Napoleon: Total War ist ein rundenbasiertes Strategiespiel mit Echtzeit-Elementen und der sechste Teil der Total-War-Serie des britischen Spieleentwicklers Creative Assembly. Es wurde von Sega zwischen dem 23. und 26. Februar 2010 in Europa, Australien und Nordamerika für Windows veröffentlicht. Im Bezug auf die Spielmechanik und die Technik ist es stark an den ein Jahr zuvor erschienenen Vorgänger Empire: Total War angelehnt.

Zeitlich spielt es vor dem Hintergrund des Aufstiegs Frankreichs zur europäischen Hegemonialmacht unter Napoleon Bonaparte. Wie der Vorgänger beinhaltet das Spiel eine lineare Kampagne, die den Hauptteil des Spiels ausmacht. Sie spielt während der Koalitionskriege in Europa und des Ägyptenfeldzugs in Nordafrika.

Das Spiel wurde von der Fachpresse positiv aufgenommen; häufig wurden die gute Grafik, die historische Genauigkeit und die Verbesserungen am bisher aus der Total-War-Reihe bekannten Spielprinzip gelobt. Viele Kritiker bemängelten wie beim Vorgänger die zu schwache künstliche Intelligenz. Außerdem wurden die im Vergleich zum Vorgänger eingeschränkten Handlungsfreiheiten kritisiert sowie die große Ähnlichkeit zu Empire: Total War.

Nach der Veröffentlichung von Napoleon wurden für das Spiel einige kostenpflichtige Erweiterungen als herunterladbare Inhalte (DLC) veröffentlicht. Im Oktober 2010 erschien Napoleon: Total War gemeinsam mit Empire: Total War und allen bisher veröffentlichten DLCs in der Game of the Year Edition. 2013 erschien eine Mac-Version von Napoleon: Total War, die von Feral Interactive entwickelt wurde.

Spielprinzip Allgemein Das Spielprinzip des im 19. Jahrhundert angesiedelten Strategiespiels Napoleon: Total War ist stark an den Vorgänger Empire: Total War angelehnt. Es ist eine Mischung aus einem strategisch orientierten, rundenbasierten Spielmodus und einem taktisch fokussierten Schlachtmodus. Der Umfang des Spiels fällt im Vergleich zum Vorgänger kleiner aus. So wurden beispielsweise die kolonialen Schauplätze und einige innenpolitische Aspekte wie der Aufbau eines Ministerstabs entfernt.

Die den Hauptteil des Spiels ausmachenden Kampagnen handeln von den Feldzügen des französischen Feldherren und späteren Kaisers Napoleon Bonaparte und umfassen verschiedene Etappen seiner Karriere. Während die ersten beiden Kampagnen nur in einzelnen Regionen (beispielsweise Italien) ausgetragen werden und nur aus der Perspektive Frankreichs spielbar sind, spielt die dritte in ganz Europa. Hier kann auch die Perspektive der Koalitionsmächte gewählt werden. Das Ziel in jeder Kampagne ist es, eine gewisse Ausdehnung seiner Nation zu erreichen.

Außerhalb des Kampagnenmodus besteht zudem die Möglichkeit, einzelne entweder historisch nachgestellte oder vom Spieler entworfene militärische Szenarien durchzuspielen.

Rundenbasiertes Spiel Der rundenbasierte Teil des Spiels wird von einer Übersichtskarte – der Weltkarte bzw. Kampagnenkarte – aus gesteuert. Pro zeitlich unbegrenzter Runde kann der Spieler dabei verschiedene Aktionen festlegen und nach Abschluss der Runde ausführen lassen. Zu den rundenbasierten Aktivitäten zählt das Verwalten von Provinzen, die Befehlsausgabe an militärische Einheiten und der Einsatz von diplomatischen Mitteln. Danach werden die Züge der vom Computer gesteuerten Fraktionen ausgeführt, wonach wiederum die nächste Runde für den Spieler beginnt.

Auf der Weltkarte sind die Regionen Europas in Provinzen unterteilt. In jeder dieser Provinzen befindet sich eine größere Stadt, die Provinzhauptstadt. Die Fraktion, die die Provinzhauptstadt kontrolliert, beherrscht die Provinz. In dieser Hauptstadt können Kasernen, Verwaltungssitze und Festungsanlagen gebaut sowie Truppen angeworben werden.

