mini|hochkant=1.4|Propsteikirche St. Kornelius, Ansicht von Südosten mini|hochkant=1.4|Propsteikirche St. Kornelius, Ansicht von Nordosten

Die Propsteikirche St. Kornelius in Kornelimünster, einem Stadtteil Aachens, ist ein Kirchengebäude der römisch-katholischen Kirche im Bistum Aachen. Die Kirche ist dem heiligen Kornelius gewidmet, der 251 bis 253 Papst war. Ursprünglich war sie die Klosterkirche der Reichsabtei Kornelimünster. Durch die in ihr aufbewahrten Christusreliquien wurde sie zum Ziel zahlreicher Wallfahrten, besonders während der alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrt Kornelimünster. Nach der Säkularisation in der napoleonischen Zeit wurde sie Pfarrkirche der Pfarrgemeinde Kornelimünster. Zudem blieb sie Wallfahrtskirche und Ziel der alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrt.

Die Kirche ist eine fünfschiffige Basilika und gehört zu den bedeutendsten Bauwerken rheinischer Baukunst. Der erste Bau aus karolingischer Zeit wurde in ottonischer Zeit durch einen größeren Bau ersetzt, der im 13. und 14. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut wurde. Im 15. Jahrhundert erfolgte eine Erweiterung auf zwei südliche Seitenschiffe, im 16. Jahrhundert eine Erweiterung auf zwei nördliche Seitenschiffe. Im 18. Jahrhundert wurde in Verlängerung des Chors noch die Korneliuskapelle angebaut.

Geschichte mini|hochkant=1.4|Bauphasen-Grundriss der Propsteikirche von Leo Hugot Ursprünglich als Klosterkirche errichtet, wurde St. Kornelius durch die dort aufbewahrten und verehrten Reliquien immer mehr auch zu einer Wallfahrtskirche. Aus dieser doppelten Funktion heraus und den damit einhergehenden Umbauten und Erweiterungen sind einige bauliche Eigenarten wie zum Beispiel der unsymmetrische Grundriss und die unterschiedlichen Höhen der Seitenschiffe im Norden und im Süden zu erklären.

Die Gestalt der zerstörten Vorgängerbauten ist durch zwei archäologische Ausgrabungen in den Jahren 1886–1889 und 1960–1967 bekannt. Anlass für die Grabung im 19. Jahrhundert war die Suche nach dem Grab des Gründers und ersten Abts Kornelimünsters, Benedikt von Aniane. Sie fand unter Leitung des Pfarrers der Aachener Strafanstalt statt. Die Ausgrabung in den 1960er Jahren wurden von dem späteren Aachener Dombaumeister Leo Hugot geleitet, der zu dieser Zeit Bauleiter an der Aachener Dombauhütte war.

Karolingischer Vorgängerbau

Zur Gründungszeit des durch Ludwig den Frommen gestifteten „Inde-Klosters“ (ca. 814–817) wurde die erste Klosterkirche errichtet und 817 in Anwesenheit des Kaisers geweiht. Sie war eine dreischiffige Basilika mit einer Länge von 26 Metern und einer Breite von 12 Metern. Ihre drei Schiffe waren nahezu gleich breit, wobei das Langhaus insgesamt 10,7 Meter breit und 9,22 Meter lang war. Die Mauerstärken betrugen zwischen 0,7 und 0,9 Meter. Der Fußboden lag 0,71 Meter tiefer, als es heute der Fall ist. Die Kirche hatte bereits dieselbe Ausrichtung wie der heutige Bau. An das Querschiff schloss sich im Osten als Fortsetzung des Mittelschiffes der Chor mit Apsis und zwei Seitenapsiden an, die wohl Kuppeldächer besaßen. Für die räumlichen Trennung von Chorraum und Mittelschiff sorgte ein Lettner. Im Westen stellte ein Westwerk mit drei quadratischen Räumen und Anbauten die Verbindung des Mittelschiffs mit den anschließenden Klostergebäuden her. Sein offenes, hallenartiges Erdgeschoss diente als Ort für Gerichtsverhandlungen und Bestattungen. Offenbar war es auch als Grablege des Kaiserpaares vorgesehen, denn dort wurde eine Doppelgrabanlage aus der Karolingerzeit nachgewiesen. An die Südseite des Querschiffs wurde in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts ein rechteckiger Bau als Martyrium angebaut, in dem Reliquien von Märtyrern aufbewahrt wurden.

