mini|Harald Walach (2013)
Harald Walach (* 6. Februar 1957 in Augsburg) ist ein deutscher Klinischer Psychologe. Von 2010 bis 2016 leitete er im Rahmen einer Stiftungsprofessur das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften IntraG an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Anschließend war er an der Medizinischen Universität Posen beschäftigt.
Während der COVID-19-Pandemie verbreitete er Falschinformationen zu Impfungen und zu Mund- und Nasenschutz bei Kindern. Nach einer umstrittenen Veröffentlichung im Juli 2021 beendete die Universität Posen die Zusammenarbeit. Ebenso ließ die Universität Witten-Herdecke seine Gastprofessur ruhen.
Walach und das von ihm geleitete Institut an der Viadrina wurden vielfach als esoterisch kritisiert. Die Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten wird grundsätzlich in Frage gestellt.Sebastian Herrmann: Zu tief in die Röhre geschaut. Esoterik an der Uni Viadrina. Süddeutsche Zeitung, online, 10. Mai 2012Stefan Locke: Erfolgreich, aber erfunden. Betrug mit „Gravitationswellen“ Frankfurter Allgemeine Zeitung, online, 21. April 2012Bernd Kramer: Esoterische Masterarbeit – Ich sehe was, was du nicht siehst, Spiegel Online, 7. Mai 2012, online
Akademische Karriere Harald Walach studierte als Stipendiat des katholischen Cusanuswerks von 1979 bis 1984 Psychologie und Philosophie an der Universität Freiburg. Danach war er von 1985 bis 1987 im Katharina-Werk Basel als Leiter eines Zentrums für Erwachsenenbildung tätig. Von 1988 bis 1990 absolvierte er ein Promotionsstudium an der Universität Basel, er wurde dort 1991 in Klinischer Psychologie mit insigni cum laude promoviert.
Ab 1991 war Walach an der Universität Freiburg in der Abteilung für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie des Instituts für Psychologie tätig, wo er sich mit der Evaluation komplementärmedizinischer Methoden, wie Akupunktur und Homöopathie, befasste. Außerdem studierte er an der Universität Wien Philosophie und Geschichte der Wissenschaft, wo er 1995 ebenfalls promoviert wurde. 1998 habilitierte sich Walach in Psychologie an der Universität Freiburg mit der Arbeit Unspezifische Therapieeffekte. Das Beispiel Homöopathie. (mit Abt. für Psychologie und Grenzgebiete und Abt. für Persönlichkeitspsychologie). Danach war er von 1998 bis 2000 wissenschaftlicher Leiter und Koordinator des DMILS-Labors am Institut für Grenzgebiete der Psychologie sowie Honorardozent für Psychologie an der Hochschule.
Von 1999 bis 2005 war Harald Walach Leiter der Forschungsgruppe zur Evaluation von Komplementärmedizin am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg. 2005 wechselte er als Research Professor an die Abteilung für Psychologie der School of Social Sciences an der University of Northampton, wo er bis 2009 tätig war.
Nach einem Ruf auf die Stiftungsprofessur für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde ging Harald Walach 2010 nach Frankfurt (Oder) an die Europa-Universität Viadrina und wurde zum Direktor des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) ernannt.Pressemitteilung auf idw.de. Die Stiftungsprofessur wurde zeitweise durch Biologische Heilmittel Heel finanziert, einem der weltweit größten Hersteller von Homöopathika.Esoterik-Institut vor dem Aus? (18. Juni 2012); (PDF; 147 kB) der IGHH e. V. und der IGBM e. V. Die Stiftungsprofessur lief zum 31. Januar 2016 aus., Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Europa-Universität Viadrina.
In der Folge arbeitete er an der Medizinischen Universität Posen. Nach einer umstrittenen Veröffentlichung in Vaccines MDPI beendete die polnische Universität die Zusammenarbeit.Die Medizinische Universität Posen trennt sich von Harald Walach Walachs Arbeit war kurz zuvor von der Zeitschrift zurückgezogen worden.Retraction: Walach et al. The Safety of COVID-19 Vaccinations—We Should Rethink the Policy. Vaccines 2021, 9, 693
Walach war zudem bis Juli 2021 Gastprofessor an der Universität Witten-Herdecke. Die Universität ließ nach Prüfung der jüngsten Publikationen von Walach seine Gastprofessur ruhen und wird keine Lehraufträge mehr an ihn vergeben.Wulf Rohwedder: Kein Beweis für Maskenschäden bei Kindern. In: Tagesschau.de, 8. Juli 2021, Stand 4. August 2021, abgerufen am 3. Februar 2022. (siehe #Falschinformationen bei COVID-19).
