Der Niederrheinische Höhenzug ist ein Höhenzug, der sich mit mehreren Unterbrechungen in einem weiten Bogen zwischen dem Tal des Rheines im Osten und dem der Niers im Westen durch das Niederrheinische Tiefland von Krefeld bis nach Nijmegen zieht. Er wird, insbesondere in der naturräumlichen Gliederung Deutschlands auch Niederrheinische Höhen genannt, wobei die naturräumliche Einheit die südlichsten Erhebungen nicht mitrechnet. Der Höhenzug erhebt sich stellenweise bis auf mehr als Höhe über dem Meeresspiegel und damit mehr als 60 m über die umliegenden Niederterrassen des Ur-Rheines und wurde in der vorletzten Eiszeit, der Saale-Kaltzeit, durch die Eisränder der von Nordosten kommenden Gletscher geformt.

Geologischer Hintergrund Entstehung / Erdgeschichtliche Einordnung Der Niederrheinische Höhenzug entstand in der Endphase des Mittelpleistozäns auf dem Höhepunkt der Saale-Kaltzeit vor etwa 250.000 Jahren. In dieser Phase wurde, ausgehend von Skandinavien, ganz Nordeuropa von Inlandeis bedeckt. In mehreren Schüben (Stadialen) drang das Eis über Norddeutschland und das Nordseebecken nach Südwesten vor und erreichte in der Zeit der maximalen Ausbreitung, im Drenthe-Stadial, über die Westfälische Bucht auch die Niederrheinische Tiefebene und die Niederlande. Der südwestlichste Vorstoß reichte in den Niederlanden bis hinter Amersfoort (Gelderse Vallei, Gelderland) und wird daher auch Amersfoort-Stadium genannt.

Im Bereich des Niederrheines können für das Drenthe-Stadial zwei leicht versetzte Eisrandlagen (Staffeln) unterschieden werden: Das Stadium des maximalen Eisvorstoßes wird durch die Krefelder Staffel markiert (auch Neusser Staffel genannt, weil ihr südliches Ende in Neuss liegt). Etwas weiter östlich liegt die schwächer ausgebildete Kamper Staffel, benannt nach ihrem südlichen Ende, dem Kamper Berg bzw. dem darauf erbauten Kloster Kamp. Letztere wird auch Mintarder Staffel genannt, da das Eis in diesem Stadium bis Mintard in das Tal der Ruhr vordrang und dort eine deutlich ausgeprägte Stauchmoräne hinterließ. Unklar ist, ob die Kamper Staffel die jüngere oder die ältere ist, das heißt ob das Eis der Krefelder Staffel die Kamper Randlage überfuhr und teilweise überformte oder ob die Kamper Staffel hinter der Krefelder Staffel zurückblieb und später durch Schmelzwässer und den Rhein erodiert wurde.

Aufbau Mit seinen vor- und nachgelagerten Bereichen zeigt der Höhenzug in seiner Morphologie typische Merkmale der glazialen Serie. Der Niederrheinische Höhenzug ist charakterisiert durch eine relativ steile Kante an der Nord- und Ostseite und eine flacher abfallende Süd- und Westseite.

Die steile Nord-Ost-Seite ist eine typische Stauchendmoräne. Die von Norden und Osten vordringenden Eismassen der am Rand mehr als 100 Meter hohen Gletscher pressten durch ihr hohes Gewicht die gefrorenen oberen Schichten des Untergrundes (bestehend vor allem aus Sand-, Kies- und Schotterablagerungen des Rheinbettes) zusammen, schoben diese auf den gleitfähigen tieferen Schichten (bestehend aus Schluffen und Tonen) vor sich her und stauchten das Material an der Vorderkante zu einem Wall. Der Wall besteht daher überwiegend aus dem oberflächennahen Material der Mittelterrasse des Rheines mit eingelagerten Resten tiefergelegener pleistozäner und tertiärer Schichten. Im Stauchwall finden sich auch Reste von Geschiebemergel, größere Geschiebebrocken und einzelne Findlinge, die das von Skandinavien vordringende Inlandeis auf dem Weg aufnahm und bis dorthin transportierte.

Die flache Süd-West-Seite besteht hauptsächlich aus angelagerten Sanderterrassen und -kegeln mit Ablagerungen von Fließerde und äolischen Sedimenten, insbesondere Löss. Die Terrassen sind in südwestlicher Richtung an vielen Stellen von Rinnen und Mulden durchzogen, die in periglazialen Phasen der Saale- und Weichsel-Eiszeit durch das Abfließen von Schmelzwasser entstanden sind und die heute Trockentäler bilden.

