Der Balkanfeldzug vom Frühjahr bis August 335 v. Chr. war das erste militärische Engagement des makedonischen Königs, Alexanders des Großen. Er hatte im Vorfeld des aufwendig geplanten Feldzugs gegen Persien die Unterwerfung „barbarischer“ Stämme im heutigen Bulgarien, Rumänien, Mazedonien und Albanien zum Ziel und wurde erfolgreich beendet.

Hintergrund

Bereits König Philipp II. hatte in mehreren Feldzügen die im Nordosten, Norden und Nordwesten von Makedonien angrenzenden barbarischen Völker der Thraker und Illyrer besiegt und sie seiner Herrschaft unterworfen oder vertraglich ruhiggestellt. Für seinen 338 v. Chr. initiierten Asienfeldzug gegen Persien, den er als Hegemon des Hellenenbundes bestreiten wollte, musste Ruhe für das europäische Hinterland gewährleistet sein. Den Gesetzmäßigkeiten der Geschichte des antiken Griechenland folgend, brachte die Ermordung Philipps II. im Jahr 336 v. Chr. das von ihm geschaffene Bündnissystem ins Wanken. Nach seinem Herrschaftsantritt zog Alexander zunächst nach Korinth, wo er sich von den griechischen Poleis, darunter auch Theben und Athen, als neuer Hegemon bestätigen und der Gültigkeit der zwischenstaatlichen Verträge vergewissern ließ. In Korinth erfuhr er schließlich von den Abfallbewegungen der barbarischen Stämme, worauf er sofort nach Makedonien zurückkehrte und das Heer in Amphipolis einberief.Mamur Parium B2.

Alexander gedachte den Feldzug so schnell wie möglich durchzuführen, um den Stämmen keine Organisationszeit zu lassen, weshalb dieser Feldzug nach einigen Historikern wie Alexander Demandt den Charakter eines antiken „Blitzkrieges“ aufwies.Siehe Demandt, S. 96.

Verlauf

Der einzige erhaltene detaillierte Bericht zum Balkanfeldzug wurde von Arrian (Anabasis 1, 1–5) verfasst, der nach eigener Aussage seine Informationen aus der Alexander-Vita des Ptolemaios schöpfte. Für Diodor (Bibliothéke historiké 17, 8, 1–2) war er nur in zwei Sätzen erwähnenswert.

Gegen die Thraker am Haimos

Alexander zog im Frühjahr 335 v. Chr., sobald die Jahreszeit es erlaubte, seine Truppen in Amphipolis zusammen. Er gedachte nur junge noch weitgehend unerfahrene Krieger mitzuführen, die Altgedienten sollten zur Sicherung Makedoniens unter dem bewährten Reichsverweser Antipatros zurückbleiben. Die Heeresstärke für den Feldzug wird auf 15.000 oder 25.000 Infanteristen, sowie 5.000 Kavalleristen geschätzt.Für 15.000 Infanteristen siehe Roisman/Worthington, S. 191; für 25.000 Infanteristen siehe Hammond, S. 80. Alexander gedachte zuerst ostwärts gegen die Thraker zu ziehen. Der Zug marschierte zunächst nach Philippopolis (Plowdiw), sicherte dort den nah liegenden Berg Orbelos und erreichte den Fluss „Nessos“ (wohl der Nestos) überquerend die Ausläufer des Haimos (Balkangebirge). Dafür wurden nicht mehr als zehn Tage benötigt.

Die Thraker hatten ihre Krieger jenseits des einzig gangbaren Passes über den Haimos positioniert, wohl den Schipkapass, an dem sie die Makedonen aufzuhalten gedachten. Auf der Passspitze hatten sie ihre Trosswagen aufgestellt, die allerdings nicht für eine Blockade gedacht waren, sondern gegen die in geschlossener Formation vormarschierenden Makedonen von dem Pass heruntergerollt werden sollten. Alexander hatte dies allerdings früh erkannt und seiner Phalanx die Öffnung ihrer Reihen befohlen, sobald die Wagen den Pass herunter stürzten. Diejenigen Krieger, die nicht rechtzeitig zur Seite ausweichen konnten, sollten sich auf den Boden werfen und sich unter ihre Schilde verkriechen, so dass die Wagen über sie hinwegrollen konnten. Laut Arrian ist bei diesem Manöver nicht ein Makedone umgekommen. Nachdem diese Gefahr überwunden war, stellte sich die Phalanx wieder in Formation auf und setzte ihren Vormarsch bergan fort. Während die Bogenschützen vor der Front marschierten und die wartenden Thraker mit einem Pfeilhagel eindeckten, hatte sich Alexander an der Spitze seiner Schildträger (hypaspistes) an die linke Flanke der Phalanx gestellt. Als Makedonen und Thraker schließlich zum Nahkampf aufeinander trafen, konnte er von seiner Position aus die Flanke der Thraker aufrollen und sie somit schnell schlagen. Etwa 1.500 Thraker fielen im Kampf, mehr noch wurden samt ihren anwesenden Frauen und Kinder gefangen genommen, die in den Süden zum Sklavenverkauf deportiert wurden.

