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mini|rechts|Altes Schloss – 1852 abgebrochen mini|Bewehrungsreste der alten Burg Oettingen mini|Mauerrest des im 13. Jahrhundert errichteten Deutschordenshaus mini|Oettingen von Osten um 1916 – ganz links das 1945 zerstörte Spital

Der Sitz der Ries-Grafen, die sich seit dem 12. Jahrhundert nach Oettingen nennen, hat den Charakter einer Klein-Residenz bewahrt, wobei das Zentrum mit seiner Ausrichtung auf die weitläufige Schlossanlage eine kleinstädtisch-bürgerliche Bebauung aufweist, eine Mischung aus Fachwerkhäusern des 15./17. Jahrhunderts und barocken Schweifgiebelhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, während sich in der Architektur der Vorstädte eher der Verweis auf Gewerbe und Landwirtschaft findet.

Oettingen liegt an der Stelle, an der die Wörnitz von Norden kommend in das Ries eintritt, am westlichen Ufer des Flusses. Die Stadt entstand 1257 als Neugründung westlich neben einer älteren Burgsiedlung unter deren Einbeziehung. Vermutlich geht diese auf eine salisch-staufische Anlage des 11. Jahrhunderts zurück, die dem Schutz des Wörnitzübergangs im Zuge einer Überlandstraße vom Remstal nach Schwaben über Nördlingen nach Nürnberg diente. Stadtherren waren seit 1141 die Grafen von Oettingen.

Wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfolgte eine planmäßige Erweiterung durch eine Marktstraße; 1293 wurde die Stadtmauer erwähnt. Der Grundriss des Innenstadtbereichs entspricht annähernd einem Oval. Die unregelmäßige Grundrissstruktur der östlichen Stadthälfte verweist auf den älteren Siedlungskern: Aus dem mittelalterlichen Burgflecken entstand das Alte Schloss, ausgebaut im frühen 15. Jahrhundert und Sitz der Linie Oettingen-Oettingen. Die in diesem Jahrhundert erfolgten Teilungen im Hause Oettingen materialisierten sich in der Folgezeit im Stadtbild.

mini|Schloss und St.-Jakobs-Kirche

Durch den Ausbau der Münzstätte – die Stadt hatte das Münzrecht seit 1393 – am Nordende der Marktstraße entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Sitz der Linie Oettingen-Spielberg. Der Bau wurde später vergrößert und im 17. und 18. Jahrhundert durch die Errichtung des nach Westen ausgreifenden Schlossbaus zur Residenz erweitert. Damit erhielt die planvoll angelegte Marktstraße im westlichen Teil der Stadt ihre repräsentative Orientierung. Nach der Hauptlandesverteilung von 1555 befanden sich die beiden oettingischen Hauptlinien jeweils im Besitz einer Stadthälfte; ab 1740 gehörte die gesamte Stadt wieder dem katholischen Hause Oettingen-Spielberg.

Die beiden Kirchen repräsentieren die beiden Konfessionen: Im Bereich des alten Siedlungskerns steht die katholische Pfarrkirche St. Sebastian, südlich des Neuen Schlosses die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Jakob. Vor den drei Toren der Innenstadt entstanden die drei Vorstädte. Im Süden vor dem Unteren Tor entwickelte sich in zwei Abschnitten die Untere Vorstadt. Die bereits 1242 genannte Ansiedlung von acht Hofstätten war 1422 durch einen Torbau gesichert worden und wurde Ende des 16. Jahrhunderts erweitert. 1764 war die gesamte Untere Vorstadt unter Einbeziehung größerer Gartengelände durch Graben und Bastei befestigt, kenntlich am Verlauf des Augrabens. Lediglich die beiden Verengungen der Königsstraße markieren die Standorte der ehemaligen Tore der Unteren Vorstadt. Der älteste Teil der Mittleren Vorstadt lag unmittelbar an der Stadtmauer.

