Georg Israel, auch Georg Izrael (* um 1505 in Ungarisch Brod in Mähren; † 15. Juli 1588 in Leipnik in Mähren) geschrieben, war ein Bischof der Unität der Böhmischen Brüder. Ursprünglich war er Schmied. Im Tschechischen wird er meist Jiří Izrael oder Jiři Izrael, im Polnischen Jerzy Izrael, im Englischen George Izrael, latinisiert Georgius Israel genannt, bisweilen begegnet auch die Schreibweise Jiri Israel.
Leben Prediger in Turnau Georg Israels christlich gesinnte Eltern waren bereits Mitglieder der Böhmischen Brüder.
Den Nachnamen „Israel“ gab er sich um 1540 als biblische Anspielung.
Der erste Hinweis auf Georg Israels Wirken datiert auf das Jahr 1542, von seinem vorherigen Leben ist nichts bekannt. In diesem Jahr war er Prediger der Gemeinde in Turnau und besuchte als Teil einer Gesandtschaft mit dem Prediger Jan Augusta, Joachim Prostibor und anderen Martin Luther in Wittenberg, dessen Freundschaft die Böhmischen Brüder gesucht und gefunden hatten. Bei diesem Besuch handelte es sich offenbar um den letzten in einer Reihe. Luther verabschiedete sie vor zahlreichen Professoren der Universität Wittenberg, die Worte des Reformators sind wie folgt überliefert: „Seid ihr die Apostel des slawischen Stammes: Ich, mit den Meinigen, will der Apostel des deutschen Stammes sein.“
1547 endete der Schmalkaldische Krieg mit einem Sieg der Katholiken unter Karl V. Dies führte zur Zerschlagung von Israels Gemeinde im böhmischen Turnau.Lorenz Hein: Italienische Protestanten und ihr Einfluß auf die Reformation in Polen während der beiden Jahrzehnte vor dem Sandomirer Konsens 1570, Brill, Leiden 1974, ISBN 978-9-00403-893-6, S. 17
Haft in Prag und Flucht Die anderen Gemeindeglieder wanderten daraufhin nach Preußen aus, während Israel selbst für mehrere Wochen in Prag interniert war. Der Oberstburggraf Johann Popielius hatte ihn vor die Wahl gestellt, sich auf der Burg zu stellen, oder 1000 Dukaten Strafe zu zahlen. Bekannte rieten ihm, sich für die Geldzahlung zu entscheiden, Israel meinte aber, es sei ausreichend, dass er einmalig und vollständig durch Christi Blut erkauft sei, und nicht noch zusätzlich durch Menschengold freigekauft werden müsse. Stattdessen erbat er sich das Geld als Reisegeld für seine künftige Verbannung und bat darum, man möge darum beten, dass er alle Misshandlungen um Christi willen ertrage. Israel stellte sich also am festgesetzten Tag, bekannte sich zum Glauben der Böhmischen Brüder und wurde am 30. Mai 1548 inhaftiert. Jan Augusta und Jakob Bilek waren kurz zuvor noch im selben Gefängnis interniert, zwischenzeitlich aber verlegt worden.
Nach einigen Wochen sah Israel eine Möglichkeit zur Flucht und fragte den Ältesten der Unität, Matthias Sionius, schriftlich nach seiner Meinung dazu. Als dieser zugestimmt hatte, gelang Israel am 23. Juli 1548 die Flucht: am helllichten Tage passierte er als Schreiber verkleidet, mit einer Feder hinter dem Ohr und Papier und Tintenfass in der Hand, die Wachen. Im Gefängnis hatte er einen Brief an den Burggrafen und eine Abschrift der Konfession der Brüder-Unität von 1535 zurückgelassen.
Israel ging noch 1548 auf Anordnung der Ältesten ebenfalls nach Preußen.
In Posen und Umgebung Graf Andreas von Gorka, Castellan von Posen und Generalstatthalter von Großpolen, lud die Flüchtlinge der Unität in die von ihm geerbten Städte Posen, Curnic, Koschmin und Samotulien ein. Etwa am 25. Juni 1548 erreichte ein Treck von 900 Böhmischen Brüdern auf 120 Wagen diese Region, um sich dort anzusiedeln. Am 16. August erreichte auch Georg Israel gemeinsam mit Matthias Sionius und einem weiteren Mann die Gegend. Die Gottesdienste der Unität wurden auch von anderen Einwohnern Posens besucht, die teilweise zu ihrem Glauben konvertierten.
Am 24. August 1548 mussten die Böhmischen Brüder die Gegend von Posen auf Befehl König Sigismund II. August wieder verlassen. Den Befehl hatte der Bischof von Posen, Benedikt II. Idzbienski, erwirkt.
