mini|hochkant=1.6|Liniennetzplan der Metro Brüssel. Die als „Premetro“ angegebene Tunnelstrecke im Stadtzentrum soll Teil einer neuen Metrolinie (Linie 3) werden. mini|160px|Logo der Metro Brüssel Die Metro Brüssel (, ) bildet zusammen mit der Straßenbahn und der S-Bahn das Rückgrat des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs in der Region Brüssel-Hauptstadt, die neben dem Stadtgebiet Brüssels 18 weitere selbstständige Gemeinden umfasst, die ein zusammenhängendes städtisches Siedlungsgebiet bilden. Die U-Bahn entwickelte sich schrittweise aus dem Straßenbahnnetz durch Verlegen von Straßenbahnstrecken in Tunnel, welche dann stufenweise auf U-Bahn-Betrieb umgestellt wurden. Die erste U-Bahn-Strecke wurde 1976 eröffnet. Betreiber des Systems mit derzeit vier Linien ist die Société des Transports Intercommunaux de Bruxelles/Maatschappij voor het Intercommunaal Vervoer te Brussel, kurz STIB/MIVB.
Liniennetz mini|Von Norden in die Station Belgica einfahrender Zug der Linie 6, die im Linksverkehr betrieben wird Das Brüsseler Metrosystem hat auf einer Länge von 38 Kilometern 59 Stationen und wird regulär zwischen 5 Uhr und 1 Uhr des Folgetages betrieben. Es umfasst vier U-Bahn-Linien, wobei je zwei Linien längere Streckenabschnitte gemeinsam nutzen. Der durchschnittliche Stationsabstand beträgt 650 m, oft wurde bei der Umstellung vom Straßenbahn- zum U-Bahn-Betrieb die Lage der Haltestellen beibehalten. Die Züge der einzelnen Linien fahren zur Spitzenzeit in 5- bis 6-Minuten-Intervallen, durch die Linienüberlagerungen ergeben sich auf vielen Streckenabschnitten 2½- bis 3-Minuten-Intervalle.
Die Linien 1 und 5 verkehren zusammen auf der in Ost-West-Richtung führenden Strecke durch die Innenstadt vom Westbahnhof bis Merode. Am östlichen Ende dieser Strecke teilt sie sich in zwei Äste auf, die jeweils von einer der beiden Linien befahren wird. Die Linien 2 und 6 verkehren auf dem „Kleinen Ring“ (Petite Ceinture bzw. Kleine Ring). Ergänzt wird das Netz durch unterirdische Straßenbahnstrecken (Premetro), wobei die von den Tramlinien 4 und 10 befahrene Nord-Süd-Strecke durch die Innenstadt die wichtigste ist.
Linienübersicht Stand: 25. April 2020 Linie Farbe Strecke Länge Fahrzeit Stationen 1 Lila Gare de l’Ouest/Weststation – Beekkant – De Brouckère – Gare Centrale/Centraal Station – Arts-Loi/Kunst-Wet – Schuman – Merode – Montgomery – Tomberg – Alma – Stockel/Stokkel 12,5 km26 min 21 2 Orange Simonis – Beekkant – Gare de l’Ouest/Weststation – Gare du Midi/Zuidstation – Louise/Louiza – Arts-Loi/Kunst-Wet – Rogier – Elisabeth 10,3 km20 min 19 5 Gelb Erasme/Erasmus – CERIA/COOVI – Bizet – Saint-Guidon/Sint-Guido – Gare de l’Ouest/Weststation – Beekkant – De Brouckère – Gare Centrale/Centraal Station – Arts-Loi/Kunst-Wet – Schuman – Merode – Delta – Herrmann-Debroux 17,3 km36 min 28 6 Blau Roi Baudouin/Koning Boudewijn – Heysel/Heizel – Bockstael – Simonis – Beekkant – Gare de l’Ouest/Weststation – Gare du Midi/Zuidstation – Louise/Louiza – Arts-Loi/Kunst-Wet – Rogier – Elisabeth 15,5 km30 min 26 Hinweis: Die Stationen Simonis und Elisabeth bilden einen gemeinsamen Stationskomplex mit Umsteigemöglichkeit untereinander und zum S-Bahnhof Simonis. Bis zum 5. November 2013 hießen beide Bahnhofsteile Simonis, doch wurden sie wegen der verwirrenden Beschilderung für die Ringlinie umbenannt.