Die Ansiedlung zwischen Schlossbuck und Krautgärten, Stadtmauer und Wörnitz entstand erst 1594. Auch hier bestanden Befestigungen durch Wassergraben und Basteien. Das im Kern wohl noch spätmittelalterliche Mittlere Tor ist heute von einem Bürgerhaus überbaut. Die Häuser der Oberen Vorstadt wurden 1382 abgebrochen und innerhalb der Stadtmauer wieder aufgebaut. Im 15. Jahrhundert wurde die Obere Vorstadt neu gegründet, war jedoch nie befestigt.

mini|Rathaus

Rückgratachse des Stadtkörpers ist die von Süden nach Norden verlaufende Schloßstraße, eingebunden in die beiden im Kern spätmittelalterlichen Tore. Das nördliche Tor ist als Schlosstor in den Bau des Neuen Schlosses integriert, das südliche trägt einen Turmaufbau von 1621. Die Mitte bildet das langgestreckte Rechteck des Marktes, der sich als Platzerweiterung der Achse anlegt. Dort, am südlichen Ende und in die Straßenflucht eingerückt, steht der hochragende Fachwerkbau des Rathauses von 1431. Nördlich trifft die Achse auf das weitläufig angelegte Schloss.

Charakteristisches Merkmal der repräsentativen Straßenachse ist ihr architektonischer Ausdruck der Aufteilung in zwei unterschiedliche Besitzverhältnisse: Die westliche Straßenseite ist nahezu durchgängig mit zwei- bis dreigeschossigen Giebelhäusern bebaut, steil und schmal proportioniert, mit offenem oder verputztem Fachwerk, vorkragenden Geschossen und einfachen Dreiecksgiebeln zur Straße, meist aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stammend. Die Ostfront zeigt eine einheitlichere Durchgestaltung: eine geschlossene Bebauung mit stattlichen barocken Schweifgiebelhäusern, ebenfalls zwei- bis dreigeschossig, jedoch breiter als die gegenüberliegenden Fachwerkbauten. Im Abschnitt zum Schloss hin befinden sich unter den staffelartig versetzten Häusern mehrere ehemalige Amtsgebäude, diesem funktional zugeordnet. Die Putzbauten sind durch repräsentative Putzgliederungen, Bänder und Gesimse, meist in Traufhöhe, sowie durch korb- oder segmentbogige steinerne Türgewände geprägt. Als besonderer Bau ist die ehemalige Lateinschule in die Nähe des Schlosses gerückt; dahinter erhebt sich die Pfarrkirche St. Jakob.

mini|Schloßstraße – rechts (Westen) der einst katholische Teil mit Fachwerkhäusern, links (Osten) der einst protestantische Teil mit barocken Fassaden

Das Straßenbild ist geschlossen und zugleich vielfältig; wesentlich hierfür sind auch die farbig lebhaften Putzanstriche. Die unregelmäßigen Quartiere der östlichen Stadthälfte verweisen mit schlichteren, dennoch stattlichen, meist zweigeschossigen Giebelbauten, häufig mit Aufzugsluken, eher auf gewerbliche Nutzung, insbesondere in der Manggasse. In der Pfarrstraße befinden sich zwei repräsentative Pfarrhäuser.

Den Platz des 1852 abgebrochenen Alten Schlosses nimmt heute eine Grünanlage ein. Unter den Vorstädten besitzt die Untere Vorstadt den ausgeprägtesten eigenständigen Charakter. Sie wirkt als eigener Stadtteil und ist mit meist zweigeschossigen barocken Giebelhäusern, Geschäfts- und Handelshäusern, Wirtschaften und Gasthöfen architektonisch bescheidener ausgestattet als die Bauten der Schloßstraße, jedoch repräsentativer als die gewerblichen Quartiere der östlichen Innenstadt. Die Mittlere Vorstadt ist stärker landwirtschaftlich geprägt, noch mehr die Obere Vorstadt, die mit erd- und zweigeschossigen Giebel- und Traufseithäusern zunächst geschlossen, dann lockerer bebaut ist und sich vom kleinstädtischen zum dörflichen Charakter wandelt. Der Westen der Innenstadt wird vollständig vom im englischen Stil angelegten Hofgarten eingenommen; der Verlauf des ehemaligen Stadtgrabens lässt sich am Holz- und Entengraben für den inneren sowie am Augraben für den äußeren Ring noch gut nachvollziehen.

