mini|Dorfkirche in Below mini|hochkant|Geböschter Holzturm Die Dorfkirche Below ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche im mecklenburgischen Ort Below, einem Ortsteil der Gemeinde Techentin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.
Geschichte Below wurde 1296 urkundlich erstmals erwähnt, als Fürst Nikolaus II. von Werle sein Eigentum in Below und weiteren Orten in der Umgebung von Goldberg den Zisterziensermönchen des Klosters Neuenkamp im vorpommerschen Franzburg verkaufte.MUB III. (1865) Nr. 2388. Zeuge war damals Ywanus de Belowe, dessen Familien die Lokatoren von Below waren und dem Dorf den Namen verliehen. 1249 gehörten die Brüder Iwan I. und Nikolaus II. von Below noch zum Gefolge des Fürsten Pribislaw I.MUB I. (1863) Nr. 633.
In diese Zeit fällt auch die Errichtung einer Capella durch die Belows. Am 8. April 1299 schenkten die Ritter Ywan und Dietrich und die Knappen Nikolaus und Wedekind de Belowe ihr Patronatsrecht der Kapelle nebst Friedhof dem Nonnenkloster Sonnenkamp in Neukloster.MUB III. (1865) Nr. 2251, MUB IV. (1867) Nr. 2595. 1300 sicherte Fürst Nikolaus II. das Patronat der Kapelle in Below dem Kloster Sonnenkamp in Neukloster auch für den Fall zu, wenn dieselbe zu einer Pfarrkirche erhoben würde.MUB Band X. (1877) Nr. 7238. Neben Below reichte damals der südliche Landbesitz des Klosters Neuenkamp bis Techentin. Warum aber das Patronatsrecht für die Belower Kapelle ausgerechnet dem Kloster Sonnenkamp übertragen wurde, geht aus den vorhandenen Quellen nicht hervor. 1369 wurden in Neuenkamp Unstimmigkeiten zwischen den Belower Bauern und dem Techentiner Pastor Johann von RostockFred Beckendorff: Kleine Plauderei über die Techentiner Kirche.2014, S. 26. als Kirchherrn zu Below geschlichtet.MUB XVI. (1893) Nr. 9972. Im Ergebnis sollten der Pfarrer und seine Nachfolger trotz des schlechten Fußweges von Techentin nach Below sonntags, mittwochs, freitags und zu den höchsten Festtagen in Below jeweils eine Messe halten. Nachdem am 13. Januar 1455 das Kloster Neuenkamp mit seinem Besitz im Goldberger Land auch Below an die Mecklenburgischen Herzöge Heinrich der Ältere und Heinrich der Jüngere für 1300 Gulden verkauft hatte, wurde Below ein domaniales Bauerndorf. Das Kirchenpatronat verblieb jedoch bis zur Reformation weiter beim Nonnenkloster Sonnenkamp, danach übernahm es der jeweilige Landesherr.Friedrich Schlie: Das Filial-Kirchdorf Below. 1901, S. 409.
Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen im Lande konnte auch 2021 der Ostergottesdienst nicht gemeinsam in der Kirche gefeiert werden. So wurde die Osterandacht in der Belower Kirche aufgezeichnet und auch für die Kirchgemeinden in Mestlin, in Woosten und in Benthen ins Netz gestellt. Die Pastoren Christian Banek aus Woosten, Ricardo Freiheit aus Benthen und Kornelius Taetow aus Mestlin sowie den Gemeindpädagoginnen Petra Güttler und Astrid Taetow hatten gemeinsam die Predigt, den liturgischen Rahmen und den Liedteil übernommen. An der Orgel spielte der ehemalige Parchimer St. Georgenkantor Fritz Abs.Michael-G. Bölsche: Eine Osterandacht per Dauerschleife. SVZ Parchimer Zeitung, 2. April 2021.
Baugeschichte mini|Ostgiebel Auch in Below war der erst Steinbau die Feldsteinkirche, Backsteinziegel wurden auch hier nur in den Einfassungen von Fenstern und Portalen eingesetzt. Die aus der kleinen Kapelle Ende des 13. Jahrhunderts erbaute und reich ausgemalte Feldsteinkirche von 1483Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 362. steht in der Dorfmitte von Below. Der Baukörper der heutigen Kirche, mit Ausnahme des erst 1542 errichteten geböschten Holzturmes, dürfte in seinem Grundriss mit dem von 1299 identisch sein. Über den Bauzustand der Kirche während des Dreißigjährigen Krieges ist nichts zu erfahren. Pfarrer Joachim Permin musste in einem Techentiner Bauernhaus wohnen, weil das Pfarrhaus abgebrannt war. Es wurde wieder aufgebaut, denn 1662 schrieb man: Das Pfarrhaus ist new aufgebawet vnd mangelt denselben nichts. Erst mit den überlieferten Aufzeichnungen durch die Pastoren in ihren Kirchenbüchern und Chroniken sind seit dem 18. Jahrhundert die Schwierigkeiten bei der Werterhaltung und Bausanierung der kleinen Dorfkirchen in Below und Techentin bekannt. 1746 hatte Pastor Aepinus den Herzog Carl Leopold bei den so Baufälligen Umständen der Kirche um eine Landeskollekte gebeten, die 1748 sein Nachfolger Herzog Christian Ludwig bewilligte.Pfarrarchiv Kirche Techentin.
