Serquigny ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Eure in der Region Normandie. Die Gemeinde gehört zum Kanton Bernay. Die römisch-katholische Gemeinschaft Communauté Notre Dame de Serquigny gehört zur Pfarrei La Trinité Sur Risle des Bistums Évreux.

Geografie

Serquigny liegt in der Südostecke der Landschaft Lieuvin, 59 Kilometer südöstlich von Le Havre und 9 Kilometer nördlich von Bernay, dem Hauptort des gleichnamigen Arrondissements. Nachbargemeinden von Serquigny sind Nassandres sur Risle im Norden und Nordwesten, Launay im Südosten und Fontaine-l’Abbé im Südwesten. Das Gemeindegebiet umfasst 1140 Hektar, die mittlere Höhe beträgt 111 Meter über dem Meeresspiegel, die Mairie steht auf einer Höhe von 82 Metern. Die Charentonne durchquert das Gemeindegebiet und die Risle streift es im Osten. Im Süden liegt der 3580 Hektar große Wald von Beaumont.

Serquigny ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (b). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.

Geschichte Die älteste Siedlungsspur in Serquigny ist der aus der Jungsteinzeit.

Gallo-römische Zeit mini|links|Die Charentonne in Serquigny Auf dem Gemeindegebiet wurden zahlreiche Artefakte und Gebäudereste aus gallo-römischer Zeit (52 v. Chr. bis 486 n. Chr.) gefunden. Die Charentonne diente als Grenze zwischen den gallischen Stämmen der Lexovier und der Eburovices.

Auf dem Grundstück des Schlosses zerstörte ein Maurer irgendwann zwischen 1773 und 1780 die Grundmauern eines gallo-römischen Wohnhauses mit einer Fläche von 16,5 × 6 Metern. Das Haus war mit Kalkstein aus dem Senonium () gefliest. In den Gebäuderesten wurden Teile von weißen Marmortafeln und Arme, Beine und Schultern von zerbrochenen Statuen gefunden. Der gleiche Maurer zerstörte in den Jahren 1780 bis 1790 ein weiteres gallo-römisches Gebäude. Die Mauern dieses Gebäudes bestanden an der Basis aus Backstein mit einer Leiste von , darüber aus Feuerstein. Die Mauern waren verputzt. Der Putz war in Rot und Blau mit Blumenmotiven bemalt und der Boden war wie in dem anderen Gebäude mit gefliest.

Bei Schloss wurden im 19. Jahrhundert Reste von unterirdischen Leitungen aus Terrakotta gefunden und zeitgenössische Historiker wie Auguste Le Prévost nahmen daher an, dass das Wasser der Charentonne durch ein unterirdisches Aquädukt zur Villa geleitet worden war. Diese Annahme wurde 1986 bestätigt, als man beim Bau einer Wohnsiedlung in der Nähe der Gendarmerie ein unterirdisches Aquädukt fand. Die Wasserleitung begann im Weiler Courcelles der Gemeinde Fontaine-l’Abbé und führte nach .

Zwischen und dem Kleinen Schloss wurden 1830 blaue und grüne Mosaiksteine sowie grüne und weiße Marmortafeln gefunden. Der damalige Benutzer von ließ mit den Marmortafeln ein Zimmer fliesen. Hundert Meter flussabwärts von der Brücke aus fanden Arbeiter 1882 beim Ausheben eines Grabens bei den Eisenbahngleisen die Fundamente einer Behausung mit einer Fläche von 4 × 8 Metern. Das Gebäude war mit Tegulae gedeckt. Im Schutt fand Coutil Scherben von Terra Sigillata und einfacher Keramik sowie eine Münze der Lucilla (148/149–181/182).

Ortsname Der Ortsname wurde als Sarchinneio erstmals urkundlich erwähnt. 1206 tauchte er als Sarquignie auf. Ernest Nègre listet den Ortsnamen als „nichtrömisch“ und zitiert François de BeaurepaireFrançois de Beaurepaire: Les Noms des communes et anciennes paroisses de l’Eure. und Marie-Thérèse Morlet.Marie-Thérèse Morlet: Les noms de personne sur le territoire de l’ancienne Gaule. Band 1, 195b Nach Beaurepaire ist der Ortsname aus dem germanischen Namen Saracho abgeleitet und nach Morlet enthält er die Suffixe -in und -iacum. Der Ortsnamenszusatz -(i)acum ist keltischen Ursprungs und bedeutet „Besitz“. Serquigny ist demnach der „Besitz von Saracho“.

