Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) ist ein 1993 in Kraft getretenes Konzept des Nationalen Ausschusses für Sport und Sicherheit (NASS). Dieser Ausschuss besteht aus der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (kurz Innenministerkonferenz oder IMK), sowie allen Beteiligten zum gemeinsamen Handeln gegen Gewalt bei Fußballspielen. Es wird seitdem ständig fortgeschrieben und angepasst. Die aktuelle Version 2012 wurde am 28. Oktober 2011 verabschiedet.

Entstehung 1979 wurde vom Bundesinnenministerium ein Gutachten zum Thema Sport und Gewalt in Auftrag gegeben, das 1982 veröffentlicht wurde. Verfasser des Gutachtens war der Soziologe Gunter A. Pilz, der bereits seit 1975 mit den Schwerpunkten Sport und Gewalt am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover als Honorarprofessor arbeitet. Ziel des Gutachtens war ein zielgruppenorientierter Einsatz von Sozialarbeitern und ‐pädagogen zur Reduktion von Gewalthandlungen im Rahmen von Profifußballspielen. In der Folge des Gutachtens wurden in Bremen, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin sozialpädagogische Fanprojekte eingerichtet. Die Fanprojekte wurden unter dem Dach der Deutschen Sportjugend (als Teil des Deutschen Sportbunds) zusammengefasst und eine Koordinierungsstelle (KOS) gebildet. Ein einschneidendes Ereignis für die Forcierung eines Sicherheitskonzeptes war das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin 1985 im Brüssler Heysel-Stadion, bei dem in der Folge von Ausschreitungen 39 Menschen ums Leben kamen. Die Meinungen über die soziale Arbeit mit Fußballfans gingen aber zunächst sehr auseinander. Der DFB, der zu diesem Zeitpunkt noch Träger der Fußball-Bundesliga war, und die Vereine standen dem sehr kritisch und teilweise auch ablehnend gegenüber. Nach Auffassung des DFB war das Verhalten von Fußballfans ein gesellschaftliches Problem, das auch durch die Gesellschaft gelöst werden müsste.aus dem Referat von Patrick Ament (TU Dresden) zum Thema Fußballfans und Fanprojekte Dennoch bewegte sich auch in einigen Vereinen etwas. So wurden Fanbeauftragte eingesetzt, die vorwiegend selbst aus der Fanszene stammten und eine Art Interessenvertretung für die Belange der Fußballfans darstellten. Das Standing wie auch der tatsächliche Einfluss der Fanbeauftragen war aber je nach Verein sehr unterschiedlich und die Akzeptanz eher gering.

1991 beschloss die IMK die Einrichtung einer zentralen Stelle zur Vereinheitlichung der Bemühungen der jeweiligen Landesinformationsstellen Sporteinsätze (LIS). Da es in Nordrhein-Westfalen die meisten Bundesligavereine gibt, wurde die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) dort eingerichtet. Sie hat heute ihren Sitz in Duisburg.Zentrale Informationsstelle Fußballeinsätze Ferner wurde im Abschlussbericht nach festgelegten Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Sport und Sicherheit des Unterausschusses Führung, Einsatz und Kriminalitätsbekämpfung vom 23. Juli 1991 Fußballfans in drei Kategorien eingeteilt. In der Kategorie A sind Fußballfans ohne jede Gewaltbereitschaft eingeteilt. Kategorie B beschreibt den gewaltbereiten/-geneigten Störer. Die Kategorie C beschreibt den gewaltsuchenden Störer.Definition der Kategorisierung von Fußballfans. Anfrage der SPD-Fraktion an die Bundesregierung vom 28. November 2011 (PDF; 133 kB) 1992 wurde das Nationale Konzept Sport und Sicherheit verabschiedet und seitdem mehrfach fortgeschrieben. Durch die Veränderungen im Profifußball in Deutschland, insbesondere durch die Gründung der Deutschen Fußball Liga (DFL), veränderte sich auch die Zusammensetzung des NASS.