Romanische Basilika

Nachdem Kirche und Kloster 881 und 892 bei Normanneninvasionen zerstört worden waren, erfolgte Ende des 10. Jahrhunderts unter Otto III. ein Neubau der Kirche als dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika mit zweigeschossigem Westbau. Die flache Holzdecke des Baus wurde durch quadratische Pfeiler mit einer Seitenlänge von 0,8 Metern getragen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde das Martyrium niedergelegt, um Platz zu machen für eine einschiffige Pilgerkirche mit separatem Eingang an der Südseite. Dieses Ensemble beschädigten Aachener Bürger 1310 in einer Fehde zwischen der Stadt Aachen und Gerhard V., dem Grafen von Jülich. Dieser war nicht nur Vogt von Aachen, sondern auch Vogt der Abtei, die ihn im Kampf gegen die Aachener unterstützt hatte. Die Beschädigungen am Kloster scheinen jedoch nicht allzu groß gewesen zu sein, denn die Stadt hatte dafür später nur eine recht kleine Entschädigung zu zahlen. Von der Abteikirche wurde dabei nur der Westbau in Mitleidenschaft gezogen, dessen Wiederaufbau ein von nun an geschlossenes Erdgeschoss und eine Westfassade aus Blaustein mit sich brachte.

Gotischer Umbau

Ab dem Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgte eine grundlegende Umgestaltung des Kirchenraums durch den Anbau eines Chorraums im Stil der Hochgotik mit 5/8-Schluss und Maßwerk-Fenstern. Das Ende der Bauarbeiten ist in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Schon ein Jahrhundert zuvor waren in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Kämpfergesims, Bögen und Obergaden des Mittelschiffes im gotischen Stil erneuert worden.

In den 1360er/1370er Jahren brach ein Feuer im Kloster aus, das die Abtei samt Kirche bis auf die Fundamente zerstörte. Bei dem kurz darauf begonnenen Wiederaufbau ließ Abt Johann II. von Levendael (auch Löwendael geschrieben) oder Winrich II. von Kintsweiler anstelle der bisherigen, einschiffigen Pilgerkirche eine neue zweischiffige Kirche errichten, die nun über Bogenstellungen auch eine direkte Verbindung zur Konventkirche besaß. Die heutigen Säulen im Südschiff von St. Kornelius sind Überreste dieses Baus.

Süd- und Norderweiterungen

Abt Heribert von Lülsdorf begann um die Mitte des 15. Jahrhunderts mit einer erneuten Umgestaltung der Kirche: Die beiden als Pilgerkirche dienenden Südschiffe wurden neu gebaut. Ein Schlussstein im äußeren Südschiff zeigt die Jahreszahl 1470 und kündet damit vom Ende der Bauarbeiten. Zur gleichen Zeit wurde die bisher flache Decke des Mittelschiffes durch ein Kreuzrippengewölbe ersetzt. Dazu setzte man Halbsäulen als Gewölbestützen auf die quadratischen romanischen Pfeiler auf. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhielt der Westbau an der Nordseite einen Anbau sowie eine Gewölbedecke im Erdgeschoss. Aus der gleichen Zeit stammen die beiden Nordschiffe der Kirche. Sie wurden vermutlich während der Amtszeit des Abts Heinrich III. von Binsfeld (1491–1531) errichtet. Indiz dafür ist sein Wappen auf der Tür sogenannten Abtloge am westlichen Ende des äußeren Nordschiffes. Den Chören der beiden Nordschiffe wurden – gemeinsam mit dem Chor des Mittelschiffes – im 17. Jahrhundert Galerien aufgesetzt, die zur öffentlichen Zurschaustellung der in der Kirche aufbewahrten Heiligtümer dienten.

Barocke Umgestaltung und Erweiterung

mini|Abbildung der Reichabstei samt Klosterkirche im Codex Welser Unter Abt Hermann von Eynatten, der dem Kloster von 1620 bis 1645 vorstand, erhielt St. Kornelius eine Innenausstattung im Stil des Barocks. Aus jener Zeit sind noch der Hochaltar, der Benediktusaltar im Chor des inneren Nordschiffes und einige Gemälde erhalten. Bis 1706 erhielt der Chor des Mittelschiffes auf Geheiß des Abts Rüdiger von Neuhoff gen. Ley einen östlichen Anbau in Form der achteckigen Korneliuskapelle, die 1708 geweiht wurde. Um diese Erweiterung realisieren zu können, musste das Mittelfenster des gotischen Chors vermauert werden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Innenraum ein weiteres Mal, diesmal im Stil des Rokoko, verändert. Die Entwürfe dazu lieferte der Aachener Baumeister Johann Joseph Couven. Das Dekor des Hauptaltars, die Kommunionbänke und das Gehäuse der Orgel stammen aus jener Zeit.

