Dangla, Selbstbezeichnung daŋla, auf Französisch dangaléat genannt, ist eine in der Region um die Stadt Mongo im südlichen Tschad gesprochene Sprache oder Gruppe nahe verwandter Sprachen. Man unterteilt das Sprachgebiet in West- und Ost-Dangla, oder in West-, Zentral- und Ost-Dangla. Je nach Auffassung handelt es sich dabei um mehrere eng verwandte Sprachen oder um Dialekte einer einzigen Sprache. Das Dangla gehört zur Ostgruppe der Familie der Tschadischen Sprachen. Es wird von ca. 45.000 Personen gesprochen, die zumeist auch das Tschadisch-Arabische beherrschen, von dem das Dangla tendenziell verdrängt wird.

Die folgende Darstellung bezieht sich auf das Ost-Dangla, das am besten dokumentiert ist. Über die Grammatik des West-Dangla ist bisher wenig bekannt.

Lautsystem Konsonanten

Labiale Dentale Palatale Velare stimmlose Plosive p t c k stimmhafte Plosive b d j g Implosive ɓ ɗ ʄ Nasale m n ɲ ŋ

Dazu kommen die Frikative s und z, die Glides w und y, die Sonoranten r (trill), ɾ (flap, recht selten) und l, sowie marginal (nur in arabischen Fremdwörtern) die Glottale h und ʔ.

In der Grammatik von Shay werden Nasalverbindungen wie mb, nd, ɲj, ŋg als eigene Phoneme angesetzt. Allerdings scheint kein Wort mit einer solchen Verbindung zu beginnen.

Vokale Das Dangla unterscheidet 7 Vokale: u, o, ɔ, a, ɛ, e, i, die jeweils kurz oder lang (dann hier doppelt geschrieben) vorkommen.

Von diesen Vokalen sind allerdings ɔ und ɛ relativ selten und kommen meist nur in der langen Version vor. Durch eine vokalharmonische Regel werden o und e zu ɔ bzw. ɛ umgefärbt, wenn das Wort schon ein ɔ oder ɛ enthält. Dadurch entstehen dann auch kurze ɔ, ɛ. So verbindet sich gɛ̄ɛ̄mì „Leute“ + cò „ihre(pl.)“ zu gɛ̄ɛ̄mcɔ̀ „ihre Leute“ (mit Anpassung o > ɔ).

Töne Das Dangla ist eine Tonsprache mit drei Registern, die hier durch Akzente auf den Vokalen dargestellt werden: á hoch, ā mittel, à tief. Seltener kommt es auch zu kombinatorischen Tönen: â hoch-tief-fallend, ǎ tief-hoch-steigend; in vielen derartigen Fällen ist noch erkennbar, dass in der Folgesilbe ein Vokal ausgefallen ist und die Töne ehemals zweier Silben auf der einzigen verbleibenden Silbe zusammengezogen wurden (einige Beispiele folgen weiter unten).

Unter ähnlichen Umständen können gelegentlich auch wortfinale Konsonanten einen eigenen Ton tragen.

Es ist als grundsätzliche Regel erkennbar, dass ein Mittelton zu einem Hochton wird, wenn im selben Wort ein Hochton folgt. Daher kombiniert sich beispielsweise rōŋ „Sohn“ + tí „ihr (fem. sg.)“ zu róntí „ihr Sohn“, oder sūgīnē „Markt“ + Lokativendung -írá zu súgínírá „auf dem Markt“. Die Abfolge mittel + hoch kommt folgerichtig innerhalb eines Wortes kaum vor. Ansonsten scheinen alle Abfolgen von Tönen gut belegt zu sein.

Die Töne können grammatische Formen sowie auch verschiedene Vokabeln unterscheiden (z. B. sīŋ „Bruder“, sìŋ „Name“).

In der Grammatik kommt es häufig zu komplizierten Tonwechseln, die hier nicht immer im Detail dargestellt werden und auch noch nicht alle genau erforscht sind.