Zusammensetzung des NASS Der NASS setzt sich aus folgenden Institutionen zusammen:Innenministerium NRW, Fußball ohne Gewalt, Zusammensetzung des NASS (PDF; 674 kB), S. 8, S. 35 ff. Mitglieder des NASS Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK) Bundesministerium des Innern (BMI) Konferenz der Sportminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (SMK) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Verkehrsministerkonferenz (VMK) Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) Deutschen Fußball-Bund (DFB) Deutscher Städtetag Koordinierungsstelle der Fanprojekte (KOS)

Als Fachberater sind anlassbezogen oder dauerhaft beteiligt: Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) Bundespolizei Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) Deutsche Bahn AG Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG Fanprojekte)

Inhalt und Ziele Grundsätzliches und Entwicklung Ziel des NKSS ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Sowohl die Zusammensetzung der Institutionen in personeller Hinsicht wie auch einheitliche Stadionordnung, ein bundesweites Stadionverbot oder auch die Planung und Durchführung von Fanreisen sollen Gewalt und Verfehlungen im Rahmen von Sportveranstaltungen vermeiden. Neben der Zusammenarbeit fallen auf die einzelnen Institutionen verschiedene Aufgaben zu, die sie nach dem NKSS zu erfüllen haben. Im Laufe der Zeit, seit Einführung des NKSS hat sich die Lage durch neue Entwicklungen und Phänomene gravierend verändert. Hooligans haben wesentlich an Bedeutung verloren. Im Mittelpunkt steht heute vor allem die sehr heterogene Szene der einzelnen, bis zu 1.000 Personen starken Ultragruppierungen. Weitere Veränderungen gab es auch durch die Ligastrukturreform 2008/09 und die damit verbundene starke Zunahme des Zuschauerinteresses. So besuchten alleine in der Saison 2010/11 fast 17,4 Millionen Zuschauer die Spiele der 1. und 2. Bundesliga. Durch diese erheblichen Veränderungen wurden Inhalte und Ziele des NKSS weiterentwickelt und fortgeschrieben. Es präsentierte sich als ein ganzheitliches Rahmenkonzept für die Sicherheitsarbeit aller Netzwerkpartner im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen. Bereits im Mai 2010 wurde im Rahmen eines „Runden Tisches“ aus Anlass des 2. Kölner Sportrechtstages zum Thema „Sport und Gewalt“ ein neues bundesweites Konzept gegen Gewalt bei Fußballspielen beschlossen. An dem Runden Tisch nahmen Vertreter der Innen- und Sportministerkonferenz sowie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) teil.

Inhalt (Übersicht) Inhaltlich war das Konzept von Anfang an nicht als ewig bestehendes Grundkonzept ausgelegt, sondern durch die Veränderungen bei Sportveranstaltungen stets einer Weiterentwicklung unterworfen. Dieses sind die inhaltlichen Eckpunkte mit Stand von 2012:

Fanbetreuung im Rahmen von Sozialarbeit Stadionsicherheit Fanreiseverkehr Veranstaltungssicherheit Netzwerk Sicherheit Medien- und Öffentlichkeitsarbeit Forschung und Prävention Fortentwicklung

Erreichte oder begonnene Maßnahmen Nach eigenen Angaben ist im Laufe der letzten 20 Jahre (Stand 2012) viel zur Sicherheit durch Maßnahmen im Rahmen des NKSS getan worden. Dazu gehören der Bau moderner Stadien unter Berücksichtigung von hohen baulichen Sicherheitsmaßnahmen, die Professionalisierung im Bereich der Ordnungsdienste, die Betreuung von inzwischen 51 Fanszenen durch sozialpädagogische Fanprojekte, intensive und umfangreiche Präventionsarbeit, die Erteilung bundesweit wirksamer Stadionverbote für Gewalttäter, der Einsatz einer professionell arbeitenden Polizei und die gewachsene, enge Zusammenarbeit auf lokaler, nationaler und zunehmend auch internationaler Ebene.vgl. NKSS, S. 3.

Verantwortungsträger und Arbeitsbereiche im Rahmen des NKSS Neben den Vereinbarungen zur Zusammenarbeit der Beteiligten sind seit Einführung des NKSS eine Reihe von Aufgabengebieten und Positionen entstanden. Sowohl die Polizei der Länder und die Bundespolizei als auch die Verbände und Vereine haben ihre Zuständigkeiten und Aufgabengebiete ausgebaut und vernetzt.