Walach folgte der Einladung des Dokumentarfilmers Erik Lemke, an dessen Diskursfilm Homöopathie unwiderlegt? mitzuwirken, der im Januar 2022 in Berlin uraufgeführt wurde. Lemke sagte vor der Aufführung, in der homöopathiekritischen Dokumentation im Stil eines Sokratischen Gesprächs hätten sich die Protagonisten in Widersprüche verwickelt und sich zum Teil „um Kopf und Kragen“ geredet.
Tätigkeitsschwerpunkte Der Forschungsschwerpunkt von Walach ist die Effektivität komplementärmedizinischer Behandlungen, insbesondere der HomöopathieVgl. auch Harald Walach, M. Teut: Scientific proving of ultra high dilutions on humans. In: Homeopathy. Band 104, 2015, S. 322–327. und der Achtsamkeitsmeditation, sowie die Forschungsmethoden in diesem Bereich. Unter anderem entwickelte er den Freiburger Fragebogen zur Achtsamkeit (FFA).Harald Walach et al.: Measuring mindfulness—the FreiburgMindfulnessInventory (FMI). In: Personality and Individual Differences 40 (8), 2006, S. 1543–1555, doi:10.1016/j.paid.2005.11.025; Harald Walachet al.: Empirische Erfassung der Achtsamkeit – die Konstruktion des Freiburger Fragebogens zur Achtsamkeit (FFA) und weitere Validierungsstudien. In: Thomas Heidenreich, Johannes Michalak (Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Tübingen, DGVT, 2004, S. 727–770; Nina Buchheld, Harald Walach: Achtsamkeit in Vipassana-Meditation und Psychotherapie: Die Entwicklung des „Freiburger Fragebogens zur Achtsamkeit“. In: Zeitschrift für klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie 50, 2002, S. 153–172.
Zudem erforschte er anhand randomisiert-kontrollierter und (z. T. doppelt) verblindeter Studien alternative Behandlungsformen wie z. B. Bach-Blüten oder Fernheilung, für die er jedoch keine Wirksamkeit feststellen konnte (und beobachtete WirkungenVgl. Harald Walach: Homöopathie, wie ich sie sehe: Sie wirkt – aber wir wissen nicht wie. In: Well. Das Magazin der BKK Essanelle. 3, 2014, S. 10 f. stattdessen auf den Placebo-Effekt zurückführte). Andererseits behauptet er bei öffentlichen Auftritten, dass homöopathische Mittel häufig besser wirken würden als ein Placebo, eine Behauptung, der andere Wissenschaftler nach Studienlage allgemein widersprechen. Walach argumentiert, dass ein wichtiger Faktor hierbei die Mobilisierung von Selbstheilungskräften sei, worauf in der Komplementärmedizin gewöhnlich Wert gelegt werde. Sendung im ZDF vom 30. November 2011
Walach vertritt eine generalisierte Quantentheorie oder verallgemeinerte Quantentheorie, früher auch schwache Quantentheorie,Harald Atmanspacher, Hartmann Römer, Harald Walach: Weak Quantum Theory: Complementarity and Entanglement in Physics and Beyond. online; Harald Walach: Generalisierte Quantentheorie (Weak Quantum Theory): Eine theoretische Basis zum Verständnis transpersonaler Phänomene. ; . die unter anderem eine Quantenverschränkung zwischen Verumgruppe und Kontrollgruppe bei Studien postuliert, die dazu führt, dass vorhandene Effekte nicht gefunden werden.