In den vom Spieler beherrschten Städten besteht stets die Möglichkeit, dass ein Aufstand ausbricht und die Bevölkerung gegen den Herrschenden rebelliert. In bestimmten Provinzen können durch Revolten neue Fraktionen entstehen. Die Zahl der Provinzen, in der dies möglich ist, ist im Vergleich zu Empire deutlich gestiegen. Ein Beispiel für eine entstehende Nation ist das Königreich Griechenland, das sich vom Osmanischen Reich lossagen kann.

Während die Komplexität der Innenpolitik im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduziert wurde, blieb der militärische Part weitgehend unverändert. Auf der Weltkarte übernimmt der Spieler die Kontrolle über seine Truppen. Diese lassen sich zu Verbänden gruppieren, wodurch deren Kampfkraft erhöht und die Logistik vereinfacht wird. Truppen werden per Mausklick bewegt. Der Spieler wählt ein Ziel aus, welches die selektierten Truppen anschließend über den kürzesten passierbaren Weg ansteuern. Wie weit eine Armee pro Runde ziehen kann, wird durch das System der Bewegungspunkte geregelt. Jede Armee und strategische Einheit besitzt eine bestimmte Anzahl an Bewegungspunkten, die sie in jeder Runde verwenden kann. Die Zahl der verfügbaren Bewegungspunkte wird durch die in der Armee mitgeführten Truppen beeinflusst. So verfügen zum Beispiel Kavallerie-Einheiten über mehr Bewegungspunkte als Infanterie-Einheiten oder Geschütze.

Sobald zwei oder mehr Armeen aufeinandertreffen, entweder im offenen Gelände oder bei Belagerungen feindlicher Städte oder Festungen, kann es zu einer Kampfsituation kommen. Die Entscheidung darüber, ob ein Kampf ausbricht oder nicht, liegt beim Angreifer. Der Verteidiger besitzt einmalig die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Ist die angegriffene Armee allerdings durch eine Belagerung eingekreist, kann sie sich nicht zurückziehen, sondern ist zum Kampf gezwungen. Der Spieler besitzt vor einem Kampf die Wahl, ob er das Gefecht selbst führen möchte oder ob er es automatisch entscheiden lässt. Dabei wird der Schlachtausgang anhand von Parametern wie der mitgeführten Truppenzahl, der Kampfkraft der mitgeführten Truppen oder den Fähigkeiten des Befehlshabers berechnet.

Echtzeit-Spiel 225px|mini|Seeschlachten sind auch in Napoleon manuell spielbar Beim Echtzeit-Spiel werden in einer dreidimensionalen Umgebung Schlachten zwischen zwei oder mehr Fraktionen ausgetragen. Jede Fraktion führt dabei bis zu 20 Einheiten ins Feld. Wie im Vorgänger besteht die Möglichkeit, Seeschlachten manuell zu führen.

Den Fraktionen stehen für die Schlachten zahlreiche Einheitentypen zur Verfügung, die sich an den historischen Rahmenbedingungen orientieren. Häufige Truppentypen sind Linieninfanteristen, Grenadiere und Kavallerie, aber auch Artillerie in Form von Kanonen und Haubitzen.

Eine Schlacht ist in drei Phasen unterteilt. Zunächst formieren sich die Armeen und können dabei im Verteidigungsfall befestigte Stellungen aufbauen. Nachdem die Aufstellung beendet ist – worüber der Spieler per Knopfdruck entscheiden kann – beginnt die Kampfphase. Nachdem eine Armee besiegt wurde, besitzt der Spieler in der dritten Phase die Option, alle fliehenden Gegner zu verfolgen und zu bekämpfen.

Dem Spieler stehen zahlreiche Befehle zur Verfügung, die er seinen Truppen erteilen kann. Dies schließt Bewegungs- und Angriffsbefehle ebenso ein wie Formations- und Verhaltensanweisungen. Letztere können sich dabei sowohl auf die direkte Kampfkraft als auch auf die Moral der Einheiten auswirken. Die Moral ist ein wichtiger Faktor in den Gefechten, denn sie bemisst die Standhaftigkeit der Soldaten. Das Wetter kann ebenfalls Einfluss auf das Kampfgeschehen haben. So erhöht sich bei Regen die Wahrscheinlichkeit von Fehlzündungen bei Musketieren, während zum Beispiel Nebel die Sichtweite aller Einheiten verringert.

Eine Armee ist entweder besiegt, wenn alle ihre Einheiten aufgerieben wurden, oder wenn sich alle Einheiten auf der Flucht befinden. Verteidiger können zusätzlich eine Schlacht durch Spielen auf Zeit gewinnen, denn es gibt eine Uhr, die wahlweise auf 20, 40 oder 60 Minuten eingestellt werden kann. Sollte es dem Angreifer innerhalb dieser Zeit nicht gelingen, den Verteidiger zu besiegen, so hat der Verteidiger die Schlacht gewonnen.