Gegen die Triballer am Lyginos

Nachdem Alexander so den Übergang über den Haimos nach Norden erzwungen hatte, stellten sich ihm als Nächstes die Triballer. Deren König Syrmos hatte die Frauen und Kinder seines Volkes auf die Insel Peuke im Donaudelta evakuiert, auch er gedachte sich mit seinen Kriegern dorthin abzusetzen. Doch ein großer Heerhaufen floh an den Fluss Lyginos (Rossiza) direkt in den Marschweg der heranziehenden Makedonen. Um gegen diese bestehen zu können, zogen sich die Triballer in ein am Ufer gelegenes Waldgebiet zurück, in dem sie die Geschlossenheit der makedonischen Phalanx aufzuheben hofften. Alexander aber ließ sich und seine Phalanx nicht in den Wald locken und positionierte sie auf einer Ebene vor ihm, flankiert vom Gros der Hetairenreiterei unter Philotas zu ihrer Rechten und der Schwadronen des Herakleides und Sopolis zu ihrer Linken. Stattdessen schickte er seine Bogenschützen und Schleuderer voraus, die mit ihren Pfeilen und Steinen die Triballer zum Verlassen des Waldes provozieren sollten. Tatsächlich ging diese Taktik auf und die kaum gerüsteten und nur leicht bewaffneten Triballer ließen sich auf das Schlachtfeld locken, wo sie im anschließenden Kampf hoffnungslos unterlagen. Etwa 3.000 von ihnen wurden getötet, während bei den Makedonen lediglich 40 Infanteristen und 11 Kavalleristen gefallen waren.

Gegen die Geten am Istros

Nach drei Marschtagen erreichten die Makedonen das Mündungsdelta des Istros (Donau), auf dessen Insel Peuke die restlichen Triballer, samt Familien und auch einige Thraker geflohen waren.Zur Identifizierung von Peuke als eine der Inseln des Donaudeltas siehe Strabon 7,3,15. Vor Ort ließ Alexander einige Schiffe aus Byzantion requirieren, die er mit Bogenschützen und schwerer Infanterie (pezhetairoi) besetzen ließ. Mit ihnen steuerte er Peuke an; die ihm unterwegs in nur kleinen Booten entgegen fahrenden Triballer wurden schnell geschlagen. Auf eine Landung an der Insel verzichtete er letztlich dennoch, da sich dafür die Strömung als zu gefährlich erwies und die Landestellen zu stark befestigt waren. Außerdem hatte sich am Nordufer der Donau inzwischen der Stamm der Geten mit 10.000 Kriegern zu Fuß und 4.000 zu Pferd postiert, die zu schlagen für Alexander eine größere Herausforderung darstellte. Die auf Peuke geflohenen Triballer wurden so von einem Schicksal wie dem der Thraker verschont.

Die Geten beobachteten die Bewegungen der Makedonen am Südufer genau und verhinderten somit deren Übergang. Nachdem aber Alexanders Aufklärer entlang des Flusslaufes eine günstige Stelle gefunden hatten, setzte er im Schutz der Nacht mit 4.000 Infanteristen und 1.400 Kavalleristen auf das Nordufer über. An der betreffenden Stelle schloss sich dem Ufer ein hoch gewachsenes Kornfeld an, in dem sich die Makedonen sofort versteckten. Um doch nicht erkannt zu werden, mussten die Infanteristen ihre langen Lanzen (Sarissa) horizontal tragen und die Reiter von ihren Pferden absitzen. Die Geten bemerkten diese List erst, nachdem die Makedonen am folgenden Tag, zu einem Karree formiert, mit der Kavallerie zu ihrer Rechten das Kornfeld verließen. Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit flohen die Geten auf diese Überraschung hin in ihre nah gelegenen Stadt und weil diese nur unzureichend befestigt war, luden sie dort ihre Frauen und Kinder auf die Pferde und flohen mit ihnen in die weiten Steppen der heutigen Ukraine. Alexander konnte somit die Getenstadt kampflos einnehmen, die er zerstören ließ. Den dort erbeuteten Geten-Tross überantwortete er seinen Offizieren Meleagros und Philippos, die ihn nach Makedonien transportieren sollten.

