|} mini|Sonderfahrt in Cornățel, September 2015 mini|Brachliegendes Gleis zwischen Cornățel und Hosman, 2009

Die Harbachtalbahn, im Volksmund meist WuschPhleps 1964, S. 91. genannt, ist eine Schmalspurbahn im rumänischen Siebenbürgen. Die letzten Züge der rumänischen Staatsbahn Căile Ferate Române (C.F.R.) zwischen Hermannstadt (Sibiu) und Agnita (Agnetheln) verkehrten 2001. Der Förderverein „Asociația Prietenii Mocăniței“ bemüht sich um eine Reaktivierung und führt seit September 2015 Sonderfahrten auf einer Teilstrecke bei Cornățel (Harbachsdorf) durch.LOK Report 12/15, S. 13. 2024 werden laut Vereinswebseite regelmäßig Fahrten auf der Strecke zwischen Cornățel (Harbachsdorf) und Hosman (Holzmengen) angeboten; in der Regel wird eine Diesellok benutzt und bei besonderen Anlässen Dampflokomotiven (siehe Abschnitt „Fahrbetrieb seit 2010“).

Das Netz mit einer Spurweite von 760 Millimetern, die sogenannte Bosnische Spurweite, umfasste in voller Ausdehnung einst folgende Abschnitte: Sighișoara (Schäßburg)–Agnita: Eröffnung am 16. November 1898,Mausolf 2008, S. 21. Länge etwa 48 Kilometer. Sibiu–Cornățel–Agnita: Eröffnung am 26. September 1910,Klein 1998, S. 84. etwa 61 Kilometer. Cornățel–Vurpăr (Burgberg): Eröffnung am 26. September 1910,Klein 1998, S. 84. etwa 13 Kilometer.

Der Regelbetrieb auf diesen Strecken wurde von der C.F.R. ab 1965 eingestellt.

Bezeichnung Die Bezeichnung Wusch stammt von den deutschsprachigen Siebenbürger Sachsen, durch deren Siedlungsgebiet die Strecke verläuft. Sie wird auch in den Romanen des Siebenbürger Autors Eginald Schlattner unter diesem Namen mehrfach erwähnt.Beispielsweise in Schlattners Roman Das Klavier im Nebel, Kapitel 12 Weitere aus der Sprache der Siebenbürger Sachsen überlieferte Namen sind Wicka oder Kaffeemühle, wobei letzterer keine spezifische Bezeichnung für die hier behandelte Bahn ist, sondern auch bei anderen Strecken oder Fahrzeugen im deutschen Sprachraum vorkam.Beispielsweise bei den österreichischen Dampflokomotiven der Reihe 97

Der Name Harbachtalbahn hingegen war in der Region früher nicht gebräuchlich und tauchte erstmals 2002 in Zusammenhang mit der geplanten Reaktivierung auf.LOK Report 10/02, S. 51.

Der aufgrund des Bestrebens örtlicher Wald- und Großgrundbesitzer entstandene Abzweig nach Burgberg wurde auch Jägerstrecke (linia vânătorilor) genannt.Engelbert 2011, S. 129. Für den zunächst eröffneten Abschnitt Schäßburg–Agnetheln ist im Deutschen außerdem die Bezeichnung Schaaserbahn überliefert,eisenbahn magazin 9/95, S. 36–37. da die Strecke südlich von Schäßburg durch das Schaaser Tal führte.

Im Rumänischen bezeichnet man Schmalspurbahnen oftmals mit dem Kosenamen mocănița.

Streckenverlauf Zwischen Hermannstadt und Schäßburg folgt die Strecke über einen langen Abschnitt dem Verlauf des Harbachtals (Valea Hârtibaciului) – von der Mündung des Harbachs in den Zibin bei Mohu (Moichen) bis nach Brădeni (Henndorf). Ab hier führt die ursprüngliche Trasse hinüber ins Schaaser Tal, um in Schäßburg das Tal der Târnava Mare (Großen Kokel) zu erreichen.

Südlich von Hermannstadt benutzten die Züge der Schmalspurbahn bis 2001 abschnittsweise die Bahnstrecke Sibiu–Avrig mittels Dreischienengleis. Auch die regelspurige Nebenbahn nach Cisnădie (Heltau) zweigte in diesem Bereich von der Hauptbahn ab.

In Agnetheln und Schäßburg gab es früher längere Ortsdurchfahrten, wo die Schmalspurbahn den öffentlichen Straßenraum mitbenutzte.