Stationen Von den 59 Metrostationen befindet sich ein Großteil unter dem Straßenniveau. Ein Teil davon trägt wegen der Zweisprachigkeit Brüssels einen französischen und einen flämischen (niederländischen) Namen, wobei der französische oder der niederländische an erster Stelle steht, so etwa Weststation / Gare de l'Ouest, Botanique / Kruidtuin und Roi Baudouin / Koning Boudewijn. Zuweilen weichen die niederländische und die französische Orthografie der Ortsnamen voneinander ab, etwa Boondaal / Boondael und Schaarbeek / Schaerbeek.Mal rechts, mal links. In: Straßenbahn Magazin 1/2004, S. 48 ff. Die Zusätze rue/straat, place/plein usw. entfallen in den Stationsbezeichnungen, so, wie es in vielen U-Bahn-Netzen in französischsprachigen Ländern oft vorkommt (vgl. Concorde an der Place de la Concorde und Raspail am Boulevard Raspail in Paris).
Vier U-Bahnhöfe sind Umsteigebahnhöfe innerhalb des Metrosystems, an zehn Stationen gibt es Übergänge zu Eisenbahnstrecken der NMBS/SNCB inklusive vieler Linien des S-Zug-Netzes Brüssel. Daneben gibt es zahlreiche Umsteigebeziehungen zur Straßenbahn inklusive den unterirdischen Straßenbahnlinien der Premetro sowie dem Linienbusverkehr.
mini|Zugang zur Station De Brouckère mit blauem Erkennungsschild Es gibt im Netz sowohl Seitenbahnsteige als auch Mittelbahnsteige, die Bahnsteiglänge beträgt stets 120 m. Die Bahnhöfe der Linie 2 Gare du Midi / Zuidstation und Rogier verfügen über Seiten- und Mittelbahnsteige am selben Gleis, sodass an beiden Türseiten nach der Spanischen Lösung ein- und ausgestiegen werden kann. Am Haltepunkt Gare du Midi / Zuidstation sind hierbei die Bahnsteige nach Richtung getrennt, sodass am gleichen Bahnsteig zu den Premetro-Linien der Nord-Süd-Achse umgestiegen werden kann. Sämtliche Stationen sind mit Rolltreppen ausgerüstet, neuere und einfach verbaute Haltestellen verfügen zusätzlich über Aufzüge und sind somit für Behinderte zugänglich. Jedoch ist in nahezu allen Stationen der Wagenboden etwas höher als die Bahnsteigkante. Der kürzeste Stationsabstand beträgt 304 Meter zwischen Hankar und Delta, zwischen Schuman und Merode liegt mit 1.160 Meter der längste Abstand zwischen zwei Stationen.
Die Brüsseler Metro ist dafür bekannt, dass sie in ihren Stationen Werke unterschiedlicher Kunstrichtungen der Gegenwart ausstellt. Repräsentiert werden dabei die Malerei, Bildhauerei, Fotografie sowie Glasmalerei, zudem wurden für die Werke verschiedenste Materialien verwendet. Bekanntestes Kunstwerk im Bereich des Metrosystems ist die im Jahr 1976 entstandene überdimensionale Wandmalerei „Notre Temps“ (deutsch „Unsere Zeit“) von Roger Somville in der Station Hankar der Linie 5, die mit ihren Formen und intensiven Farben den Kampf für eine gerechtere Welt im sozialen wie im wirtschaftlichen Sinne thematisiert.
Die Bedeutung dieser Kunstwerke ist so hoch, dass das Ministerium für Öffentliche Dienste im Jahr 1990 die unabhängige Kunstkommission für das öffentliche Verkehrsnetz CAID/ACVISTIB/MIVB: Kunst in Brüssel beginnt in der Metro [übersetzter Titel]. September 2012, abgerufen am 25. April 2020. , niederländisches PDF. einsetzte, deren Zuständigkeitsbereich auf die Empfehlung und Genehmigung von künstlerischen Arbeiten für sämtliche Verkehrsmittel des Großraums Brüssel begrenzt ist. Diese Kommission wählt die Kunstwerke so aus, dass sie dem breiten Wertekonsens der Gesellschaft entsprechen.Bennett, Daniel: Metro. Die Geschichte der Untergrundbahn. Transpress, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-71262-8, S. 86.
Im Zuge der Barrierefreiheit werden alle U-Bahn-Stationen sukzessive mit Aufzügen ausgerüstet. Waren es 2006 nur 16 Stationen, sind Anfang 2020 51 von 69 Metro- und Premetrostationen stufenlos erreichbar. Für weitere Stationen befinden sich Aufzüge derzeit in Bau oder Planung. Zusätzlich bietet die STIB/MIVB für Personen, die beim Betreten/Befahren des Zuges per Rollstuhl Hilfe benötigen, täglich von 7 bis 22 Uhr einen kostenlosen Assistenzdienst an.
Geschichte mini|Geplantes Metronetz der Dyle & Bacalan Corporation (1925)
Frühe Planungen Bereits 1892 entstanden die ersten Pläne zum Bau einer Metro in Brüssel. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden weitere verschiedene Netze entworfen, die allerdings weder in der Bevölkerung noch in der Stadtverwaltung unterstützt wurden. So stellte beispielsweise 1925 das Flugzeug- und Eisenbahnbauunternehmen Dyle & Bacalan Corporation ein Metroprojekt mit drei Linien an.