Daneben befasst sich Walach auch mit SpiritualitätN. Kohls, Harald Walach: Psychological distress, experiences of ego loss and spirituality: Exploring the effects of spiritual practice. In: Social Behavior and Personality. Band 35, 2007, S. 1310–1316.L. Hofmann, Harald Walach: Spirituality and religiosity in psychotherapy. A representative survey among German psychotherapists. In: Psychotherapy Research. Band 21, 2011, S. 179–192.Secular spirituality – what it is. Why we need it. How to proceed. In: Journal for the Study of Spirituality. Band 7, Nr. 1, 2017, S. 7–20. und Transpersonaler Psychologie.Harald Walach, N. Kohls, W. Belschner: Transpersonale Psychologie – Psychologie des Bewusstseins: Chancen und Probleme. In: Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie 55, 2005, S. 405–415.
Forschungsprojekte Walachs am IntraG waren (Stand September 2012): „Lebensstilbasierte Prävention von (Alzheimer) Demenz“, „Achtsamkeit in der Schule“, „Ganzheitliche Bildungsansätze für nachhaltige Entwicklung“, „Psychophysikalische Korrelationen“, „Generalisierte Quantentheorie“.
Walach ist stellvertretendes Mitglied für Medizinische Statistik der Kommission Homöopathische Therapierichtung (Kommission D) im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und arbeitet als Gutachter für zahlreiche internationale Zeitschriften und Gremien. Er war Präsident der von ihm mitgegründeten International Society for Complementary Medicine Research (ISCMR) und gehörte dem wissenschaftlichen Beirat des Blogs CAM Media.Watch an, der durch polemische Kritik an Wissenschaftlern und über Komplementärmedizin berichtenden Journalisten bekannt wurde. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Forschende KomplementärmedizinEditorial Board der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin und Direktor des europäischen Büros des Samueli-Instituts.Mitteilung des Samueli-Instituts
In seiner Funktion als Institutsdirektor war er verantwortlich für den Masterstudiengang Komplementäre Medizin, Kulturwissenschaft, Heilkunde, seit 2012 Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin, an der Viadrina. (PDF; 1,6 MB) der Europa-Universität Viadrina; der Europa-Universität Viadrina.
Kontroversen Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften In einem Abschlussbericht der Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg vom 8. Juni 2012 wurden gegen das von Walach geleitete Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) „durchgreifende strukturelle Bedenken“ geäußert. Dem Lehrkörper, wie auch in der Forschung, fehlten überwiegend medizinische Kenntnisse. Insgesamt sei „die für eine der Themenstellung adäquate Forschung im universitären Rahmen erforderliche personelle wie sachliche Ausstattung des Instituts aus Sicht der Kommission nicht erkennbar.“ Die Hochschulstrukturkommission empfahl der Universität „nachdrücklich den künftigen Verzicht auf das Angebot des MA-Studienganges ‚Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin‘“. Selbst die Fortführung des Instituts wurde weder als In-Institut noch als An-Institut befürwortet.Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg: Abschlussbericht. vom 8. Juni 2012, ; Bernd Kramer: Hokuspokus Verschwindibus. Drohendes Aus für Esoterik-Institut. Spiegel Online, 22. Juni 2012, online Die Viadrina beschloss im Februar 2013, sich über die Empfehlung der Hochschulstrukturkommission hinwegzusetzen und das Institut unter der Auflage weiterzuführen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Kooperation mit einer medizinischen Fakultät eingegangen wird. Im Juli 2015 gab das Institut eine Kooperation mit der Medizinischen Universität Posen bekannt.„Parawissenschaften als Studienfach“ die tageszeitung, 14. März 2013, ; „Die ‚Hogwarts an der Oder‘?“ Sächsische Zeitung, 19. März 2013, ; „‚Zauberschule‘ an der Oder?“ Berliner Zeitung, 19. März 2013, online; „Institut der Europa-Universität in der Kritik“ Berliner Morgenpost, 20. März 2013, online; „Viadrina bietet weiter Alternativmedizin an“ Märkische Oderzeitung, 18. März 2013, ; Kooperation mit Medizinischer Hochschule eingegangen, 9. Juli 2015, Im Juli 2021 gab die Universität Posen die Trennung bekannt und distanzierte sich von Walachs Äußerungen.https://blog.gwup.net/2021/07/16/wissenschaftliche-hoechststrafe-auch-walachs-masken-studie-ist-zurueckgezogen-worden/