuzen eines Wahlvorschlages.

Die Gemeindevertretung wählt in der konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte – sofern keine Wahl durch die Bürger zustande kam – gemäß § 61 Gemeindegesetz einen Bürgermeister und dann einen mindestens dreiköpfigen Gemeindevorstand. Die Zahl dieser „Gemeinderäte“ darf aber gemäß § 55 den vierten Teil der Zahl der Gemeindevertreter nicht übersteigen.

Der Bürgermeister führt den Vorsitz bei den generell öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung, in denen kommunale Belange besprochen und Beschlüsse gefasst werden. Beobachter haben kein Mitspracherecht und kein Stimmrecht. Die Gemeindevertretung kann nach Bedarf Ausschüsse bestellen. Sitzungen des Gemeindevorstandes und der Ausschüsse sind nicht öffentlich.

Sitzverteilung nach den Wahlen

Gemeindevertretungswahlen 1985: SPÖ 10, ÖVP 7, Unabhängige Ortsliste 1. Gemeindevertretungswahlen 1990: SPÖ 13, ÖVP 4, Lebenswerte Heimat 1. Gemeindevertretungswahlen 1995: SPÖ 13, ÖVP 6, Lebenswerte Heimat 3. Gemeindevertretungswahlen 2000: SPÖ 10, ÖVP 9, FPÖ und Lebenswerte Heimat 2. Gemeindevertretungswahlen 2005: SPÖ 11, ÖVP 9, Lebenswerte Heimat und FPÖ 1. Gemeindevertretungswahlen 2010: ÖVP 11, SPÖ 9, Lebenswerte Heimat und FPÖ 1. Gemeindevertretungswahlen 2015: SPÖ 12, ÖVP 9. Gemeindevertretungswahlen 2020: SPÖ 12, ÖVP 9. Gemeindevertretungswahlen 2025: Metnand Föranand 9, ÖVP 8, FPÖ 4.

Bürgermeister

Gemeindewappen Das Gemeindewappen, ein redendes Wappen, entstand im Jahre 1966 nach einem Entwurf des Schrunser Künstlers und Heraldikers Konrad Honold. Es zeigt den Hl. Gallus (mit seinem Attribut, dem Bären), eine Kirche und die beiden gekreuzten Schlüssel des Montafon. Die offizielle Beschreibung lautet: Ein in Göppelschnitt geteilter Schild, vorne in Gold eine rot bekleidete Mönchsgestalt (hl. Gallus) mit einem silbernen Wanderstab in der linken und einem silbernen Brot in der rechten Hand, vor einem kleinen silbernen Bären, hinten in Grün eine silberne schwarzbedeckte Kirche und unten in Schwarz zwei gekreuzte silberne Schlüssel.

Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Josef Feurstein (1887–1973), Landtagsabgeordneter und Seelsorger Söhne und Töchter der Gemeinde

Erika Netzer (1937–1977), Skirennläuferin Fritz Rudigier (1941–2015), Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag und von 1985 bis 2005 Bürgermeister von St. Gallenkirch. Peter Spannring (* 1941), Politiker (SPÖ) und Kammerangestellter Ronald Stampfer (* 1976), Skirennläufer Personen mit Bezug zur Gemeinde

Gabriele Juen (* 1963), ehemalige Landtagsabgeordnete (ÖVP) Markus Schairer (* 1987), Snowboardcross-Weltmeister 2009, SBX-Weltcupgesamtsieger 2008/09. Daniel Zugg (* 1993), Skibergsteiger Elias Leitner (* 2003), Snowboarder

Literatur Josef Zurkirchen: Heimatbuch St. Gallenkirch – Gortipohl – Gargellen. 2. Auflage 1997, ISBN 3-85430-101-4.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Gallus (Heiliger) als Namensgeber