Nach seinem Sieg empfing Alexander an der Donau die Abgesandten der unterlegenen Thraker, Triballer und Geten, die um Freundschaft baten und sich zu Gehorsam und Tribut verpflichteten. Die erste Phase des Feldzuges war damit erfolgreich abgeschlossen. Zum Dank seines Sieges opferte er anschließend Zeus und seinem mythologischen Ahn Herakles, wie auch Ister, für seinen unbeschadeten Übergang über ihren Fluss.

Flussläufe, Meerengen oder Gewässer im Allgemeinen stellten in der Antike wichtige Grenzmarkierungen dar, mit deren Überquerung häufig unwiderrufliche Entscheidungen und Marksteine in der historischen Erinnerung in Verbindung gebracht wurden und werden. Man denke nur an die Übergänge des Caesar über den Ärmelkanal nach Britannien oder den Rhein nach Germanien, wie auch die Durchschreitung des Rubikon. Auch Alexander maß ihnen eine hohe Bedeutung bei, als Nachweise der von ihm erbrachten Leistungen, die historische wie auch mythologische Vorbilder übertreffen sollten. Vor und nach ihm konnte kein anderer makedonischer König, noch irgendein bedeutender Hellene überhaupt, am Nordufer der Donau eine kultische Handlung begehen und olympische Götter ehren. Später zog er in Asien über den Jaxartes (Syrdarja) um die Skythen zu besiegen und um an dessen Ufer die Stadt Alexandria Eschatē („die Äußerste, die Entfernteste“; heute Chudschand) zu gründen, dort wohin noch nicht einmal der Perserkönig Kyros II. gelangt war, dessen Grenzfestung Kyropolis noch etwas südlicher lag. Um den östlichen Ozean zu erreichen, drang Alexander in Indien über den Indus hinaus bis zum Hyphasis (Beas) vor, einem der letzten Flussarme des Punjab, wo ihn allerdings sein Heer zur Umkehr zwang. Und doch hatte er dabei die Eroberungen des Dareios I. übertroffen, der nur bis zum Indus gekommen war, wie auch den mythischen Feldzug des griechischen Gottes Dionysos, für den Nysa westlich des Indus die Grenze seiner Weltfahrten markiert haben soll.Siehe Demandt, S. 249–250.

Ebenso wie an der Donau, opferte Alexander später auch am Nil, am Jaxartes, am Hyphasis und an der Indusmündung und ließ Altäre errichten, als Zeugnisse seiner Taten, die bis in die entferntesten Gegenden der damals bekannten Welt reichten.

Gegen die Dardaner und Taulantier bei Pelion

Bereits an der Donau hatte Alexander von der Erhebung der illyrischen Stämme der Dardaner und Taulantier erfahren, von denen erstere unter ihrem König Kleitos bereits die Grenzstadt Pelion eingenommen hatten, die als Einfallstor nach Makedonien bestens geeignet war. So schnell wie möglich marschierte Alexander entlang dem oberen Strymon (Struma) und durch das Tal des Axios (Vardar) Richtung Pelion, dabei das Land der ihm treu gebliebenen Stämme der Agrianen und Paionier, gelegen im heutigen Mazedonien, querend. Der ebenfalls rebellische Illyrerstamm der Autariaten (im heutigen Nordalbanien siedelnd) beabsichtigte die Makedonen auf ihrem Marsch zu überfallen, doch kam ihnen der Agrianenfürst Langaros zuvor, der sie schnell besiegte. Für diese Tat erhielt er die Freundschaft Alexanders und das Heiratsversprechen mit dessen Halbschwester Kynane, allerdings starb der Fürst kurz nachdem er in sein Stammesgebiet zurückgekehrt war.