Pausal- und Kontextform Viele auf einen Vokal endende Wörter verlieren ihren Endvokal, sobald sie im Satzkontext gebraucht werden. Dadurch entsteht ein Kontrast zwischen einer Pausalform und einer Kontextform, wie man ihn auch in manchen anderen tschadischen Sprachen findet. In einem Teil der Fälle wird dabei der Ton des ausfallenden Vokals auf die vorige Silbe übertragen; dies scheint vor allem der Fall zu sein, wenn ein hochtoniger Vokal ausfällt. Einige Beispiele:

ɗùbīlè „junger Mann“ + ɾákkí „eins“ > ɗùbīl ɾákkí „ein (einziger) junger Mann“ dààɗí „Frau“ – dàáɗ kàttíté „die Frau ging“ (durch Tontransfer wird der Tiefton auf -aa- zum steigenden Ton) mìcā „Mädchen“ – mīc tī āwàllē „das erste Mädchen“ (der Mittelton des ausfallenden Vokals ersetzt den Tiefton des Stammes) gɛ̄ɛ̄mì „Leute“ – gɛ̄ɛ̄m òòkíɲcō „alle Leute“ sámàànē „schön“ – sámààn sìmàr „sehr schön“ mìcīlè „Löwe“ – mìcīl ŋàs „der Löwe sagte“ dììrá „gestern“ – dìír nō kàtē „gestern ging ich“

Ein Wort mit zwei Konsonanten vor dem Endvokal wie bèrkā „Kuh“ verliert seinen Vokal nicht, da sich sonst im Kontext Gruppen von drei Konsonanten ergeben würden, was im Dangla nicht zulässig ist.

Sehr wichtig ist dieser Effekt auch in der Morphologie. So verlieren Verbalstämme normalerweise ihren Endvokal, sobald Suffixe angefügt werden. Dies wird unten noch ausführlicher dargestellt.

Substantiv Geschlecht Das Dangla hat zwei grammatische Geschlechter: Maskulinum und Femininum. Bei Personenbezeichnungen fällt dieses mit dem natürlichen Geschlecht zusammen. Ansonsten ist das Geschlecht, ähnlich wie im Deutschen, kaum aus der Bedeutung oder Form des Substantivs vorherzusagen. Das Geschlecht wird durch die Kongruenz anderer Wörter mit dem Substantiv ersichtlich.

Plural Substantive bilden eine Pluralform. Die Pluralbildung ist insgesamt sehr unregelmäßig und kann durch Suffixe und/oder verschiedenerlei Änderungen des Stammes geschehen. Beispiele:

Suffix: ìlgò (fem.) „Jahr“ – ìlgày „Jahre“ pìsō (mask.) „Pferd“ – pìsày „Pferde“ bākō (mask./fem.) „Nachbar(in)“ – bākìnà „Nachbarn“

Tonveränderung: rōŋ (mask.) „Sohn“ – ròmā (fem.) „Tochter“ – ròŋ „Kinder“ pósíŋ (mask.) „Hand“ – pòsíŋ „Hände“

Suffix + Tonveränderung: kāɲà (mask.) „Hund“ – káɲí „Hunde“ gēmsò (fem.) „Mädchen“ – gèmsá „Mädchen (pl.)“

Suffix + innerer Vokalwechsel: gēr (mask.) „Haus“ – gēērày „Häuser“ gēmò (mask.) „Mensch“ – gɛ̄ɛ̄mì „Menschen, Leute“ bérkí (mask.) „Rind“ – bārkày „Rinder“ étí (mask.) „Baum“ – ātày „Bäume“ sērpè (fem.) „Seite“ – sèrápí „Seiten“

Teilreduplikation + innerer Vokalwechsel: kààlō (mask.) „Stern“ – kàlàlì „Sterne“ ɗúrkúlì (mask.) „Esel“ – ɗùrkīlkàl „Esel (pl.)“

Stammwechsel: máákítí (mask.) „Ding“ – gāmì „Dinge“

Demonstrativsuffixe Den deutschen Demonstrativpronomina entsprechen im Dangla Demonstrativsuffixe am Substantiv. Eine übliche Reihe ist:

-ìkā (mask.), -ìtā (fem.), -àkū (Plural):

kāɲà „Hund“ – kāɲìkā „dieser Hund“ dààɗí „Frau“ – dàáɗìtā „diese Frau“ ʄírìyè „Tag“ – ʄīrìtā „dieser Tag; heute“

Die Demonstrativsuffixe können sich in der Funktion einem bestimmten Artikel nähern. Nicht selten treten sie auch mit einem Possessivsuffix zusammen auf: sīn-dùùkā „dieser mein Bruder“ (< dù + ìkā)

Genitiv Das Substantiv bildet einen Genitivkasus. Dessen Endung lautet -dì nach Konsonant, -rì (auch -r̀) nach Vokal, manchmal auch -ó, vor allem nach Palatalstämmen. Ferner können Tonveränderungen auftreten.