Mittelalter und Ancien Régime

Es gab auch Funde aus dem Mittelalter (spätes 5. bis 15. Jahrhundert) in Serquigny. Dazu gehören drei Vasen aus dem Hochmittelalter (11. bis 13. Jahrhundert) und eine viereckige 80 Ar große Fläche im Wald von Beaumont, die von zwei Wällen und einem Graben umgeben ist. Letztere wurde genannt, da es dort im Mittelalter eine Eremitage gab, deren Schutzpatron der Evangelist Markus war.

Die Ländereien von Serquigny gehörten im 10. Jahrhundert Richard II. († 1026). Anlässlich seiner Hochzeit im Jahr 1007 schenkte Richard II. († 1026) seiner Ehefrau Judith de Bretagne (982–1017), auch Judith de Conan genannt, das Gebiet von Bernay, das Serquigny und 20 andere Pfarreien umfasste. Judith wiederum schenkte der Ortschaft 32 Hektar Allmende (). Judith de Bretagne gründete 1013 die Abtei Notre-Dame de Bernay. Nach Judiths Tod fiel das Gebiet zurück an Richard II. Kurz vor seinem Tod schenkte Richard II. das Gebiet von Bernay der entstehenden Abtei in Bernay. Dazu gehörte wieder der Teil von Serquigny, der sich nicht im Besitz der Gemeinde befand. Raoul de Beaumont, war Kustos der abtlosen Abtei von Bernay, Abt von Mont-Saint-Michel und verwandt mit Onfroi de Vieilles († um 1050). Er hat Onfroi zwischen 1027 und 1040 einen Teil des Klosterbesitzes anvertraut. Um 1088 bestätigt Onfrois Sohn, Roger de Beaumont (1015–1094), dass er im Besitz von Serquigny ist. Durch Heirat gelangte Beaumont in den Besitz der Grafen von Meulan. Galéran IV., comte de Meulan (1104–1166) gab seinem Vasallen Guy Mauvoisin das Lehen .

Serquigny und Maubuisson

Die größten Lehen im Mittelalter und Ancien Régime in Serquigny waren und .

Vom 11. bis 15. Jahrhundert war das Lehen im Besitz der Familie Mauvoisin. Durch Heirat erhielt die Familie Aché die Seigneurie. Charles d’Aché war Mundschenk und (Brotmeister) von Franz I. (1494–1547). Er wurde nach der Schlacht bei Marignano (13. und 14. September 1515) zum Chevalier ernannt. 1681 verkaufte François d’Aché an den Trésorier de France von Alençon. Der verkaufte das Lehen 1683 an den Herzog von Bouillon.

Im 11. Jahrhundert war das Lehen im Besitz der Familie Erneville. Die Ernevilles ließen eine Burg auf den Fundamenten der alten gallo-römischen Villa erbauen. Das Lehen blieb bis 1810 im Familienbesitz. Dann verstarb Adrien Joseph d’Erneville ohne einen Erben zu hinterlassen.

Nach der Französischen Revolution Jahr EinwohnerLionel Prevost (Hrsg.): In: Bulletin d’Informations Municipales. N° 33, S. 10+12+15–17+22+24f. (französisch; PDF; 6,6 MB) 1793 824 1841 723 1856 971 1866 1384 1891 1053 1921 1441 1931 1188 1954 1454 1968 1794 1975 2112 1982 2236 2006 2146 2011 2153 Die Einteilung in Seigneurien wurde durch die Französische Revolution (1789–1799) beendet. 1793 erhielt Serquigny unter dem Namen Cerquigny den Status einer Gemeinde und 1801 durch die Verwaltungsreform unter Napoleon Bonaparte (1769–1821) unter dem Namen Serguigny das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.

Nach 1830 gehörte das Schloss dem Marquis de la Croix (1803–1874), der Präsident des Generalrats von Eure war. Er wandelte die alten Wassermühlen in eine Spinnerei um, ließ die Eisenbahnstrecke nach Serquigny verlegen und gründete den Bahnhof. Die Linie Rouen – Serquigny wurde 1864 eröffnet. Daraufhin nahm die Bevölkerungszahl zu.