In Thorn Die Brüder gingen nun nach Thorn, wo die Gottesdienste weiter in Privatwohnungen abgehalten wurden. Auch hier konvertierten viele zum evangelischen Glauben, nicht nur Thorner Bürger, sondern auch Posener, welche die Thorner Messe besuchten und an den Gottesdiensten der Böhmischen Brüder teilnahmen.
Im Dezember 1548 musste die Unität auf ein königliches Edikt hin auch Thorn verlassen, allerdings wurde ein Prediger der Böhmischen Brüder zurückgelassen. Noch bevor dieser Exodus begann, wurde Georg Israel vom römisch-katholischen Priester Samuel Macziejovius, dem Kanzler des Bischofs von Krakau, wegen der Frage der Apostolischen Sukzession attackiert. Er warf Israel vor, sein Predigtamt in diesem Sinne nicht rechtmäßig erworben zu haben. Israel konterte damit, dass die Nachfolge in der richtigen Lehre und in den biblischen Anweisungen zum Predigtamt bestünde.
Im Herzogtum Preußen Im selben Monat erreichten die Brüder den Teil Preußens, der Herzog Albrecht unterstand.
Der Herzog ließ die Lehre der Böhmischen Brüder am 27. und 28. Dezember 1548 in Königsberg durch die dort ansässigen Theologen Petrus, Melchior Isinder, Friedrich Staphylus, Johann Funck und Johann Tacelius, den herzoglichen Hofprediger, prüfen. Zur Prüfung mussten Vertreter der Unität, nämlich Georg Israel, Johann Szerni, Matthäus Stregicius, Urban Hermon, Matthias Czervenka, Johann Girk, Adam Szturm und Nicolaus Bitessius, ihr Bekenntnis mündlich ablegen. Als Ergebnis wurde die wesentliche Übereinstimmung des Bekenntnisses der Böhmischen Brüder mit der Confessio Augustana festgestellt.
Am Sonntag, dem 13. Januar 1549 wurden die Flüchtlinge der Böhmischen Brüder feierlich in die Kirche von Marienwerder eingeführt.
Ein Reskript vom 29. März 1549 integrierte sie in die lutherische Kirche, verpflichtete sie auf die Confessio Augustana und verbot Sezessionsbestrebungen und die Verwendung des eigenen Bekenntnisses von 1538.
Reiseprediger Im Herbst 1550 wurden Georg Israel und Matthias Czervenka vom Ältesten Sionius über Großpolen nach Mähren entsandt.
1551 bat die neue Gemeinde der Böhmischen Brüder in Posen Sionius, der im preußischen Gilgenburg ansässig war, in zwei Briefen um einen guten Prediger und Lehrer. Daraufhin wurde beschlossen, Georg Israel öfter nach Posen reisen zu lassen. Gründe dafür waren sein kräftiger Körper, seine guten Polnischkenntnisse und seine Ortskenntnis.
Israel gehörte zu den Übersetzern und Dichtern von Kirchenliedern, die sich um den polnischsprachigen Gemeindegesang der Böhmischen Brüder verdient machten.
Psalmbetend über Eisschollen An Laetare 1551, also am 8. März, erreichte er Thorn. Aus Furcht vor einer Überschwemmung hatte der Magistrat die Brücke über die Weichsel abgetragen, so dass Israel über das vergleichsweise dünne Eis den hier sehr breiten Fluss überqueren musste.
Eine oft zitierte Begebenheit ereignete sich am nächsten Tag:
Israel wollte überprüfen, ob das Eis sich per Pferd überqueren ließe. Er verließ also die Stadt und ging über das bereits begangene und scheinbar selbst für einen Wagen ausreichend stabile Eis zu Fuß bis zu einer Insel, die zwei Flussarme voneinander trennte. Das Eis auf dem anderen Flussarm wies zwar einige Löcher, aber keine Risse auf. Als er die Insel in Richtung Thorn wieder verließ, brach das Eis unter dem Wasserdruck des durch Hochwasser anschwellenden Flusses in Stücke und Israel wurde auf einer Eisscholle abgetrieben. Psalm 148 (siehe ) zitierend ging er von Scholle zu Scholle. Bürgermeister Hoffmann, der mit einer großen Anzahl Thorner Bürger am Ufer stand, gebot den Leuten, zu schweigen, um Israel nicht zu verwirren. Als er sich dem Ufer näherte, riefen sie aber: „Zu uns, zu uns!“ Mit der letzten Scholle wurde er an der Ziegelhütte beim Garten des Bürgers Prussius angetrieben und konnte sich an das Ufer retten. Die Anwesenden beglückwünschten ihn für den göttlichen Beistand, den sie hier, wie sie sagten, am Werke sahen, zwei von ihnen folgten ihm in seine Herberge. Einer von diesen äußerte, er wolle diese Begebenheit sofort niederschreiben, um sie nicht zu vergessen, da er noch nicht erlebt habe, dass jemand in dieser Stadt aus einer solchen Gefahr errettet worden sei. Dieser Augenzeugenbericht wurde von Adam Mengerscius in seine Historia Ecclesiastica Slavonicarum Provinciarum übernommen, die er unter dem Pseudonym Regenvolscius schrieb.