Die Kilometrierung beginnt in Schäßburg. Die früher im Kursbuch verwendeten Schreibweisen der Orte entsprechen nicht immer den heutigen rumänischen Ortsbezeichnungen, wie z. B. „Nochrich“ (statt Nocrich) bzw. „Vird“ (statt Vărd). Zuweilen wurden die Stationen damals auch noch angelehnt an die deutschen Ortsnamen bezeichnet, z. B. hieß der Bahnhof von Brădeni (Henndorf) im Kursbuch von 1957 noch „Hendorf“.vgl. Mersul Trenurilor 2.VI.1957-28.IX.1957

Geschichte Als die Harbachtalbahn gebaut wurden, gehörte Siebenbürgen zu Ungarn. Der erste Abschnitt zwischen Schäßburg und Agnetheln wurde von der Segesvár–Szentágotai Vasút (S.Sz.V.) errichtet, wobei der Name der Gesellschaft von der ungarischen Bezeichnung der verbundenen Orte abgeleitet ist. Der Bau begann Ende 1895, doch widrige Witterungsverhältnisse führten immer wieder zu Unterspülungen bereits fertiggestellter Abschnitte. Erst 1898 war die Strecke durchgängig betriebsbereit. Die feierliche Eröffnung fand am 16. November 1898 statt, Güterverkehr war bereits zuvor möglich. Der reguläre Personenverkehr zwischen Schäßburg und Agnetheln begann einen Tag später, am 17. November 1898. Anfangs standen drei von der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik gebaute Schlepptenderlokomotiven (S.Sz.V. 1 bis 3, später 388 001 bis 003) zur Verfügung. Der erste Bahnhof von Agnetheln war damals am nordöstlichen Stadtrand errichtet worden, doch es war auch ein Gleis bis zum Marktplatz gelegt worden, so dass die Züge aus Schäßburg über den Bahnhof hinaus in die Stadtmitte fahren konnten.vgl. Mausolf 2018, S. 24.

Bis 1908 führte die S.Sz.V. den Betrieb eigenständig, bevor die ungarische Staatsbahn Magyar Államvasutak (MÁV) diesen übernahm. Im selben Zeitraum begann der Weiterbau in Richtung Hermannstadt.Engelbert 2011, S. 128.

Die „kommissionelle Begehung“ und die Jungfernfahrt auf der 61 Kilometer langen Verlängerung von Agnethler Marktplatz durch das Harbachtal nach Hermannstadt fanden am 26. September 1910 statt. Die Aufnahme des Regelbetriebs erfolgte einen Tag nach den Feierlichkeiten. Gleichzeitig ging die 13 Kilometer lange Zweigstrecke von Harbachsdorf nach Burgberg in Betrieb.LOK Report 12/15, S. 10.

Für den Weiterbau nach Hermannstadt war zunächst eine eigenständige Gesellschaft gegründet worden. 1911 fusionierten beide Unternehmen zur neuen Hermannstadt-Schäßburger Vizinaleisenbahn-Aktiengesellschaft. Die MÁV führten fortan den Betrieb auf dem gesamten Schmalspurnetz.Mausolf 2018, S. 34.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Ungarn in Folge des Vertrags von Trianon Siebenbürgen an Rumänien abtreten. Die Betriebsführung ging daraufhin an die rumänische Staatsbahn über. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Rumänien erfolgte 1948 auch die Verstaatlichung der Infrastruktur.LOK Report 12/15, S. 11.

Im Jahr 1965 legte die C.F.R. den Abschnitt von Schäßburg nach Agnetheln still. Unklar ist, wann genau der letzte Reisezug auf dieser Strecke fuhr. Manche Quellen berichten, der Personenverkehr sei im Herbst 1964 eingestellt worden.Mausolf 2018, S. 41 Im rumänischen Kursbuch erschien der Abschnitt letztmals 1963/1964.vgl. Mersul Trenurilor 26.V.1963-30.V.1964 (mit Schäßburg–Agnetheln) und 31.V.1964-29.V.1965 (ohne Schäßburg - Agnetheln); beide verfügbar unter Am Stadtrand Agnethelns entstand bis 1969 ein neuer Bahnhof für die Züge von und nach Hermannstadt. Die Stadtstrecke durch Agnetheln war letztmals am 10. April 1969 in Betrieb. Fortan betrug die Streckenlänge von Hermannstadt bis Agnetheln nur noch 58 Kilometer.

Im Jahr 1993 verlor die Stichstrecke nach Burgberg ihren planmäßigen Verkehr. Sie wurde jedoch nicht abgebaut, wuchs in den folgenden Jahren allerdings komplett zu.Eisenbahn Amateur 11/99 Auf der Strecke von Hermannstadt nach Agnetheln reduzierte die C.F.R. Ende der 1990er Jahre das Angebot auf nur noch ein Zugpaar täglich. Nachdem die Güterbeförderung im Sommer 1998 endete, wurden zuletzt nur noch Personen befördert. Mit dem Ausfall der letzten betriebsfähigen Lokomotive im September 2001 wurde der verbliebene Planverkehr eingestellt.LOK Report 10/02, S. 50.

Der Abschnitt Schäßburg–Agnetheln wurde nach der Einstellung abgebaut. Die Abschnitte Hermannstadt–Harbachsdorf–Agnetheln (Sibiu–Cornățel–Agnita) und Harbachsdorf–Burgberg (Cornățel–Vurpăr) sind hingegen noch weitgehend erhalten. Beim Bau der 2010 eröffneten Autobahn um Hermannstadt wurde jedoch ein Brückenpfeiler auf der Trasse der Schmalspurbahn errichtet, so dass das Gleis hier unterbrochen ist.LOK Report 12/15, S. 15.