Am 9. April 1784 beantragte Pastor Friedrich Hövet beim Oberhauptmann von der Lühe im Amt Goldberg die Reparatur am Filial-Kirchen-Dach zu Below, weil selbiges sehr schad- und leckhaft geworden sei. Dieser beauftragte seinen Zimmerermeister Lindner aus Goldberg, doch Pastor Hövet beschwerte sich beim Herzog, der Baumeister sei zu teuer. Auch fehlen Dachsteine aus der Ziegelei Medow und die zwei Tonnen vom Dobbertinschen Baukalk, welchen das Kloster selbst niemals brauche. Dieser schlechte Erdkalk wurde immer an gutgläubige Laien verkauft.
Durch den Streit verzögerten sich auch die Dachreparaturen einige Jahre. Erst als die Direction des Amtes die Aufsicht über die Reparatur des Belower Kirchendaches an Pastor Hövet übergeben musste, sollte er der vertrauten Spur folgen.Friedrich Hövet: Auszug aus der Techentiner Kirchenchronik, die Belower Kirche betreffend. Bei der Abnahme des Kirchendaches 1791 wurde auch der Westgiebel zum Turm hin abgetragen und neu aufgebaut.LKAS. OKR Schwerin, Specialia, Abt. 1. Nr. 046. Am 14. September 1791 schrieb der der Oberhauptmann von der Lühe vom Goldberger Amt an den Herzog: Als das Belower Kirchendach abgenommen ward, fanden sich größere Schadhaftigkeiten, als man anfänglich vermuthen konnte. Der ganze hohe Giebel mußte abgebrochen werden. Dadurch ward die Ausweißung der Kirche und hienächst eine neue Verglasung nothwendig, weil die alte, dem Glaser mitzugeschlagenen Fenster keine Reparatur fähig waren. So ist jetzt die Kirche in einem Zustande versetzt, dass sie bey Menschen=Dencken keine Reparatur erfordern wird, aber auch ein höherer Kosten=Aufwand erforderlich gewesen.Friedrich Hövet: Auszug aus der Techentiner Kirchenchronik, die Belower Kirche betreffend. Doch durch den Sturm am 3. März 1793 wurde das Kirchendach wieder beschädigt. Nach der Besichtigung der Schäden durch Pastor Friedrich Hövet mit dem Maurermeister Fründt und Tischlermeister Gertz wurde vermerkt: …dass der obere Kirchenboden ganz fehle. Unter den Balken mit alten zum Theil wurmstichigen Brettern, die keinen Nagel mehr hielte, verschalt, bey deren Betretung, wenn man den Balken verfehlte, ein unglückliches Durchschießen zu besorgen wäre, in welcher Gefahr, dem Vernehmen nach, sich schon mancher befunden hätte. An der Reparatur des Kirchenbodens 1794 waren der Belower Schmied Casteno und der Zimmerermeister Diederich Schade beteiligt.
Die durch die Herbststürme 1808 verursachten Schäden wurden erst 1809 repariert. Pastor Christian Mecklenburg schrieb dazu am 30. März 1808 an Herzog Friedrich Franz: Die Stürme im letzten Herbst haben den Kirchthurm zu Below sehr ruiniert, mehrere Bretter von der Verkleidung sind losgerissen und zerschmettert. Reparatur ist notwendig. Schon am 4. April 1809 ordnete der Herzog an, das Holz habe das Forst-Kollegium bereitzustellen. Am 23. September 1815 berichtete Christian Borngräber, nun Pastor in Below und Techentin, über die Pläne des Großherzoglichen Landbaumeisters Brandt, den Kirchturm radikal zu reparieren. Der Bau hatte bereits seinen Anfang genommen, die Arbeiter verlangten Geld, doch die Kasse war leer. Der Pastor hatte eine Idee, man könne die hiesige unbrauchbar gewordene Glocke verkaufen. Doch 1824 war die Glocke immer noch nicht verkauft worden und der Pastor klagte weiter über die schlechte Beschaffenheit seiner Kirche. Während der Amtszeit von Pastor Krüger wurde in der Techentiner Kirchenchronik vermerkt, dass seit 1917 eine Glocke für Kriegszwecke weg sei.
