mini|Blick von Westen Die in den Jahren 1844 bis 1845 im Stil des späten Klassizismus erbaute denkmalgeschützte (PDF), abgerufen am 23. Mai 2014 Kirche St. Johann in Dillingen ist eine katholische Kirche und gehört zur Pfarreiengemeinschaft Dillingen, die sich in die fünf Gemeinden Hl. Sakrament, St. Josef, Maria Trost, St. Maximin und St. Johann untergliedert.Pfarreiengemeinschaft Dillingen-Saar Auf: www.pfarreiengemeinschaft-dillingen-saar.de, abgerufen am 23. Mai 2014 Sie ist die Mutterkirche der Dillinger Innenstadtpfarreien und wird im Volksmund auch Alt Kirch genannt. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag ist das Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers (24. Juni).

Geschichte und Architektur mini|KI-generiertes Bild einer Zeichnung der Luzienkirche in Dillingen/Saar von Pfarrer Philipp Schmitt in den 1840er Jahren vor dem Abbruch der Kirche, SeitenansichtGünther Bellmann und Armin Jost: Die Alte Pfarrei, Geschichte der Pfarrei St. Johann Dillingen, hrsg. von der Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V., Dillingen 2010, S. 11. mini|KI-generiertes Bild einer Zeichnung der Luzienkirche in Dillingen/Saar von Philipp Schmitt in den 1840er Jahren, TurmansichtGünther Bellmann und Armin Jost: Die Alte Pfarrei, Geschichte der Pfarrei St. Johann Dillingen, hrsg. von der Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V., Dillingen 2010, S. 79. Von einem funktionierenden Pfarreiwesen in Dillingen kann man vermutlich erst seit dem Frühmittelalter sprechen.Manfred Kostka: Geschichte der Pfarrei Dillingen von ihren Anfängen bis zur Teilung 1935, in: Katholisches Bildungswerk Dillingen-Nalbach e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Saardom, Heilig Sakrament Dillingen, 1000 Jahre Pfarrei Dillingen, Festschrift zum Jubiläum der Kirchenkonsekration am 25. April 2013, Dillingen 2012. S. 17–65, hier S. 27. unter Verweis auf: Jakob Marx: Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, I. Band, Allgemeines, Trier 1923, S. 102–119. Als erster schriftlich bekannter Pfarrer in Dillingen wird von Philipp Schmitt ein im Jahr 1317 verstorbener Geistlicher mit Namen Gerardus erwähnt.Manfred Kostka: Geschichte der Pfarrei Dillingen von ihren Anfängen bis zur Teilung 1935, in: Katholisches Bildungswerk Dillingen-Nalbach e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Saardom, Heilig Sakrament Dillingen, 1000 Jahre Pfarrei Dillingen, Festschrift zum Jubiläum der Kirchenkonsekration am 25. April 2013, Dillingen 2012. S. 17–65, hier S. 37. unter Verweis auf: Philipp Schmitt: Geschichtsbuch von Dillingen, I, S. 7. Unter den Patronats- und Zehntherren in Dillingen erscheinen zuerst die Herren von Siersberg. Ritter Arnold von Siersberg schenkte am 21. Juli 1262 seine Rechte der Abtei Mettlach, die noch im Jahr 1389 einen Pfarrer für Dillingen präsentierte. Im Jahr 1427 war der Abt der Abtei Wadgassen in Dillingen Kollator und besetzte die Pfarrei Dillingen vermutlich mit Wadgasser Mönchen als Seelsorger. Als aber nach dem Jahr 1554 die Freiherren von Braubach den Herren von Siersberg in der Herrschaft von Dillingen gefolgt waren, brachten diese das Kollationsrecht der Abtei Wadgassen im Jahr 1595 in ihren Besitz. Ab diesem Zeitpunkt waren es die jeweiligen Herren von Dillingen, die die Pfarrer einsetzten.Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, Zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 417–418.

Ein Vorgängerbau für die im Jahr 1150 zum ersten Mal urkundlich erwähnte heutige Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde 1450 vom Seigneur Johann von Dillingen gebaut. Die im spätgotischen Stil erbaute Kirche hatte ein Kreuzgewölbe, ein Doppelfenster im Chor und lediglich vier Fenster im Schiff. Im Visitationsprotokoll von 1618 werden drei Altäre erwähnt.