Die erste Linie sollte das Stadtzentrum in Nord-Süd-Richtung unterhalb der Boulevards erschließen. Dabei sollte die Infrastruktur genutzt werden, die seit der Umleitung des Flusses Senne ungenutzt blieb. Die originalen Konzeptionen sahen an jeder Endstation mögliche Streckenerweiterungen vor. Die zweite Linie sollte die Gebiete östlich und westlich der Innenstadt miteinander verknüpfen und im Stadtzentrum Umsteigemöglichkeiten zur ersten Linie bieten. Die dritte Linie war in den Planungen lediglich als optional aufgeführt, wogegen die ersten beiden nach den Plänen unmittelbar gebaut werden sollten.
Die Premetro: Bau unterirdischer Straßenbahnstrecken
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Stimmen auf, einige Straßenbahnstrecken in den Untergrund zu verlegen und dadurch dem fortwährend wachsenden Kraftfahrzeugverkehr mehr Platz auf den Straßen zur Verfügung zu stellen. Die Geschwindigkeit der Straßenbahnwagen ging bedingt durch Verkehrsstaus kontinuierlich zurück, so dass beschlossen wurde, wenn möglich die Trassen auf eigenem Gleiskörper und die Linien in der Innenstadt durch Tunnels zu führen. Dazu wurde 1954 die Société des Transports Intercommunaux des Bruxelles / Maatschappij voor het Intercommunaal Vervoer te Brussel (STIB/MIVB) gegründet, die das Straßenbahn-, Omnibus- und das U-Bahn-Netz in Brüssel betreibt.
1957 wurde daraufhin der erste Tunnel in der Nähe des überbelasteten Place de la Constitution / Grondwetplein zwischen dem Gare du Midi / Zuidstation und der heutigen Station Lemonnier eröffnet, der allerdings noch keine unterirdische Station umfasste. Der Tunnel wurde zeitgleich mit anderen Maßnahmen im Zusammenhang mit der in Brüssel stattfindenden Weltausstellung 1958 ausgeführt. Dieser sogenannte „Grondwettunnel / Tunnel de la Constitution“ wird noch immer als Teil der Nord-Süd-Achse des heutigen Straßenbahnnetzes zwischen Gare du Nord / Noordstation und Albert befahren.
1963 stellte die belgische Regierung Arbeitsgruppen auf, um die Verkehrsprobleme der fünf größten Städte Belgiens Brüssel, Antwerpen, Lüttich, Gent und Charleroi anzugehen. Es wurden finanzielle Mittel zur Durchführung von Projekten bewilligt, wobei die Hälfte des Budgets für die Hauptstadt Brüssel, ein Viertel für die flämischen Städte Antwerpen und Gent sowie ein Viertel für die wallonischen Städte Lüttich und Charleroi zur Verfügung standen. Nach einer Studie aus diesem Jahr, die die Entwicklung des öffentlichen Personenverkehrs in der Stadtregion zum Gegenstand nahm, würden die Verkehrsprobleme in Zukunft nicht nur das innerstädtische Gebiet, sondern auch die Außenbezirke betreffen. Die hohen Zahlen erwarteter Fahrgäste führten zum Beschluss des Gemeinderates und der belgischen Regierung, ein konventionelles U-Bahn-System für Brüssel zu entwickeln. Die geplanten Metrolinien sollten die am meisten benutzten Straßenbahnlinien ersetzen. Jedoch reichten die finanziellen Mittel nicht aus, um kurzfristig vollwertige Metrolinien anzulegen. Darüber hinaus hatte die STIB/MIVB noch einige Jahre zuvor neue Straßenbahnwagen angeschafft, um den Besucherstrom zur Weltausstellung Expo 58 zu bewältigen. So wurde beschlossen, Tunnel zu bauen und zunächst von Straßenbahnwagen befahren zu lassen. Diese Tunnelanlagen wurden allerdings so konstruiert, dass es möglich war, sie später für einen vollwertigen Metrobetrieb zu nutzen. Auch sollte mittelfristig möglich sein, die Tunnelstrecken sukzessive zu ergänzen und sie ebenfalls auf den U-Bahn-Betrieb umzustellen. Dieses Konzept trägt die Bezeichnung Premetro; ähnliche Projekte sahen auch zahlreiche Städte in der Bundesrepublik Deutschland vor, wo sie unter dem Namen Stadtbahn firmieren.
Das geplante Liniennetz aus dem Jahr 1963 umfasste eine Ost-West-Linie, die sich östlich und westlich der Innenstadt in jeweils zwei nach Norden und Süden führende Äste aufspaltet, eine Nord-Süd-Linie zwischen den Bahnhöfen Gare du Nord / Noordstation und Gare du Midi / Zuidstation, einen sogenannten „Kleinen Ring“ und einen „Großen Ring“.