Als der seit 1938 amtierende Pastor Wartmann am 1. Dezember 1945 aus der Kriegsgefangenschaft kam, wollten die Belower ihm zum ersten Weihnachtsgottesdienst eine besondere Freude machen und hatten in die Kirche elektrisches Licht gelegt, doch am Heiligen Abend war Stromsperre und die Kerzen mussten wieder leuchten.Frau Wartmann: Auszug aus der Techentiner Kirchenchronik, die Belower Kirche betreffend. Vom Pastor Ortmann war zu hören, dass nach vielen Mühen und Beratungen das schadhafte Dach des Turmes 1985 mit Preolitschindeln neu gedeckt wurde. Bei der anstehenden Turmsanierung soll das Turmdach mit Zedern-Schindeln neu eingedeckt werden.Holger Haker: Dorfkirche Below. Der Turm. Januar 2020, S. 2. Kirchenschiff und Holzschaft mussten dem Nachfolger bleiben. Nach der politischen Wende hat sich seit 1990 besonders die Familie von Below mit Eberhard von Below aus Kleinburgwedel bei Hannover mit nennenswerten finanziellen Beiträgen für die Renovierung der Belower Kirche engagiert, was sie als Reverenz ihren Vorfahren gegenüber betrachtet.Fred Beckendorff: Historische Feldsteinkirche Below.1998, S. 6. Nach Bodenabtrag zur Freilegung der Feldsteinfundamente und deren Entfeuchtung um die Kirche ab 1996 erfolgten die Vermörtelung der Feldsteine. Am Holzturm wurden die schadhaften Fußschwellen ausgewechselt und eine neue Turmverbretterung als Boden-Deckel-Schalung aus Nadelholz angebracht.
Baubeschreibung Äußeres Die kleine rechteckige, nur 9 Meter breite und 16 Meter lange Feldsteinkirche mit seiner flachen Holzbalkendecke ist ein einschiffiger Sakralbau. Das östlich abgewalmte Dach wurde mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Die Außenwände wurden aus behauenen Feldsteinen und Backsteinen in unregelmäßigem Mischmauerwerk errichtet. Beide Ecken der Ostwand wurden nachträglich mit abgeschrägten Strebepfeilern gesichert. Die oberhalb in den Strebepfeilern eingelassenen Nischen waren wohl zur Aufnahme von Heiligenfiguren bestimmt. Zwischen beiden spitzbogigen Zwillingsfenstern der Ostwand ist unterhalb der Traufe eine zugemauerte Kreisblende zu erkennen. Die spätgotisch veränderten Fenster auf der Nord- und Südseite stammen aus der Zeit nach 1784, wo die Kirche repariert wurde.Fred Beckendorff: Kleine Plauderei über die Techentiner Kirche. 2014, S. 36.
mini|hochkant|links|Wetterhahn auf der Turmspitze An der Nordseite befindet sich ein kleiner Anbau aus Klosterformatsteinen. Der gedrückte Rundbogen über dem mit einem Unterzug versehenen Eingang und die drüber befindliche Fensternische wurden mit Formsteinen verkleidet. An der zugemauerten Öffnung an der Nordseite befand sich einst die Sakristei.
Hölzerne Türme, westlich der Kirche errichtet, galten auch nach dem Dreißigjährigen Krieg weiter als Nutzbauten für Glocken, so auch in Below. Der an der Westseite vorgesetzte geböschte und mit Brettern verschalte quadratische Holzturm wird mit seinem achtseitigen Pyramidenhelm auf eine Bauzeit um 1542 datiert.
Zur Entfeuchtung der inneren Wandflächen und zum Schutz der Malereien erfolgte 2000 im Außenbereich am Feldsteinmauerwerk ein Bodenabtrag mit Sicherungsmaßnahmen an den Feldsteinfundamenten.
Inneres Das Innere der kleinen Dorfkirche zeichnet sich trotz seiner Einfachheit durch die fast vollständig erhaltenen, 1882 unter Kalktünche wieder freigelegten Wandmalereien von 1470/1480 aus. Der umlaufende Bilderfries stellt in verschiedenen Szenen das Leben Jesu dar und diente somit als eine Art Bilderbibel für die einheimische Bevölkerung, da damals nur wenige Menschen schreiben und lesen konnten.Horst Alsleben: Die Wand als Bilderbuch. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 29. Mai 2020, S. 21.