350px|Watschenkonzert, Karikatur in Die Zeit vom 6. April 1913 Das „Skandalkonzert“ im Wiener Musikverein unter Arnold Schönberg muss nach tumultartigen Ausschreitungen abgebrochen werden. 350px|Poster zu Parisina 1913 Die Oper Parisina von Pietro Mascagni hat ihre Uraufführung am Teatro alla Scala di Milano in Mailand. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1913.
Ereignisse Das „Skandalkonzert“ in Wien 31. März: Ein von Arnold Schönberg dirigiertes Orchester spielt im Musikvereinssaal Stücke zeitgenössischer Komponisten, die größtenteils dem Expressionismus und der zweiten Wiener Schule angehören. Das Publikum reagiert mit Tumulten und Ausschreitungen auf die ungewohnte Musik. Das Konzert muss schließlich abgebrochen werden.
Weitere Uraufführungen Ballett mini|hochkant|Die New York Times berichtet am 8. Juni von der Uraufführung von Le sacre du printemps 29. Mai: Bei der Uraufführung des Balletts Le sacre du printemps von Igor Strawinsky am Théâtre des Champs-Élysées in Paris mit den Ballets Russes von Sergei Pawlowitsch Djagilew kommt es zu einem Pfeifkonzert und Tumulten. Nur der stoischen Ruhe des Dirigenten Pierre Monteux ist es zu verdanken, dass die Aufführung überhaupt zu Ende gespielt werden kann. Auch bei den folgenden Aufführungen kommt es immer wieder zu Publikumsprotesten. Der Skandal macht Strawinski endgültig berühmt, die Reaktionen verletzen ihn allerdings sehr; er gibt vor allem Vaslav Nijinsky die Schuld, der das Werk aus seiner Sicht choreographisch nicht bewältigen konnte. Das Stück gilt heute als Beginn des modernen Balletts.
Oper 22. Januar: Die Uraufführung der komischen Oper Tante Simona von Ernst von Dohnányi findet an der Hofoper in Dresden statt. 1. April: La vida breve, ein lyrisches Drama in zwei Akten und vier Bildern von Manuel de Falla auf ein Libretto von Carlos Fernández-Shaw hat seine Uraufführung im Casino municipal zu Nizza in französischer Sprache. De Falla verwendet in seiner veristisch und impressionistisch beeinflussten Oper viele Elemente aus der spanischen Folklore, wie den Canto Jondo mit rhythmischen Ostinati, sowie den Flamenco. 10. April: Die Oper L’amore dei tre re von Italo Montemezzi nach einem Libretto von Sem Benelli wird am Teatro alla Scala uraufgeführt. 4. November: Die auf dem Roman Die Legende und die heldenhaften, fröhlichen und ruhmreichen Abenteuer von Ulenspiegel und Lamme Goedzak von Charles De Coster basierende Oper Ulenspiegel von Walter Braunfels hat ihre Uraufführung am Königlichen Hoftheater Stuttgart. Nach drei bis vier weiteren Aufführungen des vom Publikum mit Begeisterung aufgenommenen, jedoch mit gemischten Kritiken bedachten Werks folgt rund hundert Jahre keine weitere Inszenierung. 15. November: Die Uraufführung der überarbeiteten endgültigen Fassung der Oper in einem Akt Mese mariano von Umberto Giordano (Musik) mit einem Libretto von Salvatore Di Giacomo erfolgt am Teatro Dal Verme in Mailand, wo sie mit Vittorio Gnecchis Oper Cassandra kombiniert wird. mini|links|Skizze zum 5. Bild der Oper Sieg über die Sonne 3. Dezember: Am Lunapark-Theater in Sankt Petersburg wird die futuristische Oper Sieg über die Sonne (Победа над Солнцем) als Kollektivarbeit der Künstler Alexej Krutschonych, Welimir Chlebnikow, Michail Matjuschin und Kasimir Malewitsch uraufgeführt. Das Werk hat nur noch eine weitere Aufführung am 5. Dezember und führt zu einem der größten Skandale der Theatergeschichte. 4. Dezember: Die Uraufführung der komischen Oper L’amore medico (Der Liebhaber als Arzt) von Ermanno Wolf-Ferrari findet an der Dresdner Hofoper in der deutschen Bearbeitung von Richard Batka statt. Das Libretto stammt von Enrico Golisciani und basiert auf der Komödie L’amour médecin von Molière. mini|hochkant|Parisina, Titelblatt des Librettos, Mailand 1913 15. Dezember: Die Oper Parisina von Pietro Mascagni auf das Libretto von Gabriele D’Annunzio hat ihre Uraufführung unter der Leitung des Komponisten am Teatro alla Scala di Milano in Mailand. Es sind nicht nur die nationale und internationale Presse, die konkurrierenden Verlagshäuser Ricordi und Sozogno anwesend, sondern auch beinahe sämtliche bedeutende Kollegen Mascagnis, unter anderem Franco Alfano, Umberto Giordano, Giacomo Puccini und Riccardo Zandonai. Auch wenn es sich nicht um einen Misserfolg handelt, nimmt das Publikum die Oper nur verhalten auf, was vermutlich auch mit der Länge der Oper zu tun hat. Außerdem erscheint 1913 die musikalische Farce Panurge von Jules Massenet.