(Einige Versionen dieser Geschichte, die beispielsweise im Internet kursieren, titulieren den evangelischen Geistlichen, wohl aufgrund seines Namens, irrtümlich als jüdischen RabbiKlagelieder 3,57 auf ERF.de; der Originalzusammenhang ist unter anderem in dem unter „Quellen“ angegebenen Buch von Lochner nachzulesen.)
Später beglückwünschte Georg Israel auch der Bürgermeister. Abschließend dankte Israel in einer Predigt Gott öffentlich für seine Rettung.
Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis in Prag war dies das zweite Mal, dass Israel aus unmittelbarer Todesgefahr gerettet wurde. Er fühlte sich in seinem Auftrag als „Apostel der Polen“, wie er auch genannt wurde, bestätigt. Seine evangelischen Glaubensgeschwister deuteten die Begebenheit damals als Zeichen für die „wahre Kirche“, die Gott aus zeitlicher Not an das Ufer der Ewigkeit rettet.
Reisen nach Polen Einige Tage später senkte sich der Wasserspiegel der Weichsel, und Israel konnte seine Reise nach Posen fortsetzen. Dort herrschte ebenfalls Hochwasser, diesmal von der Warthe ausgehend. Georg Israel fuhr mit einem Kahn in die Stadt und konnte den Torbogen dabei mit der Hand berühren. Auch der Marktplatz war überflutet, das Wasser reichte den Pferden bis über den Rücken. Seine erste Predigt in Posen hielt Israel am Mittwoch nach Judica heimlich vor wenigen handverlesenen Zuhörern im Haus des Andreas Lipczynius. Die Zuhörer informierten über Boten Catharina Ostroróg, eine ältere unverheiratete Frau und Schwester der Grafen Stanisław und Jakub Ostroróg, über Israels Anwesenheit.
Sie reiste am nächsten Tag aus Pamiantkov an, nahm am Folgetag am Gottesdienst teil und sprach mit Israel über religiöse Themen. Auch eine andere Schwester der genannten Grafen nahm mit ihrem Mann Lucas Jancov an den Gottesdiensten teil. Jancov lud Georg Israel in das einige Meilen entfernte Landgut Psarsikie ein.
Am Gründonnerstag nahm Israel dort das Ehepaar und den Diener Martin Kadzinius in die Gemeinde der Böhmischen Brüder auf und feierte mit ihnen das Abendmahl.
Am Karfreitag bekannte sich auch Catharina Ostroróg mit zwei ihrer Dienerinnen in Pamiantkov zur Lehre der Unität und empfing etwas später in Posen erstmals das evangelische Abendmahl. Sie gab diesen Glauben an ihre Freundin Anna Cansinovia da Kunovo weiter, die in Samotulien bereits heimlich am evangelischen Abendmahlssakrament teilgenommen hatte. Auf diese Weise entstand in Posen und Umgebung eine neue Gemeinde der Böhmischen Brüder.
Israel kehrte nach Preußen zurück und berichtete dem bettlägerigen Sionius, der am 16. April 1551 starb, über seine reformatorischen Erfolge.
Zur Zeit des Posener Jahrmarktes unternahm Israel eine weitere Reise nach Posen, begleitet von dem deutschen Prediger Johann Coritanus. Von Posen aus reiste er mehrmals nach Psarskie und insbesondere nach Pamiantkov. Dort hörten Anna Cansinovia, deren Schwester, die unverheiratete Hedwig von Sokolnik, Wolfgang Bucovecius und seine Frau sowie die unverheiratete Barbara Jascolec seine Predigten. Sie traten der Gemeinde bei und wurden nach den entsprechenden Unterweisungen zum evangelischen Abendmahl zugelassen. Um den 25. Juli 1551 herum kehrte Jakub Ostroróg von Krakau nach Ostroróg zurück. Er wurde begleitet von Felix Cruciger, der einige Jahre vorher in Ostroróg gepredigt hatte, bevor die Familie zum evangelischen Glauben konvertierte. Gegen Ende des Sommers machten sich Israel und Cruciger miteinander bekannt.