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Ensembles Ensemble Ortskern Wallerstein

Der historische Raum, wie er sich für Wallerstein in der Ausdehnung von Markt und ehemaligem Residenzbereich zur Zeit um 1800 abzeichnet, ist ein Ortsemsemble. Wallerstein, Verbindung von mittelalterlichem Burg- und späterem Schlossbereich mit barocker Fürstenresidenz, von spätmittelalterlicher Marktstraße mit barocker Erweiterung, ist seiner Funktion und den Dimensionen nach der Typ einer ländlichen Residenz.

Die Ortsentwicklung ergibt sich wesentlich aus der topographischen Situation. Auf dem 55 Meter hohen Berg, der als Felsrippe aus dem flachen Rieskessel ragt, nördlich von Nördlingen in Richtung Dinkelsbühl und Ansbach, entsteht in strategisch vorteilhafter Höhenlage die Burg Wallerstein. Südlich in der Ebene davor, durch leicht abschüssiges Gelände vom Burgberg getrennt und in Distanz von dessen Hoheitsraum, entwickelte sich entlang der Durchgangsstraße vermutlich im Spätmittelalter ein erweiterter Straßenmarkt in ostwestlicher Richtung.

Als ältester Zufahrtsweg zum Burgbereich ist die Herrenstraße anzunehmen, die über das unregelmäßige Gelände des Kapellenbergs über Obere und Untere Bergstraße zur Burg Verbindung schafft. Das Gelände am Ende der Herrenstraße war vermutlich ältester Siedlungsbereich. In östlichen Parallelen zur Herrenstraße und im rechten Winkel zur Marktstraße ist der Übergangsbereich zur Burg als geplante Anlage regelmäßig erschlossen, mit Mittelstraße und Felsenstraße, und durch locker gereihte Bebauung, vormals agrarisch und kleinhandwerklich, aufgefüllt. Derselben Siedlungskategorie ist auch die Ledergasse zuzurechnen, die vom später geschaffenen Hofgartengebiet aufgenommen wird. mini|Fürstliche Residenz Zuletzt, aber für das Ortsbild entscheidend, entsteht als barocke Neuanlage die Residenz, typisch für die Epoche in flachem Gelände: der neue Schlosskomplex liegt westlich des Kapellenbergs. Von ihm weit nach Westen ausgreifend und den Ort fast rechteckig abschließend die großräumige Anlage des Hofgartens mit den repräsentativen Bauten der Reitschule im Süden, des Witwensitzes im Westen und des Gewächshauses im Norden. In funktionaler Zuordnung zur Residenz werden Straßen neu angelegt. Sie verlaufen geradlinig und sind in regelmäßiger Folge mit Beamtenhäusern bebaut: die Sperlingstraße zwischen Neuem und Altem Schloss, die relativ steile Weinstraße von Südosten zum Burgfelsen hinauf und als „Vorstadt“ die östliche Verlängerung der Marktstraße. Im Grundrissbild zeigt der Ort jetzt insgesamt eine breitrechteckige Form.