Oratorium 23. Februar: Die Uraufführung der Gurre-Lieder von Arnold Schönberg durch das Tonkünstler-Orchester im Großen Musikvereinssaal in Wien unter der Leitung von Franz Schreker wird ein überwältigender Erfolg. Doch der Komponist, gekränkt durch die frühere konservative Haltung des Wiener Publikums, weigert sich, den Applaus entgegenzunehmen. Dieses rächt sich dafür beim Skandalkonzert vom 31. März. Das Oratorium Das Gelobte Land von Camille Saint-Saëns wird beim Three Choirs Festival in der Kathedrale von Gloucester uraufgeführt.
Operette 25. Januar: Die Operette Du liebes Wien von Robert Stolz wird in Wien am Intimen Theater uraufgeführt. 6. Februar: Die Uraufführung der Operette Die beiden Husaren von Leon Jessel findet am Theater des Westens in Berlin statt. 19. März: Der lachende Ehemann, eine Operette von Edmund Eysler auf das Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald hat seine Uraufführung am Bürgertheater in Wien. 4. Oktober: Am Berliner Theater in Berlin wird die Operette Wie einst im Mai von Walter Kollo mit dem Libretto von Rudolf Bernauer und Rudolph Schanzer uraufgeführt. 11. Oktober: Die Uraufführung der Operette Die ideale Gattin von Franz Lehár erfolgt am Theater an der Wien in Wien. mini|hochkant|Karl Pfann und Mizzi Zwerenz in Polenblut 1913 25. Oktober: Am Wiener Carltheater wird die Operette Polenblut von Oskar Nedbal mit dem Libretto von Leo Stein nach einer Erzählung von Alexander Sergejewitsch Puschkin uraufgeführt. 14. November: Die Uraufführung der Operette Der Juxbaron von Walter Kollo erfolgt am Carl-Schultze-Theater in Hamburg. 20. Dezember: Die Uraufführung des Operettenschwanks Der Nachtschnellzug von Leo Fall erfolgt am Johann Strauß-Theater in Wien. 31. Dezember: Das musikalische Lustspiel Wer zuletzt lacht von Leon Jessel wird in Berlin uraufgeführt.
Weitere Operetten Leo Fall: Die Studentengräfin. Edmund Eysler: Ein Tag im Paradies. Carl Michael Ziehrer: Fürst Casimir (Uraufführung in Wien) Ralph Benatzky: Der lachende Dreibund
Weitere Werke 5. September: Uraufführung des 2. Klavierkonzerts g-moll op. 16 von Sergej Prokofjew in Pawlowsk mini|Die Orgel der Jahrhunderthalle 24. September: Mit der Uraufführung des Werks Introduktion, Passacaglia und Fuge für Orgel in e-moll op. 127 von Max Reger, gespielt von Karl Straube, wird die Orgel der Jahrhunderthalle, die zu diesem Zeitpunkt größte Orgel der Welt, eine Schöpfung von W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder), ausgeführt durch die Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie, eingeweiht. mini|links|Die Toteninsel von Arnold Böcklin mini|Das Wiener Konzerthaus heute 12. Oktober: Die von Max Reger komponierten Vier Tondichtungen nach A. Böcklin werden in Essen mit dem Städtischen Orchester uraufgeführt. Die vier Teile des Werkes beziehen sich auf vier Gemälde von Arnold Böcklin, einschließlich Die Toteninsel. 19. Oktober: In Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. wird das Wiener Konzerthaus mit einem Festkonzert des Wiener Concertvereins eröffnet. Richard Strauss komponierte hierfür sein Festliches Präludium op. 61.
Instrumentalmusik Selim Palmgren: Klavierkonzert Nr. 2 Der Fluss op. 33
Sonstiges 20. November: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. verbietet das Tanzen von Tango in Uniform wegen Unschicklichkeit. In Atlanta, Georgia, werden erstmals die Georgia Old-Time Fiddlers’ Conventions veranstaltet. Organisiert wird die Veranstaltung von der Georgia Old-Time Fiddlers’ Association. Bekannte Teilnehmer sind unter anderem Clayton McMichen, Fiddlin’ John Carson und Gid Tanner. Den ersten Wettbewerb gewinnt J.B. Singley.
