mini|Wappen der Freien Reichsstadt Aachen Diese Liste zählt die Personen auf, die während der Zeit Bürgermeister von Aachen waren, in der Aachen eine freie Reichsstadt war. Die späteren Bürgermeister Aachens sind unter Bürgermeister der Stadt Aachen aufgeführt.
Geschichte Die Freie Reichsstadt Aachen wurde zunächst durch einen königlichen Beamten regiert. Erst 1250 ging die Leitung auf einen so genannten Erbrat über, welcher sich aus zwei Rent- und Baumeistern, lebenslang gewählten Schöffen sowie den Deputierten der neun Aachener Grafschaften des Aachener Reichs zusammensetzte und dem in der Regel zwei regierende Bürgermeister vorstanden. Letztere waren anfangs noch notable Aachener Persönlichkeiten, ab Mitte des 14. Jahrhunderts vermehrt auch Mitglieder des Aachener Schöffenstuhls. Diese aristokratische Selbstverwaltung der Stadt führte zunehmend zum Verdruss, da sich die Handwerker und einfachen Bürger im Erbrat nicht vertreten fühlten.
Erst im Aachener Gaffelbrief von 1450 und seinen späteren Novellen wurde festgelegt, dass ein Bürgermeister aus dem Kreis der Schöffen, die sich nunmehr in die nach ihrem Stammlokal benannte Sternzunft organisierten, und ein Bürgermeister aus den übrigen Zünften als Vertreter der Bürgerschaft gewählt werden musste. Der Bürgermeister aus den Schöffen wurde auch als „Schöffenbürgermeister“ bezeichnet, der Bürgermeister aus den Zünften als „Bürgerbürgermeister“ (sic!). Die Wahlen fanden in der Regel am 25. Mai statt. Die Kandidaten mussten die Bürgerrechte besitzen und schon längere Zeit in Aachen wohnen und arbeiten. Ihre Amtszeit dauerte in der Regel ein Jahr, danach wurden sie als so genannte „Abgestandene Bürgermeister“ bezeichnet und konnten sich erst nach einem weiteren Jahr wieder zur Wahl stellen.
Dabei konnte es "Pärchen" geben, die sich im zweijährigen Rhythmus abwechselten und somit über lange Zeit die Geschicke Aachens bestimmten. So war z. B. Alexander Theodor von Oliva in den 38 Jahren zwischen 1729 und 1767 insgesamt 19 mal Schöffenbürgermeister, von 1729 bis 1748 abwechselnd mit Johann Werner von Broich, von 1749 bis 1756 abwechselnd mit Franz von Fürth und von 1758 bis 1767 abwechselnd mit Joseph Xaver von Richterich. Dieser wechselte sich dann bis 1786 mit Johann Jakob von Wylre im Amt des Schöffenbürgermeisters ab. Solche Pärchen gab es auch bei den Bürgermeistern aus den Zünften, z. B. Martin Lambert de Lonneux und Jakob Niclas zwischen 1730 und 1756.
Die normale Abfolge wurde jedoch mehrmals gestört, beispielsweise während der Aachener Religionsunruhen im 16. Jahrhundert. So wählte 1581 sowohl die katholische als auch die evangelische Partei je einen Bürgermeister aus den Schöffen und einen aus den Zünften. Nach einer Neuwahl einige Wochen später am 5. Juni 1581 blieben nur noch der evangelische Schöffenbürgermeister Johann von Lontzen und der katholische Bürgerbürgermeister Johann Fiebus im Amt. 1587 wählten die in Aachen verbliebenen Protestanten neben einem Schöffenbürgermeister gleich zwei Bürgerbürgermeister, während die aus Aachen vertriebenen Katholiken je einen eigenen Bürgermeister aus den Schöffen und den Zünften wählten. Während der Aachener Mäkelei wurde 1786 der gewählte Bürgerbürgermeister Stephan Dominicus Dauven, der der Alten Partei angehörte, zum Rücktritt gezwungen und durch einen Kandidaten der Neuen Partei ersetzt.
Bedingt durch die von der Aachener Mäkelei ausgelösten Unruhen und die französische Besetzung ab 1792 wurden von 1790 bis 1797 gar keine Bürgermeisterwahlen mehr durchgeführt. Von den Franzosen wurde die reichsstädtische Verfassung zunächst außer Kraft gesetzt, 1797 vorübergehend wieder eingesetzt und 1798 endgültig außer Kraft gesetzt. Bis 1800 wurde Aachen nun von dem Präsidenten der Kantonmunizipalität Jakob Friedrich Kolb und seines 10-köpfigen Munizipalitätsrates regiert. Ab 1800 trat an die Stelle der Doppelspitze mit zwei Bürgermeistern das französische System der Mairie, bei der ein einzelner Maire an der Spitze der Stadt stand. Auch nach der Zeit der französischen Besatzung wurde dieses System beibehalten, das Stadtoberhaupt führte ab dann den Titel Oberbürgermeister. Bereits vor der endgültigen Auflösung der reichsstädtischen Verfassung waren zwischenzeitlich von Januar 1793 bis März 1793 der Nadelfabrikant und Vertreter der Neuen Partei Stephan Wilhelm Joseph Beissel (1751–1819)Anmerkungen zu Beissel in der NDB sowie von Juli 1795 bis Frühjahr 1797 der Kaufmann Joseph Brantten, Freimaurer und Illuminat, zum Maire ernannt worden.Wolfgang Müller: Aachen im Wandel der Zeit; Kap. 4.4, S. 13–15
Die ältesten bekannten Auflistungen Aachener Bürgermeister sind Handschriften aus dem 18. Jahrhundert. Sie enthielten jedoch nur wenige Einträge und erwiesen sich als unzuverlässig. Im Druck erschien eine Liste Aachener Bürgermeister erstmals 1841 im zweiten Band der Geschichte der Stadt Aachen von Christian Quix. Sie umfasste die Jahre 1251 bis 1344. Hugo Loersch veröffentlichte 1871 in Aachener Rechtsdenkmäler eine Liste der Bürgermeister von 1251 bis 1485. Eine umfassende Liste der urkundlich belegten Bürgermeister von 1250 bis zur endgültigen Auflösung der reichsstädtischen Verfassung Aachens 1798 veröffentlichte Luise Freiin von Coels von der Brügghen 1935 in Band 55 der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Die vorliegende Liste ist im Wesentlichen auf diese Veröffentlichung gestützt.
Liste Nachfolgend sind die quellenmäßig nachweisbaren Bürgermeister aufgelistet.
Legende: Art = Art des Amtes B = Bürgermeister vor 1450, nicht als Schöffe nachgewiesen S = vor 1450: Bürgermeister und Schöffe, nach 1450: Bürgermeister aus den Schöffen, auch Schöffenbürgermeister genannt Z = Bürgermeister nach 1450 aus der Bürgerschaft (den Zünften), auch Bürgerbürgermeister genannt Zahl = Anzahl der Amtsperioden Amtsperiode= Jahre der Amtsausübung
Springe zu: 1300 – 1350 – 1400 – 1450 – 1500 – 1550 – 1600 – 1650 – 1700 – 1750