Auf der Nord- und Ostseite des Stauchwalles, dort wo ehemals das Gletschereis lag, sind nur an wenigen Stellen die typischen Grundmoränen und Zungenbecken (Loben) der glazialen Serie erkennbar. Zumeist wurde dieser Bereich nach der Saale-Eiszeit, als sich der Ur-Rhein im Laufe der Wechsel von Warm- und Kaltzeiten nach Osten verlagerte, vom Rhein vollständig erodiert und durch jüngere Sedimente überlagert. An mehreren Stellen wurde der Stauchwall von Armen des verwilderten Rheines durchbrochen und abgetragen.

Naturräumliche Gliederung Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (vorläufige Karte 1:1.000.000 1954, 6. Lieferung 1959, Karte 1:1.000.000 1960) wurde der Hauptteil des Niederrheinischen Höhenzugs als eigenständige Haupteinheit 574 der Haupteinheitengruppe Niederrheinisches Tiefland (57) ausgewiesen. Diese wurde im Jahr 1977 im Einzelblatt 95/96 Kleve/Wesel in zwei Zusammenhangskomponenten untergliedert. Die größtenteils in den Niederlanden liegenden linksrheinischen Höhenzüge bekamen in diesem Blatt ebenfalls (und erstmals) den Rang einer Haupteinheit (579: Eltener Höhen).

Im Jahr 1963 war auf Blatt 108/109 Düsseldorf/Erkelenz der südliche Teil des Höhenzugs mit dem Schaephuyser Höhenzug gegliedert worden, der sich aber nach Handbuch und auch im Einzelblatt im Gebiet der Haupteinheit 573 Kempen-Aldekerker Platten (Niersplatten) befand, und der Schaephuyser Höhenzug erhielt die Nummer 573.5. Endmoränenreste südlich und südöstlich des Haupt-Höhenzugs bzw. der Bönninghardt und östlich der Kammlinie des Schaephuyser Höhenzugs wurden wiederum, genau wie der Hülser Berg als südlichste Fortsetzung des Schaephuyser Höhenzuges, auf beiden Blättern als Singularitäten der Teileinheit 575.01 Moerser Donkenland der Haupteinheit 575 Mittlere Niederrheinebene ausgewiesen.

Der Niederrheinische Höhenzug gliedert sich naturräumlich insgesamt wie folgt: (zu 57 Niederrheinisches Tiefland) 579 574 Niederrheinische Höhen, von Nordwest nach Südost: 574.6 Kranenburger Höhenrand 574.5 Reichswaldhöhen mit dem Klever Reichswald; in NL bis 99,8 m,Educatief GIS-Portaal (mit topographischer Karte 1:25.000 und zahlreichen historischen Karten) am Klever Berg 106,8 m 574.4 Pfalzdorfer Höhen, am Monreberg bis 72 m 574.40 Pfalzdorfer Löß-Plateau 574.41 Pfalzdorfer Höhenrand 574.3 Uedemer Bruch 575.2 Balberger Höhenrücken, im äußersten Süden, östlich des Aussichtsturms Dürsberg, bis 92,0 m 575.20 Balberger Sandlöß-Rücken 575.21 Balberger Höhenrand 574.1 Hees (eigene Zusammenhangskomponente), bis 76,1 m 574.0 Bönninghardt (eigene Zusammenhangskomponente), bis 59,7 m (zu 575 Mittlere Niederrheinebene) (zu 575.01 Moerser Donkenland) Kamper Berg (42 m) im W, und Niersenberg (41 m) im O Dachsberg (57 m) Eyller Berg (63 m) Rayener Berg (64 m) Gülixberg (44 m) (zu 573 Kempen-Aldekerker Platten) 573.5 Schaephuyser Höhenzug (bis 82 m) (zu 575 Mittlere Niederrheinebene) (zu 575.01 Moerser Donkenland) Hülser Berg (63,7 m)

Der rechtsrheinische Teil des Höhenzugs gliedert sich wie folgt: (zu 57 Niederrheinisches Tiefland) 579 Eltener Höhen (= Bergherbos), am Hettenheuvel 91,6 m, in D am Eltenberg bis 82,4 m 579.00 Eltener Strauchwall-Höhen 579.01 Eltener Höhenrand

Verlauf und Abschnitte mini|hochkant=2|Topografische Karte mit Beschriftung der Hauptabschnitte und angrenzenden größeren Ortschaften mini|hochkant|Der Aussichtsturm auf dem Klever Berg, der höchsten Erhebung des Niederrheinischen Höhenzuges () Der Niederrheinische Höhenzug lässt sich von Südosten nach Nordwesten in mehrere Hauptabschnitte unterteilen, die durch Einschnitte abgegrenzt sind, die bis auf die Niederterrasse des Rheines herabreichen:

Der Höhenzug (genauer gesagt die Neusser/Krefelder Staffel) ist schwach bereits etwa ab Neuss auszumachen. Im Bereich von Neuss über Meerbusch bis Krefeld wurde der Endmoränenwall aber durch den Rhein so weit erodiert, dass er heute nur noch stellenweise als flacher Geestrücken erkennbar ist.