Beim Abbruch der Kirche fand man 1729 einen Wappenstein der Familie von Hagen und Bruchstücke des Wappens derer von Siersberg-Dillingen, was auf Bestattungen von Mitgliedern der Familien hindeutet. Die in den Kriegszeiten des 17. Jahrhunderts, insbesondere im Dreißigjährigen Krieg, entstandenen Schäden wurden 1676 behoben. Das Sakramentshäuschen wurde in den 1728 errichteten Nachfolgebau integriert. Ebenso wurden Teile des alten Turms für ein neues griechisches Portal verwendet. mini|Franz Xaver Leidinger: Pastor und Heimatforscher Philipp Schmitt (3. v. l.), der Initiator des Dillinger Kirchenneubaues während einer Konferenz mit seinen Amtskollegen der Nachbarpfarreien (1843, 84 cm × 63 cm, Pfarrhaus Beckingen) Die Konsekration durch den Trierer Weihbischof Lothar Friedrich von Nalbach fand am 25. August 1732 statt. Der Hochaltar war die Schutzpatronin der Kirche der heiligen Lucia, die Nebenaltäre der Muttergottes und dem heiligen Sebastian geweiht. Kardinal Georgius de Lacaris schenkte der Gemeinde 1775 in einer silbernen Kapsel untergebrachten Reliquien der hl. Lucia. Diese wurde, in einer größeren Kapsel eingeschlossen, den Gläubigen zum Kuss gereicht. Die Kapsel verschwand in der Revolution, die Gebeine wurden noch im folgenden Jahrhundert verwendet. Der 1728–1732 in vierjähriger Bauzeit erstellte Bau wurde wiederum zu klein, da die Bevölkerung mit der Entwicklung der Hütte stark angewachsen war. mini|links|Friedhofskapelle und Körperhäuschen (Leichenhalle) des 1872 entstandenen neuen Friedhofs Der Bauherr der heutigen Kirche Pfarrer Philipp Schmitt fand beim Bau noch u. a. den Hut eines Spitzbogens und drei Schlusssteine des Vorgängerbaus. Während des 1844 begonnenen und 1845 beendeten Bauvorgangs ereignete sich nur ein Unfall. Die geplanten Baukosten von 9000 Talern (1 Taler = 3 Franken und 75 Centimes) wuchsen auf 14000 Taler an. Der Pfarrer brachte sein Einkommen und Eigenarbeit entsprechend 1000 Talern ein. Philipp Schmitt hat die Entstehungsgeschichte des neuen Kirchenbaues eher nachlässig dokumentiert. So ist der Architekt des Neubaues bisher unbekannt. Auch der Wechsel des bisherigen Patroziniums von der heiligen Luzia auf das Johannes des Täufers gibt Rätsel auf.Günther Bellmann, Armin Jost: Die Alte Pfarrei, Geschichte der Pfarrei St. Johann Dillingen, hrsg. v. d. Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V., Dillingen 2010, S. 18. Vielleicht ist die Abweichung vom bisherigen Patrozinium der Dillinger Kirche auf die nahe gelegene ehemalige Einsiedelei auf dem Limberg zurückzuführen, die sich in Regel und Lebensweise der deutschen Kongregation der Eremitenbrüder vom heiligen Johannes dem Täufer angeschlossen hatte. Eine gewisse Nähe des Kirchenneubaues zur architektonischen Formensprache des Koblenzer Architekten Johann Claudius von Lassaulx, der kurz zuvor in den Jahren 1840/1841 im nahe gelegenen Saarlouis das Hospitienhaus (heute Canisianum) erbaut hatte,Oranna Elisabeth Dimmig: Saarlouis Stadt und Stern / Sarrelouis – Ville et Étoile, Übertragung ins Französische: Anne-Marie Werner, hrsg. v. Roland Henz und Jo Enzweiler Saarbrücken 2011, S. 118. ist denkbar. So tauchen die bei St. Johann verwendeten Blendbögen der Außen- und Innenseiten auch bei Lassaulx’s Pfarrkirche St. Martin in Valwig (1824–27) auf. Die Blendbogenstruktur der Wände von St. Johann könnte ebenso von der Gestaltung der spätantiken Trierer Konstantinbasilika inspiriert sein, deren Rekonstruktion durch die Förderung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1844, dem Baubeginn von St. Johann, eingeleitet wurde. mini|Johann Claudius von Lassaulx: St. Martin in Valwig mini|links|Trier, Konstantinbasilika

Denkbar ist auch eine Gestaltung durch den Trierer Regierungsbaurat Hoff, der in den Jahren 1845 bis 1848 die ebenfalls spätklassizistische, im Jahr 1912 abgerissene Völklinger Eligiuskirche geplant hatte. Beide Kirchen wiesen ähnliche Gestaltungsmerkmale auf.