Im Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) gingen die Francs-tireurs von Bernay und Umgebung im Herbst 1870 bei Serquigny in Stellung. Am 13. Dezember 1870 griffen die Deutschen erstmals Serquigny an. Etwa 60 deutsche Soldaten versuchten die Schienen in der Nähe des Bahnhofs zu zerstören. Der Anschlag misslang, die meisten wurden getötet, 9 gerieten in Gefangenschaft.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde Serquigny zwischen dem 9. Juni 1940 und dem 8. August 1944 insgesamt 49 Mal angegriffen. 27 Mal durch Bombardements und 22 Mal durch Maschinengewehrbeschuss. Dabei kamen 14 Personen um, zwei Drittel des Gemeindegebiets wurden verwüstet und 140 bis 150 Häuser zerstört oder unbewohnbar gemacht. Etwa 400 Einwohner wurden obdachlos. Grund für die Häufung der Angriffe war die bei Serquigny liegende Kreuzung der Eisenbahnlinien Paris – Cherbourg und Rouen – Le Mans. Die letzten Tage der Besatzung durch die Wehrmacht im Sommer 1944 waren sehr schwer für die Bevölkerung. Die Alliierten griffen bei Tag und bei Nacht an. Die Deutschen plünderten die zerbombten Häuser und sprengten die Brücken. Eine der Brücken stammte aus dem 12. Jahrhundert. Die Explosion zerstörte das hölzerne Deckengewölbe der Kirche und ihren Kapellenkranz aus dem 16. Jahrhundert. Am 24. August 1944 wurde die Gemeinde durch die von Bernay her kommende 4th Armoured Division der Kanadischen Streitkräfte befreit. Unterstützt wurde die Panzerdivision durch die frankophonen Regimenter und .

Kultur und Sehenswürdigkeiten In der Gemeinde gibt es mehrere Fachwerkhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Sie sind mit Stroh, Schiefer oder flachen Ziegeln gedeckt.

Ein Megalith aus der Jungsteinzeit, der sogenannte , steht im (‚Ort, der genannt wird...‘) . Er befindet sich im Privatbesitz und wurde 1991 in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques (‚historische Denkmale‘) eingetragen. Der Menhir ist etwa 210 Zentimeter hoch, 265 Zentimeter lang und 35 Zentimeter dick und besteht aus Konglomeratgestein ().

Kirche mini|Die Kirche Notre-Dame Laut dem Urbar des Bistums Lisieux hatte der Seigneur von Serquigny das Kirchenpatronat inne. Die Kirche Notre-Dame (‚Unsere Liebe Frau‘) wurde im 11. Jahrhundert erbaut. Aus jener Zeit ist das romanische Eingangsportal erhalten. Es ist reich verziert und wurde 1862 als klassifiziert. Der Rest des Mauerwerks der Kirche ist nur in das Zusatzverzeichnis eingetragen (). Das Eingangsportal ist von vier kurzen Säulen eingerahmt. Ihre Kapitelle sind floral verziert. Darüber verlaufen die Bögen einer Archivolte. Die Bögen sind mit kleinen Zylindern (billettes), Zickzack-Muster und Tori dekoriert. Die Fassade oberhalb des Eingangsportals stammt aus dem 16. Jahrhundert, sie besteht aus dunklem Feuerstein und hellen Steinen, die schachbrettartig angeordnet sind.

Das Kirchenschiff wurde zwar ebenfalls im 11. Jahrhundert erbaut, aber im 16. Jahrhundert umgebaut. Die Fensteröffnungen wurden verändert, neue Fenster eingesetzt und im Chor wurde eine seigneuriale Kapelle für die Familie Bigars eingerichtet. Im nördlichen Teil des Querschiffs sind zwei Wappen erhalten. Sie dienten ursprünglich als Dekoration einer seigneurialen Kapelle. Die Wappen in der modernen französischen Form haben eine Seitenlänge von 25 bis 30 Zentimetern. Es handelt sich um die Wappen von Eudes d’Aché († 1423) und seiner Ehefrau Jeanne de Mauvoisin. 1908 existierte auch noch eine echte Litre funéraire aus dem 18. Jahrhundert, auf der sich Wappen von Pierre-René de la Roque und seiner Ehefrau Marie-Anne Lallier befanden.

Der Kirchturm steht zwischen Chor und Kirchenschiff. Er wurde gegen Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet, ruht aber auf vier massiven Säulen aus dem 16. Jahrhundert. Die Treppe zum Kirchturm befindet sich in einem kleinen Türmchen an einer Ecke des Chors. 1869 wurde der Chor restauriert.

Drei der Kirchenfenster aus dem 16. Jahrhundert sind erhalten. Sie wurden 1907 als historische Denkmale klassifiziert. Weitere denkmalgeschützte Kunstwerke in der Kirche sind ein Relief aus dem Jahr 1791, zwei silberne Altarkelche aus dem 15. und 17. Jahrhundert und eine silberne Patene aus dem 17. Jahrhundert.

Schlösser