Szenekundige Beamte (SKB) – Fankundige Beamte der Bundespolizei (FKB) Rund 180 Polizeibeamte sind als szenekundige Beamte (Offizieller Name: Szenekundige Beamtinnen und Beamte für Problemfans im Bereich Sport), kurz SKB, im Einsatz. Diese Position wurde in einigen Bundesländern bereits lange vor der Verabschiedung des ersten NKSS Anfang der 1980er Jahre eingerichtet. SKB sind speziell geschulte Beamte, die bereits präventiv versuchen, die aktiven Szenen, insbesondere Hooligans und Ultras, anzusprechen. Sie stehen der Polizeieinsatzleitung bei Heim- wie auch Auswärtsspielen zur Verfügung und arbeiten eng mit den Vereinen zusammen. So sind diese bei Sicherheitsbesprechungen zu sicherheitsrelevanten Spielen anwesend und tauschen sich regelmäßig mit den in den Vereinen Verantwortlichen aus und leisten direkte Aufklärungsarbeit bei Straftaten im Zusammenhang mit Fußballspielen. In einigen Bundesländern gibt es eigenständige Abteilungen für den Bereich Sport, in denen die Beamten ausschließlich in diesem Bereich arbeiten. Besonders in den unteren Ligen (3. Liga, Regionalliga) sind die Beamten nur zeitweise im Bereich Sport tätig und verrichten sonst einen normalen Polizeidienst. Analog zu den SKB der Landespolizei gibt es die fankundigen Beamten der Bundespolizei. Sie haben ähnliche Aufgaben wie die SKB, nur mit dem Unterschied, dass sie im Bereich des Verkehrs der Deutschen Bahn AG zuständig sind.

Kritik Sowohl seitens der Polizei als auch unter den Fußballfans sind SKB zum Teil umstritten. Aus Sicht besonders von Ultragruppierungen ist der Begriff „szenekundig“ irreführend. Es werden zwar Daten von auffälligen Fans gesammelt und Straftaten verfolgt; doch aus ihrer Sicht werden die Fans von den SKB genauso wenig verstanden wie von anderen Beamten auch.safetyfirst zu SKB Auch die Polizei selber sieht in einigen Fällen ihre Arbeit selbstkritisch. So ist immer wieder festzustellen, dass Ultras polizeifeindlich eingestellt sind. Während mit der Hooliganszene noch ein gegenseitiger respektvoller Umgang möglich ist, fehlt der Polizei Akzeptanz von Seiten der jüngeren Ultras. Viele Gruppierungen lehnen jede Kontaktaufnahme durch die Polizei gänzlich ab.Uwe John, SKB beim 1.FC Köln im Kölner Stadt-Anzeiger Andere Beamte sprechen sogar offen von Korruption. So wurden Empfehlungen z. B. zum Verbot von Alkohol in den Stadien ausgesprochen, diese dann aber im Interesse des Vereins wieder zurückgenommen. Angeblich soll es dabei zu Schmiergeldzahlungen gekommen sein. Ferner wird behauptet, dass einige SKB der Szene zu nahe stehen und nicht den professionellen Abstand zu den kritischen Gruppierungen halten.Anonymes Gespräch mit einem SKB – Spiegel Online

SKB Team Deutschland Zum Konföderationen-Pokal 2005 und zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde ein speziell ausgewähltes Team von SKB eingesetzt. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stimmten die Polizeien der Länder und des Bundes in den Gremien der Innenministerkonferenz der Einrichtung eines neuen, feststehenden SKB-TEAM-Deutschland zu. Dieses Team besteht aus 14 Beamten aus ganz Deutschland. Ziel des Einsatzes des SKB-TEAM-Deutschland ist die Verhinderung anlassbezogener Ausschreitungen anlässlich von Fußballspielen der deutschen Nationalmannschaft im In- und Ausland durch Aufklärung, Beratung und Intervention. Der Einsatz erfolgt unter der Leitung der ZIS.SKB Team Deutschland – Polizei NRW

Fanbeauftragte Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga müssen die Stelle eines hauptamtlichen Fanbeauftragten in Vollzeit einrichten. Die Vereine der 3. Liga und der ab 2012 unter Trägerschaft der Landes- und Regionalverbände stehenden Regionalligen müssen die Position eines Fanbeauftragten einrichten, der möglichst hauptamtlich tätig sein sollte. Den Vereinen wurde aber aus Kostengründen die Einrichtung einer Teilzeitstelle oder eines Ehrenamtes eingeräumt.