mini|Schruns (Blick von der Montjola) mini|Blick auf Schruns, vom Kapell Schruns () ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im österreichischen Bundesland Vorarlberg im Bezirk Bludenz. Schruns gilt als Hauptort des Montafons.
Geografie Schruns liegt in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, im Bezirk Bludenz auf 690 Metern Höhe im Alpental Montafon an der Litz, einem Nebenfluss der Ill. Von Schruns aus erstreckt sich ein Seitental des Montafons namens Silbertal. Zu Schruns gehört das Hochjoch-Bergmassiv der Verwallgruppe, das durch Bergbahnen und Lifte erschlossen ist.
Die nächste Stadt ist Bludenz, etwa zwölf Kilometer nordwestlich gelegen. Die Gemeinde hat eine Fläche von Quadratkilometer. Davon sind 45 Prozent bewaldet, 23 Prozent sind Alpen und 20 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche.
Im Verordnungsweg weist Schruns 21 Maisäßgebiete mit einer Gesamtfläche von 79,8 Hektar aus. Die gesamt 91 Wohngebäude liegen auf einer Seehöhe zwischen 980 und 1440 Meter. Die Namen sind in alphabetischer Reihenfolge: Bargera, Fratte, Gafall, Galzigg, Gantschierer, Güatli, Hochmaisäß, Kropfen, Lifinar (Schruns), Limat, Natsch, Nigga, Oberbrif, Palottis, Plättisli, Plattes, Rieder, Saganegg, Schwendi, Spiang und Teus.Erläuterungsbericht zur Verordnung der Gemeindevertretung der Marktgemeinde Schruns über die Ausweisung von Maisäßgebieten (Maisäßgebietsverordnung)
Es existieren in Schruns keine weiteren Katastralgemeinden.
Nachbargemeinden
Geschichte Name Früher wurde das Dorf auch Sankt Jossen (zu Jodocus) genannt. 1317 finden wir „Schirun“, 1400 „Scherun“, 1410 „St. Josen in Schiruns“ und ab 1430 immer „Schruns“. Der Name „Schruns“ kommt aus dem Rätoromanischen und soll sich von „Ascherun“ ableiten, was etwa ‚Ahornwald‘ bedeuten würde.Montafoner Heimatbuch (Herausgeber Stand Montafon)
15. Jahrhundert Um 1420 kam Schruns mit dem übrigen Montafon zu Österreich. Lange Zeit unterstand es der Pfarrgemeinde Bartholomäberg. Die Litz bildete die Grenze gegen diese flächenmäßig weit größere Gemeinde. Die Ill, die vor der Hochwasserkatastrophe von 1762 einen wesentlich anderen Verlauf genommen hatte, grenzte Schruns gegen Tschagguns ab. In Urkunden von 1482 und 1484 wurde erstmals die Kirche „St. Josen zu Schruns“ genannt.
16. und 17. Jahrhundert 1579 trennte sich die Kirche Schruns von der Mutterpfarre Sankt Bartholomäberg, und Schruns wurde eigene Pfarrei. Das ganze Gebiet der Außerlitz blieb aber noch länger bei Bartholomäberg.
Im Jahre 1622 wurde Schruns im Dreißigjährigen Krieg von Truppen aus dem Prättigau geplündert, die über das Schlappiner Joch kamen. Zuvor war bereits der umgekehrte Fall eingetreten, als 1621 habsburgische Truppen den Prättigau plünderten.
Die Pest raffte 1591 sowie 1629 viele Menschenleben dahin. Im schweren Lawinenwinter 1689 gab es vier Tote auf dem Stiefen. 1682 brannte die Pfarrkirche ab. Da das mitten am Tage geschah, konnten die umliegenden Häuser gerettet werden. 1696 wurde in Schruns die Handwerkerzunft des Tales gegründet, und als erster Zunftmeister wurde Ulrich Marent bestellt.
18. Jahrhundert Am 1. März 1752 verlieh Kaiserin Maria Theresia den Montafonern das Privileg, jährlich zwei Viehmärkte in Schruns abzuhalten (2. April und 22. September). Auf diesen Märkten wurde das Montafoner Braunvieh gehandelt, bis sie im Jahr 1999 eingestellt wurden. Im Jahre 1754 zählte Schruns bereits 1230 Einwohner.
1762 verwüsteten die Flüsse Ill und Litz bei einer großen Überschwemmung die Felder des Ortes. Zwanzig Häuser fielen den Fluten zum Opfer. Nach langen Bemühungen erhielt Schruns im Jahre 1775 ein eigenes Gericht und gleichzeitig das Recht, allgemeine Märkte abzuhalten.