Die Genitivverbindung besteht aus drei Teilen: Bezugswort – Konnektor – Nomen im Genitiv. Der Konnektor kongruiert mit dem Bezugswort und hat die Formen kā (mask.), tā (fem.), kū (pl.), die an diejenigen der Demonstrativsuffixe erinnern. Beispiele: wàjīīn tā kóórì „Mangel an Sorghum“ (kóó „Sorghum“) būldìg kū ámíyó „Krüge von Wasser“ (āmày „Wasser“) kūm kā káɲó „Hundefleisch“ (kāɲà „Hund“) ààr gééró „Rückseite des Hauses“ = „hinter dem Haus“ (gēr „Haus“)

Der Genitiv ist auch von Infinitiven bildbar. Er endet dann auf -ndì: gām kū téndì „Dinge des Essens“ = „Dinge zum essen“

Lokativ Substantive bilden des Weiteren eine Lokativform mit dem Suffix -dì (nach Konsonant) / -írá (nach Vokal): bótól „Straße“ – bòtōldì „auf der Straße“ sūgīnē „Markt“ – súgínírá „auf dem Markt“

Adjektiv Die Wortart der Adjektive ist im Dangla recht begrenzt. Das Adjektiv folgt seinem Bezugswort. Einige Adjektive folgen dem Substantiv direkt: gēmsò sámàànē „ein schönes Mädchen“

Andere Adjektive müssen mit einem Konnektor kī (mask.), tī (fem.), kū (pl.) angeschlossen werden (vgl. die ähnliche Syntax bei Genitivverbindungen): kòkīr tī pùrtà „ein weißes Huhn“ (kòkīr ist Kontextform von kòkìrā „Huhn“) būw kū ōyyā „die gute Milch“ (das Wort für „Milch“ wird als Plural behandelt)

Personal- und Possessivpronomen Übersicht Es ist zwischen folgenden Pronomina zu unterscheiden: Selbständige Pronomina, die Pausalformen und Kontextformen besitzen. Subjektspräfixe. Diese drücken das Subjekt aus und müssen dem Verb unmittelbar vorangehen. Subjektssuffixe. Diese drücken das Subjekt aus und müssen dem Verb unmittelbar folgen. Objektssuffixe. Hier ist zu unterscheiden zwischen einer Serie 1, die man verwendet, wenn das Subjekt links vom Verb steht und das Objektsuffix dem Verb also direkt folgt, und einer Serie 2, die hinter Subjektssuffixen gebraucht werden. Possessivsuffixe hinter Substantiven; mit diesen nahezu identisch sind Dativsuffixe hinter dem Verb.

Das Dangla macht zwei Unterscheidungen, die dem Deutschen fremd sind, nämlich eine Unterscheidung des Geschlechts in der 2. Person Singular, sowie eine Unterscheidung der 1. Person Plural in eine inklusive („ich und du/ihr“) und eine exklusive Variante („ich und andere“).