Eröffnungs- und Einstellungsdaten Abschnitt OffizielleEröffnung InbetriebnahmeGüterverkehr InbetriebnahmePersonenverkehr Einstellungdurch C.F.R. Abbau Streckenlänge(in km, ca.) Schäßburg–TrappoldSighișoara–Apold 16.11.1898 28.05.1898Mausolf 2008, S. 20. 17.11.1898Engelbert 2011, S. 127. Juni 1965; 1963/1964 letztmals im Kursbuch anschließend 17 Trappold–Agnetheln–Agnetheln MarktApold–Agnita–Agnita Tîrg 16.11.1898 27.07.1898 17.11.1898 Juni 1965; 1963/1964 letztmals im Kursbuch anschließend 31 Agnetheln Markt–Harbachsdorf–HermannstadtAgnita Tîrg–Cornățel–Sibiu 26.09.1910 27.09.1910 27.09.1910 siehe unten siehe unten 61 Harbachsdorf–BurgbergCornățel–Vurpăr 26.09.1910 27.09.1910 27.09.1910 Mai 1993Engelbert 2011, S. 136. kein Abbau 13 Agnetheln (alter Bahnhof)–Agnetheln (neuer Bahnhof)Agnita (gară veche)–Agnita (gară nouă) siehe oben siehe oben siehe oben 10.04.1969Siebenbürgische Zeitung vom 31. Juli 1998, S. 7. Frühjahr 1969Mausolf 2018, S. 50. 4 Hermannstadt–AgnethelnSibiu–Agnita siehe oben siehe oben siehe oben 04.09.2001Mausolf 2018, S. 81. kein Abbau 58

Fahrzeuge mini|Die 1896 in Wiener Neustadt gebaute und später von der C.F.R. als 388 002 bezeichnete Dampflokomotive ist die einzige erhaltene Maschine aus der Erstausstattung der Schmalspurbahn. Heute befindet sie sich in desolatem Zustand in Hermannstadt. September 2015 Zunächst beförderten Dampflokomotiven (u. a. der Reihen 388MÁV 388, Lokstatistik bei pospichal.net und 389MÁV 389, Lokstatistik bei pospichal.net) die Personen und Frachten auf der Harbachtalbahn. Ihre Nachfolge traten erste neuere dampflokomotiven wie etwa die CFR-Reihe 764.2 an. In den 1960er und 1970er Jahren folgten modernere Diesellokomotiven an (FAUR-Typ L45H, spätere Reihe 87 der C.F.R.). Dampflokomotiven kamen nur noch im Winter, um die Personenwagen zu heizen, und bei Sonderfahrten zum Einsatz.Lacriţeanu 1995, S. 94. Die letzte Dampflokomotive aus der Erstausstattung, die C.F.R. 388 002, steht heute im Dampflokomotivmuseum Hermannstadt, nachdem sie zuvor am Dampfbad in Schäßburg als Denkmal ausgestellt war. Die 1995 vor dem Bahnhof von Schäßburg aufgestellte Dampflok C.F.R. 764 158 befindet sich seit August 2021 in Obhut der Asociația Prietenii Mocăniței, dem Verein, der sich um die Reaktivierung der Schmalspurbahn kümmert.

Reaktivierung mini|Das Bahnhofsgelände von Cornățel (Harbachsdorf), Juni 2009 mini|Überwucherte Gleise zwischen Mohu (Moichen) und Cașolț (Kastenholz), Juli 2011 Seit 2001 der Restverkehr zwischen Hermannstadt und Agnetheln eingestellt wurde, gab es immer wieder Bestrebungen, die Schmalspurbahn für den Tourismus zu reaktivieren. Auch die Wiederherrichtung der Strecke nach Schäßburg ist Teil derartiger Überlegungen.

Die Bahnanlagen wurden nach der Stilllegung zunächst von der C.F.R.-Tochter S.A.A.F. verwaltet, das Rollmaterial durch die für Touristisches zuständige C.F.R.-Tochter S.F.T. Der Hermannstädter Kreisrat bemühte sich mit einem bei der SFT und dem Verein Sibiu 2007 eingereichten Projekt um die Wiederaufnahme des Betriebes anlässlich der Veranstaltungen zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007 in Hermannstadt.

In den Monaten Februar und März 2006 erarbeitete ein Ingenieurbüro aus Cluj-Napoca (Klausenburg) eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Mihai Eminescu Trust, um das Vorhaben einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Nachdem Anfang April 2006 von mehreren Interessenten einer Wiederinbetriebnahme der Strecke – u. a. Mihai Eminescu Trust, Verein Valea Hârtibaciului – die Einstufung der Strecke als Denkmal beantragt worden war, teilte die Hermannstädter Kreisdenkmalkommission am 12. Juni 2007 schließlich die positive Beantwortung dieses Ansuchens mit. Offiziell wurde dies mit der Veröffentlichung im Amtsblatt Monitorul Oficial vom 14. Januar 2008. Die Strecke ist somit komplett als Denkmal der Kategorie B klassifiziert.