Neuveröffentlichungen (Auswahl) Lieder und Kompositionen Lied Text Musik Erstinterpret Label Veröffentlichung Genre Weitere Informationen Á Sprengisandi Grímur Thomsen Sigvaldi Kaldalóns 1913 Volkslied El cóndor pasa Daniel Alomía Robles 1913 Pop Instrumental Man of Constant Sorrow Richard „Dick“ Burnett 1913 Folksong There Is Power in a Union Joe Hill Lewis E. Jones Joe Hill 1913 Arbeiterlied Das Lied nutzt die Melodie vom Kirchenlied There Is Power in the Blood (Of the Lamb) von Lewis E. Jones aus dem Jahr 1899
Geboren Januar bis März 1. Januar: Matilde Capuis, italienische Komponistin, Pianistin, Musikpädagogin und Organistin († 2017) 2. Januar: Gardner Read, US-amerikanischer Komponist († 2005) mini|hochkant=0.6|Jacques Stroumsa; * 4. Januar 4. Januar: Jacques Stroumsa, griechischer, später französischer und schließlich israelischer Techniker und Musiker; Überlebender des Holocaust († 2010) 15. Januar: Miriam Hyde, australische Komponistin, Pianistin, Musikpädagogin und Autorin († 2005) 15. Januar: Helmuth Zernick, deutscher Violinist († 1970) 24. Januar: Norman Dello Joio, US-amerikanischer Komponist und Professor († 2008) mini|hochkant=0.6|Witold Lutosławski; * 25. Januar 25. Januar: Witold Lutosławski, polnischer Komponist und Dirigent († 1994) mini|hochkant=0.6|Jimmy Van Heusen; * 26. Januar 26. Januar: Jimmy Van Heusen, US-amerikanischer Komponist († 1990) 31. Januar: Manuel Sucher, argentinischer Tangopianist und -komponist († 1971) 4. Februar: Gerhard Mendelson, deutscher Musikproduzent in Wien († 1976) 4. Februar: Sabina Olmos, argentinische Filmschauspielerin und Sängerin († 1999) 11. Februar: Lucio San Pedro, philippinischer Komponist und Musikpädagoge († 2002) 12. Februar: John R. Barrows, US-amerikanischer Hornist († 1974) 17. Februar: René Leibowitz, französischer Komponist, Dirigent, Schriftsteller und Musikpädagoge († 1972) 23. Februar: Ruby Yoshino Schaar, US-amerikanische Sopranistin († 1987) 26. Februar: Louise André, kanadische Sängerin und Gesangslehrerin († 2001) 28. Februar: Emilia Comișel, rumänische Musikethnologin († 2010) 1. März: Graham Steed, britisch-kanadischer Organist und Chorleiter († 1999) 5. März: Julian Grigorjewitsch Krein, russischer Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler († 1996) 6. März: Ella Logan, schottisch-US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin († 1969) 10. März: Enrique Campos, uruguayischer Tangosänger, Bandleader und Tangokomponist († 1970) 11. März: John Weinzweig, kanadischer Komponist († 2006) 12. März: Loulie Jean Norman, US-amerikanische Sopranistin († 2005) 12. März: Agathe von Trapp, Sängerin und Tochter von Georg von Trapp († 2010) 13. März: Gangubai Hangal, indische Sängerin († 2009) 13. März: Irène Joachim, französische Sopranistin († 2001) 13. März: Lightnin’ Slim, US-amerikanischer Blues-Musiker († 1974) 13. März: Muqan Tölebajew, kasachisch-sowjetischer Komponist († 1960) 14. März: Osvaldo Moles, brasilianischer Autor, Journalist, und Hörfunkmoderator († 1967) 14. März: Witold Rudziński, polnischer Komponist († 2004) 14. März: S. N. Tripathi, indischer Komponist, Schauspieler, Sänger und Regisseur († 1988) 16. März: Rudi Schuricke, deutscher Sänger und Schauspieler († 1973) 19. März: Günter Neumann, deutscher Komponist, Autor und Kabarettist († 1972) 26. März: Bruce Low, niederländischer Schlager- und Gospelsänger († 1990) 28. März: Werner Schöniger, deutscher Dirigent und Generalmusikdirektor († 2001) 31. März: Etta Baker, US-amerikanische Blues-Sängerin und Gitarristin († 2006)
April bis Juni 4. April: Cecil Gant, US-amerikanischer Bluessänger und Pianist († 1951) 4. April: Frances Langford, US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin († 2005) mini|hochkant=0.6|Muddy Waters; * 4. April 4. April: Muddy Waters, US-amerikanischer Bluesmusiker († 1983) 14. April: Jean Fournet, französischer Dirigent († 2008)