Zwischen 1796 und 1799 herrschte in Schruns Kriegsnot. Einheimische Schützen unter Landammann Batlogg nahmen an Kämpfen gegen Napoleons Truppen bei Feldkirch und am Schlappiner Joch teil. 1800 wurde der Ort besetzt.
19. Jahrhundert mini|hochkant|Briefmarke der österreichischen Wappenausgabe 1850 mit Ortsstempel von Schruns
In den Jahren 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zu Bayern. Zu dieser Zeit wurde die Talstraße durch Schruns gebaut. Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg abwechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Schruns seit dessen Gründung 1861.
20. Jahrhundert mini|Bau des „Litzdammes“ (1911) mini|Maiaufmarsch 1938 am Kirchplatz vor dem Gemeindeamt mini|Reichsarbeitsdienst-Lager in Außerlitz
Am 14. und 15. Juni 1910 verursachte ein Hochwasser der Ill großen Schaden im Gemeindegebiet. Als Folge wurde 1911 mit dem Bau des Litzdamms begonnen. (PDF; 5,7 MB)
1925/1926 weilte der wohl bekannteste Langzeitgast in Schruns: Ernest Hemingway. Er vollendete in dieser Zeit sein Buch Fiesta, mit dem er seinen literarischen Durchbruch erzielte. Seine Schrunser Zeit fand zudem Niederschlag im Roman Schnee auf dem Kilimandscharo und den Erinnerungen Paris – Ein Fest fürs Leben. Während seines Aufenthalts im Montafon wohnte er im Hotel Taube in Schruns und auch im Madlenerhaus auf der Bielerhöhe (in der Silvretta).
1924 beantragte Schruns die Markterhebung und ein Wappen. Am 1. Juli 1928 fand in Schruns eine große Feier statt, nachdem die Gemeinde bereits am 21. Oktober 1927 vom Landtag unter Ferdinand Redler offiziell zur Marktgemeinde erhoben wurde.Onlineauftritt Marktgemeinde Schruns Geschichte von Schruns96 Gemeindewappen (Ausstellungskatalog des Vorarlberger Landesarchivs), 2008.
Von 1938 bis 1945 gehörte Schruns zum Deutschen Reich und lag im Kreis Bludenz des Reichsgaues Tirol-Vorarlberg. Bereits kurz nach dem Anschluss kam es zu Aufmärschen, etwa zum 1. Mai auf dem Kirchplatz. In etwa auf Höhe des heutigen Sozialzentrums in der Außerlitz befand sich ein Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) für junge Frauen. Als französische Truppen am 4. Mai 1945 ins Montafon einrückten, blieb das Tal von Kampfhandlungen verschont. Lokale Widerstandsgruppen hatten bereits die Aufsicht übernommen und die Soldaten der Wehrmacht entwaffnet. Schruns war danach 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich. Im heutigen „Haus Walser“ an der Bahnhofstraße befand sich die Kommandantur der Franzosen für den Bereich Montafon.
Seit dem Zweiten Weltkrieg erlebte Schruns ein gewaltiges Anwachsen der Wirtschaft und des Fremdenverkehrs. 1946 brannte in Schruns erstmals nach dem Krieg wieder ein Funken – der Funkenmeister war Otto Borger.
Im November 1949 wurde der Skiclub Montafon gegründet. Er bildete einen Zusammenschluss aller Wintersportvereine des Tales und die organisatorischen Voraussetzungen für große, internationale Sportveranstaltungen. Schruns wurde mit den Goldschlüsselrennen in den Jahren von 1963 bis 1983 als Austragungsort von Weltcuprennen im alpinen Skiweltcup bekannt.
1950 wurde in Schruns eine Hauptschule für das Montafon eröffnet, heute Hauptschule Schruns-Dorf.
Im Jänner 1954 lösten sich in diesem schneereichen Winter innerhalb von nur drei Tagen einige hundert Schneebretter, Lawinen und Schneerutsche und forderten 112 Tote in Vorarlberg. Am 11. Jänner 1954 donnerte eine Staublawine vom Monteneu (oberhalb Bartholomäberg) bis hinunter ins Litztobel und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Zusammen mit einer zweiten Lawine am selben Tag starben in den beiden Gemeinden Bartholomäberg und Schruns 23 Personen unter den Schneemassen.Helga Nesensohn-Vallaster: Der Lawinenwinter 1954. Heimatschutzverein Montafon, Schruns 2004, ISBN 3-902225-10-6. Im Herbst 2004 wurde den Opfern auf der Montjola ein Gedenkstein gesetzt, und im Friedhof Schruns erinnert eine Tafel an der Friedhofskapelle mit den Namen aller Toten an die Unglücke.Reha-Klinik Montafon, auf rehaklinik-montafon.at
21. Jahrhundert Aufgrund der vorbildlichen Unterbringung und Betreuung von Asylwerbern ab Dezember 2004 im ehemaligen Krankenhaus Maria Rast erhielt Schruns 2014 die Auszeichnung „Ort des Respekts“.