Hier eine Formenübersicht. In der Tabelle werden Formen, die identisch sind oder sich nur im Ton unterscheiden, soweit möglich in einer Zelle zusammengefasst:

selbständig(Pausalform) selbständig(Kontextform) Subjekts-präfix Subjekts-suffix Objekts-suffix 1 Objekts-suffix 2 Possessiv-suffix 1. sg. „ich“ nōōnò nōōn nō -īnō -du 1. pl. incl.„wir (mit dir/euch)“ nììrà nììr nì -yē(n) -te 1. pl. excl.„wir (ohne euch)“ nííníŋ níín ní -níŋ 2. sg. mask. „du“ kíníŋ kín kí -īɲē -jiŋ 2. sg. fem. „du“ káníŋ kán ká -kē(n) -ke 2. pl. „ihr“ kúnúŋ kú -koŋ 3. sg. mask. „er“ ŋààrà ŋàà(r) ŋà -jī -ga -jì 3. sg. fem. „sie“ cààrà càà(r) cà -tí -ca -tí 3. pl. „sie“ ŋùùra ŋùù(r) ŋù -īyō -gu -cò

Einzelheiten zum Ton Die Suffixe -tí (3. sg. fem.) und -níŋ (1. pl. excl.) haben einen inhärenten Hochton in allen Verwendungen. Davon abgesehen gilt: Subjektsuffixe sind immer mitteltonig (z. B. -kōŋ „ihr“). Objektssuffixe der Serie 2 sind immer tieftonig (z. B. -kòŋ „euch“). Objektssuffixe der Serie 1 sind tief- oder mitteltonig nach einer Verteilung, die hier nicht näher erläutert wird. Possessivsuffixe sind immer tieftonig (z. B. -dù „mein“, -kòŋ „euer“). Werden sie als Dativsuffixe verwendet, so kommen sie unter Umständen auch mitteltonig vor.

Possessivsuffixe Possessivsuffixe werden an Substantive angehängt und entsprechen den deutschen Possessivpronomina. Bei den Possessivsuffixen sind folgende Besonderheiten zu beachten: „mein“, normalerweise -dù, wird nach Vokal zu -r reduziert, wobei der Vokal zu -o- umgefärbt wird, sofern es sich nicht um den einzigen Vokal des Wortstammes handelt „dein (mask.)“, normalerweise -jìŋ, wird nach Vokal zu -ɲ reduziert, wobei der Vokal zu -e- umgefärbt wird „sein“, normalerweise -jì, wird nach Vokal zu -y reduziert, wobei der Vokal zu -e- umgefärbt wird das Suffix -tí „ihr“ ruft einen Hochton auch auf der vorangehenden Silbe hervor

Beispiele: pósíŋ „Hand“ – pósíɲjìn „deine(mask.) Hand“ sīŋ „Bruder“ – sīɲjì „sein Bruder“ – sīŋkòŋ „euer Bruder“ ròmā „Tochter“ – ròmòr „meine Tochter“ – ròmèy „seine Tochter“ bɔ̀̀ɔ̀̀ „Schwester“ – bɔ̀̀ɔ̀̀r „meine Schwester“ – bɔ̀̀ɔ̀̀ɲ „deine(m) Schwester“ – bɔ̀̀ɔ̀̀y „seine Schwester“ – bɔ̀̀ɔ̀̀níŋ „unsere Schwester“ dààɗí „Frau“ – dāācòr „meine Frau“ – dāācèɲ „deine Frau“ – dāācèy „seine Frau“ (unregelmäßige Stammänderung) kàà- „Kopf“ – kààr „mein Kopf“ – kààɲ „dein(m) Kopf“ – kàày „sein Kopf“ – kààtí oder kàát „ihr(f) Kopf“ bī- „Mund“ – bīy „sein Mund“ – bítí „ihr(f) Mund“ yàà- „Mutter“ – yààníŋ „unsere Mutter“ – yààkòŋ „eure Mutter“ ādì „Magen“ – ādèy „sein Magen“ dìlō „Freund“ – dìlēy „sein Freund“ sàdíígà „Freund“ – sàdiígòr „mein Freund“ gūrùsnē „Geld“ – gūrùsnōr „mein Geld“ mɛ̀tà „Mann“ – míttí „ihr(fem.) Mann“

Einige Substantive wie kàà- „Kopf“, bī- „Mund“, tát- „Vater“ und yàà- „Mutter“ werden nie ohne ein Possessivsuffix gebraucht.

Es ist unüblich, Bezeichnungen für die Elternteile mit Possessivsuffix im Singular zu verbinden. Man sagt daher tán-níŋ „unser Vater“ (besser als *„mein Vater“) oder yàà-kòŋ „eure Mutter“ (besser als *„deine Mutter“).

Verb