Der schlichte Saalbau in Dillingen wurde am 9. November 1845 durch den Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi konsekriert. mini|St. Johann von Südosten mini|Innenansicht Der in sechs Achsen gegliederte rechteckige Saalbau im spätklassizistischen Rundbogenstil mit langgezogenem Chor und halbrunder Apsis weist eine Einturmfassade mit nur um Mauerstärke ausladendem Westturm auf. Die sparsame Reliefierung der hellockerfarbenen und rötlichen Außenwände aus Sandstein mit Bögen, die die Fensteröffnungen der Langhauswand rahmen, erzeugt eine monumentale Wirkung. Der Sockel verkröpft sich um die Wandvorlagen, die so Basen erhalten. Dieses Wandvorlagen-System erweckt den Eindruck der Arkadenzone einer mehrschiffigen Kirche. Der Außenaufbau der Wand wiederholt sich im Inneren. Durch ein kleines Ziergesims unter der Dachzone wird eine klassizistisch anmutende "Frieszone" gebildet. Um den Turm herum verkröpfen sich die Gesimse. Somit wird der Westturm optisch fest in die Fassade eingebunden. Das verschieferte Kirchturmdach ist als oktogonaler Knickhelm gestaltet.

Um 1913 erhielt die Hauptfassade im Zuge von Restaurierungsarbeiten zwei Nebeneingänge mit darüber liegenden Rundbogenfenstern und das querrechteckige Fenster über dem Mittelportal wurde zugemauert.Kunstführer Dillingen/Saar, hrsg. vom Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Saarbrücken und Dillingen 1999, S. 14–16.

Ausgestattet war die Kirche mit drei Altären, einem Silberkelch und einem Ciborium mit silbernen Kuppen. Im Jahr 1847 wurden am Fest Mariae Himmelfahrt (15. August) drei neue Glocken geweiht. Pfarrer Philipp Schmitt gestaltete ein Taufbecken aus Sandstein in Form eines stilisierten Blütenkelches, der von einer knienden Engelsfigur getragen wird.

An der Wand links des eingezogenen Chorraumes ist eine Figur des Kirchenpatrones, des heiligen Johannes der Täufer, angebracht. Rechts davon befindet sich eine gekrönte Strahlenkranzmadonna mit Kind. Sie wurde um das Jahr 1720 von der Bildhauerfamilie Guldner aus Berus geschaffen.Der Beruser Barock wird geprägt von der Bildhauerbrüdern Peter (* 1725), Adam (* 1731; † 1810), Christian († vor 1793) und Georg (* 1736; † 1808) Guldner, deren Werke auch in der Beruser St. Martin (Berus) zu sehen sind. Ursprünglich stand die Figur in der Pachtener Kirche St. Maximin, kam dann in Privatbesitz und wurde 1948 der Pfarrei St. Johann geschenkt.Kunstführer Dillingen/Saar, hrsg. vom Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Saarbrücken und Dillingen 1999, S. 16. (Seit der letzten Renovierung wurde die Anordnung vertauscht: Die Madonna wurde links, der Kirchenpatron Johannes wurde rechts des Chorraumes positioniert.) Der starke Wachstum der Bevölkerung der Gemeinde Dillingen am Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts war Anlass zum Bau des sogenannten Saardomes (eigentlich Kirche "(Hl. Sakrament)"). mini|Entwurf zum Bau der Sakramentskirche in Dillingen/Saar als Nachfolgebau der Johanneskirche, Architekt Wilhelm Hector, KI-Bearbeitung, Die Turmobergeschosse mit ihren Biforien zitieren das Motiv des Turmes der Dillinger Luzienkirche Bei einem ersten Vorentwurf zur neuen Kirche verwendete der aus dem Dillinger Nachbarort Roden stammende Architekt Wilhelm Hector das Motiv des Turmoberteils der alten Luzienkirche zur Gestaltung des obersten Turmgeschosses seiner Version des "Saardomes". Der Entwurf wurde allerdings nicht ausgeführt. Im Jahr 1914 wurden die Pfarrrechte von St. Johann der neuen Kirche Hl. Sakrament übertragen, die von Peter Marx errichtet worden war. Danach wurde St. Johann nur noch als Friedhofskapelle benutzt. Doch schon 1935 war die Gemeinde so zahlreich, dass ein neuer Seelsorgebereich St. Johann wieder eingerichtet wurde und im Jahr 1942 die alte Pfarrei wieder errichtet wurde.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland, (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 216–217, Bilder S. 445.