Bei Seeschlachten führen die einzelnen Flotten bis zu 20 Schiffe in den Kampf, die sich in Mannstärke, Kanonenzahl und Größe teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Das Prinzip von Seeschlachten gleicht dem der Landschlachten. Die Flotten kämpfen solange gegeneinander, bis eine Flotte entweder zerstört wurde, oder flieht. Eine weitere Möglichkeit zu Siegen besteht in der Eroberung der feindlichen Schiffe durch Entermanöver.

Kampagnen mini|150px|Napoleon Bonaparte ist die Hauptfigur von Napoleon: Total War.

Das Spiel umfasst drei Kampagnen, die den Aufstieg Napoleon Bonapartes vom Soldaten zum Kaiser erzählen. Die erste behandelt Napoleons Italienfeldzug und die zweite den Ägyptenfeldzug. Sie spielen auf Karten, die die Region Italien bzw. die Region östliches Mittelmeer abbilden. In diesen Kampagnen übernimmt der Spieler die Kontrolle von Napoleon Bonaparte mit dem Ziel, die Regionen zu unterwerfen. Die dritte Kampagne heißt Europafeldzug und wird auf einer Karte ausgetragen, die ganz Europa zeigt. In dieser Kampagne kann der Spieler auch eine andere Nation als Frankreich übernehmen und für den Fall Napoleons sorgen. Zur Auswahl stehen die Koalitionsmächte Großbritannien, Preußen, Russland und Österreich. In allen Kampagnen gibt es zahlreiche sogenannte historische Missionen, die einen roten Faden durch das Spiel ziehen.

Des Weiteren gibt es ein Tutorial. Dieses behandelt den Aufstieg Napoleons in der Zeit der französischen Revolution und spielt daher in der Region Frankreich. In dieser Übungskampagne wird der Spieler mit den wesentlichen Spielmechaniken vertraut gemacht.

Einheiten Die Einheiten im Spiel orientieren sich an historischen Vorbildern, so gibt es Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Sie lassen sich unterteilen in taktische und strategische Einheiten. Taktische Einheiten können vom Spieler rekrutiert werden und an Schlachten teilnehmen. Strategische Einheiten lassen sich nicht rekrutieren, sondern erscheinen zufällig auf der strategischen Karte. Sie können nicht an Schlachten teilnehmen, bringen dem Spieler aber anderweitig Vorteile, da Truppen nicht nur zur Kriegsführung dienen, sondern auch zur Aufrechterhaltung der Ordnung in den eigenen Städten. Eine starke Garnison verringert die Gefahr einer Revolte deutlich.

Strategische Einheiten Strategische Einheiten sind nur im strategischen Teil relevant. Sie können nicht angeworben werden, sondern erscheinen nach dem Zufallsprinzip am Anfang einer Runde. Die Häufigkeit, mit der solche Einheiten erscheinen, kann vom Spieler anders als im Vorgänger nicht beeinflusst werden.

Edelmänner können den Technologiefortschritt des Spielers unterstützten, entweder durch Förderung der Wissenschaftler im eigenen Land oder durch Technologiediebstahl. Außerdem sind sie in der Lage, Edelmänner anderer Nationen zum Duell zu fordern, wodurch diese unschädlich gemacht werden können. Eine weitere Funktion ist die Bevölkerungsmanipulation. So kann ein Edelmann in einer eigenen Stadt die Bevölkerung mithilfe von Rhetorik beruhigen, während er in fremden Städten die Bevölkerung zum Aufstand angestacheln kann.

Spione können fremde Städte und Armeen infiltrieren, Attentate ausführen und Gebäude sabotieren.

Taktische Einheiten mini|155px|Musketiere sind nach wie vor der Hauptbestandteil einer jeden Armee Taktische Einheiten umfassen alle Einheiten, die in taktischen Gefechten, also im Echtzeit-Modus, eingesetzt werden können. Zu ihnen zählen alle zeitgenössischen Truppentypen, beispielsweise Linieninfanterie, Grenadiere, Kavallerie, Haubitzen sowie Handels- und Kriegsschiffe. Viele Einheiten, beispielsweise Linieninfanterie, Grenadiere oder Dragoner, stehen fast allen Fraktionen zur Verfügung. Andere Einheiten wie beispielsweise Gardekavallerie, Lanzenreiter oder Nahkampfinfanterie sind dagegen nur einigen wenigen Fraktionen vorbehalten.

Spezielle Einheiten