Ein Asset Management System, deutsch auch Anlagegüterverwaltungssystem (AGVS), ist ein – heute meist softwarebasiertes – Dateninformationssystem zur Erfassung, Verwaltung und Nachverfolgung von Anlagegütern (englisch Assets) über deren gesamten Lebenszyklus.ISO 55000:2024 – Asset management – Vocabulary, overview and principles. International Organization for Standardization (ISO). Asset Management Systeme werden sowohl in der Anlagenwirtschaft für physische Vermögenswerte wie Gebäude, Maschinen, technische Anlagen oder InfrastruktureinrichtungenNicholas Anthony John Hastings: Physical Asset Management. Springer, 2015., als auch in der IT zum Management von Hardware, Software und Cloud-Infrastruktur eingesetzt.
Im Bereich der physikalischen Assets wird diese Funktion oft auch durch ein Enterprise-Resource-Planning (ERP) oder Computerized Maintenance Management Systems (CMMS, dt.: „Instandhaltungsplanungssystem“) erbracht. Weitere Begriffsdefinitionen hierfür sind Enterprise-Asset-Management-System (EAM, vorwiegend in den USA genannt) oder Plant-Asset-Management-System.
Abzugrenzen sind Asset Management Systeme von Digital-Asset-Management (DAM), welches der Organisation und Bereitstellung digitaler Medieninhalte dient, sowie von Asset Management (Vermögensverwaltung) im Bereich Finanzdienstleistungen.
Anwendungsgebiete
Asset-Management-Systeme werden zur Verwaltung und Nachverfolgung von Anlagegütern genutzt: Welche Anlagen sind oder waren vorhanden, wo befanden sie sich örtlich und buchhalterisch, was kosteten sie und wie lange sind bzw. bleiben sie in Benutzung? Dabei liegt der Schwerpunkt typischerweise auf der technischen Verwaltung der Assets, während kaufmännische Informationen häufig aus der Finanzbuchhaltung oder angebundenen ERP-Systemen übernommen werden.
Bereich Typische Assets Anwendungsbeispiele Industrie und Fertigung Maschinen, Produktionsanlagen, Werkzeuge Wartungsplanung, Ersatzteilmanagement, Lebenszyklusmanagement von Produktionsanlagen Energie- und Versorgungswirtschaft Strom-, Gas- und Wassernetze, Umspannwerke, Kraftwerke Netzbetrieb, Inspektionen, Instandhaltung und Investitionsplanung Verkehr und Infrastruktur Straßen, Brücken, Tunnel, Schienenwege, Verkehrszeichen Zustandsbewertung, Erneuerungsplanung und Infrastrukturmanagement Facility Management Gebäude, technische Gebäudeausrüstung, Aufzüge, Heizungs- und Klimaanlagen Betreiberpflichten, Wartung, Flächen- und Gebäudemanagement Öffentliche Verwaltung Kommunale Infrastruktur, Gebäude, Fuhrparks Verwaltung des kommunalen Anlagevermögens sowie Investitions- und Ressourcenplanung Gesundheitswesen Medizintechnik, Laborgeräte, Krankenhausausstattung Wartung, Dokumentation und Nachweis regulatorischer Anforderungen Informationstechnologie Hardware, Software, Lizenzen und Netzwerkinfrastruktur IT-Asset-Management, Lizenzverwaltung und Compliance Telekommunikation Funkmasten, Glasfasernetze, Rechenzentren Infrastrukturmanagement, Entstörung und Ausbauplanung Transport und Logistik Fahrzeuge, Container, Flurförderzeuge Fuhrparkmanagement, Wartung und Einsatzplanung Tabelle: Typische Einsatzgebiete von digitalen Asset Management SystemenJohn D. Campbell, Andrew K. S. Jardine, Joel McGlynn: Asset Management Excellence. 4. Auflage. CRC Press, Boca Raton 2016, ISBN 978-0-8493-0300-5.The Institute of Asset Management (IAM): Asset Management – An Anatomy, Version 3. Bristol 2015.
Wechselbeziehungen oder Auftragsmanagement
Eine enge Wechselbeziehung besteht zu Servicedesk- und Auftragsmanagement-Systemen, da ein erheblicher Teil der Änderungen an Anlagegütern infolge von Störungen, Wartungsmaßnahmen oder Serviceanforderungen ausgelöst wird. Umgekehrt setzt die effiziente Bearbeitung von Störungen häufig eine genaue Kenntnis der betroffenen Assets, ihrer technischen Eigenschaften sowie ihrer jeweiligen Konfigurationsdaten voraus.
Buchführung und Vertragsmanagement
Die in einem Asset-Management-System erfassten und verwalteten Anlagegüter unterliegen meist auch der Buchführung des Unternehmens. Häufig müssen die kaufmännischen und die technischen Daten dieser Güter in einem engen Bezug betrachtet werden; dies ist bei einer Trennung zwischen kaufmännischer und technischer Anlagenverwaltung nur durch Referenzierungen zwischen diesen Systemen möglich.
Anlagegüter werden zudem über Kauf-, Miet-, Leasing- oder Serviceverträge beschafft und betrieben. Diese enthalten häufig Informationen, die für die technische Verwaltung von Bedeutung sind, beispielsweise Garantielaufzeiten, Wartungsvereinbarungen oder Lizenzbedingungen. Daraus ergibt sich ein Bedarf an einer wechselseitigen Verknüpfung von Asset-Management- und Vertragsmanagement-Systemen.
Configuration und Change Management im IT-Bereich
Da sich IT-Assets und deren Konfigurationen häufig ändern, besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen IT-Asset-Management-Systemen und Configuration-Management bzw. Change-Management-Systemen. Während Asset-Management-Systeme Informationen über Bestand, Nutzung und Lebenszyklus von Hardware- und Software-Assets verwalten, dokumentiert das Configuration Management deren technische Konfigurationen und gegenseitige Abhängigkeiten. Änderungen an IT-Assets werden häufig über Change-Management-Prozesse gesteuert. In der Praxis werden Asset-Management- und Configuration-Management-Funktionen oftmals über eine gemeinsame miteinander verknüpft.
Weblinks
ITIL (ITILv3)
Einzelnachweise
Kategorie:Informationssystem