Nach fast 250 Jahren hart erkämpfter, eigenständiger Gerichtsbarkeit im Montafon wurde das Bezirksgericht Montafon per 30. Juni 2017 endgültig geschlossen,Bezirksgericht Montafon endgültig geschlossen, auf vorarlberg.orf.at während der Stand Montafon bereits 1995 das neue Standesgebäude an der L188 zusammen mit Montafon Tourismus und dem Forstfonds bezogen hat.
Bevölkerungsentwicklung
In den Jahren von 1981 bis 1991 war die Wanderungsbilanz bereits negativ, konnte aber durch die Geburtenbilanz ausgeglichen werden. Von 1991 bis 2001 nahm die Abwanderung so stark zu, dass es zu einem Rückgang der Bevölkerungszahl kam. In den nächsten zehn Jahren war die Wanderungsbilanz beinahe ausgeglichen, die Geburtenbilanz jedoch erstmals negativ. Schruns hatte 2018 mit 2,13 Personen je Haushalt die geringste Haushaltsgröße des Montafons, der Zweitwohnsitzanteil betrug 11,3 Prozent. Mit +944 Personen war Schruns die einzige Gemeinde des Tales, die 2016 eine positive Pendler-Bilanz aufwies.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Münster Schruns mini|hochkant|Litzkapelle mini|hochkant|Franziskusfenster, Schruns, Franziskuskapelle Rieder Maisäß mini|hochkant|Montafoner Heimatmuseum Schruns mini|hochkant|Johann-Josef-Batlogg-Denkmal mini|Litzpromenade Schruns mit Blick zu Saulakopf und Zimba
Katholisches Schrunser Münster St. Jodok: Mitten in Schruns am Kirchplatz steht die Pfarrkirche zum Heiligen Jodok, die in den Jahren 1865 bis 1867 erbaut wurde. Sie überrascht im Inneren durch ihre reiche Ausstattung mit Bildern und Statuen, und sie gehört heute zu den selten gewordenen Kirchen, die noch ganz einheitlich im Nazarenerstil des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gehalten sind. Die Kirche wurde mit Bescheid des Bischofs von Feldkirch vom 10. Dezember 2019 per 8. März 2020 als erste österreichische Pfarrkirche zum Münster erhoben.
Litzkapelle: Seit mehr als 300 Jahren steht am Beginn des Dorfzentrums von Schruns, an der Abzweigung nach Bartholomäberg, eine anmutige kleine Wallfahrtskapelle. Der Sage nach stand hier früher ein fruchtbarer Birnbaum. Als dieser unerwartet verdorrte, erbaute der Besitzer 1688 an seiner Stelle dieses kleine Kirchlein. Im Mittelpunkt der Kapelle steht heute auf dem Renaissancealtar eine von vielen Menschen verehrte Madonnenstatue.Onlineauftritt sagen.at Entstehung der Litz-Kapelle Die Skulpturen des Altares stammen vom Tiroler Bildhauer Melchior Lechleitner. Im Jahre 1981 wurde die Kapelle von Konrad Honold restauriert, wobei sich herausstellte, dass das Deckengemälde „Immaculata“ (lat.: „die Unbefleckte“) aus dem Jahre 1886 vom Schrunser Kunstmaler Jakob Bertle stammt.sagen.at zu Litzkapelle Konrad Honold hat Werk von Jacob Bertle festgestellt An der Außenfassade erinnert das in Marmor gehauene Wappen der Grafen von Starhemberg an Ernst Rüdiger Camillo Maria Starhemberg, der 1956 bei dieser Kapelle im 57. Lebensjahr den Herztod erlitt.
Kloster Gauenstein Franziskus-Kapelle: 2001 wurde die kleine Bergkapelle auf der Rieder Maisäß errichtet. Sie ist dem Heiligen Franziskus geweiht. 2011 erhielt sie fünf kleinformatige Fenster aus der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck in München.