Zeit als Pfarrkirche

Nachdem das Kloster 1802 per Dekret Napoleons säkularisiert worden war und die letzten Mönche im August des gleichen Jahres das Kloster verlassen hatten, wurde St. Kornelius zur Pfarrkirche von Kornelimünster. In den 1830er Jahren fanden erste umfassende Restaurierungen an der Kirche statt. Dabei wurde unter anderem die alte Dachkonstruktion verändert, um Mittel- und inneres Nordschiff unter einem gemeinsamen Dach mit Dachreiter zusammenzufassen. In den 1880er Jahren schlossen sich Ausgrabungen an, welche die Fundamente der Vorgängerbauten freilegten, ehe in der Zeit von 1896 bis 1899 (mit zeitweiser Unterbrechung) die Korneliuskapelle für über 11.000 Mark erneuert und damit vor dem zuvor geplanten Abriss bewahrt wurde. Dabei erfolgte auch eine teilweise Rekonstruktion der Fensterverglasung nach historischem Vorbild. In den 1930er Jahren wurden im Mittelschiff Deckenmalereien in neugotischer Manier auf die in der Barockzeit aufgetragene Kalktünche aufgebracht. Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass diese Dekoration die spätmittelalterliche Originalbemalung sei, doch bei Restaurierungen im Jahr 2013 fand sich die tatsächliche neugotische Bemalung hinter der heutigen. In den 1970er Jahren fanden ebenfalls Restaurierungsarbeiten in der Kirche statt. Dabei wurden unter anderem die Gewölbemalereien im Westbau freigelegt und die heutigen Kirchenfenster installiert.

Beschreibung

Lage Die Propsteikirche St. Kornelius steht mitten im historischen Ortskern von Kornelimünster, der in einer Schleife des Flüsschens Inde liegt, auf einem etwa 100 Meter breiten flachen Landstreifen zwischen dem Fluss und einem Bergrücken, auf dem der Friedhof und die Bergkirche St. Stephanus liegen. St. Kornelius ist zwar geostet, die Mittelachse weicht aber von der exakten Ostrichtung um etwa 15° nach Norden ab. Westlich schließen sich an die Kirche die Gebäude der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster an, im Osten ist die Kirche von einem großen Platz umgeben.

Äußeres

mini|St. Kornelius im Jahr 1912, Ansicht von Süden Ihr Aussehen verdankt die Kirche ihrer langjährigen Doppelfunktion als Kloster- und Wallfahrtskirche. Von außen wie im Inneren vermittelt sie einen im Wesentlichen gotischen Eindruck. Sie enthält jedoch noch Bauteile der früheren romanischen Basilika, die ihrerseits einen karolingischen Vorgängerbau ersetzt hatte. Die Kirche besteht aus einem Mittelschiff mit zwei Nord- und zwei Südschiffen. Ihr westliches Ende wird durch einen zweigeschossigen Westbau gebildet. An allen Schiffen sind an deren östlichem Ende Chöre angebaut, die zum Teil Galerien an den Außenseiten besitzen. Der Chor des Mittelschiffes ragt dabei am weitesten nach Osten. Ihm schließt sich östlich die oktogonale Korneliuskapelle im strengen maasländischen Barock mit zwei Reihen Rechteckfenster und darüber liegenden Ochsenaugen an. Ihre gemauerte Brüstung mit abschließendem schmiedeeisernem Gitter verdeckt die Kuppel der Kapelle, sodass von außen nur deren Laterne mit bekrönender Korneliusstatue zu sehen ist.

Das in der Barockzeit außen verputzte Mauerwerk ist heute steinsichtig, sodass sich die unterschiedlichen Baumaterialien sehr gut erkennen lassen. Die Mauern der Südschiffe sowie des Chorschlusses bestehen aus hellbraunem Dolomit-Bruchstein, während bei den Nordschiffen Blausteinquader zum Einsatz kamen. Auffällig ist, dass die Köpfe der Strebepfeiler aus rotem Sandstein gefertigt wurden. Die Maßwerke des Chors wurden in den 1860er Jahren aus Weiberner Tuff erneuert. Der Westbau ist mit Blausteinquadern verkleidet und besitzt Fenster, deren Maßwerk aus Ettringer Tuff ein moderner Ersatz ihrer Vorgänger ist. Die Korneliuskapelle besteht aus Backstein und besitzt Eckquaderungen sowie Gesimse und Fenstergewände aus Blaustein.

Die Kirche kann über zwei Eingänge an der Nord- und Südseite betreten werden, wobei das die südliche Eingangstüre der einstige Haupteingang für die Pilger war. Das Eingangsportal wird von den Statuen der Heiligen Kornelius und Cyprianus flankiert.

Inneres

mini|Grundriss