Der Burgberg, für die Fernsicht auf den Ort Wallerstein von charakteristischer Prägung, zeigt heute den Mauergürtel des 16. Jahrhunderts, letzter Rest der spätmittelalterlichen Felsenburg, die in ihren mittelalterlichen Anfängen sich im Besitz von Ministerialen befand, 1188 in den Händen der schwäbischen und fränkischen Hohenstaufen war und seit 1261 den Grafen von Oettingen gehörte. 1648 wird die Burg durch die Schweden zerstört. Die unter dem Felsen liegende Altsiedlung heißt bis ins 15. Jahrhundert noch „Steinheim“, erst bei Ausbau zu der regelmäßigen Straßenmarktanlage überträgt sich der Burgname. 1520 wird Wallerstein als befestigter Vorort bestimmt, nicht ummauert, lediglich durch eine Grabenzone geschützt, die bis heute durch den Grabenweg markiert ist. Die ehemalige Marktgasse zeigt, die Pfarrkirche immer im Blickpunkt, in ihrem östlichen Abschnitt in leichter Krümmung auf spätmittelalterlichem lockerem Grundriss zweigeschossige Giebelbauten in leichter Staffelung, einfache Putzbauten meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Im Bereich um die Kirche finden sich auch traufseitige Bauten, westlich von ihr vermitteln, um eine kleine Platzerweiterung herum, erdgeschossige einfache Giebelbauten mit Vorgärten noch einen stark dörflichen Eindruck. Über den dörflichen Stellenwert hinaus verweist die hochragende Pestsäule inmitten der Marktgasse, wo auch die Herrengasse abzweigt, eine Dreifaltigkeitssäule als sechsseitige Pyramide auf einem Postament. Eher den Eindruck eines Dorfplatzes vermittelt die breite Mittelstraße mit ihren erd- und zweigeschossigen Giebelbauten, meist noch bäuerlicher Anwesen. mini|Der Sechsherrenbau in der Hauptstraße Das Neue Schloss erwuchs aus drei gesonderten Trakten, dem zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbauten „Grünen Haus“, dem Galerietrakt von 1651 und dem „Welschen Bau“ von 1665, die erst 1805 unter Einbezug der im 15. Jahrhundert erbauten Schlosskapelle zu der nach Osten offenen Dreiflügelanlage verbunden wurden. Unmittelbar zum Residenzbereich gehörig die großzügige Parkanlage im Englischen Stil, 1828 aus dem Hofgarten im französischen Stil umgewandelt, eingefasst südlich von der Reitschule, einem wuchtigen Bau von 1741 bis 1751, im oval angelegten überhöhten Mittelstück die Reitbahn, dazu dreigeschossige Flügelbauten, westlich vom sogenannten Moritzschlösschen, dem Witwensitz, einer lockeren Schlossanlage nach dem Ehrenhofprinzip des 18. Jahrhunderts, bereits aber im Stil eines biedermeierlichen Parkschlösschens. Der 1803/04 errichtete Mittelpavillon erhält 1809/10 seine Seitenflügel und den verbindenden Glasgang. Im Nordteil des Hofgartens das biedermeierliche Gewächshaus von 1835.

Aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammen die regelmäßigen Straßenanlagen, in ihrer Bebauung zumeist darauf ausgerichtet, die Wohnungen der Beamten bereitzustellen, die bei Hofe dienten. Der vormals als Vorstadt bezeichnete östliche Teil der ehem. Marktgasse, jetzt Hauptstraße, ist beidseitig in gerader Reihung mit zweigeschossigen, fünf bis sieben Achsen breiten traufseitig stehenden Doppelhäusern bebaut, die zum steilen Walmdach oder Mansard-Walmdach auch das für den Ort typische Türgerüst aufweisen: den rund- oder korbbogigen Eingang mit Kämpfer- und Scheitelsteinen aus Stein. Die einfach verputzten Wohnhäuser besitzen fast ausnahmslos noch Fensterläden. Überleitend zum Ostanfang der Marktgasse an einer platzartigen Erweiterung und mit der Nordfront zur Straße der sogenannte Sechsherrenbau – der Name erklärt sich aus der aus sechs Personen bestehenden Baugenossenschaft – ein repräsentativer zweigeschossiger Bau mit 24 Fenstern in der Hauptfront und einem dreigeschossigen Mittelrisalit zu vier Achsen. Die südliche Seite der Weinstraße zeigt in ihrer Bebauung ebenso den Beamtenhaustyp, durchgängig mit Mansard-Walmdächern und zum Teil noch mit Freitreppen.

Der steil ansteigende Straßenzug wird im Nordwesten vom Diemantsteinschen Haus beherrscht, einem großzügigen und weitläufigen Wirtschaftshof einer Weinniederlassung mit repräsentativem hohen Mittelbau mit Mittelrisalit unter Dreiecksgiebel, erbaut 1788. Beamtenhäuser finden sich auch in der Oberen und Unteren Bergstraße. Den beschriebenen Haustyp in erdgeschossiger Ausprägung zeigt die beidseitig reihenhausartig bebaute Sperlingstraße. In der Herrenstraße treten repräsentative klassizistische Traufseitbauten gemischt auf mit mehr ländlichen giebelseitig stehenden Bauten. Charakteristisch für den Ort ist die dominierende gelbtonige Putzfarbgebung sämtlicher dem Schlosskomplex zugeordneter Architektur, ergänzt vom typischen Rot der Dachlandschaften und Grün der Fensterläden bei den Profanbauten. Als Prototyp einer ländlichen Residenz, geprägt von barocken, klassizistischen bis biedermeierlichen Stilelementen ist Wallerstein ein Ensemble von besonderer Rarität.

Aktennummer: E-7-79-224-1.

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Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Wallerstein

Anmerkungen

Literatur Georg Lill (Hrsg.), Adam Horn (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Landkreis Donauwörth. In der Reihe: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Die Kunstdenkmäler von Schwaben. Band III. Landkreis Donauwörth. R. Oldenbourg Verlag, München 1951.

Weblinks

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