Erstmals deutlicher in Erscheinung tritt der Höhenzug nördlich von Krefeld mit dem sehr markanten Hülser Berg (). Nördlich davon folgt ein Einschnitt, heute durchflossen vom Siebenhäuser Abzugsgraben. Im Bereich östlich des Hülser Berges wurde der Stauchwall durch überfahrendes Eis und durch den Rhein so stark erodiert, dass nur noch der Egelsberg () als relativ flacher Inselberg stehen blieb. Dieser ist aber nicht Teil der ursprünglichen Stauchendmoräne, sondern das Reststück einer am unteren Niederrhein verbreiterten fluvioglazialen Sanderterrasse, die infolge des flachen Reliefs und des nährstoffreichen Bodens überackert ist.

Den zweiten Hauptabschnitt bildet der Schaephuyser Höhenzug, der sich von Tönisberg westlich an Schaephuysen und Rheurdt vorbei bis zum Oermter Berg erstreckt. Höchster Berg hier ist der Saelhuyser Berg mit . Westlich des Schaephuyser Höhenzuges, der nach Osten steil abfällt, schließt sich die flache Aldekerker Platte an, ein Rest der Hauptterrasse. Die Schaephuyser Höhen enden im Norden an einem breiten Einschnitt zwischen Issum und Kamp-Lintfort, markiert durch den historischen Kanal Fossa Eugeniana. Durch diesen Einschnitt kreuzen heute mehrere kleine Fließgewässer den Höhenzug Richtung Westen (das heißt ins Einzugsgebiet von Niers und Maas), darunter die Nenneper und Issumer Fleuth.

Östlich des Schaephuyser Höhenzuges liegen, als südliches Ende der in diesem Bereich weitgehend erodierten Kamper/Mintarder Staffel, in einem weiten Bogen westlich um Kamp-Lintfort einige vereinzelte Inselberge, siehe unten. Höchster davon ist der Eyller Berg; er ist als Deponie von einst auf inzwischen angewachsen.

Nördlich des Fossa-Eugeniana-Einschnittes und in nordwestlicher Fortsetzung der Inselberge bei Kamp-Lintfort folgt als nächster Hauptabschnitt die flache, plateauartige Bönninghardt. Diese hat im Bereich des Höhenrandes einige markante Hochpunkte: In der südöstlichen Ecke, am Rand der Leucht, werden Höhen bis erreicht. Der höchste Punkt der Bönninghardt ist der Haagsche Berg ganz im Norden mit . Nördlich der Bönninghardt, bei Sonsbeck, wird der Niederrheinische Höhenzug durch einen weiteren flachen Einschnitt unterbrochen.

Den nächsten Hauptabschnitt bildet der Xantener Stauchwallbogen, der durch den Xantener Lobus geformt wurde. Dieser Bogen zieht sich im Uhrzeigersinn von Xanten, nördlich an Sonsbeck vorbei, zwischen Labbeck und Balberg hindurch, bis Marienbaum. Er beginnt im Osten, bei Xanten, mit der bis hohen Hees und dem Fürstenberg (). Westlich liegt ein flacher Einschnitt (NSG Grenzdyck mit Bach Hohe Ley), danach folgt im Süden des Bogens die nur sporadisch bewaldete „Sonsbecker Schweiz“, die östlich des Aussichtsturms Dürsberg eine Höhe von erreicht und den Südostteil des ansonsten deutlich stärker bewaldeten Balberger Höhenrückens bildet, der sich von Sonsbeck nach Norden bis Marienbaum zieht.

Der westliche Teil des Balberger oder Labbecker Höhenrückens besteht aus dem Tüschenwald (bis ) im Süden und dem Uedemer Hochwald (bis ) im Norden. Nach Westen hin wird der Xantener Bogen durch den Uedemer Bruch begrenzt.

Auf der anderen Seite des Uedemer Bruches setzt sich der Niederrheinische Höhenzug mit den Pfalzdorfer Höhen fort, die sich über die niederländische Grenze hinweg bis nach Nijmegen erstrecken. Diese plateauartige Hochebene wird auf deutschem Gebiet im Osten auch Gocher Heide, im mittleren Bereich Pfalzdorfer Lössplateau und im Westen Reichswald genannt. Markante Erhebungen liegen wiederum in Bereich des Höhenrandes, der insbesondere im Norden und Osten als Stauchwall ausgeprägt ist. Im Süden und Osten, von Goch über Uedem bis Kalkar, erstreckt sich der Pfalzdorfer Höhenrand, der im Osten Höhen bis erreicht. Die Hügelkette am Nordrand, zwischen Kalkar und Bedburg-Hau, wird Bedburg-Moyländer Höhenzug genannt.