Aktennummer: E-7-79-197-1

Ensemble Altstadt Oettingen mini|400px|Stadtansicht von Osten, Wörnitz Der historische Stadtraum der ehemaligen Residenzstadt Oettingen setzt sich zusammen aus Altstadt, Unterer, Mittlerer und Oberer Vorstadt und bildet innerhalb der weitläufigen Grabenbefestigungen des 18. Jahrhunderts ein Ensemble. Die Umgrenzung ist im Westen durch den Hofgarten, im Süden durch die Verlaufslinie des Augrabens, im Osten durch das Wörnitzufer im Abschnitt vom Krautgarten bis zur Kapelle St. Leonhard, im Norden durch die Bebauung der Mühlstraße gegeben. Oettingen, Gründungsstadt des 13. Jahrhunderts, ist eine spätmittelalterliche Plananlage mit der ehemaligen ganz ummauerten Altstadt und den ehemaligen befestigten Vorstädten.

Stadtbefestigung Eine bestehende Stadtbefestigung wird bereits 1294 erwähnt und wurde wohl Anfang des 16. Jahrhunderts im Wesentlichen fertiggestellt. Instandsetzungen erfolgten bis 1646/47. Von der ehemals vollständigen Befestigung der inneren Stadt mit drei Toren, Ringmauer, nassem Graben und Wall sind heute noch umfangreiche Reste der inneren Ummauerung erhalten, die jedoch meist überbaut sind. Diese befinden sich im Osten, Süden und Westen (nahezu vollständig), etwa bei der Ledergasse 22, 24 und 26, südlich des Zwingers entlang des Entengrabens und des Kupfergäßchens sowie beidseits des Königstores westlich der Schloss- und Ringstraße.

In der Nordwand des Neuen Schlosses sind die Mauerzüge zumeist überbaut und durch Gebäude verdeckt. Von den Stadttoren erhalten sind das Obere Tor oder Schlosstor (Schloßstraße 1), heute in das Neue Schloss einbezogen, das äußere Mittlere Tor (Zwinger 14), heute durch ein Bürgerhaus überbaut, sowie das stattliche Obere Tor oder Königstor (Königsstraße 1).

Eine umfangreiche Kürzung und teilweiser Abbruch der Stadtmauer erfolgte ab 1807; in der Folgezeit wurden die Gräben aufgefüllt und die Bereiche der östlichen und südlichen Stadtmauer in Obstgärten umgewandelt. Die Stadtbefestigung im Westen hat sich in weiten teilen erhalten. Nebst der fast vollständigen Stadtmauer sind dort auch noch weitere Befestigungen aus nassem Graben – Wall trockenem Graben erhalten.

Aktennummer: D-7-79-197-1

Reste der Stadtmauer im Bereich folgender Grundstücke enthalten bzw. in deren Bauten miteinbezogen (von Norden aus im Uhrzeigersinn): Ledergasse 26 (), 24, 22 (), 18 (), 14 () Zwinger 3 (), 17 () Teil der Umgrenzung vom Bereich des abgebrochenen Alten Schlosses () Klosterplatz 6 und westliches Nebengebäude () Kupfergäßchen 2 () Holzgraben 2 () Schloßstraße 34 () bis 2 ()

Baudenkmäler nach Gemeindeteilen Oettingen

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Heuberg

Lehmingen

Niederhofen

Nittingen

Siegenhofen

Ehemalige Baudenkmäler

Abgegangene Baudenkmäler

Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Oettingen in Bayern

Anmerkungen

Literatur Georg Lill (Hrsg.), Adam Horn (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Landkreis Donauwörth. In der Reihe: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Die Kunstdenkmäler von Schwaben. Band III. Landkreis Donauwörth. R. Oldenbourg Verlag, München 1951.

Markus Schäfer, Dr. Thomas Freller: Das Oettinger Witwenhaus – Eine Darstellung im Kontext des konfessionellen und sozialen Milieus einer Residenzstadt, 2025 Deutsche Nationalbibliothek, Bayerische Staatsbibliothek, Staatsbibliothek Bamberg

Weblinks

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Einzelnachweise

Oettingen